Festsitzende Implantatprothetik

Mit neuer Küvettentechnik einfach und schnell zum Ergebnis

Nach dem Wax-up 1:1 zur finalen Komposit-Restauration

10.10.2016
aktualisiert am: 21.10.2016

Unser Autor Fabián Soto Briones beschreibt hier, wie er bei vorliegendem Wax-up effizient zur definitiven Umsetzung kommt. Wenn die gesamte Versorgung bzw. die Verblendung in Komposit realisiert werden soll, ist nun eine einfache Übertragung möglich: in Presstechnik mit dem lichthärtenden Labor-Komposit SR Nexco® und der speziell entwickelten Küvette SR Nexco Flask.

  • Abb. 1 u. 2: Mithilfe der Küvette SR Nexco Flask kann ohne großen Aufwand eine 1:1-Kopie des Wax-ups für die finale Komposit-Restauration erstellt werden.

  • Abb. 1 u. 2: Mithilfe der Küvette SR Nexco Flask kann ohne großen Aufwand eine 1:1-Kopie des Wax-ups für die finale Komposit-Restauration erstellt werden.
Während der täglichen Laborarbeit verbringen wir häufig viel Zeit mit dem Modellieren eines Waxups. Dieses gibt uns vor Beginn der eigentlichen Arbeit Aufschluss darüber, welche Vorgehensweise uns zum gewünschten Resultat bringen wird. Nun sehe ich die Herausforderung immer darin, dass es bislang kein zuverlässiges, präzises und effizientes Verfahren gab, um dieses Wax-up, auf das wir so viel Mühe verwendet hatten, dann auch exakt mit dem endgültigen Material unserer Restaurationen umzusetzen. Hierfür steht jetzt für SR Nexco von Ivoclar Vivadent (Schaan/Liechtenstein) die Küvettentechnik zur Verfügung (Abb. 1 u. 2). Bei SR Nexco handelt es sich um ein Labor-Komposit mit Mikro-Opal- Füllern. Es eignet sich unserer Meinung nach genau für diese Art von Arbeiten. Wir sehen die folgenden Vorteile:

  • Aufgrund der Küvettentechnik geht bei der Übertragung unserer Arbeit von Wachs in Komposit kein Detail verloren.
  • Die mechanischen Eigenschaften des Kunststoffs überzeugen.
  • Das Endergebnis kann sich im Vergleich zu Arbeiten aus Keramik in ästhetischer Hinsicht sehen lassen.
  • Auch nach der Eingliederung im Patientenmund lassen sich noch leichte Modifikationen oder Korrekturen vornehmen.
  • Das Material lässt sich sehr leicht polieren.
  • Die Verwendung bedeutet eine erhebliche Reduktion des Gewichts unserer Restaurationen.

Dank der neuen Technik können wir zugleich jederzeit sicherstellen, dass bei der Herstellung unserer Restauration die Platzverhältnisse den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen und dass das gewählte Verblendmaterial die Gerüststruktur sehr gut abdeckt. Wir können uns darauf verlassen, dass die Restauration später hervorragend passt. Da das Wax-up uns als 1:1-Ausgangsbasis dient, ist es entscheidend, dieses sehr präzise anzufertigen. Man muss dabei im Hinterkopf behalten, dass es sich beim Endergebnis im endgültigen Material um eine genaue Kopie handeln wird.

Neben der händischen Modellation des Wax-ups gibt es heute die Möglichkeit, auf eine maschinell gefräste Gerüststruktur aus PMMA zurückzugreifen (Abb. 3a u. b). Diese muss später auf der einen Seite nur noch durch Zementierung mit der Mesostruktur verbunden werden (Abb. 4a u. b); implantatseitig erfolgt die Befestigung von Titanbasis und PMMA-Gerüst mittels Adhäsiv (Abb. 5).

  • Abb. 3a u. b: CAD/CAM-gestützt erstelltes Gerüst aus PMMA.
  • Abb. 4a u. b: Vorbereitung der Mesostruktur zur Zementierung.
  • Abb. 3a u. b: CAD/CAM-gestützt erstelltes Gerüst aus PMMA.
  • Abb. 4a u. b: Vorbereitung der Mesostruktur zur Zementierung.

  • Abb. 5: Die Titanbasis wird mittels Multilink® Hybrid Abutment mit dem PMMA-Gerüst verbunden.
  • Abb. 5: Die Titanbasis wird mittels Multilink® Hybrid Abutment mit dem PMMA-Gerüst verbunden.

Erstellung einer Schauarbeit

Zur Demonstration der Vorgehensweise schildern wir hier die Fertigung einer Schauarbeit. Diese soll einen klinischen Fall simulieren. Für die Ausgangssituation stellen wir uns einen Patienten mit fehlenden Zähnen 13 bis 23 und ausgeprägter Knochenresorption vor. Ihm waren Implantate in Region 12 und 22 inseriert worden. Die Prothetik soll aus einer festsitzenden Versorgung bestehen: Metallgerüst, PMMA-Mesostruktur und Kompositverblendung.

