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Implantatprothesen mit Herz und Seele
DruckenIndizes: Totalprothetik, Individualität, Implantatprothetik, Zähne, Werkstoffe,
Stege
Der Trend zur Implantatprothetik nimmt auch in Deutschland zu. Sie eröffnet neue Lösungswege, stellt aber auch neue Anforderungen an Dentallabore. In den Niederlanden, wo die Krankenkasse die Kosten in vielen Fällen übernimmt, haben Labore viel Erfahrung mit implantatgetragenen Prothesen. Im holländischen Groningen fertigen Zahntechniker Henk van Dijk und sein Team rund 400 Implantatarbeiten im Jahr. Van Dijk schafft mit einem einfühlsamen Blick fürs Detail und einfachen Kniffen Prothesen, die den Patienten ihr natürliches Aussehen und ihren festen Biss zurückgeben.

Hochwertige, zum Patienten passende Prothesen, so lautet unsere Maxime, die unsere Arbeit bestimmt. Dadurch überleben wir als Labor. Mit dem Blick fürs Detail schaffen wir „Kunst-Gebisse“. Deshalb steht für uns fest: Nur wenn man als Zahntechniker mit Herz und Seele hinter seinem Beruf steht, kann man Erfolg haben. Für die insgesamt rund 1.000 Prothesen, die wir pro Jahr fertigen, verwenden wir ausschließlich Werkstoffe, die unsere Philosophie unterstützen.
Die Nähe zum Patienten ist ein entscheidender Bestandteil unserer Arbeit. Wir betrachten es als Vorteil, dass unsere Zahnarztkunden oft Patienten ins Labor schicken. Sie sind hier ruhiger und entscheiden selbstbewusster als im Zahnarztstuhl. Zudem möchten wir die Patienten gerne kennenlernen, um die Prothese optimal auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Damit der Patient sich auf seine neue Prothese einstellen kann und sieht wohin die Gestaltung geht, führen wir zwei bis drei Anproben im Labor durch.
Die individuelle Ausstrahlung unterstützen
Auf dieser Basis schaffen wir für jeden Patienten Zahnersatz, der die individuellen Gegebenheiten berücksichtigt. Bei einem sehr großen Patienten zum Beispiel haben wir für das Palatum transparenten Kunststoff verwendet, sodass die natürliche Zahnfl eischfarbe durchscheint und die Prothese beim Sprechen dem kleineren Gegenüber nicht auffällt.
Zur individuellen Zahnfl eisch-Modellation nutzen wir oft ältere Fotos der Patienten als Vorbild. Und für eine sehr natürliche Optik modellieren wir das Zahnfl eisch altersspezifi sch zurückgezogen oder betonen auf Wunsch die Wurzelvorwölbungen (Abb. 1). In den Niederlanden gibt es viele Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Deshalb färben wir das Zahnfl eisch je nach Hautfarbe individuell ein.
Ein hellrosa Kunststoff sähe bei ihnen unnatürlich aus. Und weil im natürlichen Gebiss fast nie alle Zähne dieselbe Farbe aufweisen, kombinieren wir individuell aus den 18 Farben der Premium Zahnlinie (Heraeus Kulzer, Hanau). Obwohl wir die natürliche Ästhetik vorziehen, respektieren wir auch den Wunsch mancher Patienten nach Zähnen im Hollywood-Look.
Mut zur Individualität
Wie wichtig die richtige Prothese für die Lebensqualität des Trägers ist, zeigt das Beispiel eines 58-jährigen Patienten, der bei einem Segelunfall die Zähne verloren hatte (Abb. 2 bis 6). Mit seiner standardisierten Totalprothese fühlte sich der Seemann sichtlich unwohl.
Wir haben die Neuversorgung an den eigenen Zähnen des Patienten ausgerichtet. Dabei kam uns zugute, dass der Patient die ausgefallenen Zähne aufbewahrt hatte. Gemeinsam mit ihm konnten wir seine Originalzähne in Wachs rekonstruieren und entsprechend positionieren. Mit den nachgeahmten Schlifffacetten, den inzisal eingefärbten Zähnen und den Füllungen entsprach die Neuversorgung optisch der Individualität der ursprünglichen Zähne. Ein muskelgriffi ges, individuell gestaltetes Zahnfleisch verstärkte die natürliche Wirkung.
