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„Ein deutlich niedrigerer Verschleiß als bei Verblend- oder Litihiumdisilikatkeramik“
DruckenDas Universitätsklinikum Regensburg hat in diesem Jahr die Ergebnisse einer interessanten Untersuchung bekannt gegeben, bei der es um das Verschleißverhalten keramischer Restaurationen und ihrer Antagonisten ging. Studienleiter PD Dr. Martin Rosentritt gibt Auskunft über wissenschaftlich aufschlussreiche und praxisrelevante Aspekte.

Dr. Rosentritt erläutert die Studienergebnisse.
ZTM: Herr Dr. Rosentritt, Zirkonoxid weist eine Härte auf, die viele Wissenschaftler und Praktiker in der Zahntechnik bis vor kurzem als problematisch für den Antagonisten angesehen haben. Wie ist diese Einschätzung auf der Basis des heutigen Wissens zu bewerten?
Dr. Rosentritt: Bei Zirkonoxid handelt es sich sogar um einen der härtesten Werkstoffe, die wir in der Zahnmedizin einsetzen. Im Rahmen unserer Experimente konnten wir nun jedoch zeigen, dass dies nicht mit einem ungünstigen Verschleißverhalten einhergehen muss.
ZTM: Inzwischen ist eine Reihe von Studien veröffentlicht worden, die sich mit dem Thema „Verschleiß“ beschäftigen. Wie war der Stand der Wissenschaft vor diesen Studien?
Dr. Rosentritt: Auf den Punkt gebracht lautete die gängige Einschätzung „hartes Material – hoher Verschleiß“. Das klingt logisch, und so erwarteten wir auch in unserer Arbeitsgruppe, dass Zirkonoxid in Experimenten zum Thema „Verschleiß unter Kaubelas - tung“ den Antagonisten signifikant schädigen würde. Es hat sich jedoch das Gegenteil herausgestellt: Im Rahmen unserer Versuchs anordnung wurde das Zirkonoxidmaterial nicht aufgeraut und abradierte daher auch den Antagonisten weniger als eine herkömmliche Glaskeramik. Das eröffnet ganz neue Perspektiven – insbesondere in Richtung vollanatomische, also unverblendete Zirkonoxidrestaurationen! (Abb. 1).
ZTM: Sie sind dabei einen entscheidenden Schritt über die klassischen Untersuchungen hinausgegangen und fragten sich zunächst:„Was passiert mit Antagonisten von keramischen Versorgungen?“ Wie haben Sie das Thema aufgegriffen? Ihre aktuelle Studie war schließlich die erste dieser Art.
Dr. Rosentritt: Es gibt schon viele Verschleißstudien zu Zirkonoxid. Unser Regensburger Team hat inzwischen allein drei veröffentlicht. Ziel unserer aktuellen Arbeit war es insbesondere, die Auswirkungen von poliertem Zirkonoxid auf den Verschleiß am Antagonisten unter praxisnahen Bedingungen zu bewerten. Dazu haben wir sowohl den Aufschlag eines Zahns gegen seinen Antagonisten simuliert als auch die anschließende Schleifbewegung beim Mahlen der Nahrung. In zwei Versuchsreihen haben wir zunächst humane Zahnhöcker und dann, zu Standardisierungszwecken, das Schmelzanalog Steatit eingesetzt.
ZTM: Wie sieht das Ergebnis Ihres Experimentes aus?
Dr. Rosentritt: In unseren Untersuchungen zeigte poliertes Zirkonoxid, speziell das neue Cercon ht, im Vergleich zu Verblend- oder Glaskeramik einen niedrigeren Verschleiß als andere keramische Werkstoffe. Was allerdings überraschend war: Auch der Gegenzahn wies einen geringeren Verschleiß auf. Die Oberfläche der Probe blieb durch die Kaubelastung unverändert, während sich die Verblend- oder Glaskeramik aufraute. Wenn wir das Zirkonoxid zuvor glasierten, so rieb sich die Glasur mit der Zeit ab, und das Verhalten des Materials wurde anschließend, wie bei unglasiertem Material, wieder von der bloßen Zirkonoxid- Oberfläche bestimmt – mit dem gutem Ergebnis wie bei den lediglich polierten Exemplaren.
