Produktvergleiche
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21.05.2012 12:00Hilfe für Notgebiete
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16.05.2012 12:00„Zahngesunde Schultüten“ – Verlosungsaktion der Zahnärztekammer Niedersachsen
15.05.2012 15:00Zuspruch für Fachdental Leipzig hält an
10.05.2012 12:00Christian Berger neuer Landesvorsitzender des FVDZ Bayern
13. Prothetik-Symposium, Berlin
Patientennavigation – Wege zum Erfolg
DruckenBei der Begrüßung der über 450 Teilnehmer dieser mittlerweile vom dentalen Berlin nicht mehr wegzudenkenden Veranstaltung erklärten die Organisatoren von Merz Dental/Quintessenz gleich, sie seien nicht abergläubisch und hofften auch beim 13. Symposium auf gutes Gelingen – und sie behielten recht. Nur den IT-Technikern des Pullman-Hotels mag die Zahl 13 noch ärgerlich nachgeklungen haben – jedenfalls bekam deren Ur-Angst vor Mac-Präsentationen wieder Bestätigung. Aber passend zum Motto des Tages navigierten sie schließlich doch alle Dateien zum nachhaltigen Erfolg. Und als dessen Grundlage erwies sich wieder einmal die Zusammenstellung des Programms. Die vormittäglichen Beiträge hatten eines gemeinsam: Ihr etwas anderer Blick auf vermeintlich Alltägliches ergab bemerkenswerte Einsichten!

ZTM Frank Poerschke (Bad Ems) machte den Anfang und lenkte unseren Blick auf den feinen Unterschied zwischen Werbung und Marketing. Diese Begriffe sind entgegen landläufiger Meinung eben keine Synonyma. Er berichtete von einer Studie, nach der 70 Prozent der Deutschen unter zahnärztlicher Beratung zuallererst die Offerte von Einsparmöglichkeiten verstehen. Das fördern die Krankenkassen und das kennt man ja auch aus der Werbung, sei es für Elektronik-Schnäppchen oder für Null-Euro-Zahnersatz. Die gute Nachricht dieser Studie ist: Wer echtes Marketing betreiben und seine Kunden/Patienten primär über technische und medizinische Aspekte beraten will, dem steht eine echte Marktlücke offen: 40 Prozent der Praxiswechsler gaben als wichtigsten Unzufriedenheitsgrund an, eine fachliche Beratung zu vermissen. Auf das Erkennen und Besetzen solch offensichtlicher Marktlücken werden aber weder Zahnärzte noch Zahntechniker während ihrer Ausbildung vorbereitet. Ganz zu schweigen von der Abstimmung der Marketingstrategien zwischen Praxis und Labor. Deshalb ließ der Redner Worten auch Taten folgen und brachte ein „Fotoalbum“ zum Algorithmus der Totalprothesenherstellung heraus, mit dessen Hilfe dem preisbewussten Kunden der Aufwand und die verschiedenen Wege zum Zahnersatz sehr gut verdeutlicht werden können. Das war eine Steilvorlage für ZTM Rainer Struck (Berlin), der sich bemerkenswert gut im gesundheitspolitischen Gesetzes-Dschungel auskennt und dem staunenden (hier nicht als Floskel gemeint!) Publikum wirklich Erstaunliches präsentierte. Beispielsweise hat die GKV allein in Berlin innerhalb von fünf Jahren 300 Millionen Euro bei der Zahntechnik gespart. Er berichtete von Arbeitszeitstudien des VDZI, aus denen sich mitunter groteske Widersprüche zwischen den Ideen der Bürokraten und dem Leben ergäben. So ist beispielsweise nach einem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses die Anfertigung von Bissschablonen pro Totalprothesenfall nur 0,88-mal vorgesehen. So wäre sicher „schnell mal ein 28“ zu machen, aber kaum eine ausreichende Patientenzufriedenheit erreichbar. Erst recht nicht bei den 12 Prozent, deren Kieferrelation qua Gesetz ohne Schablonen zu bestimmen sei. Wer eine vernünftige Wertschöpfung bei vernünftiger Qualität wolle, müsse seine GKV-Patienten aufklären, dass es eine Lücke zwischen Festzuschuss und Echtkosten gebe, die bezahlt werden muss.