Als der Patient die Prothese zum ersten Mal anprobierte, war er begeistert. Beim Blick in den Spiegel hatte er das Gefühl, seine alten Zähne zurückzuhaben.
Trend zur Implantatprothetik – auch für den Oberkiefer
Implantatgetragene Prothesen geben einen festen Biss und sicheren Halt. Sie sind deshalb auch bei uns immer stärker gefragt – zumal die niederländische Krankenversicherung in medizinisch erforderlichen Fällen die Kosten übernimmt. So ist der Weg zu einer indikationsgerechten Versorgung geebnet. Die Implantatprothetik verbindet die Vorteile von herausnehmbarem und festsitzenden Zahnersatz: die einfache Reinigung des herausnehmbaren Teils und den festen Sitz beim Sprechen, Lachen und Essen durch die Verankerung auf Implantaten. Während früher fast nur Unterkieferprothesen auf Implantaten gefragt waren, wollen immer mehr Patienten jetzt auch im Oberkiefer Implantatarbeiten. Patienten, die vor ein paar Jahren mit einer implantatgetragenen Unterkieferprothese versorgt wurden, kommen jetzt wieder: Unten sitzt alles fest, aber nun wackelt der Oberkiefer. Die Zahlen sprechen für sich: Vor drei Jahren wurden in unserem Labor sieben OK-Implantatprothesen gefertigt, im letzten Jahr rund 50 und in diesem Jahr allein im ersten Halbjahr bereits 70. Das Altersspektrum der Patienten reicht vom Jugendlichen, der durch Cannabis-Konsum seine Zähne verloren hat bis zur 80-Jährigen, die auch im Alter noch selbstbewusst lachen will.
Für manche Patienten bietet die Verankerung auf Implantaten ganz neue Versorgungsmöglichkeiten. Bei einer Gaumenspalten-Patientin zum Beispiel konnten wir mit einer Implantatarbeit die Artikulation erheblich verbessern. Die alte Prothese saugte nicht richtig, so dass beim Sprechen Luft unter der Prothese hindurch gepustet wurde. Die Locatorelemente geben jetzt Halt. Der Spalt wurde mit weichbleibendem Kunststoff aufgefüllt.
Neue Anforderungen an Techniken und Materialien
In der Implantatprothetik herrschen andere Druckbelastungen. Das muss der Zahntechniker schon bei der Aufstellung berücksichtigen. Bei der klassischen Totalprothese ist die Last über den gesamten Kiefer verteilt. Bei Implantatarbeiten dagegen stützen wenige Elemente an der Spitze der Implantate die Prothese. Wir stellen bei einer Unterkiefer-Implantatarbeit daher nicht wie gewohnt erst die Frontzähne oben und dann unten auf, sondern immer zuerst dort, wo die Implantate sitzen. Wichtig ist dabei, dass die Prothese keiner horizontalen Belastung ausgesetzt ist.
Auch die Werkstoffe für Implantatarbeiten müssen höheren Krafteinwirkungen standhalten. Die Kieferkraft ist gegenüber der Totalprothese deutlich höher. Während der Kiefer bei einer Totalprothese nur noch rund 25 Prozent seiner ursprünglichen Kraft ausübt, sind es bei Stegprothesen immerhin 50 Prozent und bei Unter- und Oberkiefer-Implantatarbeiten sogar 75 Prozent. Die Zähne für Implantatarbeiten müssen daher sehr stabil sein. Aufgrund der guten mechanischen Eigenschaften setzen wir in diesem Bereich auf die Premium Zähne. Auch der Kunststoff muss eine höhere Festigkeit gewährleisten. Gute Erfahrungen haben wir mit dem bruchfesten Prothesenbasismaterial PalaXpress ultra (Heraeus Kulzer, Hanau) gemacht. Um bei wenig Kunststoffeinsatz eine hohe Festigkeit zu gewährleisten, verstärken wir die Prothesen oft mit einer Modellgussplatte. So können wir eine sehr stabile gaumenfreie Prothese fertigen, die der Zunge Raum lässt zum Sprechen und Schmecken. Diese Technik hat sich bei unseren Implantatarbeiten bewährt. Noch nie sind meine Patienten mit einem Bruch ins Labor zurückgekommen.