ZTM: In der Praxis wird festsitzender Zahnersatz in über drei Vierteln aller Fälle zunächst eingeschliffen. Was hat dies für Folgen?
Dr. Rosentritt: In diesem Punkt sind wir über die Ansätze bisheriger Studien hinausgegangen. Auch eingeschliffene und polierte Probenkörper haben wir in unsere Untersuchungen einbezogen – ein wichtiger Schritt zu mehr Praxisnähe. Einmal mehr stellten wir dabei fest: Die Oberflächen von Cercon ht bleiben unter simulierten Kaubelastungen glatt und führen zu einem deutlich niedrigeren Verschleiß als Verblendund Glaskeramik (Abb. 2).
ZTM: Wie lassen sich die unterschiedlichen Ergebnisse von Glaskeramiken wie traditioneller Verblendkeramik oder Lithiumdisilikat-Glaskeramik zu Zirkonoxid erklären?
Dr. Rosentritt: Die Gründe liegen in den Zusammensetzungen und der jeweiligen Härte. Unterschiedliche physikalische Parameter führen zu unterschiedlichem Verschleißverhalten. Wir gehen davon aus, dass bei der Abrasion von Glaskeramik die weniger abrasiven, quasi weicheren Anteile unter Kaubelastung bevorzugt abradiert werden. Dadurch wird die Oberfläche mit der Zeit rauer, und das führt zu höherem Verschleiß am Antagonisten. Bei dem in unseren Experimenten eingesetzten Zirkonoxid wird die Oberfläche insgesamt deutlich weniger abradiert, so dass die Oberflächen glatt und damit die Verschleißeigenschaften in einem günstigen Bereich bleiben.
ZTM: Sie haben inzwischen mit Kausimulator-Studien zur Langzeit stabilität von Cercon ht begonnen. Auch wenn hier noch nichts publiziert ist: Könnten Sie uns eine erste Einschätzung geben?
Dr. Rosentritt: Wir simulieren aktuell in der Klinik eine Fünf-Jahres Anwendung an dreigliedrigen Zirkonoxidbrücken. Um die Proben unter realistischen Bedingungen zu untersuchen, wurden sie eingeschliffen und nachpoliert. Die Festigkeit der Brücken ist nach den vorliegenden Ergebnissen stabil. Als Gegenzahn haben wir standar disierte Antagonisten, sprich: Steatit, gewählt. Die Ergebnisse unse rer in vitro-Studien sind so vielversprechend, dass einige Institute bereits klinische Studien zum Verschleiß von Cercon ht projektiert haben. Dies kann den endgültigen Beweis für die Eignung dieses Materials für vollatomische Zirkonoxidrestaurationen erbringen.
ZTM: Welche Empfehlung können Sie Anwendern von Cercon ht schon heute geben? Was ist für die Zusammenarbeit von Zahntechniker und Zahnarzt im Team wichtig?
Dr. Rosentritt: Für die Zusammenarbeit zwischen Labor und Praxis ist es besonders wichtig, sich zu vergegenwärtigen: Hier arbeitet man mit einem keramischen Material – also von vorneherein keine dünnauslaufenden Ränder oder scharfe Kanten schaffen! Die Bearbeitung von Zirkonoxid soll im Labor immer mit scharfen Werkzeugen mit niedrigem Anpressdruck unter Wasserkühlung erfolgen. In hoch belasteten Bereichen – zum Beispiel interdental basal – darf nicht bearbeitet werden. Ausgehend vom Provisorium wird die Versorgung passgenau gefräst. Wenn im Mund eingeschliffen werden muss, bietet Cercon ht eine hohe Sicherheitsreserve, die aufgrund der hohen Festigkeit höher ist als bei Verblendkeramik oder Lithiumdisilikat-Keramik. Dem Zahnarzt empfehle ich jedoch, Kronen und Brücken nach dem Einschleifen grundsätzlich nachzupolieren und mit den unterschiedlichen Instrumenten des Polier-Kits bis zur niedrigsten Rauigkeitsstufe zu gehen. Denn glatte Oberflächen sind weniger rissempfindlich und erzeugen weniger Verschleiß als raue.Ob vollanatomisch oder verblendet – so kann bei jeder Versorgungsform der größtmögliche Schutz des Antagonisten erzielt werden.
ZTM: Wir danken Ihnen für das Gespräch.
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