Hier klicken für weitere Infos
Hier klicken für weitere Infos

Kundenbindung mit Digitaltechnik

Digitale Abformung mit CEREC Connect verbindet CAD/CAM-Systeme

Drucken Von ZTM Maxi Findeiss    aktualisiert am 03.11.2011

Das Dental-Labor Grüttner GmbH in Pößneck/Thüringen wurde 1991 gegründet und zählt heute mit ca. 70 Mitarbeitern zu den zahntechnischen Großbetrieben. Die Eigentümer, ZTM Stefan Grüttner und Simone Klette, haben die Chancen der Digitaltechnik früh erkannt und investierten in die computergestützte Fertigung von Komponenten für die Implantatprothetik und vollkeramische Restaurationen.




Zunächst wurde bereits 2001 in das inLab-System (Sirona) investiert und Schritt für Schritt um großvolumigen Frässysteme (Organical 4XT, 4XM, Multi etc.) erweitert. Für die Modelldatenerfassung wird mit dem 3Shape-Scanner gearbeitet. Vor etwa einem Jahr wurde die digitale Abformung mit CEREC Connect integriert. Damit empfängt das zahntechnische Labor nun direkt online digitale Datensätze von Intraoral- Abformungen, die in Zahnarztpraxen mit der CEREC AC-Aufnahmeeinheit erfasst werden. Diese Daten werden mit dem inLab-System verarbeitet oder über eine offene Schnittstelle (OPEN CEREC Connect, Sirona) in das 3Shape-System importiert.

Mit CEREC Connect kann die Zahnarztpraxis unabhängig von der geografischen Entfernung mit dem Zahntechniker kommunizieren. Digitale Abformdaten können im Labor direkt in den Produktionsprozess übernommen werden. Die offene Schnittstelle bietet dem Labor flexible Optionen zur Restaurationsherstellung.

Seit 2001 nutzt unser Labor computergestützte Herstellungsverfahren und fertigt damit Zahnersatz aus Vollkeramik und Metalllegierungen sowie Langzeitprovisorien aus Kunststoff. Technologischer Fortschritt und Ziele zur Wirtschaftlichkeitssteigerung gaben den Auslöser für die Veränderung der Produktionsprozesse. Mit der Einführung des digitalen Workflows wollten wir auch bei Qualität und Service für unsere Praxiskunden attraktiv bleiben. Dadurch konnten wir unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Auftragslage steigern. Wir begannen mit dem inLab-System, stellten ein Gipsmodell auf Basis einer konventionellen Elastomerabformung her und erfassten die digitalen Modelldaten mit dem Modellscanner. Diese Daten bildeten die Grundlage für das computergestützte Restaurationsdesign und für den anschließenden Ausschleifprozess aus Vollkeramik, z.B. aus Lithiumdisilikat, Zirkon- und Aluminiumoxid.

Mit steigendem Auftragsvolumen erweiterten wir unsere CAD/CAM-Kapazität für die Fertigung weitspanniger Gerüste und komplexer Arbeiten. Der bis dahin dominierende NEM-Anteil ging zurück, der Vollkeramik-Anteil wuchs. Mit der Kombination unterschiedlicher Systeme sind wir heute gut aufgestellt und produzieren rationell bei gleichzeitig hoher Qualität und verkürzten Fertigungszeiten.

Der bisherige CAD/CAM-Prozess im Labor basierte jedoch auf der widersprüchlichen Ausgangssituation im Patientenmund. Die analoge Abformung von Präparation und der Bissverhältnisse mit plastischen Abformmassen enthielt stets bekannte Risiken: Dimensionsverzüge durch die Entformung, Polymerisationschrumpfung, Luftblaseneinschlüsse, Sekretrückstände, die Gipsexpansion im Meistermodell. Alle diese Fehlerquellen können bisweilen das Ergebnis beeinträchtigen, bevor das Modell „hochtechnologisch“ digital gescannt wird. Logischerweise sollte die Digitalisierung bereits im Patientenmund beginnen und direkt in die zahntechnische Verarbeitungskette übergehen.

Digital beginnt im Mund

Nun ist es soweit: Den Anstoß gaben bereits bestehende Anwender der CEREC AC Aufnahmeeinheit mit der CEREC Connect-Software. Die Zahnärzte liefern uns die Intraoralabformungen als digitale Datensätze, d.h. virtuelle Modelle, online via CEREC Connect-Portal innerhalb weniger Minuten direkt zu unserem Labor-Server. Ergänzende Fazialfotos sowie Angaben zu Zahnfarbe, Individualisierung, Werkstoff, Okklusionskonzept etc. können vom Zahnarzt mit gesendet werden. Wir öffnen den Datensatz mit einem Klick in der inLab-Software und können bei Bedarf sofort und ohne Zeitverlust parallel mit dem Behandler auf die Zahnsituation schauen, um Einzelheiten zu Design, Wandstärken, Ästhetik, Kontaktpunkten und Funktion zu besprechen.