Den Blick schulen für horizontale und vertikale „Erhebungen“
Auch die dritte Referentin, die wenige Tage zuvor zur Apl-Professorin ernannte Dr. Ina Nitschke (Leipzig/Zürich/Berlin) forderte vom Auditorium einen speziellen Blick, und zwar den durch die Augen der Senioren. Auch für diese Patienten ist jeder Zahnarztbesuch mit speziellen Ängsten verbunden, wenn auch weniger vor schmerzhaften Eingriffen. Die Statistik bestätigt die Sturzangst der alten Menschen: 30 Prozent der über 65-jährigen und sogar 40 Prozent der über 80-jährigen stürzen einmal im Jahr. Jeder weiß, was so ein Sturz in diesem Alter bedeuten kann und so war es ein beklemmender Gang, auf den uns die Referentin mit ihren Bildern schickte: kaum sichtbare Stufen, Treppen ganz ohne oder mit falsch angebrachtem Geländer, wetterbedingte Zusatzstolperstellen überall. Auch die allseits so beliebten Kinder- Spielecken können gefährlich sein, wenn das aus ihnen stammende Spielzeug zu unverhofften Hindernissen wird. Nitschke gab viele Hinweise zur seniorengerechten Sprechstunde, wozu – warum nur kommt man nicht von selbst auf diese Idee? – auch ein kleines Angebot von Lesebrillen gehören sollte. Mit einem bekanntermaßen heiklen Schritt der Totalprothetik befassten sich Zahnarzt Gert Fecht (Uplengen-Remels) und ZTM Michael Zimmermann
(Wilnsdorf-Anzhausen) in der gemeinsamen Präsentation „Wie hoch soll sie denn sein?“ (die Vertikaldimension). Ihnen ging es in erster Linie darum, den Blick der Kollegen auf die verminderte Adaptationsfähigkeit der langjährigen Prothesenträger zu lenken. Was sich über ein Jahrzehnt gesenkt hat, kann unmöglich in einem Moment wiederhergestellt werden! Sie folgen eisern der Regel, zunächst von der vorgefundenen Bisshöhe ausgehend die Frage zu stellen, „was soll sich ändern?“ und diese Änderung dann ähnlich wie beim Bezahnten zunächst reversibel mit einer Schiene auf der Prothese zu testen.
Licht und Schatten in der Totalprothetik
ZTM Ingo Becker (Bremen) befaßte sich unter dem Titel „Okklusale Funktion in der Zahntechnik“ mit totalprothetischen Dogmen und Konzeptionen. Er gab
zunächst einen Überblick über die jeweiligen Lehrmeinungen der „totalprothetischen Lichtgestalten“ von Gysi und Gerber über das Duo Ramfjord & Ash bis zu Gutowski und Slavicek und warf dann gleich mehrere dieser Konzepte über Bord, indem er seine Präferenz der Eckzahnführung erkennen ließ. Er nahm sich dann konzeptionell unterschiedliche Prothesen- Molaren vor, zeigte deren dynamisches Okklusionsmuster im Querschnitt und wies auf das „okklusale Gefangensein“ bei „physiologisch/anatomischen“ Zähnen hin. Dass man auf diesem Gebiet heute noch Konzepte aus dem Jahr 1914 nutze, wäre in anderen Branchen undenkbar. Er beklagte die viel zu lange Zeitspanne, die für das Ankommen der Theorie in der Praxis verstreiche. Damit hat er, und hier erlaubt sich der Berichterstatter einen eigenen Einwurf, zunächst grundsätzlich recht! Aber es zeigte sich hier auch, wie wichtig gemeinsame zahntechnische und -ärztliche Fortbildung (und damit ein solches Symposium) ist: Sie fördert den Blick über den jeweiligen Tellerrand hinaus. In diesem Falle wäre ein Blick auf das klinische Schicksal der im Labor so ausgetüftelten Prothesenokklusion spannend. Würde man die nach der Adaptationsphase mit Druckstellenbeseitigung, Einschleifen und evtuell auch Remontage erfolgreich benutzten Prothesen zurück in den Artikulator geben, käme vermutlich heraus, dass zwischen Patientenzufriedenheit und Prothesenzahnform kein direkter Zusammenhang bestünde.
