Festsitzende Implantatprothetik


Spielend zum perfekten Hochglanz

28.07.2011


Umfangreiche Versorgungen machen Spaß – wenn man das richtige Werkzeug besitzt. ZTM Gerd Weber demonstriert anhand einer 12teiligen Oberkiefer-Versorgung mit individuellen Abutments wie man bei einer Implantat-Arbeit mit müheloser Politur eine perfekte Parodontalhygiene ermöglicht.

 

 

 

 

Viele Patienten, die keine eigenen Zähne mehr besitzen, wünschen sich nichts sehnlicher als einen festsitzenden Zahnersatz, mit dem sie wie mit einem vollbezahnten Gebiss beißen und kauen können. Die Fortschritte in der Implantationstechnik und bei der Entwicklung stabiler Werkstoffe haben diesen Traum für viele Menschen in Erfüllung gehen lassen. Dabei hat sich Zirkondioxidkeramik als gut geeigneter, präziser und langlebiger Werkstoff erwiesen. Seit einigen Jahren fertigen Zahntechniker auch individuelle Abutments aus dem „weißen Gold“. Doch die Vorteile des modernen Werkstoffs – Härte, Zähigkeit und geringer Verschleiß – machen die Bearbeitung schwer. Es kommt deshalb auf das richtige Werkzeug an, wenn man dem stabilen Material zu Leibe rücken will.ZTM Gerd Weber und die Mitarbeiter seines Dentallabors in Norderstedt haben sich für ihre herausnehmbare Prothetik und für umfangreiche Implantat- Restaurationen einen Namen gemacht. „Allein für Deutschland schätzen Experten, dass pro Jahr etwa 200.000 Implantate inseriert werden. Angesichts der künftigen Entwicklung der Alterspyramide wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren noch verstärken“, prognostiziert Weber. Als Zahntechniker freut er sich über diesen Markt. Außerdem macht ihm die Arbeit Spaß – vor allem, wenn es sich um umfangreiche Implantat-Arbeiten handelt.

Doppelt besser

Im beschriebenen Fall stellte sich eine Patientin in der Praxis vor und wünschte sich eine festsitzende Versorgung. Nach den bei komplexen Arbeiten generell üblichen Schritten zur Diagnose und Funktionsanalyse mit Gesichtsbogen, Kondylenbahn-Vermessung, Protrusionsregistraten und Wax-Up wurden die Positionen für die Implantation mittels Bohrschablone festgelegt. Anschließend implantierte der Behandler sechs Dentaurum Tiologic-Implantate. Nach einer dreimonatigen Einheilphase folgte die individuelle Abformung mit Polyether-Masse, die Modellherstellung mit Gingiva-Material und abnehmbarer Zahnfleischmaske sowie mit Hilfe der vorhandenen Prothese eine mit Silikon unterfütterte Bissnahme. Auf die sechs Implantate wurden konfektionierte Implantatfüße aufgesetzt, damit sich die Verbindung und Schraubenführung nicht im Zirkondioxid sondern im Titan befindet. Auf diese Konfektionsteile wurden dann unter Berücksichtigung des Gingivaverlaufs und des Emergenzprofils individuelle Abutments aus Kunststoff aufmodelliert. Im Gegensatz zu konfektionierten Abutments kann man mit solchen individuellen Modellationen den Übergang zum Aufbau – an dem das Zahnfleisch anliegt – individuell ausformen und die Durchtrittshöhe sowie die Zahngröße besser anpassen. Die Modellationen scannte Gert Weber mit einem 3Shape Scanner ein und sendete die digitalen Daten an BEGO Medical, wo sie in Zirkoniumdioxid übertragen wurden.

Nach der Lieferung ins Labor wurden die gefrästen Teile im Labor auf korrekten Sitz und Passung überprüft. Routinemäßig überarbeitet Gerd Weber dabei stets zunächst erst einmal die Ränder und subgingivalen Bereiche. Dafür verwendet er Zirkon-Polierer von Komet/ Gebr. Brasseler. Diese sind speziell für das Polieren harter Werkstoffe entwickelt und konsequent auf Zirkondioxid abgestimmt (Abb. 1). Zum Vorpolieren dient ein blauer Polierer (Abb. 2); mit dem zweiten, hellgrauen, stellt Weber dann in einem weiteren Arbeitsschritt den echten Hochglanz her (Abb. 3). „Vor allem subgingival und im Übergangsbereich zur Schleimhaut ist es wichtig, dass die Abutments möglichst glatt sind. Mit den Zirkonpolierern erreicht man mühelos spiegelglatte Flächen und einen nahtlosen Übergang zum Implantatfuß“, sagt Weber. Den Teil des Aufbaus, der später in der Brücke verschwindet, poliert er nicht auf Hochglanz. Dadurch erhofft er sich mehr Retention.

