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Renaissance eines Klassikers

Drucken Von Jürgen Kaufmann, Michael Wörle, Eberhard Pingel    aktualisiert am 16.02.2008

Indizes: statische und dynamische Okklusion, störungsfreies okklusales Relief, Registrat, Vertikulator, Vollkeramik-Teilkronen

Die FGP-Technik (Functionally Generated Path – funktionsgeführter Pfad) ist schon seit zirka 1930 bekannt, geriet jedoch leider immer wieder in Vergessenheit. Ziel dieses Berichtes ist es, diese effektive und vor allem sehr sichere Methode nach Dr. Anton Griesbeck wieder ins Gespräch zu bringen.




Statische und dynamische Okklusion interferenzfrei auf den individuell zu erstellenden Zahnersatz zu übertragen ist eine der langersehntesten Bestrebungen der zahnärztlichen Maßnahmen. Die strikte Anwendung der starren mechanischen Instrumente hat in der Praxis keinen vollständigen Erfolg gebracht. Die Aufwachstechnik von M. H. Polz konnte großen Fortschritt hierzu in der Ergänzung funktionellen Raumbedarfs der Kaufläche beitragen, den selbst elektronische Geräte nur eingeschränkt erfassen. Mit Hilfe der modifzierten FGP-Technik – frei nach Dr. Anton Griesbeck – ist in jedem erdenklichen Patientenfall ein störungsfreies okklusales Relief erbringbar. Es wird ein sphärisches und ein anatomisches FGP-Registrat extraoral überkontert, nachdem diese Registrate zuvor auf ein segmentiertes und bereits im Präzisions-Vertikulator montiertes Meistermodell reponiert wurden. Daraufhin erfolgt die Montage dieses Funktions- bzw. anatomischen Konters am Vertikalschlitten des Vertikulators. Die präzise Art der Montage dieser Konter ermöglicht die Herstellung perfekter patientenspezifischer Okklusalstrukturen. Da die Genauigkeit im 10 μm-Bereich liegt, entfallen bei der Eingliederung intraorale Okklusionskorrekturen (Abb. 1).

Ideale Voraussetzungen



Um diese Methoden erfolgreich anzuwenden, müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein: natürlicher beziehungsweise sanierter Antagonistenbereich, eine gesicherte Front-Eckzahnführung (kann im FGP-Träger auch simuliert werden), ein Kiefergelenk ohne wesentliche pathologische Anamnese, nicht vorhandene Balancekontakte und eine gesicherte habituelle Zentrik. Für die Umsetzung der FGP-Technik in unserem Labor haben wir die Methode nach Dr. Anton Griesbeck gewählt und für unsere Zwecke modifiziert. Bei unserem Fall handelte es sich um die Restauration der Zähne 14, 15, 16, die jeweils mit gepressten und überschichteten Vollkeramik-Teilkronen versorgt werden sollten.

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Abb. 1: Der Vertikulator.   Abb. 2: Die präparierten Stümpfe.   Abb. 3: Die Abformung der Präparation erfolgt mit Impregum®.   Abb. 4: Das Modell mit den vorbereiteten Stümpfen.   Abb. 5: Die FGP-Trägerherstellung in Wachs …   Abb. 6: … und nach dem Guß.  

Die Umsetzung



Nach der Präparation (Abb. 2) und der Abformung (Abb. 3) mit Impregum® wird ein Sägemodell hergestellt (Abb. 4). Darüber hinaus benötigen wir eine Gegenkieferabformung. Zunächst wird ein Modell hergestellt und gegen das Sägemodell einartikuliert. Dies geschieht, um die Dimension der FGPTräger festzulegen. Auf diesem Sägemodell werden nun zwei FGP-Träger erstellt, in unserem Fall aus Metall (Abb. 5 und 6). Nun wird auf den beiden fertig ausgearbeiteten und aufgepassten Trägern das Trägerwachs, die „Wachswälle“, aufgetragen (Abb. 7 und 8), und zwar derart, dass diese die Okklusionsebene der Nachbarzähne um zirka 3 mm überragen. Nach bukkal bzw. lingual werden die Wachswälle um zirka 2 mm transversal überdimensioniert.

Bilder
Abb. 7: Der fertige FGP-Träger mit dem Trägerwachswall.   Abb. 8: Träger und Wachswall werden auf dem Modell reponiert.   Abb. 9: Träger für das Schreiben der Funktion im Mund.   Abb. 10: Abformung der Funktion auf dem Träger.   Abb. 11: Träger für die Abformung der (Anatomie-) Zentrik im Mund.   Abb. 12: Abformung der Anatomie (Zentrik) auf dem Träger.  


Bilder
Abb. 13: Reponierter Träger.   Abb. 14: Modell montiert und überkontert.   Abb. 15: Montage des Konters am Vertikalschlitten.   Abb. 16: Die Gerüste werden modelliert ...   Abb.17: ... und die Keramik aufgetragen.  

