Funktion


Netzwerklösungen für CMD-Beschwerden

26.07.2010

Pathologisches und…
Pathologisches und…

Indizes: Bruxismus, instrumentelle Funktionsanalyse, DROS®-Schiene, Relaxierung, interdisziplinäres Therapiekonzept

Für eine bessere Integration der Zahntechnik in die Funktionstherapie steht die Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik (GZFA). Dahinter verbirgt sich ein Zusammenschluß von Praktikern unterschiedlicher medizinischer und zahntechnischer Fachrichtungen, deren Fokus auf der Prävention, Diagnostik und Therapie mit der speziellen Behandlungsmethode der DROS®-Therapie liegt. Franz Weiß (München), Geschäftsführer der GZFA erläutert das funktionelle Konzept anhand zweier Fälle.

Typische Beispiele für den Therapieverlauf bei CMD-Beschwerden bieten Fälle von Bruxismus. Zunehmend kommen Patienten in unser Münchner CMD-Zentrum, die jahrelang mit Bruxismus und seinen Folgen zu kämpfen haben. Auslöser müssen nicht zwingend die Schmerzen sein. Auch die Notwendigkeit, die durch den hohen Abrasionsgrad stark beschädigten Zähne restaurieren zu müssen, kann Anlaß für den Praxisbesuch geben.
Verweisen verhärtete Kaumuskulatur und Fehl stellungen im Zahn- und Kiefersystem auf CMD, begleitet das Labor mit der instrumentellen Funktionsanalyse den therapeutischen Prozeß. Der ganz heitliche Ansatz unseres Netzwerks mit Rückgriffen auf Kompetenzen von Orthopäden, naturheilkundlich arbeitenden Ärzten, Osteopathen und anderen erlaubt die ganze Bandbreite für symptomatische als auch kausale Therapie. So kann der behandelnde Arzt neben orthopädischen Erkrankungen oder fehlerhaften Okklusionsverhältnissen durch zu hohe Füllungen oder schlecht sitzenden Zahnersatz auch psy chische Faktoren zum richtigen Zeitpunkt angemessen berücksichtigen. Aufgrund unserer Erfahrungswerte der letzten Jahre drängt Streß als wichtiger Co-Faktor in den Vordergrund. Hier erweist sich unsere Struktur für einen ganzheitlichen und sensiblen Umgang als besonders konstruktiv (Abb.1 – 6).

Die relaxierende DROS®-Schiene für den Oberkiefer

Innerhalb des Netzwerks arbeiten wir mit einer Oberkiefer-Aufbißschiene (DROS®-Schiene) für den diagnostischen und therapeutischen Einsatz.
Nach langjähriger Erfahrung mit Aufbißschienen sah ich die Notwendigkeit, mit der DROS®-Schiene selbst ein okklusales Design zu entwickeln. Die wichtigsten Merkmale sind neben der Zweiphasigkeit ein Plateauaufbau mit dem aus meiner Sicht optimalen Neigungswinkel. Materialgrundlage sind hochwertige, abgestimmte Kaltpolymerisate. Für die perfekte Schienenposition nutzt der Behandler für die Abformung von Ober- und Unterkiefer hochwertige Materialien. Im Netzwerk arbeiten wir bevorzugt mit dem Präzisionsmaterial Honigum. Mit der DROS®-Schiene stellen wir in der ersten und wichtigsten Phase die Relaxierung her und heben die Wirkung der problematischen Frühkontakte auf. In der zweiten Phase zur Orientierung und Stabilisierung wird das Plateau abgewandelt und die Vertikalisation richtet sich nun nach dem ersten Frühkontakt aus. Somit kann die Kieferstellung in die individuelle physiologische Position übergehen und der Weg zur Beschwerdefreiheit wird lang fristig gebahnt.
Die GZFA macht zahntechnische Labors mit Herstellungslizenzen zu Partnern, die mit qualifizierten Funktionsdiagnostikern als Team zusammenarbeiten. Die Kosten für die DROS®-Schienentherapie von ca. 2.900 Euro (Zahnarzt-/Laborkosten) werden bislang nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, wohingegen die privaten Krankenversicherungen den individuellen Patientenanteil und die Therapie bezuschussen. Doch wir schätzen den Behandlungserfolg und die sinnvolle Einbindung in die Zahnersatzbehandlung als unabhängigen und gelungenen Beitrag, das Gesundheitssystem zu entlasten (Abb. 7 – 12).
Zwei exemplarische Fälle von Patienten mit Bruxismus sollen im Folgenden den Behandlungsverlauf darstellen.

