Abrechnung

Teil 1 - Die Abrechnung von Reparaturen: Ein Exkurs in die Abgründe tiefster Verzweiflung

Grundlagen

07.02.2016

Wie rechne ich Reparaturen nur richtig ab? Antworten gibt in dieser Artikelserie Abrechnungsexperte ZT Uwe Koch.
Wie rechne ich Reparaturen nur richtig ab? Antworten gibt in dieser Artikelserie Abrechnungsexperte ZT Uwe Koch.

Die Abrechnung zahntechnischer Leistungen an sich ist schon immer eine Herausforderung – für den Techniker im gewerblichen und Praxislabor schlechthin und ebenso für die Zahnarztpraxis. Das gilt erst recht für Reparaturen. Das internationale Zahntechnik Magazin startet hier für Sie eine Betrachtung, die Licht ins Dunkel bringt. In einer sechsteiligen Reihe stellt Uwe Koch, Chefredakteur des Spitta-Portals www.abrechnung-zahntechnik.de, alle relevanten Fakten zusammen.

Wenn es um die richtige Rechnung der reparierten Prothese oder von erneut zu verblendenden Implantatkronen geht, dann ist oft „Zähneknirschen“ angesagt. Fast 50 % aller über die KZVen abgerechneten Behandlungsfälle in den Leistungsbereichen Zahnersatz, Kronen und Suprakonstruktionen sind Wiederherstellungsmaßnahmen (Quelle: KZBV Jahrbuch 2014). Viele Abrechnungsmitarbeiter/innen in Praxis und Labor planen lieber „neue“ Arbeiten als oft undurchschaubare Reparaturen: Geht es um den Kunststoff- oder Metallbereich? Mit Lot und Lötung oder inklusive? Was ist mit Lasern?

Fragen über Fragen

Ist es beim Zahnarzt oft mit einer oder zwei Abformungen erledigt, so liegt die Hauptarbeit beim Labor. Die zahntechnische Arbeit mag an sich schon komplex sein, bei der Abrechnung dieser Maßnahme stellt sich die Situation im Labor- und Praxisalltag oft noch komplexer dar: Welcher Festzuschuss ist ansetzbar, handelt es sich bei der Reparatur des Zahnersatzes um eine Regelversorgung oder um eine gleich- oder andersartige Versorgung? Immer wieder taucht das Problem auf, dass Positionen vergessen bzw. Leistungen zueinander abgerechnet werden, die laut Festzuschusstabellen gar nicht zusammenpassen. Grundsätzlich gilt: Werden bei der Regelversorgung die Positionen des BEL-II angesetzt, so kommen bei gleichartigen Versorgungsformen BEL und BEB und bei andersartigen nur BEB-Positionen zum Ansatz.

Grundlagen für die Abrechnung von Reparaturen

Grundsätzlich sollte zunächst einmal der Techniker die tatsächlich erbrachten Leistungen unabhängig davon, ob sie berechenbar sind oder nicht, auf einem entsprechenden Technikerzettel notieren, ebenso die verwendeten Materialien (konfektionierte Zähne, Lot etc.). Auch bei Reparaturen kann durchaus zwischen den einzelnen Versorgungsarten unterschieden werden. Wichtig hierbei ist festzustellen, was die einzelnen Festzuschüsse an abrechenbaren Positionen in der Regelversorgung „erlauben“.

Dieses Festzuschusssystem bei den Reparaturen gliedert sich in die FZ-Gruppen 6.0 bis 6.10 und 7.1 bis 7.7. Wichtig ist, dass zur Einstufung einer Reparatur als Regel-, gleich- oder andersartige Versorgung nicht die Art der wiederherzustellenden Versorgung maßgeblich ist (Quelle: Festzuschusskompendium KZBV). Beispiel: Eine ehemals andersartige Arbeit, die jetzt unterfüttert werden soll (diese Unterfütterung stellt sich als Regelversorgung dar), wird jetzt nach BEL berechnet.

Im BEL-Bereich gibt es eine Grundeinheit Instandsetzung ZE (801 0), die jeweils durch mindestens eine Leistungseinheit 802 1 – 802 7 ergänzt werden muss. Ausnahme: Verblendreparaturen an Teleskoparbeiten sowie zahnfarben hergestellte Zähne. In diesen Fällen kann die Grundeinheit ZE ohne Leistungseinheit abgerechnet werden.

Zu beachten ist weiterhin:

  • Verblendgrenzen im OK bis 5 und UK bis 4. Ausnahme: Rückenschutzplatten kennen keine Verblendgrenzen. So kann durchaus auch einmal z. B. die Erneuerung einer vestibulären Verblendung an Rückenschutzplatte 45 (außerhalb der Verblendgrenze) über BEL abgerechnet werden.
  • BEL-Nummern mit den Endziffern. .6 und .8 signalisieren dem Anwender, dass es sich hierbei um Leistungen der Ausnahmeindikation nach ZE-Richtlinie 36 handelt (bis auf 202 6 „Ney-Stiel“ und 802 6 „LE Rückenschutzplatte einarbeiten“).
  • Wurde gelötet, wird in der Regel ein vorhandener Sattel gelöst (BEL 802 7). Die Verwendung dieser Nummer ist der Indikator für die Praxis, dass man sich im Festzuschussbereich „Maßnahmen im gegossenen Metallbereich“ befindet.
  • Wurde gelötet und die Position 807 0 ist abrechenbar für die Instandsetzung, dann ist auch das Lot abrechenbar. Dies kann in fünf Fällen vorkommen: „LE Bruch aus Metall“, „LE Sprung aus Metall“, „LE Klammer einarbeiten“, „LE Rückenschutzplatte einarbeiten“ sowie „Kronen/ Brückengliedreparatur“.
  • Retentionen und Basisteile (803 0, 804 0 und 806 0) beinhalten sowohl die Lötung als auch das Lot und sind daher nicht separat berechenbar.
  • Gebogene Klammern beginnen im BEL-Bereich immer mit der Ziffer 3xx x und gegossene immer mit der Ziffer 2xx x. Hinweis: Wird eine Klammer neu hergestellt und separat gegossen, so ist hier der Zuschlag 212 0 „Klammer einzeln gegossen“ pro Kiefer einmal abrechenbar.

Erste Tipps zur Vorbereitung

Machen Sie sich zunächst mit den BEL-Positionen und deren Leistungsinhalten vertraut. Stellen Sie sich dabei die Fragen: abrechenbar, wie oft? Je Zahn, je Fall, je Kiefer? Lot inklusive?

Erstellen Sie einen Reparaturzettel mit allen abrechenbaren Positionen nach BEL und BEB im Bereich Reparaturen (Vorderseite des Blatts für BEL, Rückseite für BEB) und sehen Sie Raum vor, um Materialien und die Technikernummer zu notieren.

Im zweiten Teil (siehe unten) finden Sie Beispiele für Reparaturen von herausnehmbarem Zahnersatz im BEL II.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Uwe Koch



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