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Weichgewebsmanagement für Zahntechniker
Problemfall Frontzahnimplantat
DruckenGerade bei Einzelzahnimplantaten im Frontzahnbereich zeigt sich, was ein Behandlungsteam zu leisten im Stande ist. Somit ist Weichgewebsmanagement nicht nur Sache des Zahnarztes. Dem Zahntechniker wird hierbei mit der sinnvollen Auswahl des richtigen Materials für Abutment und Krone sowie deren weichgewebsunterstützender Formgebung eine wichtige Rolle zuteil. Deshalb fanden sich im Münstertaler Labor von ZTM Rainer Semsch sieben Teilnehmer zu einem zweitägigen Arbeitskurs ein, um mehr über den zahntechnischen Part der Implantatversorgung zu erfahren.

Rainer Semsch gibt Tipps zur Abutmentgestaltung.
Die enge Verzahnung zwischen Labor und Praxis ist im Bereich der Implantatprothetik sehr wichtig, denn der Patient bewertet die Praxis nach der prothetischen Arbeit. „Deshalb ist gerade bei dieser Art der Restauration die Kompetenz des zahntechnischen Teampartners gefragt und sollte auch die entsprechende Wertschätzung erfahren“, bemerkte Gastgeber und Implantatexperte ZTM Rainer Semsch gleich zu Anfang des Arbeitskurses. Als Kursfall hatte der erfahrene Referent ein Einzelzahnimplantat im Frontzahnbereich ausgewählt. Ganz bewusst, denn ein totaler Frontzahnverlust entsteht meist durch ein Trauma. Die Folge ist ein Verlust der vestibulären Knochenlamelle. Daraus resultieren Probleme bei der Implantation und der prothetischen Versorgung von Frontzahn-Einzelimplantaten.
Schwachstellen: Optik und Weichgewebe
„Frontzahnimplantate sehen zwar nicht immer gut aus, sind aber klinisch bewährt. Nach zehn Jahren sind immer noch 95 Prozent in situ. Die Probleme liegen fast immer in der Optik des Weichgewebes – weniger in der Osseointegration“, so der Implantatspezialist. Entscheidend für den langfristigen Erhalt des Weichgewebes ist die korrekte Platzierung des Implantats. Sie liegt idealerweise leicht palatinal, so dass die vestibuläre Knochenlamelle eine Dicke von 1,5 bis 2 Millimeter aufweist. Besteht eine Knochenresorption, so ist eine Augmentation mit nicht resorbierbarem Material (Bio-Oss) angezeigt. Zudem sollte das Implantat je nach System auf Knochenniveau oder leicht koronal positioniert werden. Liegt das Knochenniveau höher oder tiefer als beim Nachbarzahn, müsse augmentiert werden. Die Auswahl des Implantats erfolge heute nicht mehr im Wurzeldurchmesser, denn zu viel Druck auf die vestibuläre Knochenlamelle und das komplette Auffüllen der Extraktionsalveole führe zu Knochenabbau und damit unweigerlich auch zu Weichgewebsverlust, so Semsch. Der provisorische Lückenschuss könne entweder inzisal mit Flipper oder im Falle eines implantatgetragenen Provisoriums als Einteiler mit Schraubenkanal erfolgen – müsse aber in jedem Fall außer Funktion gestellt werden. Bereits hierbei erfolgt die Ausformung des Weichgewebes durch schrittweisen Aufbau des Emergenzprofils. Dabei sollte man immer auf eine optimale Oberflächenqualität im Bereich des Weichgewebskontaktes achten.
