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Prosit Neujahr!
DruckenIn seinem inzwischen 28. Weihnachtsbrief thematisiert der FVZL-Bundesvorsitzende Herbert Stolle die Forderung des „Freien Verbandes Zahntechnischer Laboratorien e. V.“ nach Freiheit, Gerechtigkeit und Eigenverantwortung für das deutsche Zahntechnikerhandwerk. Seine politische Kernforderung „Raus aus dem SGB V“ wurde damit auch einigen hundert Abgeordneten der neuen Bundesregierung zugestellt, die bisher mit der Aussage: „Mit Ulla Schmidt ist das nicht zu machen“ keine Hilfe leisten konnten, jedoch jetzt mit einer schwarz-gelben Koalition ihre Zusagen einlösen können. Den Kern dieses vor Weihnachten verschickten Briefes geben wir nachfolgend wieder:

“Es ist ein glücklicher Zufall der Geschichte, dass gleich mehrere bedeutende Ereignisse das politische Leben in Deutschland innerhalb sehr kurzer Zeit beherrschten. Das wären neben dem Ergebnis der Bundestagswahl u. a. die Jubiläen zum Bestehen der Bundesrepublik und zum Fall der Berliner Mauer. In den unterschiedlichsten Variationen und zu den vielfältigsten Anlässen wurden Begriffe wie Freiheit, Gerechtigkeit und Eigenverantwortung zum Kern politischer Dialektik. Ich bekenne, dass ich der Versuchung nicht widerstehen konnte, auf dieser Welle nationaler Euphorie einmal nicht, wie bei 27 „Weihnachtsbriefen“ zuvor, mit übergeordneten Themen die Welt zu verbessern, sondern statt dessen als ideologischer Protagonist des deutschen Zahntechnikerhandwerks den Versuch unternehmen werde, das Anliegen meines Berufsstandes an den Zug der Geschichte anzudocken. Für die gesundheitspolitischen Fachleute, denen ich unsere „Resolution“ beigefügt habe, heißt die Formel: Wir Zahntechniker wollen aus den Zwängen des Sozialgesetzbuches V (SGB V) entlassen werden! Für die 99,9 Prozent der weniger Erleuchteten heißt das übersetzt: Wir wollen unsere verloren gegangene Freiheit, Gerechtigkeit und Eigenverantwortung zurück haben, damit wir uns in dem immer härter werdenden globalen Wettbewerb gegen den Rest der Welt behaupten können. So gesehen, sind wir bereits seit Jahrzehnten die rhetorischen Urväter unserer aktuellen Sonntagsredner und befinden uns voll im Einklang mit deren Grundsatzprogrammen, ihren Wahlkampfversprechen und den Koalitionsvereinbarungen jener Parteien, die seit dem 28. September die Macht im Staate übernommen haben. Bitte erlauben Sie mir im Rahmen des hier Möglichen drei vertiefende Ausführungen.
Wir wollen unsere verloren gegangene Freiheit zurück haben!
Was heißt das? Die vielen und oftmals auch klugen Reden zum Jahrestag des Falls der Berliner Mauer geben die Antwort. Ein totalitäres Unrechtsregime gaukelte seinen Bürgern vier Jahrzehnte lang kollektive Sicherheit vor. Als Preis dafür verloren die Bürger ihre Freiheit. Vergleichbares geschah – wenn auch auf einer anderen Ebene – unter dem Deckmantel der „Sozialen Gerechtigkeit“ mit dem deutschen Zahntechnikerhandwerk. Man zwängte uns in ein System der kollektiven Einheitspreise und nahm uns dafür die Freiheit, als Unternehmer im freien Wettbewerb eigene Entscheidungen treffen zu können.
Wir wollen die verloren gegangene Gerechtigkeit zurück haben!
Was heißt das? Als selbständige Handwerksmeister sind wir eingebunden in ein dichtes Netzwerk der Bürokratie, die uns durch Gesetze, Verordnungen und sinnlose Vorschriften die Luft zum Atmen nimmt. Gleichzeitig ist es als Folge mangelhaft gestrickter Gesetze möglich, dass sich jeder zahntechnisch dilettantische Krisengewinnler auf dem Markt der Zahnersatzherstellung tummeln kann. Krankenkassen missbrauchen ihre Macht und bieten Knebelverträge an; Korruption und Betrug bestimmen immer häufiger die Realität. Nach unserem Selbstverständnis enthält Gerechtigkeit die Grundregeln des sozialen Zusammenlebens. Sie geht von dem Respekt vor der Person und dem Eigentum des Nächsten aus und verbietet, ihm willkürlich Schaden zuzufügen. Wir wollen, dass der Ehrliche nicht länger der Dumme bleibt.
Wir wollen unsere Eigenverantwortung zurück haben!
Was heißt das? Die vergangenen Jahrzehnte brachten uns eine Erosion der Eigenverantwortung, die durch bürokratische Fremdbestimmung und die Entmündigung der Bürger ersetzt wurde. In seiner Regulierungswut übertrug der Gesetzgeber die kollektive Verantwortung für das Zahntechnikerhandwerk auf inkompetente, mit dieser Aufgabe völlig überforderte Innungsfunktionäre. Da die Mitgliedschaft in einer Innung freiwillig ist, laufen diesen politisch links orientierten Seilschaften immer mehr Mitglieder davon. Darüber hinaus konterkarieren die unternehmerfeindlichen und existenzvernichtenden Bedingungen des SGB V jedes Bemühen um mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung. Für uns jedoch bedeutet diese Eigenverantwortung ein mit Eigentum und Wettbewerb unmittelbar verbundener zentraler Wert einer freien Gesellschaft.
Wie lautet das Fazit?
Die Politik überbietet sich bei jeder Gelegenheit mit Bekenntnissen zur Freiheit, Gerechtigkeit und Eigenverantwortung. Zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise werden Milliardenprogramme in einer bisher für unvorstellbar gehaltenen Höhe aufgelegt, um damit Banken, Konzerne und letztlich auch die eigene Haut zu retten. Und inmitten dieses Getümmels kommt ein kleiner, wirtschaftlich unbedeutender Handwerksberuf, nimmt die Politiker beim Wort und bittet um nichts anderes als um Freiheit, Gerechtigkeit und Eigenverantwortung. Welch einmalige Chance für die neue Politik, ohne viel Aufwand ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen!“
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ZAHNTECH MAG 14, 1/2, 63 – 65 (2010)







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