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Teleskopierende Implantatversorgung
Zahntechnischer Plan für nur drei Zahnarzttermine
DruckenImplantatprothetik, Zirkoniumdioxid-Primärteile, Teleskope,
Galvano, Behandlungsmanagement
Abformung, Anprobe, definitive Eingliederung: Durch die Koordination und geschickte Zusammenlegung von Laborschritten sparen Zahnarzt und Patient Zeit – und ebenso der Zahntechniker. Dies zeigt der folgende Fall, eine Galvano-Teleskop-Versorgung im spärlichen Restgebiss mit Implantaten und individuell gefertigten Zirkoniumdioxid-Primärteilen.

Eine 66-jährige Patientin hatte sich für den Beginn ihrer Rentenzeit ein „Zahnprojekt“ vorgenommen. Ihre acht Jahre alte Teleskop-Versorgung im Oberkiefer war insuffizient geworden (Abb. 1). Die Suprastruktur war nur auf den Zähnen 21 bis 23 befestigt gewesen und nachdem Pfeilerzähne im rechten oberen Quadranten verloren gegangen waren nur noch eine umgearbeitete Behelfslösung. In der letzten Zeit hatten sich Kipp- und Schaukelbewegungen immer stärker ausgeprägt. Außerdem war der alte Zahnersatz aus Stabilitätsgründen mit einer sehr breiten Transversalverbindung ausgestattet gewesen, die den gesamten Gaumenbereich einnahm. Auch hierdurch fühlte sich die Patientin mehr und mehr beeinträchtigt. Mit Eintritt in den neuen Lebensabschnitt wollte sie sich die Zeit für eine grundlegende Rehabilitation nehmen. Sie wünschte sich wieder ein sicheres Gefühl beim Sprechen, Lachen und Kauen; die Ästhetik sollte ihrem aktiven Lebensstil entsprechen.
Damit ein fester Sitz erreicht werden konnte, stimmte die Patientin einer Pfeilervermehrung zu. Im Oberkiefer sollten drei Implantate rechts und ein weiteres links inseriert werden. Das Implantat an Position 25 wurde vorausschauend eingeplant, falls Zahn 21 oder 23, beide bereits endodontisch behandelt, verloren gehen würden (Abb. 2). Eine Umarbeitung des prospektierten Zahnersatzes wäre dann leicht und kostengünstig durchzuführen. Der Patientin wurde ein Wax-up (Abb. 3) vorgeführt, um die Zahnform und Zahnfarbe zu bestimmen.
Der erste Zahnarzttermin und die folgende Zahntechnik
Nach erfolgter Implantation und der sechsmonatigen Einheilzeit wurde die nachpräparierte Situation (Abb. 4) mit individuellem Löffel sowie Gegenkiefer abgeformt, eine Kieferrelationsbestimmung erstellt und die Patientin mit einem Provisorium versorgt. Nun begannen umfangreiche Arbeiten im Labor, um hierdurch dem Zahnarztkunden und der Patientin weitere Termine zu ersparen.Die aufgebauten Stümpfe 21, 22 und 23 erhielten gefräste Primär-Käppchen aus Zirkoniumdioxid (Abb. 5). Für die Implantate in regio 11, 12, 13 sowie 25 wurden individuelle Abutments aufgewachst (Abb. 6) und zusammen mit den Titan-Aufbaupfosten im Doppelscanverfahren eingescannt. Die Software Cercon art (DeguDent, Hanau) errechnete aus den Daten die endgültige Form und Wandstärke der Abutments, die ebenfalls aus Zirkoniumdioxid gefräst werden sollten. Diese Art der Abutment-Herstellung ist effizient, die Fräs-Ergebnisse zeichnen sich durch hohe Präzision und Innenpassung zu den Implantat-Aufbaupfosten aus.Die nächsten Schritte bestanden aus der Überprüfung der Einschubrichtung auf dem Modell und dem Fräsen der Friktionsflächen per Turbine. Anschließend wurde die gesamte Oberfläche hochglanzpoliert (Abb. 7 und 8).
Es folgte die Dublierung der Zirkoniumdioxid-Primärteile (Abb. 9), um die Kopierstümpfe (Abb. 10) später zur Herstellung der Verblendung und zur Komplettierung zu verwenden, wenn die Zirkoniumdioxid-Originale im Mund verklebt sein würden.
Auf den Primärteilen wurden Galvano-Käppchen (Solaris, DeguDent) direkt aufgalvanisiert (Abb. 11) und das Modellguss-Gerüst (Ankatit-Laser, ANKATIT- ANKA Guss, Waldaschaff) gegossen. Nach der Fertigung (Abb. 12) eines teleskopierenden Provisoriums (Enamel Temp, GDF GmbH, Rosbach) sowie eines individuellen Löffels und Kunststoffaufbaus zur Bisslagenkontrolle waren alle Vorbereitungen für den nächsten Zahnarzttermin getroffen.
Der zweite Zahnarzttermin: die einzige umfängliche Sitzung
Im Patientenmund wurden die Zirkoniumdioxid-Käppchen mit Komposit auf den Stümpfen befestigt und die mit der Titanbasis verklebten Abutments (Abb. 13) aufgeschraubt (Abb. 14). Die verwendeten Implantate (CAMLOG, Wimsheim) stellten mit ihrer Rotationsverankerung sicher, dass die Abutments präzise positioniert waren. Die Galvano-Käppchen wurden aufgesetzt (Abb. 15), der Modellguss anprobiert (Abb. 16) und verklebt. Die Verklebung im Mund hat sich mittlerweile sehr bewährt, da dieses Vorgehen den spannungsfreien Sitz sichert. Wir setzen dieses Verfahren daher bevorzugt ein.
