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Totalprothetik - bissfest und hygienefähig
DruckenIndizes: Backward Planning, Aufstellung nach Gerber, Zirkoniumdioxidsteg, CAD/CAM, Primärkonstruktion, Passive-Fit, Galvanoforming, Tertiärkonstruktion, Indivdualisierung
Zum 6. Mal rief die Firma Candulor (CH-Pünten) zum "KunstZahnWerk" Wettbewerb auf. Die Aufgabenstellung diesmal bestand darin, eine obere Totalprothese und eine untere Implantat getragene Stegprothese nach der Gerber Methode anzufertigen. Als Ausgangsituation des Wettbewerbs, diente der nachfolgend beschriebene Patientenfall. ZTM Burkhard Großmann (Weiden) wurde mit seiner eingereichten Arbeit mit dem Preis "Beste Stegkonstruktion unter hygienischen Gesichtspunkten und beste gedruckte Dokumentation" ausgezeichnet. In Teil 1 (Ausgabe Oktober) beschrieb der Autor sein Procedere am Fall einer 72 Jahre alten Patientin von der Planung, über die Primärkonstruktion bis hin zum passiven Verkleben. Teil 2 zeigt nun die Herstellung der Tertiärstruktur vom Galvanoforming über die rote Ästhetik bis hin zur Fertigstellung der totalen Rekonstruktion.

Nachdem die Primärteile nun passiv verklebt sind, kann die Stegmatrize mittels Galvanoforming hergestellt werden. Ich bevorzuge hierbei die direkte Methode, da ich mit Adhäsion statt mit Friktion arbeite. Dank der extrem glatten Oberfläche von Zirkoniumdioxid und der Hilfe einer Airbrush-Pistole lässt sich eine Silberleitlackschicht von weniger als 5 Mikrometer auftragen (Abb. 51). Da ich mit einem Konuswinkel von 1 Grad arbeite, stellt sich somit ein "Löseruck" ein. Das bedeutet, die spätere Arbeit "fällt" förmlich auf den Steg. Durch den 1 Gad Winkel hält die Matrize nur in der Endposition. Beim Lösen der Prothese gibt es dann einen Ruck. Da so gut wie keine Reibungen bei den Innen- und Außenteilen auftreten, ist ein langfristiger Erfolg gewährleistet. Nachdem der Silberleitlack getrocknet ist, werden die nicht zu galvanisierenden Teile mit lichthärtendem Speziallack abgedeckt und im Galvanogerät fixiert. Dies geschieht bei uns über Nacht, da durch langsames Abscheiden eine homogene Oberfläche entsteht (Abb. 52). Nach dem Entfernen des Steges, wird der Silberleitlack in Salpetersäure gelöst und ist danach fertig zum weiteren Verarbeiten (Abb. 53).
Die Tertiärkonstruktion
Der Steg wird auf dem Modell verschraubt und das Sekundärteil darauf gesetzt. Etwaige Spalten zwischen diesem und dem Modell werden ausgewachst. Des weiteren werden die Kieferkämme mit Vorbereitungswachs der Stärke 0,6 Millimeter überzogen und alles dubliert (Abb. 54). Nachdem das Einbettmassemodell abgebunden hat (Abb. 55), wird die spätere Metallversteifung unter Beachtung der Platzverhältnisse in Wachs modelliert (Abb. 56), eingebettet undgegossen (Abb. 57 und 58). Nach dem Abtrennen der Gusskanäle wird die Retention samt Galvanostruktur auf den Steg aufgepasst und geglättet. Letztmalig werden die Platzverhältnisse mit dem Silikonschlüssel kontrolliert (Abb. 59). In der Abbildung 60 sieht man, wie wenig Platz für die gesamte Stegkonstruktion zur Verfügung steht. Dank Backward Planning wird sich die linguale Ausformung des Prothesenkörpers in Grenzen halten.
