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Funktionelle Konzepte in der Zahnheilkunde – was macht den Erfolg aus?

Drucken Von Dr. Peter Blattner, Dr. Andreas Million    aktualisiert am 12.10.2009

Der Einzug der CAD/CAM-Technologie und die damit verbundene Vielzahl an Möglichkeiten hinsichtlich neuer Werkstoffe hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt. Dennoch ist das Thema Funktion in allen Facetten aktueller als je zuvor, denn mit einer hohen Zahl an CMD-Erkrankungen und einem steigenden Gesundheitsbewusstsein wächst der Bedarf an hochwertigem funktionellen Zahnersatz und somit auch an entsprechenden Konzeptionen. Dr. Peter Blattner (Remscheid) und Dr. Andres Million (Vilshofen) erläutern, was aus ihrer Sicht den Erfolg eines Konzeptes begründet.

Dr. Peter Blattner (links), Remscheid, E-Mail: info@dr-blattner.de  &  Dr. Andreas Million (rechts), Vilshofen, E-Mail: andreas.million@me.com.
Dr. Peter Blattner (links), Remscheid, E-Mail: info@dr-blattner.de & Dr. Andreas Million (rechts), Vilshofen, E-Mail: andreas.million@me.com.

Funktionelle Konzeption erfordert Zusammenspiel aller Disziplinen



Der Ruf der universitären Landschaft nach Funktion erfährt zurzeit eine Renaissance. Diesen Ruf gilt es nun zu bedienen. Nach dominierenden Themen wie Implantologie, Parodontologie und Ästhetischer Zahnheilkunde steht nun die Grundlagenvorbereitung der zahnmedizinischen Fachgebiete im Hinblick auf funktionelle Ansätze im Vordergrund. Doch die meisten funktionellen Konzepte laufen in eine Sackgasse, da die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker nicht funktioniert. Zahnärzte stehen vor dem Desaster, einerseits Linderung der Symptome über eine Schienentherapie zu erhalten, andererseits stellt sich bei der Umsetzung in eine endgültige Therapiemaßnahme der gewünschte Erfolg nicht ein. Der Therapieerfolg des funktionsgestörten Patienten darf nicht länger ein „Ausprobieren“ sein. Eindeutige Angaben zu Vorgehensweisen und Planung der Behandlung, zahnmedizinisch und zahntechnisch aufeinander abgestimmt, einschließlich regelmäßiger und dokumentierbarer Erfolgskontrollen, sind unabdingbar. Funktionelle Konzepte werden häufig auf den Zahnarzt und seine Patienten zugeschnitten, allerdings sollte eine funktionelle Konzeption alle interdisziplinären Aufgabengebiete miteinander verbinden. Neben Physiotherapie, Neurologen und Orthopäden wird häufig die Rolle des Zahntechnikers in der Therapie vergessen. Obwohl es die Aufgabe des Zahnarztes ist, komplexe Patientenfälle den  einzelnen Fachrichtungen zuzuordnen und die Fäden der Koordination zu lenken, sollte nicht vergessen werden, dass zahnärztliche Lösungsansätze und deren Erfolg nicht ausschließlich von der zahnärztlichen Leistung abhängig sind. Das zahntechnische Fachlabor nimmt in der interdisziplinären Zusammenarbeit eine zentrale Rolle ein.
Der Zahnarzt benötigt als Grundlage ein zuverlässiges, objektives Diagnosegerät zur schnellen Einschätzung der Situation und der korrekten Einordnung des Patienten in einen Therapieablauf. Sobald eine Kooperation von Zahnarzt und Zahntechniker erforderlich wird, müssen das Verständnis und das Fachwissen im Hinblick auf die Funktionsdiagnostik gegeben sein. Nur dann können Patientendaten im Labor sorgfältig übernommen und verstanden werden.
Bereits für die Vorbehandlung liefert das Dentallabor die Schiene, die dem Patienten erste Linderung bringen soll und den Beginn der Therapie definiert. Das Dentallabor liefert aber nicht nur die Schiene für die vorübergehende Deprogrammierung des Patienten, sondern ist auch verantwortlich für die Übertragung der Daten der Kieferrelationsbestimmung in den Artikulator. Das zahntechnische Fachlabor ist außerdem zuständig für die definierte Okklusion und die prothetische Umsetzung des Patienten in den korrekten SOLL-Zustand nach den Angaben des Zahnarztes. Bei komplexen Patientenfällen ist es für den Zahnarzt unbedingt notwendig, einen kompetenten Partner für prothetische Lösungsansätze an seiner Seite zu haben, mit dem er Therapieansätze und Lösungsvorschläge durchsprechen kann. Im Sinne des Patienten ist es, dass Zahnmediziner und Zahntechniker Hand in Hand arbeiten und eine kommunikative Kooperation leben. Denn daran entscheidet sich der Erfolg der Therapie. Im Gegensatz zu anderen Funktionsanalytischen und -therapeutischen Systemen, wird bei dem DIR®-System grundsätzlich eine Schulung beider Partner vorgenommen. Dieses Vorgehen garantiert  beiderseits eine Weiterbildung im funktionsdiagnostischen Bereich und im Umgang mit dem DIR®-System. Frei nach dem Motto: „Ein Zahntechniker ist nur so gut wie sein Zahnarzt und ein Zahnarzt ist nur so gut wie sein Zahntechniker“, dient das Fortbildungskonzept als Arbeitsgrundlage für eine hochwertige Versorgung des Patienten von Seiten des Zahnarztes und des Zahntechnikers. Zahnarzt und Dentallabor werden gemeinsam auf ein hohes therapeutisches Niveau gebracht. Das DIR®-System ermöglicht ein definiertes, transparentes und zielgerichtetes Vorgehen in der Behandlung von funktionsgestörten Patienten. Ausschlaggebend für den Erfolg bei der Behandlung mit dem DIR®-System ist neben dem zahnmedizinischen Hintergrund, die Konzeption und das geschlossene Fortbildungssystem. Die aus den funktionsdiagnostischen Messungen resultierenden Versorgungsleistungen, werden ausschließlich durch das DIR®-autorisierte Fachlabor erbracht.