Defektprothetik:
mutig, kreativ und kompetent
Privatdozentin Dr. Eva-Maria Engel (Universität Tübingen) lenkte den Blick auf ein gern verdrängtes und fachübergreifendes Gebiet der Zahnersatzkunde, die Defektprothetik. Es war begeisternd zu sehen und zu hören, wie sie im Team mit MKG-Chirurgen einem standardisierten Therapiealgorithmus folgt und dabei doch gleichzeitig hoch individuell vorgeht. Sie wies auf die schwersten prothetischen Probleme dieser Patienten mit zumeist tumorbedingten Defekten hin: fast immer zu wenig Platz in der Vertikalen und fast immer eine schwer bestimmbare Relation. Viele dieser Fälle sind nur mit Implantaten prothesenfähig, was sofort die Frage nach deren Erfolgsquote insbesondere im bestrahlten Knochen aufwarf. Die ist nur 5 bis 10 Prozent niedriger als im unbestrahlten und sollte deshalb ausgenutzt werden, wo immer möglich. Dagegen müssen kompromittierte Weichgewebe weitgehend entlastet werden, muss Zahnersatz also – soweit nicht festsitzend anzufertigen – so starr wie nur möglich gelagert werden. Auch wenn die Referentin keine wissenschaftlichen Studien sondern „nur“ viele Kasuistiken präsentierte, gebührt ihr der virtuelle Tagungsbestpreis für einen perfekten Vortrag und eine perfekt bestandene Diskussion! Man wünscht jeder Großstadt auch „extra muros“ eine derart resolute, kreative und kompetente Defektprothetikerin! Der Berichterstatter kann seine Begeisterung nicht verhehlen.
Mut zur Kontroverse
Die Veranstalter bewiesen mit der Auswahl des darauf folgenden Themas „Kinesiologisches Testen“ ihren Mut zur Kontroverse. Dr. Peter Pokatis, praktischer Arzt und „human neuro cybrainetics“-Therapeut aus Lütjenburg, beschäftigt sich bevorzugt mit sogenannten Alternativverfahren. Dass der Vortrag (selbstverständlich nach Einwilligung der Beteiligten) mitgefilmt wurde, wies schon auf dessen „Show“-Charakter hin. Und insofern war es wirklich eine perfekte Vorstellung: Die drei auf die Bühne geholten Probanden zeigten im „Muskeltest“ die erwarteten Reaktionen: Beim „Ja“ des Testers blieben ihre ausgestreckten Arme standhaft, beim „Nein“ ging es abwärts. Der Referent bewies mit weiteren Vorführungen seine bewundernswerte (und in der „Schulmedizin“ so oft schmerzlich vermisste) Suggestionsfähigkeit: Sogar das Aufsagen „schrecklicher“ und noch dazu unbekannter (!) Wörter wie „Hyperthyreose“ bewirkte prompt eine Muskelschwäche – und die entsprechende Diagnose. Offen blieb, ob der Muskeltest auch dann noch eine (Zitat) „ganz sichere Aussage“ gäbe, wenn der Patient beispielsweise nur sächsisch, schwäbisch oder gar türkisch verstünde, ob also das individuelle „Regulationssystem“ jedes Menschen auch fremde Dialekte oder Sprachen speichern und energetisch übersetzen kann. In der Diskussion zeigte sich eine ungefähre Zweiteilung des Auditoriums. Ein Teil bewies, wie einfach ein doch wissenschaftlich gebildetes Publikum von demonstrativer Unwissenschaftlichkeit begeistert werden kann. Der andere Teil applaudierte einer durchaus polemisch vorgetragenen Frage, ob der Kollege ähnlich wie Zahnärzte eine Gewährleistung für seine „ganz sicheren“ Testergebnisse geben müsse. Leider, und das ist nun mal der Nachteil aller Symposien dieser Größenordnung, war der zeitliche Rahmen zu klein und der räumliche zu groß, um eine tiefgründige Diskussion führen zu können. Die wurde während der späteren Kaffee-Pause heftig und in Kleingruppen nachgeholt und brachte dem Nachmittag einen durchaus erfrischenden Schwung! Bei der Gelegenheit konnte der Berichterstatter mit nunmehr geschärftem Auge feststellen, dass zumindest Koffein-Allergien sehr selten sind: Bei keinem der Teilnehmer schwächelte die Armmuskulatur unter dem Einfluss der dampfenden Kaffe- oder Teetassen.
