Kronen/Brücken


Zirkoniumdioxid und Presskeramik – eine gelungene Kombination


Indizes: Zirkoniumdioxid, CAD/CAM, Verblendtechnik, Presskeramik

Die zahlreichen Materialien, welche in der modernen Zahnheilkunde zur prothetischen Versorgung eingesetzt werden können erlauben heute vollkeramische ästhetische Lösungen, wo früher Kompromisse vonnöten waren. Dabei liegt die zahntechnische Herausforderung bei einem vollkeramischen Material-Mix oftmals in der unterschiedlichen Lichtleitfähigkeit der Werkstoffe und den abweichenden Materialschichtstärken. Wie es trotzdem gelingt, zeigt ZTM Richard Zimmermann (Bad Säckingen).

Im vorliegenden Fall wurden eine dreigliedrige Brücke von Zahn 13 bis15 und eine Krone auf Zahn 22 aus Zirkoniumdioxid angefertigt und mit VITA VM 9 verblendet. Die Gerüste aus Zirkoniumdioxid wurden im etkon/Straumann AG CAD/CAM-Produktionszentrum (CH-Basel) hergestellt. Daneben wurden eine Vollkrone auf Zahn 11 sowie Veneers in regio 12, 21, 23 und 24 aus VITA PM 9 Presskeramik (VITA Zahnfabrik, D-Bad Säckingen) gefertigt und mit den genannten Zirkoniumdioxidrestaurationen kombiniert.

Die Ausgangssituation

Der Patient war mit der Ästhetik seiner bisherigen Versorgung im zweiten Quadranten unzufrieden (Abb. 1). Der Zahn 22 war bereits mit einer Vollkeramikkrone versorgt, die sehr opak wirkte. Sein stark verfärbter Stumpf mit extremer Labialstellung, dessen Verfärbung in den Zervikalsaum hineinstrahlte, sorgte zudem für ein insgesamt unbefriedigendes Gesamtbild. Ferner störten den Patienten im ersten Quadranten die dunklen Ränder der keramisch verblendeten Metall-Krone (Zahn 11) und -brücke (Zahn 13 bis 15). Darüber hinaus war der Patient mit den unterschiedlichen Längen seiner Zentralen unzufrieden. Schließlich sorgte die starke Drehung des Zahnes
24 für eine weitere Verschlechterung der Gesamtsituation.

  • Abb. 1: Die Ausgangssituation.
  • Abb. 2: Sägeschnittmodell mit stark unterschiedlichen Platzverhältnissen.
  • Abb. 1: Die Ausgangssituation.
  • Abb. 2: Sägeschnittmodell mit stark unterschiedlichen Platzverhältnissen.

  • Abb. 3: Angefertigte Zirkoniumdioxidgerüste und Modellation
  • Abb. 4: … von okklusal … der Pressobjekte.
  • Abb. 3: Angefertigte Zirkoniumdioxidgerüste und Modellation
  • Abb. 4: … von okklusal … der Pressobjekte.

  • Abb. 5: … und Pressobjekte auf dem Muffelsockler.
  • Abb. 5: … und Pressobjekte auf dem Muffelsockler.

Die Planung

Nach Präparation und Abdrucknahme wurde ein Sägeschnittmodell erstellt (Abb. 2). Hier wurden erneut die unterschiedlichen Stumpfvolumina beziehungsweise
Stumpflängen deutlich. Als zahntechnische Herausforderung erwies sich das teilweise geringe Platzangebot. Insbesondere bei den Zähnen 11 und 12 waren labial unterschiedliche Schichtstärken zwischen 0,4 und 1,3 mm erforderlich. Zahn 22 war zudem prodrudiert. Mittels der Staub-Cranial-Technik wurden die ideale Zahnlänge und Achsenstellung der Frontzähne ermittelt.

Die Zirkoniumdioxid-Versorgungen

Die im Fertigungszentrum hergestellte Zirkoniumdioxidbrücke von 13 bis 15 wurde mit marginaler Keramikschulter gestaltet. Der stark verfärbte Stumpf 22
musste ebenfalls mit Zirkoniumdioxid versorgt werden. Auf das Einzelzahngerüst 22 wurde der VITA VM 9 Effect Bonder aufgetragen, um damit die starke Verfärbung zu maskieren. Für die Verblendung der Brücke wurde im ersten Schritt der Effect Liner eingesetzt, um die Fluoreszenz zu erhöhen, welche im Seitenzahnbereich von besonderer Bedeutung ist. Die Gerüste
wurden anschließend mittels Build-up-Schichttechnik mit VITA VM 9 verblendet (Abb. 8 bis 10).

  • Abb. 6: Einbetten mit VITA VM9 Einbettmasse.
  • Abb. 7: Die gepressten Objekte nach dem Ausbetten.
  • Abb. 6: Einbetten mit VITA VM9 Einbettmasse.
  • Abb. 7: Die gepressten Objekte nach dem Ausbetten.

  • Abb. 8: Aufgepasste Presskeramik, Zahn 22 mit Bonder beschichtet.
  • Abb. 9: Effect-Liner-Brand.
  • Abb. 8: Aufgepasste Presskeramik, Zahn 22 mit Bonder beschichtet.
  • Abb. 9: Effect-Liner-Brand.

  • Abb. 10: Build-up-Schichtung.
  • Abb. 11: Roheinprobe, um die Farbe und Transluzenz abzustimmen; die Pressobjekte sind nicht reduziert.
  • Abb. 10: Build-up-Schichtung.
  • Abb. 11: Roheinprobe, um die Farbe und Transluzenz abzustimmen; die Pressobjekte sind nicht reduziert.