Moderne intraorale Stützstiftregistrierung, einfach und sicher



Mein Vorschlag für ein funktionierendes funktionelles Konzept für die Zahnheilkunde ist im Grunde genommen einfach. Bei einer gegebenen, konventionell ermittelten vertikalen Kieferrelation muss eine dazugehörige horizontale Relation ermittelt und sichergestellt werden. Dazu benötigen Zahnärzte in erster Linie eine Rückbesinnung auf fundierte und bewährte Kenntnisse und Fertigkeiten – und eine einfache, systematische und vor allem praxisnahe und wirtschaftliche Vorgehensweise. Im Vordergrund steht dabei die klinische  Funktionsdiagnostik. Bildgebende Instrumente, wie axiographische oder intraorale Stützstiftsysteme liefern eben nur Bilder. Maschinen betreiben keine Diagnostik, sondern erzeugen Befunde. Deshalb kann auch nicht ohne weiteres von „funktionsdiagnostischen Systemen“ gesprochen werden. Die Interpretation der Befunde muss vielmehr stets in einem individuellen klinischen Kontext gesehen werden. Deshalb war, ist und bleibt Funktionsdiagnostik Sache der Mediziner. Unter den instrumentellen Verfahren betrachte ich die intraorale Stützstiftregistrierung als eine der sinnvollsten instrumentellen Hilfen. Mechanische Stützstift-Registriersysteme haben ja bereits seit Jahrzehnten einen festen Platz in der täglichen restaurativen Zahnheilkunde. Die Prüfung der Handbissnahme, der habituellen Position, dazu Bewegung unter Last, die Ermittlung der anatomischen Grenzen und die anschließende erneute Prüfung sowie gegebenenfalls Korrektur der horizontalen Kieferrelation auf der Basis der gewonnenen Daten halte ich für überaus wichtig. Es erscheint mir unverständlich, warum immer wieder „nicht gelingende“ Handbissnahmen als Basis für aufwendige Restaurationen dienen. Ich plädiere deshalb für eine entsprechende, schulmedizinisch standardisierte Vorgehensweise.
Das Handling der intraoralen Stützstiftregistrierung muss sicher beherrscht werden. Und selbstverständlich müssen die Möglichkeiten und die Grenzen der Methode erlernt werden. Korrekt eingesetzt, liefert ein modernes, bildgebendes und hochauflösendes intraorales Stützstift-System präzise Bilder von Abläufen, die sonst nicht sichtbar sind – und das sozusagen in Echtzeit. Bei Bedarf kann man minutenlange Aufzeichnungen durchführen, bis genügend Daten zur sicheren Auswertung erfasst worden sind.
Eingebettet in ein schlüssiges und übergeordnetes klinisches Konzept können diese Daten die sichere und schulmedizinisch fundierte Einstellung korrekter Kieferrelationen ermöglichen. Dazu benötigt man eine anwenderfreundliche Software, die leicht und schnell zu bedienen ist sowie ein günstiges und wirtschaftlich einzusetzendes System.
Im interdisziplinären Kontext muss man wissen, wann eine Kieferrelationsbestimmung Sinn macht, sowie ob und vor allem wann eine Korrektur und ein Training der Kieferrelation einer Versorgung vorgeschaltet werden sollen. Wer sich an interdisziplinäre strukturelle Therapien und Arbeiten an funktionellen Mustern wagt, sollte jedoch über ein Mindestmaß an übergeordnetem medizinischen Wissen und Können verfügen. Es kann nicht sein, dass allein „Beschwerden" als Begründung für umfangreiche Therapien (mit ungewissen Ausgang) herangezogen werden. Auch hier steht deshalb die medizinische Expertise im Vordergrund. Da ein intraorales Stützstift-Registriersystem nicht nur anatomische Grenzen, sondern auch Bewegungsmuster aufzeichnet, macht es durchaus Sinn, Registrierungen vor und nach interdisziplinären Therapien durchzuführen, denn „Blockaden“ können ja nicht nur struktureller, sondern auch funktioneller Art sein. Die intraorale Stützstiftregistrierung mit dem aktuellen IPR-System (IPR 6) hilft, weil sie einfach, schnell und unkompliziert und darüber hinaus wirtschaftlich ist. Sie lässt sich auf Basis fundierter schulmedizinischer Erkenntnisse einsetzen – so, wie es seit Jahrzehnten gefordert wird.

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Peter Blattner

Dr. Peter Blattner

Remscheid

E-Mail: info@dr-blattner.de

Dr. Andreas Million

Dr. Andreas Million

Vilshofen

E-Mail: andreas.million@me.com

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