Produktvergleiche
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10.05.2012 12:00Christian Berger neuer Landesvorsitzender des FVDZ Bayern
Die besondere Qualifizierung zum PSK®-Dentalprothetiker
DruckenDie Behandlung eines zahnlosen Menschen ist eine aufwendige und verantwortungsvolle Aufgabe. Da aus verschiedensten Gründen nicht immer gleich Implantate infrage kommen, entscheiden sich in der Praxis eine Vielzahl von Patienten für herausnehmbaren Zahnersatz in Form von Teil- oder Totalprothesen. Durch die Rahmenbedingungen der gesetzlichen Leistungsträger findet im Bereich der Bezuschussung für Zahnarztund Laborleistung eine eher niedrige Taxierung statt. Dementsprechend leidet oftmals das anzufertigende Produkt.

Im Zeitalter der CAD/CAM-Zahntechnik soll es auch heute noch Menschen geben, die mit Wissen und geübter Fingerfertigkeit individuellen Zahnersatz und Prothesen herstellen können. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, bietet das FUNDAMENTAL Schulungszentrum seit einigen Jahren die Ausbildung zum PSK®-Dentalprothetiker an. Zahntechniker erlernen das gesamte Spektrum der anspruchsvollen Prothetik kennen und arbeiten dazu u.a. an Probanden, um das selbst vorbereitete Produkt im Mund zu beurteilen und unter Anleitung mehrerer Referenten, Zahnärzte und Zahntechniker zu optimieren.
Am Anfang steht die Anamnese (Abb. 1). Die Probanden erklären ihre „Prothetik-Geschichte“, die schriftlich festgehalten wird. Zusätzlich werden medizinisch wichtige Aspekte dokumentiert, die vorhandenen Prothesen optisch begutachtet und mit einer speziellen Schieblehre vermessen.
Die ersten Abformungen mit konfektionierten Löffeln und den Alginat-Abformmassen dienen der Herstellung von Situ-Modellen und der Anfertigung anatomischer Modelle zur Anfertigung individueller Abformlöffel. Schon bei der Anwendung konfektionierter Löffel sind Modifikationen möglich und zum Teil notwendig (Abb. 2–4).
Die Herstellung der individuellen Löffel erfolgt ausschließlich unter der Verwendung von Autopolymerisat, welches nach wie vor Vorteile gegenüber den meisten, lichtpolymerisierenden Materialien besitzt, vor allem in der Formstabilität (Abb. 5 u. 6).
Die individuelle Abformung erfolgt mehrphasig mit den dafür geeigneten Abformsilikonen. Je nach Verarbeitungsart und Vorgehensweise ist besonders auf die Verarbeitungszeit und auf die Viskosität des hierfür zu verwendenden Materials zu achten. Zur Verbesserung der Abformgenauigkeit sind sogenannte Stopps in die Löffel eingebracht, um die gleichmäßige Silikonstärke im Löffel zu erreichen (Abb. 7–9). Das farbliche Markieren von anatomischen Strukturen im Mund (A-Linie und Tuberculum retromolare) erleichtern die Wiedererkennung auf den Funktionsmodellen (Abb. 10). Wichtige Voraussetzungen für den prothetischen Erfolg sind die individuellen „Patientendaten“, die mittels Bissgabel, Schieblehre, Papillameter und anderer Hilfsmittel zu Dokumentationszwecken ermittelt werden (Abb. 11 u. 12). Die Abbildungen 13 und 14 veranschaulichen die Modellanalyse, die in der Praxis leider (oft) zu kurz kommt.
Die DIR®-Schienentherapie In der Fortbildungsreihe zum PSK®-Dentalprothetiker wird speziell für die Zuordnung des Unterkiefers zum Oberkiefer das DIR®-System eingesetzt. Die wichtigsten Argumente, die hierfür sprechen, sind u.a.:
- eine reproduzierbare Messtechnik (behandlerunabhängig)
- eine elektronische Vermessung mit definierter Kaukraft
- die Sicherheit und Genauigkeit bei der prothetischen Umsetzung
- die eindeutige Zuordnung des UK zum OK
Zur Vorbereitung der Vermessungen werden Schablonen angefertigt, die für die Aufnahme des Stützstiftes und des elektronischen Sensors notwendig sind (Abb. 15–17).
Die Referentin Dr. med. dent. Farina Blattner vermisst die Probanden im Kurs und erläutert sowohl den Teilnehmern als auch den Patienten die Vorgehensweise und die medizinisch-technische Anwendung. Die Messergebnisse werden elektronisch gespeichert und in die Modellzuordnung übertragen. Dabei ist zuvor das Oberkiefermodell mit Gesichtsbogen eingestellt worden (Abb. 18–20).