Die Extensionsbewegungen formen den FGP-Träger sphärisch aus



In der Zahnarztpraxis wird nun der Patient durch einminütiges Kauen auf einer Kofferdamrolle auf die stereogaphische Aufzeichnung seiner Bewegungen
vorbereitet. Zur gleichen Zeit erwärmt man die FGP-Träger in einem 52 °C warmen Wasserbad etwa 30 Sekunden lang. Als nächstes wird der so vorbereitete Träger in einem habituellen Schlussbiss vom Patienten auf den präparierten Zähnen adapiert und zentriert. Jetzt formen Laterotrusions-, Mediotrusions-, Retrusions- und Protrusionsbewegungen des Unterkiefers den mit Wachs bestückten FGP-Träger sphärisch aus (Abb. 9 und 10). Anschließend kann diese Aufzeichnung entnommen werden. Der zweite FGP-Träger wird lediglich durch einen habituellen Schlussbiss anatomisch geformt (Abb. 11 und 12).

Die Montage im Vertikulator



Die fertig geschriebenen FGP-Träger werden nun auf das im Vertikulator montierte Sägemodell reponiert (Abb. 13) und mit Superhartgips überkontert (Abb. 14). Die okklusalen Flächen des distalen und des mesialen Nachbarzahnes werden ebenfalls in die Überkonterung einbezogen. Der nächste Arbeitsgang ist die Montage des Konters am Vertikalschlitten. Ohne den Konter zu lösen wird er im oberen Teil des vertikal arbeitenden Gerätes montiert (Abb. 15). Das zweite Registrat wird auf die gleiche Weise montiert. Jetzt kann die Herstellung der Arbeit im Präzisions-Vertikulator beginnen.

Bilder
Abb. 18: Herstellen und auf Null einschleifen der Arbeit im Vertikulator.   Abb. 19: Herstellen und auf Null einschleifen der Arbeit im Vertikulator (okkusal).   Abb. 20: Die fertige Arbeit auf dem Kontrollmodell.   Abb. 21: Die statischen Stopps auf dem Modell …   Abb. 22: ... und ...   Abb. 23: ...  in situ.  


Bilder
DIE FGP-TECHNIK AUF EINEN BLICK  

Keine Korrekturen nötig



Nach der Gerüstherstellung (Abb. 16 und 17) wird die Arbeit wie gewohnt keramisch aufgebrannt, jedoch mit dem Unterschied, dass die „Anatomie“ (Zentrik) und „Funktion“ ausschließlich mit den im Vertikulator montierten Kontern eingeschliffen wird (Abb. 18 und 19), und dies mit einer Genauigkeit von 10 μm. Nach der Fertigstellung (Abb. 20) werden die statischen Stopps der fertigen Arbeit fotografiert und zur Kontrolle an den Behandler weitergegeben (Abb. 21). Die vollkeramischen Teilkronen werden nun dem Patienten eingesetzt. Sobald die Überprüfung mit der Kontaktfolie und Shimstockfolie abgeschlossen ist, bedarf es weder in der vertikalen noch in der funktionellen Bewegung einer Korrektur (Abb. 22 und 23). Dank des hervorragenden Konzeptes des Präzisions-Vertikulators, der Modifikationen von Dr. Anton Griesbeck, kleiner Änderungen unseres Teams und der Innovationen von ZA. Stephan Schweiger erlebt die FGP-Technik im P&S Dentallabor eine absolute Renaissance. Wir arbeiten seit dem Kurs mit Dr. Anton Griesbeck sehr effizient mit dieser Technik – nach dem Motto FGP = Funktioniert Ganz Prima.

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Fotostrecke
Abb. 1: Der Vertikulator.   Abb. 2: Die präparierten Stümpfe.   Abb. 3: Die Abformung der Präparation erfolgt mit Impregum®.   Abb. 4: Das Modell mit den vorbereiteten Stümpfen.   Abb. 5: Die FGP-Trägerherstellung in Wachs …   Abb. 6: … und nach dem Guß.   Abb. 7: Der fertige FGP-Träger mit dem Trägerwachswall.   Abb. 8: Träger und Wachswall werden auf dem Modell reponiert.   Abb. 9: Träger für das Schreiben der Funktion im Mund.   Abb. 10: Abformung der Funktion auf dem Träger.   Abb. 11: Träger für die Abformung der (Anatomie-) Zentrik im Mund.   Abb. 12: Abformung der Anatomie (Zentrik) auf dem Träger.   Abb. 13: Reponierter Träger.   Abb. 14: Modell montiert und überkontert.   Abb. 15: Montage des Konters am Vertikalschlitten.   Abb. 16: Die Gerüste werden modelliert ...   Abb.17: ... und die Keramik aufgetragen.   Abb. 18: Herstellen und auf Null einschleifen der Arbeit im Vertikulator.   Abb. 19: Herstellen und auf Null einschleifen der Arbeit im Vertikulator (okkusal).   Abb. 20: Die fertige Arbeit auf dem Kontrollmodell.   Abb. 21: Die statischen Stopps auf dem Modell …   Abb. 22: ... und ...   Abb. 23: ...  in situ.   DIE FGP-TECHNIK AUF EINEN BLICK  

ZAHNTECH MAG 12, 1-2, 16 –20 (2008)

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