Anschließend haben wir in unserem Labor mehrere Optionen hinsichtlich der Weiterverarbeitung: Entweder mit dem inLab-System oder wir exportieren den Modelldatensatz aus der inLab-Software in die 3Shape-Software. Über die OPEN CEREC Connect- Schnittstelle können die inLab-Modelldaten als offenes STL-Format umgewandelt werden, für die Weiterverarbeitung in einem anderen CAD/CAMSystem. Inzwischen wird auch eine spezielle, mit 3Shape abgestimmte Schnittstellen-Option von Sirona angeboten.

Schnittstelle erhöht Flexibilität

Wir konstruieren die Restauration mit dem DentalDesigner von 3Shape. Anhand der Antagonisten-Daten kann ich auch ohne Modell Bewegungsbahnen erkennen und entsprechende Kontakte und Gleitflächen einfügen. Kundenspezifische Anforderungen bei Friktion, Kontaktpunktstärke oder Antagonistenkontakt können wie gewohnt über Parametereinstellungen festgelegt werden. Anhand der Antagonistendaten sowie der Restbezahnung im zu versorgenden Kiefer errechnet die Software die vollanatomische Zahnform. Grundsätzlich bevorzugen wir ein anatoformes Gerüstdesign, d.h. eine anatomisch reduzierte Form mit Unterstützung der Höcker für dünne Verblendschichten, um das Risiko von Chippings auszuschließen. Nach dem Konstruieren erfolgt der Ausschleifprozess in unserem CAM-Modul.

Für die zahntechnische Ausarbeitung der Restauration benötigen wir ein Arbeitsmodell mit Sägeschnitten und wahlweise mit unterkehlten Einzelstümpfen. Um das Modell zu generieren, wird der Datensatz von uns via Internet an Sirona gesendet. Dort erfolgt bei infiniDent die zentrale Herstellung der Ober- und Unterkiefermodelle, stereolithografisch (SLA) aus Kunststoff dimensionsgenau polymerisiert und gehärtet.

Neuerdings können die Modelle auch im Labor mit der inLab MC XL aus Kunststoff gefräst werden. Auf diesem Arbeitsmodell gestalten wir im Rahmen einer kontrollierten Verblendung die Kauflächen, justieren Kontaktpunkte zu Nachbarzähnen und Antagonisten, führen Bisshebungen durch und prüfen die Passung des ausgefrästen, gesinterten Gerüsts. Die Okklusion der verblendeten Restauration wird auf dem Modell im Mittelwert-Artikulator eingestellt. Ein konventioneller Gesichtsbogen-Abgleich ist möglich, sofern der Zahnarzt die Messdaten mitgeliefert hat.

Arbeitsabläufe verbessert

Die „Feuertaufe“ für die Passung, die Anprobe am Patienten, haben alle unsere CEREC Connect-Restaurationen bestanden - Nacharbeiten waren nicht erforderlich. Dies belegen die intraoralen Gerüst- und Rohbrandeinproben auf der Restbezahnung in unseren Kundenpraxen.

Neben den unbestrittenen Vorteilen der abdruckfreien Praxis für Zahnarzt und Patient sind die Arbeitsabläufe bei uns mit CEREC Connect, inLab und 3Shape rationeller geworden. Es entfällt das zeitaufwändige Ausgießen der Abdrücke und Herstellen von Gipsmodellen, das Trimmen von Zahnkranz und Sockel, das Freilegen der Präparationsränder, das Separieren mit Sägeschnitten und das Aufwachsen der Restauration. Organisatorische und wirtschaftliche Vorteile ergeben sich für uns aus der modernen Arbeitsweise und aus der Möglichkeit zum Übertragen der CEREC Connect-Datensätze in unsere CAD/CAM-Systeme, ferner aus der guten Dokumentation der Datensätze und deren Ergebnis- Archivierung.

