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Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), Kondylusverlagerung, Funktionsanalyse, Zirkonoxid
Funktion und Okklusion – „Ohne Zentrik ist alles nichts“
DruckenDas Vertrauen der Patienten und Zahnärzte gewinnen wir nicht durch großzügige Gewährleistungsversprechen, die für Praxis und Labor teuer werden können, sondern durch exakte hochwertige Arbeit, die den Patienten vor Folgeschäden am stomatognathen System bewahrt. Die billige Version in Material und Herstellungstechnik ist für viele Patienten, die den Wert ihrer Gesundheit zu schätzen wissen, nicht die Lösung ihrer Zahn- bzw. Kieferprobleme. Die Lösung kann nur lauten: „besser, präziser und funktioneller“.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) in aller Munde – so könnte momentan die Schlagzeile in der dentalen Presse lauten. Je nach Studie haben in Deutschland zwischen 60 und 80 Prozent der Bürger ein CMD-Problem. Die Hauptursache dieser immensen Kiefergelenksprobleme finden wir oft in unzureichendem Zahnersatz mit mangelhaften Okklusalflächen und falscher Bisslage. Die Folgen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Probleme der Hals- und Lendenwirbelsäule, Tinnitus, Trigeminusneuralgie und vieles mehr haben nicht selten ihre Ursache in einer Fehlpositionierung der Kondylen. Diese Problematik ist in den letzen Jahren in der Dentalpresse und bei Fachvorträgen dauerhaft präsent, z. B. bei Prof. Dr. Buhmann, Berlin, Prof. Dr. A. Hugger, Uni Düsseldorf, Dr. U. Wegmann, Uni Bonn, Dr. A. Amir Sayfadini, CMD Centrum im INI Hannover, um nur einige zu nennen.
In seinem Vortrag beim Digma-Anwendertreffen 2010 in Düsseldorf sagte Dr. Sayfadini zu diesem Thema: „Das CMD-Problem ist nicht die Diskusverlagerung, sondern eine Kondylusverlagerung.“ Also eine Fehlpositionierung des Unterkiefers in Relation zum Oberkiefer. Die Diskusverlagerung ist die Folge der Fehlpositionierung der Kondylen. Stand der Technik ist heute, nach einer genauen Biss- und Bewegungsregistrierung einen volleinstellbaren Artikulator zu benutzen, der die dreidimensionalen Bewegungsmuster natürlicher Kaubewegungen mechanisch nachvollziehen kann. Ein kompletter Datensatz umfasst rechtes und linkes Kiefergelenk, Kondylenbahnneigung, Bennett-Winkel, Immediate Side Shift, Retrusion und Shiftwinkel. Zusätzlich können moderne Systeme die Führung der Protrusion und Eckzähne messen und auch graphisch darstellen. Man muss bedenken, dass die Entwicklung von Artikulatoren und Kausimulatoren vor über 100 Jahren begann (z. B. Gysi-Simplex, Hildebrand, Bonwill). In Anbetracht der Entwicklung von Technik und elektronischen Medien ist es schwer vorstellbar, dass heute der Einsatz von Mittelwertartikulatoren bei den gesetzlichen und sogar den privaten Krankenkassen als Maß der Dinge gilt.
Um die Ursache der falschen Positionierung des Unterkiefers und/oder eine fehlerhafte Gestaltung der Okklusalflächen festzustellen, muss vor umfangreichen prothetischen Sanierungen eine klinische und instrumentelle Funktionsanalyse erfolgen. Mit der anschließenden Repositionsschienen-Therapie hat man die Möglichkeit, alle Funktionsparameter an der Repositionsschiene zu überprüfen. Dabei werden Frontzahnüberbiss, Eckzahnführung, Gestaltung der palatinalen Führungsflächen der Frontzähne und – ganz wichtig – die physiologische Zuordnung des Unterkiefers in zentrischer Relation zum Oberkiefer berücksichtigt. Mit dieser Vorgehensweise kann man die Funktion planen, ohne zunächst die Zahnsubstanz anzugreifen. Zwei Dinge sind zu berücksichtigen:
- Wir müssen beobachten und die Sinne für geringste Veränderungen schärfen.
- Wir brauchen Zeit und Geduld.
- Geduldig sein gilt auch für den Patienten. Es ist sehr wichtig bei komplexen Restaurationen vorsorglich zu planen, um späteren Misserfolgen vorzubeugen.