Für jede Arbeit auf Implantaten fertigen wir zunächst einen Silikonschlüssel zur Validierung der Soll-Situation an. Erst, wenn wir uns sicher sind, dass unser Arbeitsmodell korrekt ist, können wir mit der Erstellung des Wax-ups beginnen. In diesem Fall verwenden wir das Wachs-Set „GEO Expert Wax Set A. Bruguera“ (Abb. 6) von Renfert (Hilzingen). Ausgehend vom Wax-up ist geplant, mithilfe der Küvettentechnik eine definitive Komposit-Restauration anzufertigen. Das Wax-up muss sehr präzise angefertigt werden und nicht nur in funktionaler, sondern auch in ästhetischer Hinsicht tadellos sein.

Sobald das Wax-up fertig ist (Abb. 7a u. b), erstellen wir vestibulär und palatinal Silikonschlüssel, um die Platzverhältnisse zu überprüfen (Abb. 8). Anschließend setzen wir das Wax-up in die Küvette (Abb. 9) und betten es mit dem Sockelsilikon Virtual® ein (Abb. 10).

  • Abb. 6: Wachs-Set für die Adaption der PMMA-Gerüststruktur nach August Bruguera (Barcelona, Spanien).
  • Abb. 7a u. b: Wax-up auf dem PMMA-Gerüst.
  • Abb. 6: Wachs-Set für die Adaption der PMMA-Gerüststruktur nach August Bruguera (Barcelona, Spanien).
  • Abb. 7a u. b: Wax-up auf dem PMMA-Gerüst.

  • Abb. 8: Sililkonschlüssel helfen dabei, die Platzverhältnisse während der Herstellung zu überprüfen.
  • Abb. 9: Positionierung des auf dem PMMA-Gerüst erstellten Wax-ups in der Küvette.
  • Abb. 8: Sililkonschlüssel helfen dabei, die Platzverhältnisse während der Herstellung zu überprüfen.
  • Abb. 9: Positionierung des auf dem PMMA-Gerüst erstellten Wax-ups in der Küvette.

  • Abb. 10: Das Wax-up wird mithilfe des Virtual-Silikons eingebettet.
  • Abb. 11: Die Küvette wird später mit dem Klarsilikon Transil F befüllt, um den Konter herzustellen.
  • Abb. 10: Das Wax-up wird mithilfe des Virtual-Silikons eingebettet.
  • Abb. 11: Die Küvette wird später mit dem Klarsilikon Transil F befüllt, um den Konter herzustellen.

  • Abb. 12: Die geschlossene Küvette mit dem positionierten Wax-up. Die Spitzen der Mischkanülen des Klarsilikons passen genau in die Einfüllöffnungen des Küvettendeckels.
  • Abb. 12: Die geschlossene Küvette mit dem positionierten Wax-up. Die Spitzen der Mischkanülen des Klarsilikons passen genau in die Einfüllöffnungen des Küvettendeckels.

Für die Herstellung des Konters verwenden wir ein lichtdurchlässiges Silikon (Abb. 11). Dieses ermöglicht uns später, das Komposit der Restauration durch das Silikon hindurch – in der Küvette – zu polymerisieren. Die Küvetten-Hälften werden geschlossen und mithilfe der Feststellschrauben fixiert, damit sie sich während des Pressvorgangs nicht bewegen (Abb. 12). Nach der Polymerisation ist der Konter fertig, der für die weitere Erstellung der finalen Restauration die zentrale Rolle spielt.

Da wir am Ende eine metallbasierte Versorgungslösung erhalten möchten, müssen wir jetzt das Metallgerüst für die Überpressung mit dem lichthärtenden Labor-Komposit vorbereiten (Abb. 13a-c). Es folgt die Applikation einer dünnen Opakerschicht als Wash sowie ein zweiter deckender Opakerauftrag, um das Metallgerüst vollständig abzudecken (Abb. 14).

  • Abb. 13a: Gefräste Gerüststruktur.
  • Abb. 13b: Vorgesintertes Metallgerüst zur Herstellung der finalen Restauration.
  • Abb. 13a: Gefräste Gerüststruktur.
  • Abb. 13b: Vorgesintertes Metallgerüst zur Herstellung der finalen Restauration.

  • Abb. 13c: Applikation des Metall-Komposit-Haftvermittlers SR Link.
  • Abb. 14: Applikation des Opakers zunächst in einer ersten dünnen, dann in einer zweiten deckenden Schicht.
  • Abb. 13c: Applikation des Metall-Komposit-Haftvermittlers SR Link.
  • Abb. 14: Applikation des Opakers zunächst in einer ersten dünnen, dann in einer zweiten deckenden Schicht.

