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Mit Galvano gut gelöst
DruckenIndizes: Teleskop-Technik; Galvano-Technik, Kiefergelenksdiagnostik,
CK-Telemaster, DIR®-System
Der Begriff ‚Galvanisieren’ benennt einen elektrochemischen Abscheidungsvorgang, bei dem sich über die Elektrolyse metallische Niederschläge an einer Kathode anlagern. In der Zahntechnik nutzt man diesen Vorgang zumeist für das präzise Gestalten von Sekundär-Konstruktionen. Zahntechniker, die diese zeitgemäße Technik nutzen, wollen in der Regel nicht mehr auf ihre Vorzüge wie Passgenauigkeit, Allergiefreiheit und ästhetische Gestaltungsmöglichkeiten verzichten. ZTM Bernd Dubielzyk (Hude) zeigt in seinem Beitrag, dass Galvano-Teleskope alle Anforderungen an modernen Zahnersatz erfüllen und dabei auch noch teures Edelmetall sparen helfen.

Manchmal scheint es wie verhext – die umfangreichsten Arbeiten kommen immer dann ins Labor, wenn viel zu tun ist und alle großen Wert darauf legen, dass die Restauration unbedingt schnell fertig wird. Mal ist es kurz vor den Ferien, mal zu Ostern oder auch zu Weihnachten. In unserem Fall waren bis Weihnachten noch etliche Monate Zeit, aber die Therapie und die Herstellung der definitiven Restauration nahmen mehrere Monate in Anspruch, so dass letztlich Zahnarzt, Zahntechniker und Patientin erleichtert waren, dass die Restauration kurz vor den Feiertagen fertig wurde und sie mit ihrer neuen ästhetischen Versorgung im Kreis ihrer Familie unbeschwert feiern konnte. Bereits im Spätsommer stellte sich die Patientin in der Praxis vor. Sie wünschte sich eine neue und vor allem ästhetische Oberkiefer- und Unterkiefer-Versorgung. Zunächst registrierte der Zahnarzt mit dem DIR®-System ihre Kiefer- und die Kiefergelenksfunktion mit dem vorhandenen Zahnersatz. Bei der direkten, internen Vermessungsmethode werden die Bewegungssignale über einen Messsensor aufgenommen, durch einen Messverstärker hervorgehoben und in ein komplexes rechnergestütztes Diagnostik-System übertragen und umgewandelt. Ziel der Messung ist es, mögliche Funktionsstörungen zu erkennen und gegebenenfalls einen geeigneten Therapieplan zu entwickeln. Im vorgestellten Fall war die Veränderung der Bisslage der vorhandenen Prothesen und eine Schienentherapie notwendig, um eine optimale und entspannte Bisslage von Kiefer und Zähnen herbeizuführen. In einer dreimonatigen Therapie sollte die Patientin an diese neue Bisssituation gewöhnt werden. Schon nach deutlich kürzerer Zeit zeigten sich erkennbare Verbesserungen ihres Verspannungszustandes. Mithilfe des DIR®-Systems hatten wir so elektronisch die Bisslage exakt ermittelt und die Grundlage für einen wirklich funktionellen Zahnersatz geschaffen.
