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Die Funktion der Ästhetik
DruckenIndizes: Ästhetik, Psyche, Bewusstsein, Kosmetik, Frontzahnrestauration,
Veneers
Der Begriff der Ästhetik ist wohl der am häufigsten angewandte Begriff der modernen Zahnheilkunde, wie zum Beispiel ästhetische Frontzahnrestauration, ästhetische Chirurgie, ästhetisch idealisierte Zahnstellungskorrektur. Eine interessante Gegebenheit hierbei ist, dass es keinerlei wissenschaftliche Definition von diesem stark strapazierten Begriff gibt. Zwar existieren Hunderte von Studien über Attraktivitätsmerkmale, Symmetrie und Harmonieempfinden oder das Erfassen von Hirnaktivitäten bei ästhetischen Erlebnissen – dennoch führen alle zu unbefriedigenden Resultaten oder finden letztendlich eine Erklärung, die dann doch auf philosophischem Fundament aufbaut.

Aufgrund dieser Tatsache, dass Ästhetik sich nicht erforschen lässt beziehungsweise die Forschung zu unbefriedigenden Ergebnissen führt, wird sie an keiner Schule oder Universität gelehrt. Man kann Ästhetik nicht lernen, da es kein Gegenstand ist. Ästhetik ist ein Gefühl beziehungsweise ein Bewusstseinszustand. Und auch hier, bei der Definition von Bewusstsein ist unsere moderne Wissenschaft eher ratlos und driftet im Rahmen der vielfältigen Erklärungsversuche wieder in philosophische Gebiete ab. Dabei ist Ästhetik eigentlich leicht zu erklären, indem wir den Begriff Ästhetik in die Benennung „Das ästhetische Gefühl“ überführen (Abb. 1).
Das ästhetische Gefühl ist ein Bewusstseinszustand
Bewusstsein lässt sich nicht erforschen, da unsere Sinne hierfür nicht ausreichen. Das Bewusstsein entstammt einer Dimension, die wir nur in Bildern benennen können. Wir können ihre Existenz wahrnehmen aber nicht in ihrer Gesamtheit erblicken. Ästhetik ist wie Mathematik, die sich ebenfalls nicht erforschen lässt – sie lässt sich nur entdecken. Nehmen wir ein Beispiel aus der Geometrie. Gedanklich können wir uns ein Dreieck vorstellen. „Dinglich“ darstellen kann man ein Dreieck jedoch nicht. Es gibt keine exakte Linie, man kann auch keine exakte Dreiecksspitze zeichnen, oder auf eine andere Weise darstellen. Jede Linie ist genau betrachtet niemals gerade oder glatt. Auch die Dreiecksspitze ist nur eine Idee, aber nie bildlich oder als Gebilde exakt darstellbar. Die Spitze einer Pyramide existiert ebenfalls nur in der Welt der Ideen – nachbauen kann der Mensch sie nicht. Jede Spitze ist unter Vergrößerung betrachtet immer irgendwann eine Fläche, bis sie sich in ihrer molekularen Struktur auflöst und letztendlich nur aus Neutronen, Protonen, Elektronen und Schwingung besteht. Unbeachtet der Tatsache einer fehlenden wissenschaftlichen Definition, können wir jedoch Ästhetik empfinden. Nach dem deutschen Maler Friedrich August Bouterwerk ist das ästhetische Gefühl „das ursprüngliche Menschengefühl“, das „menschliche Urgefühl, ein Gefühl, in welchem die menschliche Natur wie ein ungeteiltes Ganzes wirkt.“ Ästhetik ist „was die zur wohlgeordneten Anwendung aller ihrer Grundfunktionen anregt.“(Rudolf Eisler, Wörterbuch der philosophischen Begriffe 1904).