Erfreulicherweise ist in den letzten Jahren bei Zahnärzten und Zahntechnikern eine Rückbesinnung auf das funktionelle Wissen der siebziger und achtziger Jahre erfolgt. Dabei denke ich besonders an M. H. Polz, dem ich persönlich viel zu verdanken habe. M. H. Polz hat schon vor über 30 Jahren auf die Wichtigkeit der exakten zentrischen Relation zwischen Oberkiefer und Unterkiefer hingewiesen (Abb. 1). Ohne exakte Zentrik sind Gesichtsbogenübertragung, Aufzeichnungen der dreidimensionalen Kiefergelenksparameter und Bewegungsanalysen am Patienten nur Makulatur. Selbst die hochwertigste Restauration wird durch massive Einschleifmaßnahmen beim und auch nach dem Einsetzen oder durch spätere Abplatzungen funktionsuntüchtig.
Langzeitschäden am Parodont oder Kiefergelenk sind nicht selten die Folge einer falschen Bisslage. Ebenso schädigen Fehler in der Kauflächengestaltung, in der Okklusion und Artikulation das Kausystem. Es kommt nicht darauf an, wie, sondern wo die Keramik aufgetragen wird.
Moderne elektronische Messsysteme wie das ARCUS digma 2 sind heute in der Lage, dreidimensionale Bewegungsanalysen der Kiefergelenke zu liefern (Abb. 2 u.3). Außerdem kann mit hoher Präzision die Lage der zentralen Kieferrelation bestimmt werden (EPA = Elektronische Positionsanalyse) (Abb. 4 u. 5). Das heißt, der Zahnarzt kann ohne großen Aufwand uns Zahntechnikern die Zentrik mit einer Genauigkeit liefern, die okklusale Korrekturen beim Eingliedern weitestgehend überflüssig macht. Es ist bekannt, dass durch Einschleifmaßnahmen nach dem Glanzbrand die Festigkeit der Keramik um bis zu 50 % nachlässt. Die leidige Diskussion über das Chipping bei der Zirkonkeramik ist überflüssig, wenn wir uns Gedanken über die physiologische Zuordnung des Unterkiefers zum Oberkiefer, die anatomische Kauflächengestaltung und die stressminimierte Zirkongerüstgestaltung machen. Wir sollten uns jedoch im Klaren darüber sein, dass eine erfolgreiche Rehabilitation nicht nur im Einsatz von Geräten wie dem ARCUS digma 2, einem einstellbaren Protar 7 evo Artikulator und einer Fünf-Achs-Fräsmaschine liegen. Wir müssen wieder deutlich mehr Wert auf komplexes zahntechnisches Denken, unsere manuellen Fähigkeiten und unser funktionelles Fachwissen legen (Abb. 6 u. 7). Minderwertiges Material darf nicht zum Einsatz kommen. Das Bewusstsein, dass unsere Rehabilitationen für Menschen bestimmt sind, muss wieder stärker in den Vordergrund treten. Bei der Materialverarbeitung des Zirkoniums müssen die Besonderheiten dieses Werkstoffes beachtet werden. Da dies sehr aufwendig ist, führt der Einsatz von billigen Kappen und Gerüsten oft zum Misserfolg der gesamten Arbeit. Auch ein Zirkongerüst muss höckerunterstützt gestaltet sein. Unsere anatomisch gestalteten Tz-Kappen, die wegen ihrer speziellen Form nur auf Fünf-Achs-Fräsen gefertigt werden können, haben zusätzlich zur Höckerunterstützung im nicht sichtbaren Bereich einen ca. 1 mm breiten Zervikalrand. Ebenfalls im Interdentalraum und im oralen Bereich fräsen wir auf Höhe des Zahnäquators eine Zirkonrippe als Stressbrecher. Dieser Zirkoniumwulst verhindert Abplatzungen im Bereich der Randleisten. Im oralen Bereich verhindern diese Stressbrecherleisten Abplatzungen durch auftretende Scherkräfte.
Wie Sie sehen, erfordert eine Behandlung und Rekonstruktion des menschlichen Kausystems ein enormes komplexes Wissen und handwerkliche Fähigkeiten in vielen Bereichen. Durch unseren Einsatz und die Besinnung auf unsere besonderen Fähigkeiten können wir auch in Zukunft vielen Patienten mit Funktionsproblemen zu mehr Lebensqualität verhelfen. Wenn wir diese Qualitätsstrategie mit unseren Kunden partnerschaftlich koordinieren, werden viele Patienten die Zahnarztpraxen nach der Behandlung zufrieden verlassen. Für aufgeklärte Patienten sind Qualität und hochwertige Prothetik ein Muss und die Frage nach Billigzahnersatz kein Thema.
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ZAHNTECH MAG 15, 12, 676 – 678 (2011)








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