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Veneers hinzugeben statt Zahnsubstanz wegnehmen
DruckenIndizes: Veneers, non-invasives Verfahren, Ästhetik, Funktion,
Zahnlängenkorrektur
Noch heute wird in vielen Patientenfällen gesunde Zahnsubstanz beschliffen, die
man hätte erhalten können. Oftmals eröffnen sich sogar Behandlungsmöglichkeiten ganz ohne Präparation: non-invasiv im wahrsten Sinne des Wortes. Wann dieses Verfahren angewendet werden kann bzw. Vorteile bietet, wird in folgendem Beitrag anhand von Beispielen erörtert.

Nichts ist für die Ewigkeit. Immer wieder müssen wir erkennen, dass wir uns von althergebrachten, zuweilen sogar von lieb gewonnenen Vorstellungen trennen und neuen zuwenden müssen.
Früher: Zahnsubstanz entfernen bei praktisch jeder Behandlung
An der Zahnhartsubstanz spüren wir deutlich, wie die Zeit vergeht und an uns nagt. Denn wenn gesundes Gewebe einmal entfernt wurde, wächst es nicht nach, sondern kann allenfalls ersetzt werden. So erleben es viele unserer Patienten. Für Zahnarzt und Zahntechniker verband sich über Jahrzehnte mit einer Behandlung die Vorstellung: Beim jedem Eingriff muss gesunde Substanz entfernt werden, um für ein Ersatzmaterial Platz zu schaffen. Dabei kann es so viel schonender und auch so viel leichter sein (Abb. 1). Der Autor hat seinen Weg zu diesen neuen Ufern der Zahnheilkunde in den vergangenen zwanzig Jahren über die Malerei gefunden, die in ihren Ausdrucksmöglichkeiten in Form und Farbe der Zahntechnik sehr nahe steht. Weitere Türen hat die Beschäftigung mit der Architektur geöffnet (Abb. 2). Der Leser mag seinen eigenen persönlichen Zugang finden. So öffnen sich uns Räume, in denen wir uns neu finden, geborgen fühlen für eine Zeit, aber auch Vergangenes vergangen sein lassen und so – jetzt dental gesprochen – mit einer klinischen Ausgangssituation abschließen und zu einer neuen aufbrechen. Das Ziel erreichen wir heute bei gänzlicher körperlicher Unversehrtheit des Patienten, ohne Präparation, noninvasiv, wie die folgenden Fälle zeigen.
Heute: zwei Gegenbeispiele
Eine junge Patientin litt infolge von saurem Reflux unter Erosionen. Dies ist in der Regel eine zu Kariesbefall komplementäre gesundheitliche Beeinträchtigung, denn die Karies verursachende Plaque stellt eine Diffusionsbarriere dar und verhindert damit Erosionen. Beide Erkrankungen können praktisch nicht gleichzeitig an ein und derselben Zahnfläche auftreten, womit ein Beschleifen der Zahnhartsubstanz im vorliegenden Falle von vorneherein unnötig war. So fiel im Beratungsgespräch die Entscheidung zugunsten einer Behandlung mit Veneers ohne jegliche Präparation. Es wurde lediglich zur unversehrten vorhandenen Restsubstanz etwas hinzugefügt, bis die natürliche Form wieder erreicht war (Abb. 3 bis 6). Es handelte sich daher um eine geradezu „mühelose“ Behandlung, und genau in dieser Mühelosigkeit liegt die wahre Kunst.
In einem weiteren Fall sollte eine kosmetische Zahnlängenkorrektur vorgenommen werden, wobei gleichzeitig funktionell eine Kopfbisssituation zu beseitigen war. Non-invasive Veneers haben beide Probleme gelöst (Abb. 7 bis 12). Dabei wurde insbesondere eine Eckzahnführung herbeigeführt, womit zusätzlich auch Okklusionsprobleme im Prämolarenbereich der Vergangenheit angehörten.
Die Zukunft: Beschleifen immer häufiger verzichtbar
Immer, wenn es um kosmetische Korrekturen im Frontzahnbereich geht, stehen noch heute vielfach das „Beschleifen für Kronen“ oder alternativ ein „Verzicht auf jegliche Behandlung“ gegeneinander – beides keine Optimallösungen. Denn bei invasiven Präparationen wird gesunde Zahnhartsubstanz unnötig entfernt, während bei der „Nulloption“ erstens die psychischen Nachteile für den Patienten nicht behoben werden und es zweitens auch zu Folgeerkrankungen (zum Beispiel Kippungen, Funktionsstörungen) kommen kann. Eine dritte Möglichkeit und dabei, wenn irgend möglich, fast immer die beste ist die noninvasive Veneer-Behandlung – ohne Beschleifen zur von der Natur vermutlich „gewollten“ klinischen Situation. Aus zahntechnischer Sicht besticht dabei die Möglichkeit, Wax-ups bzw. Mock-ups vorab einzuprobieren und durch eine enge Abstimmung mit dem Patienten den Behandlungserfolg praktisch vorzuprogrammieren. Wird doch eine Präparation nötig, so erfüllt der laborseitig gefertigte Silikonschlüssel gleich mehrere Funktionen und dient unter anderem dem Zahnarzt als Anhaltspunkt für die Präparation. So lässt sich sicherstellen, dass wirklich nur eine minimale Menge gesunder Zahnsubstanz abgetragen wird.
Indirekte Veneers können vielfach sogar ohne Präparation der betreffenden Zähne adhäsiv befestigt werden – einfach im Sinne der bekannten Total-Etch-Technik oberflächlich anätzen und adhäsiv befestigen! Die Keramikschalen lassen sich im zahntechnischen Labor aus Verblendwerkstoff (Duceram Kiss) auf feuerfesten Stümpfen schichten und anschließend sintern. Mit dieser Technik schafft man selbst bei geringem Platzangebot sehr komplexe Farbstrukturen.
Die Indikation solcher „additional veneers“ dehnt sich zunehmend von rein ästhetischen Korrekturen auf das Beheben funktioneller Störungen aus. Ein Beispiel stellt die Herstellung bzw. Verbesserung einer Front-Eckzahn-Führung durch eine Schneidekantenverlängerung dar. Auf diese Weise lassen sich auch Kronen oder Implantate im Prämolaren- bzw. Molarenbereich entlasten; ihre Prognose verbessert sich. Eine weitere Einsatzmöglichkeit stellt die Ergänzung von abradierten Kauflächen im Seitenzahnbereich mit verklebten „neuen Okklusalflächen“ zwecks Bisserhöhung dar. Angesichts dieser Vielfalt an Indikationen ist eine Abstimmung im Team über non-invasive Therapien über die aktuelle Frage empfehlenswert: Wo wollen wir damit neue Wege beschreiten und unseren Patienten unnötigen Substanzverlust ersparen? Nach Einschätzung ausgewiesener Experten wie Prof. Dr. med. dent. Hannes Wachtel, München wird ein Beschleifen gesunden Zahnhartgewebes schon in naher Zukunft in deutlich weniger Fällen zum zahnärztlichen Alltag gehören.
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VERWENDETE MATERIALIEN
Verblendwerkstoff:
Duceram Kiss, DeguDent (Hanau)
ZAHNTECH MAG 14, 6, 312 – 316 (2010)








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