Der richtige Einstieg
Restaurationen mit Teleskopen sollten grundsätzlich von einer hohen Präzision sein. Darüber hinaus erfordern sie im Gegensatz zu vielen anderen Restaurationsformen vom Zahntechniker zusätzlich ein Umdenken, da eine wirklich funktionierende Teleskopversorgung quasi von rückwärts und der späteren Stellung der Zähne aus geplant werden muss. Nur so erfüllt eine solche Versorgung die funktionellen und ästhetischen Anforderungen. Nach der Präparation fertigten wir für beide Kiefer die Sägemodelle (Abb. 1 und 2). Die Modelle zeigten saubere Präparationsgrenzen. Damit es an den Stufen der Primärkronen nicht zu Reizungen kam, hatten wir im Bereich der präparierten Stümpfe jeweils eine Zahnfleischmaske aus elastischem Silikon angebracht. Eine solche Zahnfleischmaske ermöglicht den Zugang zu den Präparationsgrenzen und kann entfernt und wieder aufgesteckt werden, um beim Modellieren und Nachfräsen jederzeit die Höhe der Stufe auf dem Modell prüfen zu können. Zunächst fertigten wir daraufhin auf dem Sägemodell die Primärteile aus hochgoldhaltigem Trendgold SG-PDF an. Die extraharte feinkörnige Legierung ist palladiumfrei und besteht zu 71 Prozent aus Gold, 12,3 Prozent Silber, 4 Prozent Platin, 12,3 Prozent Kupfer und lässt sich bei 1.050 Grad Celsius präzise gießen. Nach erfolgreicher Einprobe wurde mit einem individuellen Löffel ein Abdruck der Kiefer mitsamt Primärteilen genommen. Im Labor stellten wir daraufhin die Meistermodelle mit Kunststoffstümpfen her. Primärteile mit Retentionen für die Abdrucknahme und Positionsmarkierungen für den Zahnarzt auf einem Meistermodell zeigt Abbildung 3.
Unglaublich schnell fräsen
Mit Kunststoff werden die Primärteile zügig an den beweglichen Armen des Übertragungssystems Telemaster fixiert. Dazu werden die Arme an einer Magnetplatte direkt über den Teleskopen ausgerichtet und Pins abgesenkt, an denen die Teleskope mit Pattern Resin befestigt werden (Abb. 4). Mit dem Telemaster entsteht hier ein gewaltiger Zeitvorteil gegenüber herkömmlichen Übertragungsspinnen, da alle Teleskope ohne die übliche Wartezeit für zwischenzeitliches Aushärten des Kunststoffs direkt nacheinander an den Pins fixiert werden können. Indem man nach dem Aushärten des Kunststoffs die Verbindungsschrauben der Schwenkarme löst, kann die Übertragungsspinne nach oben abgezogen werden, und die Primärteile bleiben mit den Pins auf dem Modell zurück. Die Frässtümpfe stellt man her, indem man die Pins mit den fixierten Primärteilen einfach in die Bohrungen des Außenrings steckt und dort festschraubt. Die Kroneninnenseiten zeigen dann nach oben un werden mit Kunststoff aufgefüllt (Abb. 5). Ist der ausgehärtet, werden die Haltepins einfach abgeknackt und die Teleskope mit den Frässticks im Frässockel verschraubt – schon kann das Fräsen beginnen. Die im Telemaster fixierten Teleskope lassen sich mit kreuzverzahnten Fräsern mit Null-Grad-Winkel und den neuen dickeren Frästechnikpolierern von Komet bequem fräsen und polieren (Abb. 6). Die Polierer erhält man im korrekten Winkel, indem man sie zwischendurch kurz an der entsprechend gewinkelten Fläche des Abrichtblocks mit leicht kreisenden Bewegungen abrichtet (Abb. 7). Die fertig polierten Primärteile zeigt Abbildung 8. Auf den Meistermodellen erkennt man gut, wie sie vestibulär schön parallel zur Gingiva gefräst sind (Abb. 9 und 10).
Präziser Biss, passgenaue Restauration
Die fertigen Primärteile wurden vom Zahnarzt mit Fit Checker eingesetzt. Eine Registrier-Schablone aus Kunststoff wurde mithilfe von Kunststoff-„Sekundärteilen“ auf den Primärteilen befestigt. In die Schablonen waren Messsensoren integriert, die nochmals die Kiefer- und Kiefergelenksfunktion maßen und deren Signale vom DIR®-System aufgenommen, umgewandelt und registriert wurden. Anhand dieses Registrats wurden die Modelle lagerichtig einartikuliert (Abb. 11). Anschließend fertigen wir die Galvano-Sekundärteile. Dazu befüllten wir die Primärkronen mit Kunststoff und ließen ihn aushärten. Dann bohrten wir zirka 2 bis 3 Millimeter lange Kanäle und steckten die Kupferelektroden des Galvanogerätes hinein. Jetzt wurden die Primärteile mit einem Dampfstrahler gesäubert, damit später keine Verunreinigungen auf der Oberfläche die Passung der Galvanokappen beeinträchtigten. Entfettet kamen die Primärkronen ins Galvano-Goldbad. Durch dessen wässrige Lösung wurde Strom geleitet, der am Minuspol die in Ionen aufgespaltenen Salze des Metalls in der Elektrolytlösung als goldener Niederschlag elektrochemisch auf unserem Werkstück abscheiden ließ. Wir galvanisieren häufig, deshalb legen wir besonderen Wert auf optimale Funktion und beste Ergebnisse. Gute Erfahrungen haben wir mit dem Galvanogerät „Genius Perfekt“ von Trendgold Binder gemacht. In diesem Fall fertigen wir Galvano-Kappen in einer Stärke von 200 μm. Daneben können wir auch Kronen, Inlays oder Sekundärkonstruktionen und Modelgussprothesen mit einer Feingoldauflage in belie biger Schichtstärke vergolden oder die Friktion älterer Sekundär-Teleskope wieder herstellen. Das Ergebnis mit der glatten, glänzenden Oberfläche zeigt Abbildung 12.