Die Presskeramik-Restaurationen

Die Pressobjekte wurden in Wachs modelliert angestiftet, eingebettet (Abb. 3 bis 6) und nach Verarbeitungsanleitung in VITA PM 9 gepresst. Dieses Material ist als „All-in-One“-Presskeramik sowohl für die gerüstfreie Presstechnik zur Fertigung von Inlays, Onlays, Veneers und Frontzahnkronen, als auch für das Überpressen von Zirkoniumdioxid geeignet. VITA PM 9-Presslinge sind in drei unterschiedlichen Transluzenzstufen (O, T, HT) erhältlich. In diesem Fall wurden die transluzenten VITA PM 9 TPellets ausgewählt (Abb. 7). Sie wurden – aufgrund der ungleichen Materialstärken und leicht unterschiedlich verfärbten Stümpfen – gegenüber den HTPresslingen (= high translucent) bevorzugt. Die T-Pellets ermöglichten neben ihrer Transluzenz auch eine ausreichende Maskierung der Stümpfe. Bei der Aufpassung auf das Modell wurden nochmals die unterschiedlichen Schichtstärken von Pressobjekten und Versorgungen auf Zirkoniumdioxidgerüsten deutlich. Insbesondere die beiden mittleren Schneidezähne (10 und 20) veranschaulichen diese Situation. Bei der Zwischeneinprobe im Patientenmund wurde diese Problematik untersucht, um bei der Fertigstellung alle erforderlichen Farbeffekte zu berücksichtigen (Abb. 11).

  • Abb. 12: Reduzierung der Presskeramik vor der Schichtung mit VITA VM9 ADD-ON Massen.
  • Abb. 13: Die VITA Firing-Paste fixiert und stabilisiert die Keramikschalen an den Stiften des Brenngutträgers.
  • Abb. 12: Reduzierung der Presskeramik vor der Schichtung mit VITA VM9 ADD-ON Massen.
  • Abb. 13: Die VITA Firing-Paste fixiert und stabilisiert die Keramikschalen an den Stiften des Brenngutträgers.

  • Abb. 14: Ergänzende Schichtung mit diversen Schneidemassen.
  • Abb. 15: Einprobe im Mund.
  • Abb. 14: Ergänzende Schichtung mit diversen Schneidemassen.
  • Abb. 15: Einprobe im Mund.

  • Abb. 16: Okklusalansicht nach dem Glanzbrand
  • Abb. 17: Ansicht von labial.
  • Abb. 16: Okklusalansicht nach dem Glanzbrand
  • Abb. 17: Ansicht von labial.

  • Abb. 18: Nochmals: Die unterschiedlichen Platzverhältnisse, die zum Teil aus der vorhergehenden Versorgung stammen.
  • Abb. 19: Ansicht von basal.
  • Abb. 18: Nochmals: Die unterschiedlichen Platzverhältnisse, die zum Teil aus der vorhergehenden Versorgung stammen.
  • Abb. 19: Ansicht von basal.

Die Individualisierung

Die reduzierten Pressobjekte wurden mit VITA VM 9 ADD-ON-Massen individualisiert (Abb. 12 bis 14) und anschließend mit VITA Glaze LT glasiert (Abb. 15 bis 17). Um den Glanzgrad nachträglich zu beeinflussen, lässt sich die Oberfläche hervorragend polieren. Die niedrigschmelzenden VITA VM 9 ADD-ON Massen wurden auf Grundlage der VITA VM 9 Verblendkeramik entwickelt. Die acht ADD-ON Massen sind in den Farbnuancen ADD1 bis ADD8 erhältlich und
dienen der Reproduktion natürlicher Farbverläufe.

  • Abb. 20: Arbeit im Durchlicht, bei Zahn 22 wurde das Licht „ausgesperrt“.
  • Abb. 21: Arbeit im Auflicht.
  • Abb. 20: Arbeit im Durchlicht, bei Zahn 22 wurde das Licht „ausgesperrt“.
  • Abb. 21: Arbeit im Auflicht.

  • Abb. 22: Die Präparation mit dem verfärbten Zahn 22.
  • Abb. 22: Die Präparation mit dem verfärbten Zahn 22.

Fazit

Trotz der vielfältigen zahntechnischen Herausforderungen wird hier eine ästhetische Versorgung erzielt. Die Durchlichtaufnahme verdeutlicht nochmals die Unterschiede beim Lichttransport aufgrund der abweichenden Materialschichtstärken. Im Auflicht wird dann die hohe farbliche Übereinstimmung ersichtlich (Abb. 18 bis 22). Ferner wird mit dieser Versorgung
ein sehr harmonischer Verlauf der Schneidekanten zur Lippe erreicht (Abb. 23). In der Schlussbetrachtung wird der neu geschaffene, ästhetische Gesamteindruck in situ dargestellt (Abb. 24). Dieses Gesamtbild trägt maßgeblich zur Zufriedenheit und zum Wohlbefinden des Patienten bei (Abb. 25).

  • Abb. 23: Die Frontzähne wurden etwas verlängert.
  • Abb. 24: Die Arbeit in situ.
  • Abb. 23: Die Frontzähne wurden etwas verlängert.
  • Abb. 24: Die Arbeit in situ.

  • Abb. 25: Ein lachender Patient.
  • Abb. 25: Ein lachender Patient.

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VERWENDETE MATERIALIEN

Zirkoniumdioxid:
Zerion, etkon/Straumann AG (CH-Basel)
Verblendkeramik:
VITA VM 9, VITA Zahnfabrik (Bad Säckingen)

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Richard Zimmermann

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Richard Zimmermann



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