Selbst Bruxismus-Patienten können wir so versorgen, dass keine Brüche oder starken Abrasionen mehr vorkommen. Ursache für das Knirschen ist ein Bisshöheverlust, der durch Abrasion immer größer wird. Deshalb schaffen wir zunächst die Voraussetzungen für eine Bisserhöhung. Wir fertigen eine Tiefziehfolie und ziehen diese in regelmäßigen Abständen über die Prothese. Damit gewöhnt sich der Patient langsam an die Bisserhöhung – immer ein paar Millimeter mehr, bis schließlich die optimale Höhe für die Neuversorgung erreicht ist.
Zähne müssen Individualisierungstechnik unterstützen
Neben den mechanischen Eigenschaften ist die Morphologie der Zähne entscheidend. Sie müssen unsere Aufstell- und Individualisierungstechniken unterstützen. In der Regel stellen wir die Fronten vertikal mit einem Millimeter mehr Überbiss auf. Nach der Fertigstellung werden die Prothese anatomisch eingeschliffen und Schlifffacetten angelegt, die den natürlichen Bewegungsbahnen der Patienten entsprechen. Das vergrößerte Volumen an der Zahnhalsbasis der Premium Zähne lässt dabei Raum für individuelle Anpassungen. Die Morphologie und die naturgetreue Schichtung dieser Zahnlinie bieten eine Einschleifreserve, sodass zum Beispiel nicht der Eindruck entsteht, es fehle Schneide. Bei Kragenfassungen bieten die Zähne zudem ausreichend Volumen, um sie nahtlos an den Modellguss anzuschließen (Abb. 7 bis 11). Volumenreiche Zähne ermöglichen vielfach einen besseren Verlauf von den Eckzähnen zu den Backenzähnen. Gerade bei älteren Herren wählen Zahntechniker oft zu kleine Backenzähne. Die Folge: Hinter den Eckzähnen bildet sich eine unnatürliche Stufe und der Kiefer schiebt sich bei Belastung nach vorne. Um Schubkräfte zu reduzieren, fertigen wir generell angepasste, verkürzte Zahnreihen in balancierter Okklusion. Durch Weglassen eines Prämolaren schaffen wir Stabilität in der Prothese.
Auch ästhetische Gründe können für voluminöse Zähne sprechen, wenn diese zum Gesicht und zur Mundpartie des Prothesenträgers passen – wie bei einer rund 50-Jährigen Patientin, die trotz ihrer zierlichen Statur einen relativ großen Mund hat (Abb. 12 bis 14). Bei Auswahl und Aufstellung der Zähne für die OK-Implantatprothese haben wir uns an den natürlichen Zähnen orientiert, die ersetzt werden mussten. Die großen Zähne wirken im Mund der Patientin sehr natürlich und ästhetisch.
CAD/CAM in der Implantatprothetik noch in den Kinderschuhen
Wir sind davon überzeugt, dass wir in zehn, fünfzehn Jahren Prothesen fast nur noch auf Implantaten fertigen. Hier wird sicher auch die CAD/CAMTechnologie eine immer stärkere Rolle spielen, die in der Implantatprothetik noch in den Kinderschuhen steckt. Einzelne Teile unserer Totalprothesen sind bereits CAD/CAM-gefertigt. Für Stegarbeiten zum Beispiel verwenden wir zunehmend gefräste Titan-Stege, die den Vorteil der Reproduzierbarkeit bieten. Bis die CAD/CAM-Technologie in der Implantatprothetik umfassende Lösungen bietet, werden wir allerdings unsere Prothesen weiter im bewährten Verfahren fertigen. Im Vordergrund steht für uns jedoch nicht die Technik, die wir nutzen, sondern das Ziel, unseren Patienten mit ihrem neuen Zahnersatz ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.
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VERWENDETE MATERIALIEN
Prothesenzähne:
Premium Zähne, Heraeus Kulzer (Hanau)
Prothesenbasismaterial:
PalaXpress ultra, Heraeus Kulzer
ZAHNTECH MAG 14, 9, 478 – 483 (2010)








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