Die Patientin erhielt ihr neues Provisorium (siehe Abb. 12), das per Friktion auf den Zirkoniumdioxid-Primärteilen aufsaß. Die früher im Beratungsgespräch festgelegte Form und Farbe konnte nun eine Zeitlang auf die Patientin einwirken und diese ihr Urteil zu Ästhetik und Kaugefühl abgeben. Der Zahnarzt überprüfte zusätzlich die Mittellinie und Okklusion. Die neuerliche Abformung (Abb. 17) und Kieferrelationsbestimmung schloss die Sitzung ab.
Vorbereitungen für den dritten Zahnarzttermin und die definitive Eingliederung
Im Labor folgte nun die Fertigstellung der Kombi-Prothese mit Verblendung und Zahnaufstellung. Die Patientin erhielt die Gelegenheit, im Labor den Fortschritt der Arbeiten zu begleiten, ihre Ansicht zur Gestaltung der Frontzähne zu äußern und eine Voranprobe vorzunehmen.
Die vorsichtige Charakterisierung der Frontzahn-Verblendungen (Sinfony, 3M Espe, Seefeld) mit altersgemäßem Schneidekantenverlauf sagte ihr zu, „amerikanische Zähne“, wie sie es ausdrückte, wollte sie nicht. Ihr war ein natürliches Erscheinungsbild wichtig (vgl. die vorhandene, eher opake Unterkieferrestauration!), bei insgesamt heller Anmutung (Abb. 18 und 19). Da der gefertigte Zahnersatz der Patientin zusagte, war es Zeit für den dritten Zahnarzttermin: die letzte Überprüfung und die Eingliederung des teleskopierenden Zahnersatzes (Abb. 20). Diese Sitzung konnte dank der vorausgegangenen Planung und Patientenvisiten im Labor kurz gehalten werden. Mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen und ihrem Provisorium „als Notprothese“ in der Handtasche verließ die Patientin die Praxis. Auch der Zahnarzt war zufrieden. Für die Prothetik-Erstellung waren von seiner Seite nur wenige Termine nötig gewesen.
Fazit
Zahnärzte und auch ihre Patienten schätzen es sehr, wenn nur wenige Sitzungen anfallen und sich die einzelnen Schritte effizient vollziehen. Deshalb fassen wir in unserem Labor so viele Arbeitsgänge wie möglich zusammen, bevor es zur Überprüfung im Patientenmund kommt. Unsere Philosophie besteht darin, die Einzelteile für den Zahnersatz zeitgleich anzuliefern und die „Montage“ zum fertigen Produkt in die reale Oralsituation zu verlagern. Um dies zu erreichen, spielt die Materialwahl eine wichtige Rolle.
Mit Zirkoniumdioxid-Käppchen beziehungsweise Abutments und Kombiprothese in Doppelkronentechnik lässt sich dies verwirklichen. Die im System Cercon smart ceramics gefrästen Primärteile sind nach unserer jetzt achtjährigen Erfahrung passgenau, ebenso die galvanisch abgeschiedenen Goldkäppchen. So sind alle Vorbedingungen für spannungsfrei sitzenden Zahnersatz erfüllt. Die Verklebung im Mund tut ein Übriges. Diese Art der Versorgung bietet sich also gerade bei kombiniert Implantat/Zahn-getragenen Prothesen an, bei denen die ausbalancierte Kraftübertragung ein Muss ist.
Unser Urteil daneben: Wir stellen im Labor fest, dass sich das Zirkoniumdioxid sehr gut fräsen lässt und sich schöne, glatte Oberflächen erzeugen lassen. Die Rückmeldung, die wir zu unseren Teleskop-Kombi-Prothesen bisher erhalten haben, zeigt uns darüber hinaus, dass das Gleitverhalten zwischen Zirkoniumdioxid und Galvanogold geradezu ideal ist. So erhalten die Patienten Zahnersatz, der sich „wie feste Zähne“ anfühlt. Da das Zirkoniumdioxid außerdem abriebfest ist, haben die Patienten sehr lange Freude an der guten Friktion und dem sicheren Halt ihrer Prothese.
Ein weiterer Aspekt: Mit dieser Versorgung ist eine Perspektive bis ins hohe Alter gegeben, wenn die manuellen Fertigkeiten nachlassen. Der Zahnersatz kann leicht in den Mund eingesetzt und wieder abgenommen werden, gleichzeitig ist die Mundhygiene mit Zirkoniumdioxid-Stümpfen einfach. Zudem gefällt es Patienten, wenn sie nach dem Abnehmen ihrer Prothese vor dem Spiegel auf weiße, das heißt zahnähnliche Stümpfe in ihrem Mund schauen.
Danksagung
Mein besonderer Dank gilt ZA Jan Fügener (Hennigsdorf) für die erstklassigen Arbeitsunterlagen und meinem CAD/CAM-Spezialisten ZT Arvid Haene und dem gesamten Arcon Team für die perfekte Umsetzung.
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VERWENDETE MATERIALIEN
CAD/CAM-System:
Cercon smart ceramics DeguDent (Hanau)
CAD-Software:
Cercon art, DeguDent (Hanau)
Galvano-Käppchen:
Solaris, DeguDent (Hanau)
Modellguss-Gerüst:
Ankatit-Laser,
ANKATIT-ANKA Guss (Waldaschaff)
Provisorium:
Enamel Temp, GDF GmbH (Rosbach)
Verblendmaterial:
Sinfony, 3M Espe (Seefeld)
ZAHNTECH MAG 14, 7/8, 406 – 411 (2010)







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