Ursachen für psychische Erkrankungen
Ästhetik ist von elementarer Bedeutung für unser Wohlergehen beziehungsweise Glücklichsein und somit ein Grundbaustein unserer Gesundheit. Das große Problem unserer Zeit ist, dass gerade diese für unsere Gesundheit so wichtige Grundsubstanz von den Leistungserbringern und Krankekassen als Luxus dargestellt wird. Durch die fehlende wissenschaftliche Anerkennung, da nicht erforschbar, wird Funktion nur auf linear nachweisbare Dinge reduziert. Hier wird Leistung erstattet – Ästhetik hingegen wird als nicht funktionell notwendiges Luxusgut aus den Leistungskatalogen gestrichen. Diese Entwicklung ist von großer Tragweite. Der Schaden ist unvorstellbar groß, der hier durch die Ignoranz der Bedeutung von Ästhetik entsteht. Der ästhetisch entstellte Mensch leidet seelisch. Eine starke Abnahme des persönlichen Glücksgefühls kann in vielen Fällen beobachtet werden. Psychische Erkrankungen nehmen zurzeit in den Industrienationen um den 10-fachen Faktor zu. Hier spielt auch die Reizüberflutung unserer Mediengesellschaft eine Rolle, aber auch das Unwissen um die wahre Bedeutung ästhetischer Gegebenheiten! Zwei unterschiedliche Aspekte können hier beobachtet werden, in welcher Art und Weise Ästhetik zerstört wird und somit zur Erkrankung der Psyche des Menschen führen kann:
- Persönliche Indikation
- Ungenügende Rekonstruktion traumatischer Defekte.
Die persönliche Indikation bedeutet, dass der Mensch mit seinem natürlichen Erscheinungsbild nicht zufrieden ist. Hierbei besteht bereits eine psychische Störung als Ursache des Sich-selbst-nicht-annehmens. In 99 Prozent aller Fälle wird durch Unwissen dieser Hintergründe kosmetisch korrigiert. Hierbei kann immenser Schaden angerichtet werden. Der niederländische Psychopathologe Prof. Dr. Eelco Hakman sagt: „Eine Veränderung des Gesichts ist auch immer eine Veränderung der Psyche“.
Fall 1: Persönliche Indikation
Das erste Fallbeispiel veranschaulicht solch eine Fehlentwicklung einer kosmetischen Indikation. Die Patientin akzeptierte ihr persönliches Erscheinungsbild nicht, da sich ein Schneidezahn (21) etwas verdreht präsentierte (Abb. 2 und 3). Anstatt die Ursache des Unglücklichseins auf der Seelenebene zu lokalisieren, oder eine leichte kosmetische Veränderung der Zahnstellung durch ein einziges Veneer auf dem Nachbarzahn 11 vorzunehmen, wurde die Indikation für vier CAD/CAM gefräste Veneers formuliert. Nach dieser kosmetischen „Behandlung“ veränderte sich nicht nur das äußere Erscheinungsbild der Patientin, sondern auch ihre Psyche. In einem Zustand hilfloser Traurigkeit suchte sie Wege zur ästhetischen und seelischen Rehabilitation. Bei einem ersten persönlichen Gespräch erklärten wir die Möglichkeiten einer vorhersagbaren, schonenden Zurückführung in ein natürlichwirkendes, ästhetisch rekonstriertes Erscheinungsbild (Abb. 3 und 4). Eine ungenügende Wiederherstellung nach traumatischen Defekten bedeutet, dass durch die Rekonstruktion verloren gegangener Zahnsubstanz das natürliche Erscheinungsbild eines Menschen zerstört wird. Das ist leider oft der Fall, da die wichtige Funktion von Ästhetik nicht ernst genommen wird oder unbekannt ist.
Fall 2: Ungenügende Rekonstruktion traumatischer Defekte
Die Patientin litt unter ihrem dentalen Erscheinungsbild. Unästhetische Füllungen und vor allem unnatürlich wirkende Keramikkronen auf den zentralen Inzisiven minderten erheblich ihre Lebensfreude (Abb. 6). Durch den Weg einer „Majesthetischen Restauration“ konnten wir ästhetisch, physisch und psychisch verloren gegangene Lebensfreude wiederherstellen (Abb. 7 bis 11).
Fazit
Aufgrund von Unwissen um die funktionelle Bedeutung von Ästhetik, werden tagtäglich unter dem Deckmantel einer Kostenminimierung Menschen kurzfristig ästhetisch und langfristig in vielen Fällen zudem auch psychisch geschädigt. Latrogene (durch Ärzte hervorgerufene) Schäden in den genannten Formen sind ein ernstes Thema. Vor allem die Ignoranz der wichtigen Bedeutung von Ästhetik in Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit des Menschen muss beachtet werden. Hierzu ist ein Umdenken der Leistungserbringer vonnöten.
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Willi Geller Creation Classic,
AmannGirrbach (A-Koblach)
Galvano-Gold:
HELIOFROM®, C. Hafner (Pforzheim)
ZAHNTECH MAG 14, 6, 318 – 321 (2010)







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