  • Abb. 1: Hart im Nehmen – Die Zirkon-Polierer von Komet/Gebr. Brasseler sind speziell für extraharte Keramiken entwickelt.
  • Abb. 2: Der blaue Polierer glättet die Rauigkeiten
  • Abb. 1: Hart im Nehmen – Die Zirkon-Polierer von Komet/Gebr. Brasseler sind speziell für extraharte Keramiken entwickelt.
  • Abb. 2: Der blaue Polierer glättet die Rauigkeiten

  • Abb. 3: … während der hellgraue im zweiten Schritt spiegelnden Hochglanz herstellt.
  • Abb. 3: … während der hellgraue im zweiten Schritt spiegelnden Hochglanz herstellt.

Freude für lange Zeit

Die Keramikabutments wurden schließlich mit den konfektionierten Implantatfüßen verklebt und einprobiert (Abb. 4). Nach der Einprobe scannte Weber die verklebten Abutments erneut ein und sandte den neuen Datensatz wiederum nach Bremen, wo BEGO in deren Fertigungscenter eine achtteilige Brücke sowie vier Einzelkronen aus BeCe CAD Zirkon fräste, die Gerd Weber nach der Überprüfung der Bisslage im Mund anschließend im Labor verblendet hat (Abb. 5). Die Abbildung zeigt, dass die Implantat-Position nicht hundertprozentig ideal war und Einschubrichtung und Position der Pfeiler leicht divergieren. Dies hatte seine Ursache darin, dass die Arbeit ohne einen vorherigen Knochenaufbau durchgeführt wurde.

  • Abb. 4: Auf Nummer sicher – Nach dem Verkleben mit den konfektionierten Implantatfüßen werden die individuellen Abutments einprobiert.
  • Abb. 5: Über solche Arbeiten freut sich jeder Zahntechniker: 12 Teile auf 6 Implantaten und 4 indviduellen Abutments.
  • Abb. 4: Auf Nummer sicher – Nach dem Verkleben mit den konfektionierten Implantatfüßen werden die individuellen Abutments einprobiert.
  • Abb. 5: Über solche Arbeiten freut sich jeder Zahntechniker: 12 Teile auf 6 Implantaten und 4 indviduellen Abutments.

Die Übergänge der Brücke und Einzelkronen zu den Abutments bearbeitete Zahntechnikermeister Weber nach dem Brennen wiederum mit den Zirkon-Polierern. „Dadurch wird die Oberfläche der Keramik geglättet wie bei einem Glanzbrand“, sagt Weber und hebt hervor: „Auch mit einem einzelnen feinen Polierer könnte man niemals eine Keramik-Oberfläche derart präzise ausdünnen und die Übergänge auf solch spiegelnden Hochglanz bringen, weil ein reiner Hochglanzpolierer immer nur die obersten Spitzen der Raufläche oberflächlich glätten würde.“ (Abb. 6).

  • Abb. 6: Unspürbarer Übergang – Die Zirkon-Polierer glätten die Oberfläche dass die Übergänge nahezu unsichtbar sind.
  • Abb. 7: Für langanhaltende Freude – Spiegelnder Hochglanz und gute Reinigungsmöglichkeit verhindern, dass sich Plaque anlagern kann.
  • Abb. 6: Unspürbarer Übergang – Die Zirkon-Polierer glätten die Oberfläche dass die Übergänge nahezu unsichtbar sind.
  • Abb. 7: Für langanhaltende Freude – Spiegelnder Hochglanz und gute Reinigungsmöglichkeit verhindern, dass sich Plaque anlagern kann.

Für echten Hochglanz müssen aber die Rauigkeiten vollständig entfernt werden. „Gerade darum macht es Sinn, zwei unterschiedliche Polierer für Mattglanz und Hochglanz zu benutzen“, erzählt der Zahntechnikermeister. Vor allem im Übergangsbereich zur Schleimhaut ist es wichtig, dass die Abutments möglichst glatt sind, damit sich Plaque möglichst nicht anlagern kann und man die Bereiche von basal her mit einem Interdentalbürstchen leicht sauber halten kann, damit die Freude über den neuen festsitzenden Zahnersatz möglichst lange anhält (Abb. 7).

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Gerd Weber

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Gerd Weber