Umsetzen in Kunststoff
In den nächsten Schritten werden die OK- und UKWachsaufstellungen mit einer dünnen Schicht Knetsilikon, mit einer Mindesthärte von 80 Shore, überzogen und jeweils in eine Spezialküvette (Poly Master) eingebettet (Abb. 61 und 62). Hierbei ist darauf zu achten, dass die Modelle mit den Frontzähnen mittig zu einer der Zentrierachsen stehen. Damit können wir beim späteren Stopfen und Pressen die Küvette keilförmig schließen, um die individuelle Charakterisierung der Zahnfleischanteile nicht zu verdrücken. Darüber hinaus sollte man die Modelle mit den Zahnachsen im rechten Winkel zur Küvettenebene fixieren, um senkrechten Druck auf die Zähne auszuüben. Nachdem der Gips abgebunden hat, wird die Küvette aufgeschraubt und das nun zähflüssige Wachs mit den Zähnen entfernt. Dies gelingt gut, wenn alles zuvor im Wasserbad bei zirka 40 Grad Cesius erwärmt wurde. Im nächsten Bild erkennt man die Zeichenschärfe von Knetsilikon, die notwendig ist, um die Zähne stabil zu fassen. Es genügt, die Okklusalflächen frei zu lassen, um bei senkrechtem Druck auf die Zähne, diese nicht zu verdrücken (Abb. 63). Danach werden die Zähne angerauht, in den Konter gesteckt und mit Monomer bestrichen. Damit die Stahl-Suprakonstruktion nicht durch den Kunststoff schimmert, bedecke ich diese mit einem rosa Opaquer auf PMMABasis und setzte die gesamte Stegkonstruktion feinsäuberlich zusammen. Bevor wir mit dem Anrühren des Kunststoffes beginnen können ist es wichtig, alle Spalten und unter-sich-gehenden-Stellen auszuwachsen und beide Modelle zu isolieren (Abb. 64). Sobald alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, beginnen wir mit dem Vorbereiten der verschiedenen Kunststoffe, die für die individuelle Charakterisierung der Zahnfleischanteile benötigt werden. Diese mische ich nun nacheinander mit Modelling Monomer an und bringe sie zügig ein (Abb. 65). Nach Abschluss der Charakterisierung fülle ich den Konter mit Kunststoff der Farbe 34 auf und lasse ihn kurz anziehen. Nun nehme ich das Küvetten-Oberteil mit meinem Modell und setzte es vorsichtig auf den Konter mit dem Kunststoff auf (Abb. 66). Um das Verpressen der Charakterisierung zu verhindern, wird die den Frontzähnen am nächsten liegende Schraube als erstes ein bisschen angezogen. Somit entsteht eine keilförmige Schließbewegung von mesial nach distal. Diese leitet den Kunststoffüberschuss nach dorsal ab. Sobald alle Schrauben komplett angezogen sind, wird die Küvette zur Polymerisation in den Drucktopf gestellt. Nach einer halben Stunde nehme ich die Küvetten aus dem Drucktopf und versuche, die Modelle mit den Prothesen vorsichtig auszubetten (Abb. 67). Sofern sich durch das Pressen keine größeren Schäden, wie Blasen oder Zahnfehlstellungen, eingeschlichen haben, werden die Prothesen vor dem Ablösen von den Modellen reokkludiert (Abb. 68).
Ausarbeiten, Individualisierung der Zähne und Polieren
Nachdem alle Punkte eingeschliffen sind, ist es nun an der Zeit, die Zähne gemäß Patientenwunsch zu individualisieren. Zum einen werden sie bemalt und zum anderen wünschte sich die Patientin, ihrem Alter entsprechend, noch Goldinlays, -füllungen und eine Amalgamnachbildung. Hierzu gehe ich wie folgt vor: Zuerst schleife ich mit einem Diamanten die Konkavitäten heraus und forme sie ab. Aus dem daraus hergestellten Modell modelliere ich anschließend die Füllungen in Wachs. Die in dem jeweiligen Material gegossenen Füllungen werden nach und nach aufgepasst und mit einem Adhäsivkleber eingebracht und poliert. Sind alle Klebereste entfernt, werden beide Prothesenkörper mit Fräsen, Sandpapierstreifen und Gummipolierer ausgearbeitet und poliert.
Endkontrolle
Zum Schluß überprüfe ich nochmals die Okklusionspunkte nach den Statikpunkten des Kieferkamms, und gebe der Prothese, oder nun besser dem "Kunstwerk", den finalen Glanz. Dazu eignet sich die KMG-Polierpaste in Verbindung mit einer Lederschwabbel (Abb. 69 bis 75).
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VERWENDETE MATERIALIEN (2):
Galvanoforming:
Helioform HF 600, C. Hafner (Pforzheim)
Spezialküvette:
Poly Master, Candulor (Rielasingen-Worblingen)
Rosa Opaquer:
OVS II Opaquer, Dentsply (Hanau)
Gingiva Charakterisierung:
Modelling Monomer, Kunststoff Farbe 34,
Candulor (Rielasingen-Worblingen)
Poliermittel:
KMG-Polierpaste,
Candulor (Rielasingen-Worblingen)
ZAHNTECH MAG 13, 11, 664 670 (2009)







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