  • Abb. 1: CO gleich CR: Zentrische Okklusion und stabile Kondylenposition
  • Abb. 2: CO ungleich CR: Frühkontakt
  • Abb. 1: CO gleich CR: Zentrische Okklusion und stabile Kondylenposition
  • Abb. 2: CO ungleich CR: Frühkontakt

  • Abb. 3: CO ungleich CR: Verlagerung der Kondylen
  • Abb. 4: rechte Kondylenposition
  • Abb. 3: CO ungleich CR: Verlagerung der Kondylen
  • Abb. 4: rechte Kondylenposition

  • Abb. 5: linke Kondylenposition
  • Abb. 6: transversale Kondylenposition
  • Abb. 5: linke Kondylenposition
  • Abb. 6: transversale Kondylenposition

  • Abb. 7: Herstellung der DROS I Schiene: Das Schienendesign wird mit einem Wachsdraht festgelegt…
  • Abb. 8: …und anschließend füllt man den Kunststoff ein
  • Abb. 7: Herstellung der DROS I Schiene: Das Schienendesign wird mit einem Wachsdraht festgelegt…
  • Abb. 8: …und anschließend füllt man den Kunststoff ein

Fall 1: interdisziplinäres Therapiekonzept

Ein 45jähriger Polizeihauptkommissar mit starker Belastung im Beruf kam wegen seines nächtlichen Knirschens und stark abgenutzter Zähne in die Praxis von Zahnärztin Claudia Michl (Kolbermoor bei Rosenheim). Akuter Anlaß waren Kiefergelenksprobleme, die während einiger Tage periodisch auftraten. Er beschrieb sie als Knackgeräusche in der Kiefergelenksregion mit nur gelegentlichen Schmerzen.
Auch Kiefersperre nach weiter Mundöffnung, insbesondere am Morgen, nannte der Patient als Symptom. Probleme an Wirbelsäule, Hals oder Nakken konnte er dagegen nicht anführen. Seine kieferorthopädische Behandlung lag bereits 35 Jahre zurück (Abb. 13 – 17).
In der klinischen Funktionsanalyse stellte die Zahnärztin neben Verspannungen und reziprokem Kiefergelenksknacken auch Myoarthropathie und Myogelosen der Kaumuskulatur fest. Darüber hinaus bestand Verdacht auf anteriore Diskursverlagerung mit Reposition. Sie entwickelte ein interdisziplinäres Therapiekonzept zusammen mit einer Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin sowie mit einem Physiotherapeuten.
Die instrumentelle Funktionsanalyse und -therapie erfolgte mit unserer DROS®-Schiene, die schon nach knapp sieben Wochen die Basis für die prothetische Wiederherstellung für eine optimale Okklusion erreichte. Die bioästhetische Auswertung mit besonderer Aufmerksamkeit für die Frontzahnästhetik führte zu funktionellen, zentrischen Frontzahnkontakten und zu entsprechender Front-Eckzahnführung (Abb. 18 – 21).

  • Abb. 9: Herstellung der DROS II Schiene: Ausarbeiten der zentrischen Kontakte
  • Abb. 10: Feinausarbeitung der DROS II
  • Abb. 9: Herstellung der DROS II Schiene: Ausarbeiten der zentrischen Kontakte
  • Abb. 10: Feinausarbeitung der DROS II

  • Abb. 11: Fertige DROS II mit Relaxierungsphase auf Frontzahnplateau
  • Abb. 12: Fertige DROS II mit Orientierungs- und Stabilisierungsphase
  • Abb. 11: Fertige DROS II mit Relaxierungsphase auf Frontzahnplateau
  • Abb. 12: Fertige DROS II mit Orientierungs- und Stabilisierungsphase

Fall 2: Funktionsanalyse und -therapie bei Bruxismus

Ein anderer Patient von 33 Jahren litt bereits seit 14 Jahren an Bruxismus und hatte schon sechs Millimeter an Zahnsubstanz des Ober- und Unterkiefers verloren. Akute Zahnschmerzen führten ihn in die Zahnarztpraxis, hervorgerufen durch eine okklusale Schädigung (Zahn 14) und eine Fraktur (Zahn 18). Darüber hinaus klagte er über Kiefergelenksschmerzen und starke Irritationen wegen seiner unklaren Bißlage. Als Befund bestand somit ein komplett abradiertes Gebiß von 27 Zähnen und schwerwiegende CMD-Symptome (Abb. 22).
Anders als der zuvor genannte Patient durchlief er bereits eine sieben Jahre dauernde Odyssee mit leider erfolglosen Behandlungen von HNO-Ärzten, Osteopathen und Physiotherapeuten. Zu Beginn nutzte er unsere CMD-Sprechstunde, um sich unverbindlich die komplizierten Abläufe im stomatognathen System und den ursächlichen Ansatz der Funktionstherapie erklären zu lassen.

