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Ganz auf Nummer sicher
DruckenIndizes: Überpresstechnik, Komposit-Verblendung, herausnehmbarer
Zahnersatz, Teleskop-Arbeit, Individualisierung
In vielen zahnmedizinischen Behandlungsfällen ist es heute üblich, dass vor deren Beginn eine umfangreiche Diagnostik stattfindet. Oft gehen jedoch die dabei ermittelten Informationen beim manuellen Schichten der Komposit-Verblendungen wieder verloren. Wie diagnostische Ergebnisse wirklich umgesetzt werden können zeigt der folgende Beitrag anhand eines wenig bekannten Verfahrens. Statt Komposit-Verblendungen manuell zu schichten werden kombinierte Arbeiten überpresst und somit die Resultate sicher und vorhersagbar.

Keramik gilt zwar bei den meisten Zahnärzten, Zahntechnikern und auch Patienten in der Regel als erste Wahl, wenn es um den „besten Werkstoff“ geht. Dennoch gibt es Restaurationsformen wie den herausnehmbaren Zahnersatz, für die man besser andere Werkstoffe bevorzugt, denn Keramik reagiert deutlich bruchempfindlicher als Komposit. Wir verwenden darum für alle Arten herausnehmbarer Restaurationen einen Verblend-Komposit. Die Entwicklung dieser Werkstoffe ist in den letzten Jahren derart vorangeschritten, dass die modernen Verblend-Komposite ebenso stabil und dauerhaft mundverträglich sind wie Verblendkeramik. Gleichzeitig vermitteln sie ein ebenso natürliches Erscheinungsbild und Plaque kann sich – eine fachgerechte Politur vorausgesetzt – nur schwer anlagern.
Reproduzierbare Qualität
Zahntechniker verwenden bevorzugt Werkstoffe mit nachgewiesener Qualität. Für die meisten Techniker gilt, dass sie diese Qualität auch auf ihren Zahnersatz übertragen möchten. Dies funktioniert jedoch nur, wenn zum Beispiel bei Kompositen Lufteinschlüsse ausgeschlossen werden können. Beim manuellen Schichten werden jedoch fast automatisch kleine Bläschen oder Lufteinschlüsse durch Überlappungen in die Verblendung eingearbeitet. Darin liegt die Problematik vieler zahntechnischer Labore. Um solche Einschlüsse auszuschließen, arbeiten wir in unserem Labor mit einem besonderen Verfahren: der Überpresstechnik. Beim Überpressen verhindert der dabei entstehende Druck, dass sich Bläschen in den Werkstoff einlagern können. Wir verfügen hierin über ausreichend Erfahrung und erzielen damit sehr gute Resultate. Deshalb schulen wir bereits Kollegen im Umgang mit dem in Deutschland noch recht unbekannten Verfahren. Der Ablauf der Komposit-Überpresstechnik ist auf Überprüfbarkeit und Reproduzierbarkeit ausgerichtet. Sämtliche Informationen, die bei den diagnostischen Maßnahmen ermittelt werden, können wir präzise über das Wax-up in unsere Restauration übertragen, so dass wir ein exakt planbares Ergebnis erhalten.
Dimensionstreue Übertragung
Zunächst werden im Labor die Primär-Teleskope angefertigt. Auf den einartikulierten Meistermodellen wird mit Hilfe von einfach gefertigten Kunststoffschalen über die Innenteile ein Mock-up, sogenannte „Probierzähne“ hergestellt und in der Praxis anprobiert (Abb. 1 und 2). Die Zahnform kann dabei noch vernachlässigt werden, denn das Mock-up dient in erster Linie dazu, dass Behandler und Zahntechniker die Ebenen, die Position sowie die Länge der Schneidekanten kontrollieren und festlegen können. In derselben Sitzung wird die Passung der Primärkronen kontrolliert. Nach diesen, bei der Anprobe gewonnenen Informationen über die Dimensionierung des Zahnersatzes wird anschließend das Sekundärgerüst hergestellt und mit Hilfe der Übertragungsschlüssel darauf das Wax-up modelliert (Abb. 3). Das Wax-up stellt damit die Grundlage unserer Verblendung dar. Für die dimensionsgetreue Übertragung wird es mit hartem Silikon in eine lichtdurchlässige Küvette eingebettet und mit lichtdurchlässigem Silikon umspritzt (Abb. 4). Dieses Verfahren erhält sämtliche Informationen, so dass man sie exakt in die Restauration übertragen kann. Die Ränder der Modellation werden nur wenig in Silikon eingefasst, damit das Licht sie gut erreicht und aushärten lässt. Ist das Silikon ausgehärtet, wird die Küvette geöffnet und das Wax-up entfernt. Das Sekundärgerüst wird gereinigt und opakisiert (Abb. 5). Daraufhin kann zuerst im Halsbereich der Kronen und auf die Pontics etwas Dentin geschichtet werden (Abb. 6). In das Oberteil der Küvette wird Dentin-Masse in den durchsichtigen Zahnkranz appliziert, die Küvette im Anschluss langsam geschlossen, zugeschraubt und für vier Minuten im LED-Lichthärtegerät polymerisiert (Abb. 7). Danach wird die Küvette geöffnet, der Silikonboden entfernt und das Komposit noch einmal für eine Minute gehärtet (Abb. 8). Anschließend kann man entformen. Die Bisshebung ist minimal (Abb. 9).