Wichtig ist an dieser Stelle, dass unbedingt eine temporäre DIR-Schienentherapie nachfolgen muss. Hierfür wird zunächst eine Schiene aus klarem Kunststoff angefertigt, welche dann auf die zuvor unterfütterte (falls notwendig!) und lagestabilisierte Altprothese aufgeklickt wird (nur im Unterkiefer) (Abb. 21).
Der Patient kann sich nun an die „neue“ Situation gewöhnen, die Muskeln können sich in den folgenden 8 bis 12 Wochen neu programmieren. Die Schiene kann gegebenenfalls zum Essen bzw. zur Reinigung entnommen und danach wieder im Mund reponiert werden. Die DIR-Schienentherapie darf nicht durch die unmittelbare Anfertigung von neuen Prothesen ersetzt werden, da die Schiene als therapeutisches und temporäres Mittel jederzeit abnehmbar bleibt und somit der alte, noch vorhandene Zahnersatz in seiner ursprünglichen Bauart unverändert erhalten bleibt (bei Gutachten erforderlich) (Abb. 22).
Ästhetische und phonetische Anproben
Je nach Patientenfall werden während der Fortbildungsreihe alle gängigen Aufstellkonzepte angewendet. Nur durch die individuelle Auswahl einer geeigneten Methode bei der Positionierung der Ersatzzähne ist ein optimales, prothetisches Ergebnis zu erzielen. Die Arbeiten sehen im Mund stets anders aus als im Artikulator. In dieser Phase ist ein guter Patientenkontakt eines gut ausgebildeten Zahntechnikers sehr hilfreich, um die Vielzahl der gewonnenen Eindrücke am Patienten in die Technik zu übertragen. Korrekturen können in der Regel unmittelbar durchgeführt und erneut im Mund kontrolliert werden. Mittel-, Lach- und Eckzahnlinie sind dabei nur Standards. Profil und Lippenbild, aber vor allem die Sprachübungen für eine ungetrübte Lautbildung sind Prüfkriterien in diesem Herstellungsstadium (Abb. 23 u. 24). Auch bei der finalen Gesamtanprobe kann die Basis nochmals mit Silikon korrigiert werden, damit der erste Sitz der neuen Prothesen im Mund so optimal wie möglich ist (Abb. 25). Die Fertigstellungsvarianten bei der Anfertigung von Totalprothesen sind so vielfältig, dass an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen wird. Das Fertigstellen der Probanden- und somit auch Prüfungsprothesen erfolgt durch die Seminarteilnehmer jeweils im heimischen Labor. Die wieder mitgebrachten Endergebnisse sind stets beeindruckend und übertreffen regelmäßig die Erwartung der Probanden. Zusätzlich werden den Patienten auch sogenannte Zweitprothesen übergeben, die die gleiche Situation wie die Originalprothesen widerspiegeln. Die Anfertigung erfolgt in einem kostengünstigen Herstellungsverfahren, wobei die Qualitätsunterschiede natürlich offensichtlich bleiben. Diese Zweitprothesen sind nur als kurzzeitige Ersatzprothesen für den Notfall bestimmt (Abb. 26). Die Palette der neuen Prothesen ist optisch beeindruckend, noch beeindruckender die Ergebnisse im Mund. Die Reaktion der Probanden ist an ihren Gesichtern abzulesen (Abb. 27). Das Gleiche gilt für die Teilnehmer der Fortbildungsreihe, die glücklich ihre Abschlusszertifikate präsentieren (Abb. 28).
Resümee
Die Fortbildung zum PSK®-Dentalprothetiker dient nicht der offiziellen Legitimation für das Zahntechnikerhandwerk, ohne Zahnarzt bzw. allein am Patienten arbeiten zu dürfen. Es schadet nicht, auch die Arbeitsschritte des Behandlers kennenzulernen und umgekehrt. Anspruchsvolle und tatsächlich funktionierende Prothetik kann nur durch einen gewissen Einsatz aller beteiligten Personen entstehen: der Zahnarzt und seine zeitintensive Betreuung am Patienten, der Zahntechniker mit seinen vielen technischen Alternativen und nicht zuletzt der Patient, der viel Zeit und sicher auch mehr Geld investieren muss, als die Krankenkassen dafür auszugeben bereit sind.
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ZAHNTECH MAG 16, 1/2, 60–65 (2012)






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