  • Abb. 15: Applikation der Stains (hier: Farbton „chili“).
  • Abb. 15: Applikation der Stains (hier: Farbton „chili“).

Im Anschluss wird das Wax-up in der Küvette durch das Metallgerüst ausgetauscht und dieses eingebettet. Nun können die verschiedenen Komposit-Massen in den erstellten Konter eingebracht und auf das Metallgerüst aufgepresst werden. Sobald das Gerüst mit Komposit überpresst ist, überprüfen wir mit den Silikonschlüsseln den für die Charakterisierung vestibulär zur Verfügung stehenden Platz. Mit verschiedenen Effect- und Stains-Massen geben wir unserer Restauration ein natürliches Aussehen (Abb. 15).

Nach der farblichen Charakterisierung ist es noch einmal wichtig, den verbleibenden Platz mit den Silikonschlüsseln zu überprüfen. Andernfalls läuft man Gefahr, dass die Dimensionen bei der Verblendung der vestibulären Seite mit den verschiedenen Incisal- und Transpa-Massen zu groß geraten. Damit ginge genau diese Präzision verloren, die mit der Presstechnik erreicht werden kann.

Die Situation des gewählten Falls erfordert auch die Gestaltung eines Gingiva-Anteils. Hierbei ist es aus meiner Sicht am wichtigsten, stets die gewünschte Morphologie der fertigen Arbeit vor dem inneren Auge zu behalten und das Zahnfleisch mit einem Pinsel perfekt auszuarbeiten. Zur Gestaltung der rosa Anteile verwenden wir die Gingiva-Masse unseres Komposit-Systems, mit der Basisgingiva-Masse (BG 34) als Grundlage. Anschließend bilden wir durch die Mischung verschiedener Farben das natürliche Zahnfleisch nach (Abb. 16). Zusätzlich bringen wir mit Stains noch einige kleine Effekte ein. So verstärken wir die Tiefenwirkung und stellen sicher, dass unsere Restauration die unterschiedliche Pigmentierung des natürlichen Zahnfleischs perfekt nachahmt.

Die fertige Arbeit wird noch mit verschiedenen Pasten poliert. Ich arbeite dabei immer mit denselben Materialsystemen (Universalpolierpaste von Ivoclar Vivadent und Opal L Hochglanz-Polierpaste von Renfert) und gehe immer nach dem gleichen Schema vor (Abb. 17). Die Komposit-Restauration wird abschließend noch mit Universalpolierpaste poliert.

  • Abb. 16: Applikation der Gingiva-Massen mit dem Pinsel.
  • Abb. 17. Die Komposit-Restauration wird abschließend mit Universalpolierpaste poliert.
  • Abb. 16: Applikation der Gingiva-Massen mit dem Pinsel.
  • Abb. 17. Die Komposit-Restauration wird abschließend mit Universalpolierpaste poliert.

  • Abb. 18a-c: Finale Restauration aus dem Labor-Komposit SR Nexco mit natürlich wirkendem Gingiva-Anteil.
  • Abb. 18a-c: Finale Restauration aus dem Labor-Komposit SR Nexco mit natürlich wirkendem Gingiva-Anteil.

Zusammenfassung

Dank der Küvette SR Nexco Flask können wir in Wachs aufgestellte Arbeiten präzise in eine Komposit-Restauration übertragen, unabhängig von der verwendeten Gerüststruktur. Die Küvette ist dabei insbesondere bei großen, weitspannigen Arbeiten ein sehr praktisches Hilfsmittel. In einigen Fällen wäre es nämlich äußerst kompliziert und mühsam, die Formen und Volumina des Wax-ups in die Komposit-Restauration zu übertragen. Mit der Presstechnik können wir mühelos und einfach Restaurationen anfertigen, die exakte Kopien unserer Wax-ups sind (Abb 18a-c).

weiterlesen

Liste verwendeter Materialien:

Ivoclar Vivadent:

  • Multilink® Hybrid Abutment
  • SR Link • Virtual®
  • Transil F • Universalpolierpaste Ivoclar Vivadent
  • SR Nexco® Paste, SR Nexco Paste Gingiva

Renfert:

  • GEO Expert Wax Set A. Bruguera
  • Opal L Hochglanzpolierpaste
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Fabián Soto Briones


Weiterführende Links

> Zur Literaturliste

Das könnte Sie auch interessieren:

Aktuelle Patientenfälle, Tipps zum Labormanagement, Abrechnungshinweise, Veranstaltungstipps und News aus Branche und vieles mehr ... das bieten wir Ihnen auch auf unserer Facebookseite. Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite

Komet präsentiert auf der IDS eine Azubi-Broschüre für das Zahntechniker-Handwerk. Der Clou: Konzeption und Inhalte stammen von den Azubis selbst!

Mehr Infos gibt's hier

Die Februarausgabe ist da!