Klinische Untersuchungen und Resultate
Dr. Karin Naumann (Suhl) stellte die Ergebnisse ihrer Dissertationsarbeit zum Einfluss dreier Prothesenherstellungsverfahren auf den Polymerisationsschrumpf des Basiskunststoffs vor: Sie nutzte das Gießsystem PremEcoLine von Merz, das Injektionsverfahren Palajet von Heraeus Kulzer und das immer noch weiter als gedacht verbreitete „gute alte“ Stopf-Press-Verfahren mit einem nicht näher spezifizierten Kaltpolymerisat. Zur Vermessung der Modelle und daraus entstandenen Prothesen nutzte sie ein Laser-gestütztes dreidimensionales System. Das Injektionsverfahren erwies sich als (statistisch signifikant) beste Methode, zwischen Stopf-Press und Gießsystem traten nur unwesentliche Unterschiede auf. Außerdem wurde bewertet, ob fabrikneue gegenüber abgenutzten Küvetten einen Vorteil ergäben, ob also die Passgenauigkeit der jeweiligen Führungsflächen einen Einfluss haben könnte. Die gute Nachricht für die anwesenden Techniker war: gebrauchte Küvetten liefern gleich gute Ergebnisse. OA Dr. Thomas Klinke (Greifswald) stellte erste Ergebnisse seiner jüngsten klinischen Untersuchung eines neuen Abrasionszahnes vor, der für das lingualisierte Okklusionskonzept gedacht ist. Zunächst fanden die Greifswalder Studenten einen spürbar geringeren Zeitaufwand für Reokklusion und Einschleifen der Dynamik. Dazu kam auch eine
gute Akzeptanz bei den Patienten anlässlich der ersten Nachuntersuchung. Selbstverständlich wird es weitere follow-ups und deshalb demnächst auch noch aussagekräftigere Resultate geben.
Wissenswertes aus Labor und Praxis
Dr. Herwig Holtz (Friedrichsdorf), als Feinmechaniker, Zahnarzt, BGA-Sachverständiger, Industriefotograf und Prothetik-Gutachter ein wahrer Allrounder, gab aus seiner eigenen 35-jährigen Berufserfahrung heraus eine Lehrstunde in Sachen Praxiserfolg. Er warnte vor den Hochglanzbroschüren der Finanzexperten, die doch gerade bewiesen hätten, auf welch wackeligen Füßen ihr Expertentum basierte. ZTM Haristos Girinis (Nagold) löste mit seinen eingangs gezeigten „Bildern aus dem Leben“ ein deutliches Raunen im Rund aus: massive Attritionen auf Teilprothesen nach einer nur durchschnittlichen Tragedauer. Dies, und hier wiederholt sich der Berichterstatter gern, zeugt von der Wichtigkeit solcher gemischter Weiterbildungen: Zahntechnikern fehlt naturgemäß oft die Vorstellung, was Patienten mit ihrem so mühevoll hergestellten Zahnersatz alles anstellen. Auch die Bilder seiner eigenen, wirklich kaum von der Natur zu unterscheidenden Arbeiten erzeugten Emotionen im Publikum. Diesmal aber, so schien es, mehr auf Seiten der Zahnärzte. Girinis demonstrierte überzeugend, was heutzutage alles geht: Vermeintlich gut durchbluteter Basiskunststoff, Keramikzähne mit einem Hauch (nicht behandlungsbedürftiger) stationärer Karies und komplett unsichtbare Metallverstärkung. „Natürlich ist, was naturidentisch wirkt!“ – so sein Credo. Man kann das all den Kollegen gar nicht oft genug sagen, die ihre alten und
zahnlosen Patienten routinemäßig mit Prothesen versorgen, die schöner und weißer als jedes natürliche Gebiss eines 20-jährigen sind und deren Gingivapapillen bis zur Schneidekante reichen. Ein Problem darf freilich nicht verschwiegen werden: Patienten mit Hybridprothesen nach Girinis könnte passieren, dass ein neuer Zahnarzt die Taschentiefen sondieren und Zahnhalsläsionen fluoridieren möchte.
Ausblicke 2010
Und last but not least sei auch das Moderatorenteam noch der Kritik unterzogen: Eine gute Figur machten beide allein schon durch die Wahl der gleichen und selbstverständlich handgebundenen Schleife (vulgo: Fliege). Aber auch jenseits der Äußerlichkeiten ergänzten sie sich perfekt bei Diskussionsführung und Einhaltung des Zeitplanes: Der nie um einen kessen Spruch verlegene ZT Martin Hauck (Merz Dental) und der mit ruhiger Ausstrahlung auch aufgeregte Vortragende sedierende Dr. Thomas Klinke (Universität Greifswald). Deren Einladung, auch 2010 den Advent in Berlin zu beginnen, darf weiterempfohlen werden! Zumal dem treuen Merz-Quintessenz-Publikum dann eine weitere Verbesserung geboten wird: Aus gut informierten Kreisen war zu erfahren, dass am 27. November (jetzt schon vormerken!) für die Diskussion doppelt so viele Saalmikrofone zur Verfügung stehen werden. Wir dürfen auf das Programm gespannt sein.
Dr. Felix Blankenstein
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ZAHNTECH MAG 14, 1/2, 48 – 51 (2010)








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