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Langzeiterfolge mit minimalinvasiven Techniken

Drucken aktualisiert am 23.05.2011

Die Entwicklungen restaurativer Materialien in den letzten Jahren haben einen Paradigmenwechsel in den Therapiekonzepten erforderlich gemacht. Minimalinvasive Techniken und die CAD/CAM-Fertigung von Restaurationen stehen in Praxis und Labor immer mehr im Vordergrund. Dadurch stellen sich den Zahnärzten und Zahntechnikern viele Fragen zur korrekten Verarbeitung neuer Materialien. Dieses Thema durch eine große Anzahl von Spezialisten umfassend zu beleuchten war das Ziel des 4. Zahngipfel in Kempten im Allgäu.

Das Kornhaus in Kempten.
Das Kornhaus in Kempten.


Die beiden Chairmen Prof. Dr. Daniel Edelhoff und Dr. Urs Brodbeck begrüßten über 360 Teilnehmer, die sich das umfangreiche und interessante Fortbildungsprogramm anhörten. Im ersten Vortrag des Tages stellte Prof. Dr. Bernd Wöstmann die klassische Prozesskette bei Fertigung einer prothetischen Rekonstruktion der CAD/CAM Fertigung gegenüber. Klassische Fehlerquellen liegen in der Abformung mit elastischen Materialien sowie der Modellherstellung aus Gips. Diese Fehlerquellen können neue Intraoralscansysteme vermeiden. Der Referent erläuterte die Technik der am Markt verfügbaren Systeme und stellte heraus, dass die Genauigkeit solcher Systeme mit der bei klassischer Abformung vergleichbar ist. Dipl. Ing. Harald Krause zeigte in seinem Beitrag die komplette digitale Fertigung einer Brücke von 13 auf 23 einschließlich der funktionellen Gestaltung im virtuellen Artikulator, der alle Einstellungen und Bewegungen zulässt wie ein mechanisches Gerät.

Die Entwicklung von Keramiken

Die Herstellung vollanatomischer Restaurationen aus Zirkonoxid als kostengünstige, ästhetische Alternative zu NEM-Versorgungen erläuterte Dr. Jörg Reinshagen. Anhand von Studien zeigte er, dass die Biegefestigkeit des Materials auch nach Alterungssimulationen ausgesprochen gut ist, die Bruchfestigkeit deutlich höher liegt als bei Verblendkeramiken und die Abrasion am Schmelz des Antagonisten geringer ist als bei NEM.

Anschließend ging ZTM Hubert Schenk auf die optischen Eigenschaften verschiedener Keramiken ein und erläuterte deren Einfluss auf die Ästhetik von Restaurationen. Sein Fazit: Verblendete Zirkongerüste bieten beste ästhetische Lösungen. Die Fortschritte in den Materialeigenschaften von Keramikblöcken zur CAD/CAM-Verarbeitung sowie die Entwicklung in Optik und Ästhetik stellte Dr. Enno Bojemüller in seinem Beitrag vor. Die Möglichkeiten, hochästhetische Ergebnisse zu erzielen, stellte er anhand einer Sinterbrücke vor, deren Gerüst aus Zirkonoxid und die Verblendung aus Lithiumdisilikat Keramik gefräst wurde. Als Ausblick auf die weitere Entwicklung von Keramiken nannte er das Double Network Hybrid – ein poröses keramisches Material, dessen Porositäten mit PMMA gefüllt sind. Die Eigenschaften eines solchen Materials könnten eine Abrasion ähnlich des natürlichen Schmelzes sein und eine Elastizität ähnlich wie Dentin.

Die Kunst nicht künstlich zu wirken

Anhand einiger Patientenfälle zeigte Dr. Peter Gehrke die deutlich bessere Ästhetik von Abutments aus Zirkonoxid gegenüber solchen aus Titan auf. Diese können sowohl individuell gefräste vollkeramische Abutments sein wie auch Hybridabutments, bei denen auf eine Titanbasis ein Zirkonabutment aufgeklebt wird. Neben den ästhetischen Eigenschaften zeichnet sich Zirkonoxid auch durch deutlich geringere Bakterienbesiedlung als bei Titan aus. Anhand zahlreicher Fallbeispiele zeigte ZTM Michael Brüsch wie mit geschichteten Veneers aus Keramik hochästhetische Ergebnisse im Frontzahnbereich erzielt werden können – meist minimalinvasiv.

