Festsitzende Implantatprothetik

Fertigungskonzepte im Vergleich

Inhouse versus zentralisierte Fertigung

06.10.2012

Abb. 1: Eine Röders HSC-Maschine, wie sie beispielsweise im Fertigungszentrum von CADstar eingesetzt wird.
Abb. 1: Eine Röders HSC-Maschine, wie sie beispielsweise im Fertigungszentrum von CADstar eingesetzt wird.

So alt wie die CAD/CAM-Technologie in der Dentalbranche, so alt ist auch die Frage nach den Fertigungskonzepten: inhouse oder zentralisiert? Schließt ein Konzept das andere aus? Oder überwiegen bei einem die Vorteile? Ich selbst arbeite in einem Unternehmen, das eine zentralisierte Fertigung anbietet. Mit diesem Beitrag möchte ich das Thema kritisch betrachten und ein paar Anregungen liefern.

Die Wertschöpfung

Ein weitverbreitetes Argument bei der Inhouse-Fertigung ist, dass die Wertschöfpung im Haus bleibt. Wenn man den Begriff Wertschöpfung allerdings genauer betrachtet, wankt dieses Argument. Denn: Eine Wertschöpfung entsteht dann, wenn der Output den Input übersteigt – also effizient gearbeitet wird. Ein Beispiel dafür: Effizient ist es, den Rasen mit dem Rasenmäher zu schneiden – ineffizient wäre es mit einer Nagelschere. Daher die kritische Frage: Kann ein kleines, lokales Frässystem in einem Labor wirklich so effizient sein wie ein großes Fräszentrum, das Hunderte Labore versorgt? Ein anderes Thema ist hingegen die Zeit: Fräszentren verlieren zum Beispiel bei Modelllieferung rund 48 Stunden für den Versand. Hier punktet in vielen Fällen die Inhouse-Variante.

Die Präzision

  • Abb. 2: Temperaturschwankungen im Geräteumfeld können sich bei einer Fräsmaschine negativ auf die Genauigkeit auswirken.

  • Abb. 2: Temperaturschwankungen im Geräteumfeld können sich bei einer Fräsmaschine negativ auf die Genauigkeit auswirken.
Eine weitere zentrale Frage ist die Genauigkeit. Die Details dazu: Bei Desktop-Maschinen werden die Maschinen-Nullpunkte meist über gefräste Testkörper aus Kunststoff aufgenommen. Dort kann durch die Handhabung und die Toleranz des Messmittels (Messschieber) eine Ungenauigkeit von bis zu 30 ?m entstehen. Des Weiteren werden die Werkzeuge von den meisten Herstellern bereits mit Durchmessertoleranzen von bis zu 20 ?m geliefert. Ein Z-Messtaster, der in vielen kleinen Maschinen eingesetzt wird, kann diese Toleranzen nicht abfangen und gibt sie 1 : 1 an das Werkstück ab. Aber auch Temperaturschwankungen im Geräteumfeld können zu Abweichungen führen – und zwar bis zu 10 ?m pro 1 °C. Das kann sich speziell in heißen Sommermonaten bei der Passung bemerkbar machen. Beim Thema Genauigkeit haben daher aus meiner Sicht große Fräsmaschinen wie Röders RXD 5 die Nase vorn. Und diese stehen meistens in Fräszentren.

Die Toleranz

Eine Toleranz kann sowohl positiv als auch negativ sein. Oftmals heben sich mehrere Abweichungen sogar gegenseitig auf. Erst wenn sich Toleranzen in einer Richtung addieren, kommt es zu Problemen in der Passung. Viele Fälle werden nur im Schliffbild sichtbar, denn Zementspalt und Fräserradiuskorrektur – die eigentlich Platz für den Zement schaffen sollten – unterstützen die Passung. Speziell bei Materialien wie Lithiumdisilikat kann dies in späterer Folge zu einer Fraktur führen.

Fazit

Wenn man die Inhouse-Fertigung mit der zentralisierten vergleicht, dann hat speziell bei der Passgenauigkeit das zentralisierte Konzept die Nase vorn. Das liegt aber vor allem daran, dass Fräszentren meist mit größeren und genaueren Fräsmaschinen arbeiten – wie beispielsweise dem Röders RXD 5. Beim Thema Zeit punktet hingegen die Inhouse-Fertigung, da bei einer Modelllieferung der Versand wegfällt. Wer allerdings nach Effizienz strebt, ist mit der zentralisierten Variante besser bedient. Am Ende des Tages haben beide Konzepte aber ein gemeinsames Ziel: einen zufriedenen Patienten. 

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Martin Huber


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