Die Arbeitsqualität ist konstant, weil individuelle Abweichungen, wie z.B. bei der manuellen Modellierung, weitgehend entfallen. Auf Basis von CEREC Connect-Datensätzen aus mehreren Praxen haben wir Inlays, Onlays, Teilkronen direkt und ohne Modellunterstützung mit den Konstruktionsdaten ausgeschliffen. Brückengerüste mit 3 bis 5 Gliedern passen exakt, ebenso implantatgetragene Abutments. Dafür wurden für die Passung, Verblendung, Artikulation und Funktionskontrolle SLA-Modelle eingesetzt.

Den Kunden im Fokus

Aus Sicht unseres Labors ist CEREC Connect hervorragend für die Gewinnung von Neukunden geeignet. Wir konnten dadurch unseren Kundenkreis geografisch erweitern. Die Kommunikation zwischen Zahnarzt und unserem Labor wird virtuell unterstützt; der Zahntechniker kann besser mit der klinischen Situation vertraut gemacht werden und rückt „gefühlsmäßig“ näher an die Behandlungseinheit. Somit können wir unsere Kompetenz und Erfahrung besser und unmittelbar ins Spiel bringen. Ferner fördert der digitale Datenaustausch den Arbeitsprozess ohne Zeitverluste. Verlässliche Ergebnisse werden in kürzerer Zeit produziert. Ein Wort zur Kundenbindung: Zahnärzte, die bereits mit CEREC arbeiten, fühlen sich bei uns gut aufgehoben, weil wir ihr Verfahren verstehen.

Dr. Mathias Fötzsch, Praxisinhaber in Saalfeld/Thüringen, arbeitet seit dem Jahr 2002 mit CEREC. Sicherlich – Inlays, Onlays, Teilkronen und Kronen fertigt er gern chairside und gliedert sie in einer Sitzung ein. Im September 2010 hat er die CEREC Connect- Software installiert und sendet die Datensätze direkt an uns. Zum Einsatz kamen stets SLA-Modelle von infiniDent. Anfänglich wurden zur Kontrolle noch Elastomerabdrücke mitgeliefert, aber nach den ersten Rohbrandeinproben hatte sich das erledigt.

Inzwischen wurden zehn mehrgliedrige Brücken über CEREC Connect für Dr. Fötzsch gefertigt. Die Praxis bestätigte, dass Passung und Funktion perfekt gelöst waren und die Präzision der Connect- Arbeiten besser gewesen sei als jene mit konventioneller Abformung. CEREC Connect bietet dem Behandler mehr Zeitkapazität und exakt passende Restaurationen, professionell ausgeführt in perfekter Ästhetik mit unserer Gewährleistung.

Zahnarzt Torsten Wagner in Rudolstadt/Thüringen, versierter CEREC-Anwender seit 2007, hatte bisher Restaurationen überwiegend chairside hergestellt. Im Januar 2011 entschied er sich für die CEREC Connect-Software, um auf dem Online-Weg eng mit unserem zahntechnischen Labor zusammen zu arbeiten. In dieser computergestützten Arbeitsteilung entstanden gut passende Inlays, Onlays, Teilkronen, Veneers und vollanatomische Kronen. Mehrgliedrige Brückengerüste lässt der Zahnarzt über die STL-Schnittstelle aus NEM ausfräsen und aufbrennkeramisch verblenden. Zur Einstellung der individuellen Okklusion wünscht er sich im nächsten Software-Update die Option, ein funktionell erstelltes Registrat in die Kauflächenberechnung einzubeziehen.

Unsere Kunden, die mit CEREC-Connect arbeiten, schätzen die Messgenauigkeit der Intraoralkamera, die hohe Auflösung zur Kontrolle der Präparation sowie den direkten Draht zur Laborfertigung. Bei einigen anderen Restaurationssystemen gehen die Datensätze vom Zahnarzt zuerst an den industriellen Hersteller, werden dort gebührenpflichtig geprüft, gehen dann an ein externes Fräszentrum zum Ausschleifen der Gerüste und zur Modellfertigung für die Aufpassung. Auf diese externen Fertigungsstufen haben die Zahnärzte sowie zahntechnische Labore kaum Einfluss. CEREC Connect geht den direkten Weg von der Praxis ins Labor.

Im Anschluß finden Sie zwei Beispiele, die das Arbeiten mit CEREC-Connect verdeutlichen.

Datenexport mit CEREC Connect und inLab 3.86 in das 3Shape-System – am Beispiel einer Krone



Bilder
Abb. 1: Beispiel eines virtuellen OK/UK-Modells, aufgenommen in der Zahnarztpraxis mit der CEREC AC Aufnahmeeinheit und CEREC Connect Software, bereit für den Online-Versand in das ZT-Labor.   Abb. 2: Eingang des Auftrages der Zahnarztpraxis im ZT-Labor zur Fertigung einer NEM-Krone, Zahn 36.   Abb. 3: Download des Datensatzes mit CEREC Connect.   Abb. 4: Bestellen des SLA-Arbeitsmodells bei infiniDent (Sirona).  