Die Tertiärkonstruktion
Auf die Galvanokappen wurde Platzhalterlack aufgetragen, der den Klebespalt zwischen Sekundärund Tertiärstruktur definiert. Die Tertiärkonstruktion modellierten wir dann in Wachs und gossen sie in einer EMF-Legierung. Nach der Gerüsteinprobe wurde sie vom Behandler mit 3M ESPE Nimetic Cem im Mund mit den Galvanokappen verklebt (Abb. 13). Ein nach ästhetischen und funktionellen Gesichtspunkten erarbeitetes Wax-up half uns beim Verblenden (Abb. 14 bis 16). Zahnform, Zahnstellung und Okklusion konnten so verhältnismäßig schnell überprüft und zeit- und kostensparend korrigiert werden. Wegen der starken Mittellinienverschiebung war im dargestellten Fall die Seitenverzahnung und Eckzahnführung schwierig zu realisieren. Über das Wax-up zogen wir einen Wall aus transparentem Silikon (Abb. 17). Dabei achteten wir darauf, dass der Wall vestibulär gut abgestützt war, damit man ihn später exakt reponieren konnte (Abb. 18). Dann wurde das Tertiärgerüst segmentweise opakisiert (Abb. 19). Nach dem Aushärten füllten wir den Wall mit Dentin-Kunststoff und reponierten ihn mit Druck (Abb. 20). Dies sollte zügig und möglichst blasenfrei geschehen. Sparsamkeit ist hier fehl am Platz. Nach dem Aushärten stellte der eingefüllte Kunststoff das Dentin dar (Abb. 21). Segmentweise wurde der Vorgang wiederholt (Abb. 22 bis 24).
Einprobe und Fertigstellung
Zur Einprobe war der Verblendkunststoff dann in Dentin fertig geschichtet und rosa Wachs als Basis angeschwämmt, so dass nach der Wachseinprobe das Komposit zurückgeschliffen und mit Schneideund Transpa-Massen nachgeschichtet werden konnte (Abb. 25). Bei der Wachsanprobe stellte sich überdies heraus, dass Patient und Zahnarzt keine „langen Zähne“ wünschten und die Frontzähne am Zahnhals durch rosa Basis-Kunststoff abgedeckt werden sollten. Damit orientierte sich die Patientin am Erscheinungsbild ihrer vorhandenen Prothesen. Zurück im Labor haben wir dann das Dentin mit Schleifkörpern reduziert, um Platz für die Schneide und individuelle Charakteristiken zu schaffen. Hier eignen sich Diamant-Schleifer von Komet-Brasseler besonders gut. Wir unterbrachen die Schneidekanten und arbeiteten Mamelons ein. Auch die unterschiedlich hellen Schneide-Massen und Schmelzrisse wirken gut. Das Gum-Color haben wir zunächst im Bereich der Zahnhälse angetragen und die Zahnfleischmasse individuell charakterisiert. Ausgearbeitet wurde mit Diamant-Schleifern. Interdental verwendeten wir zum Separieren eine Diamantscheibe. Mit der Aluminiumoxid-Polierpaste Dura-Polish und einer mittelharten Bürste haben wir vorpoliert. Auf Hochglanz poliert haben wir anschließend mit Dura-Polish Dia, einer Diamant-Polierpaste und einer Schwabbel. Abbildung 26 zeigt die fertig ausgearbeiteten und polierten Verblendungen mit ihrer schönen Struktur. Die Okklusalaufnahmen lassen erkennen, dass sich auf den Randleisten und Höckern die Okklusionskontakte verdichten (Abb. 27).