Flexibel einsetzbare Technik
Wir verwenden für dieses Verfahren dialogTM Vario von Schütz Dental, denn es vereint einen flexibleren Dentin-Werkstoff und eine härtere abrasionsbeständige Okklusal-Masse (Abb. 10). Diese Kombination kompensiert Spannungen, die vom Kaudruck und vom Gerüst ausgehen. Daneben ist dialogTM Vario-Dentin opaker und chromatischer als die marktgängigen Komposites, die mit Transparenz und optischer Tiefe werben. Es deckt daher gerade bei teleskopierenden Arbeiten mit extrem dünnen Schichtungen zuverlässig. Um Platz für die Schneidemasse zu schaffen reduziert man jetzt den Dentinkern. Vor dem Reduzieren wird jedoch zunächst ein Schlüssel aus Knetsilikon angefertigt. Er hilft bei der Orientierung. Die reduzierten Flächen werden mit einem Bonder behandelt. Er härtet innerhalb von 30 Sekunden im LED-Gerät aus. Mit dialogTMVario Chroma-Malfarben – ähnlich eingefärbten Flow-Massen – kann die reduzierte, vorbehandelte Dentinschichtung jetzt individualisiert und im Anschluss mit den Occlusal-Schneidemassen überpresst werden (Abb. 11 und 12). Nach der abschließenden Polymerisation werden die wenigen Pressfahnen beseitigt, die Arbeit falls notwendig okklusal eingeschliffen (Abb. 13). Nach Ausarbeitung und Politur der Verblendungen ergibt sich ein harmonischer Gesamteindruck (Abb. 14 und 15).
Fazit
Die Überpress-Technik ist ein Verfahren, mit dem sich sämtliche im Vorfeld diagnostizierten Informationen leicht in den anzufertigenden Zahnersatz übertragen lassen. Kontrollschlüssel informieren jederzeit über Stellung, Form aller Zähne sowie die Linienführung der Okklusionsebene. Bisserhöhungen können bei exaktem, sauberen Arbeiten bis auf ein Minimum reduziert werden. Der Werkstoff dialoTM Vario gleicht mit seinen zwei unterschiedlichen Komponenten und Biegefestigkeiten Druckbelastungen aus, die bei harten und spröden Komposit-Werkstoffen zweifellos zu Spannungssprüngen führen können. Zusätzlich stehen alle Massen auch in fließfähigem Material, den Flow-Massen zur Verfügung. Dank einer ausgesprochen gute Polierbarkeit des Verblend-Komposits ist das Ergebnis eine ästhetisch ansprechende, passgenaue und langlebige Versorgung.
VERWENDETE MATERIALIEN
Lichtdurchlässige Küvette:
Loser & Co (Leverkusen)
Lichtdurchlässiges Silikon (Kartusche):
Hardglass/70 Shore,
zu beziehen über Schütz Dental (Rosbach)
Knetsilikon:
Elarock/96 Shore,
zu beziehen über Schütz Dental (Rosbach)
Verblend-Komposit:
dialogTM Vario, Schütz Dental (Rosbach)
Malfarben:
dialogTM Vario Chroma, Schütz Dental (Rosbach)
ZAHNTECH MAG 14, 3, 76 – 80 (2010)





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