Bilder
Abb. 5: Umwandlung des Datensatzes im inLab-Modus in die STL-Formatierung.   Abb. 6: Importieren der STL-Daten in das 3Shape-Modul.   Abb. 7: Konstruktion der Krone 36, Gestaltung der Kaufläche.   Abb. 8: Virtuelles Artikulieren der Kaufläche. Die Daten sind fertig für den Fräsprozess.  


Bilder
Abb. 9: Artikulieren der NEM-Krone auf dem SLA-Modell von infiDent.   Abb. 10: Die ausgefräste, polierte NEM-Krone regio 36 in situ.   Abb. 11: Das Arbeitsmodell für die Gerüstaufpassung kann alternativ zum SLA-Verfahren auch mit inLab MC XL im Labor ausgefräst werden.  

Praxisbeispiel Zirkoniumdioxid-Brücke regio 41-32 mit CEREC Connect



Bilder
Abb. 12: Präparation der Zähne 41 und 32. Die Angulation wurde für eine gemeinsame Einschubrichtung korrigiert.   Abb. 13: Virtueller CEREC Connect-Modellscan mit eingezeichneten Präparationsgrenzen.   Abb. 14: Modell mit virtuell separierten Kronenstümpfen.   Abb. 15: Modell im STL-Format von 3Shape.  


Bilder
Abb. 16: Konstruktion der 3gliedrigen Brücke 41-32.   Abb. 17: Virtuelle Funktionskontrolle.   Abb. 18: Zirkonoxid-Brücke im anatomisch reduzierten Gerüstdesign vor der Verblendung.   Abb. 19: Verblendete ZrO2-Brücke bei der Einprobe.  
 

 

 

Teilen

Fotostrecke
Abb. 1: Beispiel eines virtuellen OK/UK-Modells, aufgenommen in der Zahnarztpraxis mit der CEREC AC Aufnahmeeinheit und CEREC Connect Software, bereit für den Online-Versand in das ZT-Labor.   Abb. 2: Eingang des Auftrages der Zahnarztpraxis im ZT-Labor zur Fertigung einer NEM-Krone, Zahn 36.   Abb. 3: Download des Datensatzes mit CEREC Connect.   Abb. 4: Bestellen des SLA-Arbeitsmodells bei infiniDent (Sirona).   Abb. 5: Umwandlung des Datensatzes im inLab-Modus in die STL-Formatierung.   Abb. 6: Importieren der STL-Daten in das 3Shape-Modul.   Abb. 7: Konstruktion der Krone 36, Gestaltung der Kaufläche.   Abb. 8: Virtuelles Artikulieren der Kaufläche. Die Daten sind fertig für den Fräsprozess.   Abb. 9: Artikulieren der NEM-Krone auf dem SLA-Modell von infiDent.   Abb. 10: Die ausgefräste, polierte NEM-Krone regio 36 in situ.   Abb. 11: Das Arbeitsmodell für die Gerüstaufpassung kann alternativ zum SLA-Verfahren auch mit inLab MC XL im Labor ausgefräst werden.   Abb. 12: Präparation der Zähne 41 und 32. Die Angulation wurde für eine gemeinsame Einschubrichtung korrigiert.   Abb. 13: Virtueller CEREC Connect-Modellscan mit eingezeichneten Präparationsgrenzen.   Abb. 14: Modell mit virtuell separierten Kronenstümpfen.   Abb. 15: Modell im STL-Format von 3Shape.   Abb. 16: Konstruktion der 3gliedrigen Brücke 41-32.   Abb. 17: Virtuelle Funktionskontrolle.   Abb. 18: Zirkonoxid-Brücke im anatomisch reduzierten Gerüstdesign vor der Verblendung.   Abb. 19: Verblendete ZrO2-Brücke bei der Einprobe.  

ZAHNTECH MAG 15, 11, 638 – 645 (2011)

Autor 24

ZTM Maxi Findeiss

Dentallabor Grüttner GmbH

Ernst-Thälmann-Straße 13

07381 Pößneck

Tel.: 0 36 47 / 42 06 05

Fax: 0 36 47 / 42 48 98

E-Mail: info@dentallabor-gruettner.de
http://www.dentallabor-gruettner.de

Leser-Kommentare

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu verfassen.