Damit folgen wir der beidseitig balancierten Okklusion nach Dr. Eugen End. Sein BIO-Logisches Okklusionskonzept (BLP) folgt den Gesetzmäßigkeiten natürlicher Gebisse unter neuromuskulärer Führung durch den Unterkiefer ohne Zahnführung und einseitige oder beidseitige Balancierung. Das BLP-Konzept hat eine korrekte dreidimensionale Zentrik mit einer stabilen punktförmigen Abstützung und zwei bis drei Kontaktpunkten pro Seitenzahn zum Ziel (Abb. 28). Abbildung 29 und 30 stellen jeweils die Lateralbewegung mit Eckzahnführung dar. Abb. 31 demonstriert die Protrusion.
Fazit
Bei der gelungenen Arbeit war es mittels Vorwall-Technik verhältnismäßig einfach, ein funktionelles Wax-up in ein Verblendkomposit zu überführen (Abb. 32 und 33). Das Aufbauen der Verblendungsform nach einem präzise gestalteten Wax-up und mittels Vorwall lieferte uns ohne großen Zeitaufwand zuverlässig reproduzierbare Ergebnisse, die anhand des Silikonschlüssels jederzeit überprüft werden können. Da die Verblendungen exakt dort platziert waren, wo sie stehen sollen, konnten wir uns bei diesem Verfahren ganz auf die Formgebung konzentrieren. Die Wünsche der Patientin hinsichtlich Form, Größe und Farbe wurden umgesetzt (Abb. 34). Die mesialen und distalen Randleisten sind ausgeprägt gestaltet und harmonisch einander zugeordnet. Die approximalen Übergänge sind breit und mesial und distal annähernd gleich stark dimensioniert. Die typischen Zahnmerkmale sind berücksichtigt. Insgesamt bieten die Prothesen einen sehr guten Halt und ein Höchstmaß an Tragekomfort. Dank der Präzision und Adhäsion der Galvanotechnik sind wir ganz ohne Geschiebe oder Friktionsverstärker ausgekommen. So ist mithilfe der Galvano-Technik ein hochwertiger und biokompatibler Zahnersatz entstanden, der allen heutigen Ansprüchen gerecht wird (Abb. 35). Mit der Verbesserung ihrer Versorgung und Bisssituation zeigte sich die Patientin nach Eingliederung entsprechend zufrieden und konnte zu Weihnachten wieder alles essen – ein wunderbares Geschenk.
Danksagung
Mein Dank für die gelungene Zusammenarbeit bei der Lösung dieses Falles gilt Zahnarzt Dr. Matthias Gneuß, Oldenburg, und seinem Praxisteam.
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Verwendete Materialien
Registrierung: DIR®-System (DIR®-System, Essen)
Übertragungsspinne: Telemaster
(Claus Küchler Dental, Gutenberg)
Frästechnikpolierer: 9440C/MIF.060
Fräser: H364RA.023, H364RXE.023, H364RS.023
Abrichtblöcke Set: 4446
(alles Komet/Gebr. Brasseler, Lemgo)
Galvanogerät: Genius Perfekt
(Trendgold Binder, Georgsmarienhütte)
Tertiärkonstruktion: Trendgold SG-PDT
(Trendgold Binder, Georgsmarienhütte)
Verklebung: Nimetic Cem (3M Espe, Seefeld)
Alumiumoxid-Polierpaste: Dura-Polish
(Shofu, Ratingen)
ZAHNTECH MAG 12, 4, 174– 183 (2008)
Literaturverzeichnis
Dr. Eugen End „Die physiologische Zentrik des menschlichen Gebisses“ Verlag Neuer Merkur München 2005








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