Provisorium: „Am liebsten gar nicht mehr entfernen“
Rainer Semsch kennt die Schwachstellen auch im Weichgewebe nur zu gut. Da ist zum einen das Epithelgewebe, welches abschottet und „das wir deshalb nicht in der Tiefe entlang des Implantats haben möchten“. Hingegen ist das Bindegewebe wichtig, da es sich als „attached Gingiva“ an das Implantat anlegt. Mit jedem Abnehmen des (provisorischen) Abutments wird jedoch dieses wertvolle Bindegewebe verletzt und verliert an Höhe. „Jedes Mal, wenn wir das Provisorium abnehmen, reißen wir damit ein Stück Bindegewebe ab. Die entsprechende Stelle vernarbt und wächst nicht wieder an“, weiß Semsch zu berichten. Er fertigt deshalb das definitive Keramikabutment direkt nach der Freilegung an, verwendet dieses als Heilkappe und möchte es dann „am liebsten nicht mehr entfernen“, damit das Weichgewebe sich gleich an die gewebefreundliche Keramikoberfläche anlegen kann. Auftretende Weichgewebsveränderungen, wie zum Beispiel ein Höhenverlust müssen durch Nachpräparieren des individuellen Abutments ausgeglichen werden. „Leider können wir die Reaktion des Weichgewebes immer nur schätzen“, resümiert Semsch, darin liege die einzige Schwachstelle dieser Vorgehensweise.
Aufbau: easy und individuell
Ein Wax-up mit entsprechendem Silikonschlüssel ist immer notwendig, um die Platzverhältnisse korrekt einschätzen zu können. Wichtig hierbei ist das Anzeichnen und Ausschleifen des Emergenzprofils. Konventionelle Aufbauten passen seiner Erfahrung nach meist nicht. Stattdessen bevorzugt der Münstertaler Zahntechniker das easy-abutment von Thommen Medical (Weil am Rhein), das die „perfekte Konfiguration dank seiner konischen Grundform und der axialen Rotationssicherung“ aufweise. Komplettiert wird dieser mit einem individuellen Aufbau aus IPS e.max, (Ivoclar Vivadent, Ellwangen). Die Lithiumdisilikat-Keramik ist anätzbar, fluoreszierend und gewährleistet den Lichtfluss analog der dazugehörigen anätzbaren e.max-Krone.
Teamgedanke leben
„Es braucht Leichtigkeit und Resonanz zu einer guten Zusammenarbeit“, bestätigte Dr. Michael Vogeler, Fachzahnarzt für Oralchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg, der im Zwiegespräch mit Rainer Semsch die Tücken der Implantatprothetik diskutierte. Vogeler beleuchtete in seinem Vortrag die Schnittstelle zwischen Labor und Praxis mit zahlreichen Beispielen aus seiner Implantologie-Sprechstunde. Der Implantatexperte betonte, dass diese Schnittstelle dann zur Schwachstelle werde, wenn anstelle der Kommunikation zuerst die Chirurgie erfolge. „Planungsfehler münden immer in einen Implantatmisserfolg“, so der Zahnarzt. Wichtige Eckpunkte seien die Analyse und Fotodokumentation, die Überprüfung der Lachlinie, Indikation und Implantatdesign, der Einsatz einer Bohrschablone mit vorheriger Weichgewebsdickenmessung, die Anzahl der Implantate und der richtige Abstand zwischen Zahn und Implantat beziehungsweise zwischen zwei Implantaten. Was die Anzahl der gesetzten Implantate betreffe, so gelte die Regel: Weniger ist mehr – vor allem im Frontzahnbereich. Man müsse beim Weichgewebsmanagement immer Geduld aufbringen und dem Prozess Zeit geben – mindestens ein halbes Jahr.
Jede Menge Implantatkompetenz
Während der erste Kurstag der Theorie und Ausgestaltung der weichgewebsformenden Teile galt, ging Kursleiter Rainer Semsch am 2. Tag auf die Details einer gelungenen ästhetischen Umsetzung und Schichttechnik ein. Am Ende bewerteten alle Teilnehmer den Kurs hinsichtlich Referentenkompetenz, Betreuung und Atmosphäre als sehr gut. Im Gepäck nach Hause hatten die sieben Teilnehmer viel neues Wissen und praktisches Know-how rund um eine gelungene Implantatprothetik.
WEITERE KURSE:
Termin: 7./8. Mai 2010
Ort: Dental Concept Rainer Semsch/Münstertal
Thema: Der Frontzahn ist weg – was nun? Vom Trauma zum Traum
Info und Anmeldung: Thommen Medical
Deutschland GmbH
Tel.: 0 76 21 / 4 22 58 30
E-Mail: info@thommenmedical.de
ZAHNTECH MAG 14, 1/2, 52 – 54 (2010)







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