Dem Thema Keramikimplantate widmete sich der Vortrag von Dr. Jochen Mellinghoff. Er zitierte klinische Studien und stellte fest, dass noch relativ wenige Daten über den Einsatz dieses Implantattyps vorliegen. Aufgrund der Materialeigenschaften zeigen Keramikimplantate ein gutes Weichgewebsverhalten, zeigen jedoch Risiken in der Einheilphase und bei der Primärstabilität. Der Referent gab Tipps zur Insertion und zum Implantatschutz während der Einheilphase, stellte jedoch heraus, dass Keramikimplantate für den allgemeinen implantologischen Gebrauch noch nicht geeignet sind.

Dem Thema Chipping widmete sich Jürgen Steidl anhand verschiedener Studien. Er konnte zeigen, dass leuzitbasierte Verblendkeramiken ein geringeres Chippingrisiko aufweisen als rein glasbasierte, so dass Chipping bei der Verwendung der richtigen Verblendkeramik heute kein Thema mehr darstellen muss. Anhand gut dokumentierter Patientenfälle zeigte ZTM Christian Hannker, wie ästhetische Versorgungen mit CAD/CAM-Fertigung erzielt werden können. Er unterstützt den Behandler durch umfassende Kommunikation, deren wesentliches Element Photostaten und Portraits der Patienten sind. Die rasante Entwicklung zahnärztlicher Materialien von 1979 bis 2009 zeigte Prof. Dr. Edelhoff auf. Anhand eines Patienten mit Dentinogenesis imperfecta konnte er zeigen, wie mittels CAD/CAM-gefertigter Provisorien aus PMMA- Blanks hoher Güte ein kompletter Neuaufbau der Gebisssituation möglich ist. Das gleiche Vorgehen zeigte der Referent an einem Patienten mit starkem Abrasionsgebiss, das ebenfalls mittels CAD/CAM-gefertigter Provisorien und adhäsiver Befestigung neu aufgebaut wurde. Diese Materialien ermöglichen Therapiekonzepte, die 1979 nicht möglich gewesen wären.

Bewährtes Material

Dr. Sven Rinke zeigte den Zuhörern, wie viele klinische Studien zum Werkstoff Zirkonoxid in den letzten zehn Jahren erstellt wurden. Die Vielzahl der Studien belegt die guten Eigenschaften des Werkstoffes bei korrekter Verarbeitung. Ergänzt wurden diese Aussagen durch den Beitrag von ZA Per Fossdal. Für ihn ist die adhäsiv befestigte Vollkeramik die „Krone“ der Prothetik. Diese Versorgungen sind substanzschonend, biokompatibel und hochästhetisch bei zugleich längerer Haltbarkeit als VMK-Kronen.

Die Möglichkeiten minimalinvasiver oder noninvasiver ästhetischer Konzepte zeigte ZT Andreas Nolte dem Auditorium auf. Anhand eines Photostatus des Patienten und einer Ästhetikanalyse wird die Entscheidung getroffen, ob eine Präparation verzichtbar ist. In vielen Fällen wird eine Kombination aus minimalinvasiv und noninvasiv gewählt, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Die Frage, ob keramische Abutments CAD/CAM-gefertigt sein müssen oder ob vorgefertigte Teile ausreichend sind, stellte Dr. Urs Brodbeck. Sein Fazit: Abutments aus Zirkonoxid sind eine Alternative aber kein Ersatz für Metall-Abutments. Die Kenntnis der Unterschiede ist für Erfolg oder Misserfolg entscheidend. Mit Zirkonoxid-Abutments steigen die Misserfolge aufgrund von Frakturen, nehmen jedoch die Erfolge bei Ästhetik und Biokompatibilität zu. Bei positionsgenauer Implantation lassen sich fast alle Fälle mit vorgefertigten Abutments lösen. Zum Abschluss der Vortragsreihe stellte ZTM Enrico Steger anhand von Ergebnissen aus Langzeitstudien die Bewährung des Prettau-Zirkon vor.

Neben den äußerst informativen Vorträgen hatten die Teilnehmer der gelungenen Veranstaltung die Möglichkeit, den Referenten Fragen zu stellen und in den Pausen zu diskutieren. Darüber hinaus konnten sie sich auf der angeschlossenen Industrieausstellung detaillierte Produktinformationen holen – die Fachberater der Unternehmen konnten die Fragen der Besucher umfassend beantworten. Für das leibliche Wohl war ausreichend gesorgt und so nutzten die Teilnehmer die Pausen, sich zu stärken und sich untereinander fachlich auszutauschen. Dass sie auch beim nächsten Zahngipfel am 24. März 2012 wieder dabei sein werden, stand für die meisten sicher fest.

 

  

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ZAHNTECH MAG 15, 5, 292 – 293 (2011)

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