Nachdem sich der Patient für eine Funktionstherapie entschied, nahmen wir eine Funktionsanalyse vor. Der Achsenpositions- und Kondylenpositionsindikator ergab eine Diskrepanz von ca. zwei Millimetern zwischen Complete Occlusion (CO) und Centric Relation (CR). Zu seinem größten Erstaunen und natürlich zu seiner Erleichterung verschwanden die Kiefergelenksschmerzen bereits nach dem vierten Tag der Relaxierungsphase. Der Patient fühlte sich besonders während der Stabilisierungsphase mit der DROS®-Schiene sehr wohl.

Nach acht Wochen inklusive beider Therapiephasen und Kontrollterminen mit Feinjustierung erstellten wir ein Abschlußregistrat, das eine stabile Position beider Gelenke aufwies. Zwei weitere ASR im Abstand von einer Woche bestätigten das erfolgreiche Erreichen der SKP.

Aus einer physiologischen stabilen Kondylenposition erstellten wir ein Wax-up (Abb. 23 – 25) mit neuem, vertikalen Kaumuster, einer zentrischen Okklusion und einer steilen Front-Eckzahnbeziehung. Vier Wochen später erfolgte die definitive keramische Umsetzung (Abb. 26 – 28).

  • Abb. 13: Ausgangssituation Arbeitsseite links
  • Abb. 14: Ausgangssituation Arbeitsseite rechts
  • Abb. 13: Ausgangssituation Arbeitsseite links
  • Abb. 14: Ausgangssituation Arbeitsseite rechts

  • Abb. 15: Ausgangssituation Höckermorphologie im Unterkiefer
  • Abb. 16: Frontalansicht leichtes Lächeln
  • Abb. 15: Ausgangssituation Höckermorphologie im Unterkiefer
  • Abb. 16: Frontalansicht leichtes Lächeln

  • Abb. 17: Höckermorphologie im Oberkiefer
  • Abb. 18: Arbeitsseite links
  • Abb. 17: Höckermorphologie im Oberkiefer
  • Abb. 18: Arbeitsseite links

  • Abb. 19: Arbeitsseite rechts
  • Abb. 20: Frontalansicht der Keramikversorgung
  • Abb. 19: Arbeitsseite rechts
  • Abb. 20: Frontalansicht der Keramikversorgung

  • Abb. 21: Höckermorphologie OK links
  • Abb. 21: Höckermorphologie OK links


  • Abb. 22: Ausgangssituation Arbeitsseite rechts
  • Abb. 23: Wax-up Arbeitsseite rechts
  • Abb. 22: Ausgangssituation Arbeitsseite rechts
  • Abb. 23: Wax-up Arbeitsseite rechts

  • Abb. 24: Wax-up von OK und UK unter biomechanischen und ästhetischen Gesichtspunkten
  • Abb. 25: …und in der Protrusionsbewegung
  • Abb. 24: Wax-up von OK und UK unter biomechanischen und ästhetischen Gesichtspunkten
  • Abb. 25: …und in der Protrusionsbewegung

  • Abb. 26: Die definitive keramische Versorgung: Arbeitsseite rechts...
  • Abb. 27: …von okklusal…
  • Abb. 26: Die definitive keramische Versorgung: Arbeitsseite rechts...
  • Abb. 27: …von okklusal…

  • Abb. 28: …und von frontal
  • Abb. 28: …und von frontal

Fazit

Beide Patienten sind nach der Eingliederung und regelmäßigen Recalls in der Praxis sehr zufrieden und beschwerdefrei. Auch hat sich in beiden Fällen die CMD-Sprechstunde bewährt. Die Möglichkeit, sich unverbindlich und ausführlich zur craniofa cialen Symptomatik und zu Funktionsstörungen des stomatognathen Systems informieren zu lassen, untermauert den ganzheitlichen Ansatz des Netzwerks wie auch seine interdisziplinäre Therapie.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Franz Weiss

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Franz Weiss


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