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Zirkonoxid, Metallkeramikalternative, Brandführung

Probieren geht über Studieren? Nicht bei Zirkonoxid!

Drucken Von Dr. Sven Rinke    aktualisiert am 28.07.2011

Als Zahnarzt wie als Zahntechniker kann man eines der marktgängigen Zirkonoxide wählen und auf eine ausreichende Absicherung durch den Hersteller vertrauen. Die Alternative heißt: Einschlägige Literatur studieren, Schlüsse daraus ziehen, Verarbeitung im eigenen Labor bzw. der eigenen Praxis optimieren.

Abb. 1: Dr. Sven Rinke: Pro evidenzbasierte Zahnheilkunde.
Abb. 1: Dr. Sven Rinke: Pro evidenzbasierte Zahnheilkunde.


Der Werkstoff Zirkonoxid ist aus dem Labor- und Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Die zentrale Frage für Zahnarzt und Zahntechniker aber lautet: Ist Zirkonoxid ein Ersatz für bzw. eine Alternative zur Metallkeramik? Die Antwort auf der Basis der verfügbaren Literatur hat der Autor in diesem Jahr bereits mündlich anlässlich einer Pressekonferenz [1] gegeben. Im Folgenden werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst.

Wissenschaftlich erwiesen

Es versteht sich von selbst, dass für die Eingangsfrage ein direkter Vergleich am aussagekräftigsten ist. Den gibt es in der wissenschaftlichen Literatur tatsächlich. So wurden zum Beispiel im Rahmen einer prospektiven randomisierten Studie von Sailer et al. 72 Patienten versorgt, 36 mit Zirkonoxid-Restaurationen (Cercon smart ceramics) und 36 mit Metallkeramik [2].
Abb. 2: Cercon smart ceramics in einer direkten Vergleichsstudie gegenüber Metallkeramik.
Abb. 2: Cercon smart ceramics in einer direkten Vergleichsstudie gegenüber Metallkeramik.
Die Überlebensrate war im Beobachtungszeitraum von drei Jahren gleich, wobei allerdings in 2,8 % der Fälle größere Abplatzungen der Verblendkeramik bei den Zirkonoxidversorgungen auftraten (Abb. 2). Das Problem betrifft den Molarenbereich und ist für alle marktgängigen Systeme bekannt. Das Labor erzielt eine Optimierung, indem es tendenziell noch strikter als bei der Metallkeramik auf die anatomische Unterstützung der Verblendung durch das Gerüst achtet. Selbstverständlich ist, dass kleine Nachbearbeitungen mit Feinkorndiamanten und nur unter Wasserkühlung erfolgen. In der Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt empfiehlt es sich unbedingt, gemeinsam festzulegen, dass nach eventuellem Einschleifen in der Praxis die Restauration nochmals einer Glasur mit nachfolgendem Brand zu unterwerfen ist (Abb. 3).
Abb. 3: Wesentliche Erfolgsfaktoren: Anatomisches Design und klare Empfehlungen für die Präparation.
Abb. 3: Wesentliche Erfolgsfaktoren: Anatomisches Design und klare Empfehlungen für die Präparation.
Die definitive Befestigung kann grundsätzlich mit klassischem Zement erfolgen, wobei sich aber besonders im Unterkieferbereich ein leicht erhöhtes Risiko für einen Retentionsverlust ergibt. Das hat eine Nachuntersuchung von 99 drei- bis viergliedrigen Restaura tionen bei 75 Patienten ergeben [3]. Das Problem lässt sich durch die Verwendung von kunststoffmodifizierten Glasionomerzementen (z.B. PermaCem, DMG, Hamburg) oder von selbstadhäsiven Zementen (z.B. SmartCem2, DENTSPLY DeTrey, Konstanz) lösen. Zur Retentionsverbesserung bei adhäsiver Zementierung sollten die Zementierungsflächen der Restauration einer Mikroaufrauung durch Sandstrahlen unterworfen werden (50 μm Aluminiumoxid; Maximaldruck: 2 bar).

Herstellerseitig wurde die Verarbeitungssicherheit von Cercon inzwischen durch ein innovatives Abkühlverfahren nochmals verbessert. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen und die Universität Heidelberg haben dazu in aufwendigen Modell- Rechnungen und im realitätsnahen Kausimulator-Experiment demonstriert: Die Abschilferungs-Raten bei Zirkonoxid-Restaurationen sinken so auf das niedrige Metallkeramik-Niveau. Aktuelle Untersuchungen belegen jetzt auch klinisch die Vorteile der sechsminütigen Langzeit-Abkühlung. Dazu wurden 49 Patienten mit insgesamt 42 metallkeramischen und 48 Cercon- Restaurationen versorgt [4]. Nach einem Beobachtungszeitraum von anderthalb Jahren wurde in jeder der beiden Gruppen eine minimale Verblendkeramik- Abschilferung festgestellt. Dies entspricht 2 % – zum Vergleich: In anderen Studien an Zirkonoxid-Werkstoffen liegt dieser Wert in der Regel über 9 %.

Diskussion und Schlussfolgerung

Zu unterschiedlichen Aspekten des keramischen Werkstoffs Zirkonoxid für dentale Anwendungen liegen bis heute 17 wissenschaftlich fundierte klinische Studien vor, wobei Cercon mit Abstand am häufigsten Gegenstand der Untersuchung war (Abb. 4).
Abb. 4: Die meisten Studien, die es überhaupt zu dentalem Zirkonoxid gibt, wurden mit Cercon durchgeführt.
Abb. 4: Die meisten Studien, die es überhaupt zu dentalem Zirkonoxid gibt, wurden mit Cercon durchgeführt.
Zirkonoxid hat seine grundsätzliche Bewährungsprobe als prothetischer Werkstoff bestanden. Optimierungsbedarf bestand bis vor zwei Jahren bei der Verblendsicherheit. Dies wurde durch neue Forschungsansätze unter Einbeziehung verschiedener Hochschulen gelöst. Als für das Labor besonders interessant erweist sich das innovative Abkühlverfahren, dessen Nutzen für die Verarbeitungssicherheit Studien der Universitäten Aachen, Heidelberg und Göttingen belegt haben. Ein wichtiger Aspekt für den Zahnarzt sind die unterschiedlichen Befestigungsvarianten, zu denen die vorstehend zitierte groß angelegte Studie3 wichtige Aussagen macht. 

 

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Abb. 2: Cercon smart ceramics in einer direkten Vergleichsstudie gegenüber Metallkeramik.   Abb. 3: Wesentliche Erfolgsfaktoren: Anatomisches Design und klare Empfehlungen für die Präparation.   Abb. 4: Die meisten Studien, die es überhaupt zu dentalem Zirkonoxid gibt, wurden mit Cercon durchgeführt.  

ZAHNTECH MAG 15, 6, 346 – 347 (2011)


Literaturverzeichnis

[1] Karen Nathan, Zirkoniumdioxid der neuen Generation schont Stumpf und Antagonist. DZW 12/2011, S. 14-15
[2] Sailer I, Gottnerb J, Kanelb S, Hämmerle CH.: Randomized Controlled Clinical Trial of Zirconia-Ceramic and Metal-Ceramic Posterior Fixed Dental Prostheses: A 3-year Follow-up. Int J Prosthodont. Nov-Dec 2009;22(6):553-60. PubMed PMID: 19918588.
[3] Roediger M, Gersdorff N, Huels A, Rinke S.: Prospective evaluation of zirconia posterior fixed partial dentures: four-year clinical results. Int J Prosthodont. 2010 Mar-Apr; 23(2):141-8. PubMed PMID: 20305852.
[4] Rinke, S., Rödiger, M.: Practice-based retrospective study on the complication rate of molar crowns. IADR General Session, July 14-17, 2010

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