Kronen/Brücken


„Als stünde der Patient vor uns ...“


Bei der Herstellung von Zahnersatz spielt die Farbbestimmung eine wichtige Rolle. Zähne tragen schließlich nicht unerheblich zum Gesamterscheinungsbild eines Menschen bei. Herkömmlicherweise wird die Zahnfarbe visuell bestimmt – eine Aufgabe, die auch für erfahrene Zahntechniker und Zahnärzte eine Herausforderung sein kann: Einerseits stößt die Leistungsfähigkeit des menschlichen Auges an natürliche Grenzen, andererseits steigen auch die ästhetischen Ansprüche der Patienten. Digitale Technik kann bei dieser Aufgabenstellung sehr wertvolle Hilfe leisten, wie ZTM Thilo Kurtz im Folgenden aufzeigt.

Bei der herkömmlichen Zahnfarbbestimmung mit dem Auge lassen sich subjektive Faktoren nie vollständig ausschließen. Zwar hilft man sich mit Korrektiven, wie zum Beispiel Musterzähnen, die auch recht gute Dienste leisten. Dennoch muss man immer wieder mit Abweichungen rechnen, weil einfach sehr viele Einflüsse zum Tragen kommen: Umgebungslicht, individuelles Farbempfinden, Wandfarben, aber auch die jeweilige Tagesform und die Tageszeit. So kommt es zu Farbreproduktionen, die unter Umständen von der realen Situation im Mund des Patienten abweichen. Wenn deshalb nachträgliche Änderungen oder gar eine Neuanfertigung des Zahnersatzes nötig wird, ist das eine aufwändige und für beide Seiten ärgerliche Angelegenheit. Ein standardisiertes Verfahren kann da eine große Hilfe sein. Digitale Spektrophotometer nehmen rote, grüne und blaue Bildinformationen auf und setzen daraus das Gesamt-Farbbild zusammen. Ein solches System ist der Shadepilot von DeguDent, mit dem wir seit etwa einem Jahr arbeiten.

Zuverlässig objektiv, auch bei ungünstigem Licht

Bisher haben wir mit diesem Gerät Farbbestimmungen an den Zähnen von zirca zweihundert Patienten vorgenommen. Grundsätzlich kann ich sagen, dass der Shadepilot die Arbeit sehr erleichtert und eine Menge Zeit spart. Die Messung am Patienten dauert normalerweise gerade mal fünf Minuten. Wir nehmen zwar sicherheitshalber immer auch parallel eine konventionelle Messung vor, um im Vergleich die Shadepilot-Ergebnisse noch besser interpretieren zu können. Die digitale Farbbestimmung erweist sich allerdings so gut wie immer als zuverlässig objektiv, selbst bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Hilfreich ist die konventionelle Messung unter Umständen bei der Einordnung von Graustufen.

Da die Zahnfarbe nicht nur flächig ist, sondern dreidimensional, kann die Transparenz des Zahnes unterschiedlich wahrgenommen oder interpretiert werden. Das Gerät tendiert dazu, stärkere Transparenz als Grauton zu definieren, in solchen Fällen kann der visuelle Vergleich die Bestimmung erleichtern. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase klappt das in meinem Team sehr gut. Natürlich ist es immer nützlich, schon vorher Erfahrungen mit der konventionellen Methode gesammelt zu haben.

  • Abb. 1: Digitalfarbnahme während der Farbbestimmung.
  • Abb. 2: Farbanalyse Zahn 21.
  • Abb. 1: Digitalfarbnahme während der Farbbestimmung.
  • Abb. 2: Farbanalyse Zahn 21.

Flexible Messung, je nach Bedarf

Die Farbanalyse mit dem Shadepilot kann den jeweiligen Ansprüchen angepasst werden: vom Gesamt-Mittelwert der Zahnfarbe über eine Drei-Zonen-Messung bis hin zu einer vollständigen Farbkarte mit genauen Daten von A1 bis D4 in Vita classic oder Farben des 3D Masters und anderer Zahnfarbsysteme. Auf dem Bild in Postkartengröße kann der ganze Zahn vollständig dargestellt werden. Außerdem wird die inzisale Transluzenz gemessen, damit ist die Schichtung bereits weitgehend festgelegt.

Der Vorteil steckt in Detailinformationen

Das Gerät hält zahlreiche Detailinformationen bereit, wie den arithmetischen Mittelwert für den ganzen Zahn oder auch für einzelne Bereiche. Für die Farbberechnung können zudem einzelne Teile wie etwa Füllungen ausgeschlossen werden. Sowohl der ganze Zahn als auch die Verteilung der Transluzenz können genau dargestellt werden. Interessant ist auch die Möglichkeit, Messbilder zu vergleichen. Dabei kann der gemessene Zahn der ähnlichsten Farbe der verwendeten Farbskala gegenübergestellt werden, und zwar detailliert in den einzelnen Bereichen Helligkeit, Chroma und Farbton; die fertige Krone kann dann mit der Messung abgeglichen werden.

Software mit Verwaltungs- und Dokumentationsfunktion

Für jede Messung nimmt der Shadepilot zur Farbbestimmung ein Foto auf. Nicht nur diese Bilder werden alle in die Shadepilot-Software importiert, sondern auch die Aufnahmen unserer Digitalkamera. Alle von uns genommenen Zahnfarben, ob in der Praxis oder im Labor, werden in der Shadepilot-Software verwaltet. Die Fotos dienen zur besseren Interpretation der Geräteangaben.

Alle Informationen sind vollständig und gut einsehbar

Wir haben uns angewöhnt, die Farbbestimmung in aller Regel direkt mit dem Shadepilot vorzunehmen, das geht am schnellsten und liefert in neunzig Prozent aller Fälle ein präzises Resultat. Die Messdaten werden einfach per USB-Kabel, interner SD-Karte oder WLAN auf den PC übertragen und dort mit der zugehörigen Software bearbeitet. Außerdem können die Daten auch dann noch verwendet werden, wenn die Originalaufnahmen bereits gelöscht sind. Hinzu kommt die zeitliche Distanz zwischen Farbnahme und Herstellung der Kronen, die schon mal einige Tage ausmachen kann. Und manchmal lässt es sich nicht umgehen, dass ein anderer Techniker die Kronen brennt; die Arbeit mit der Shadepilot-Software auf dem Laptop erweist sich dabei als sehr hilfreich. Im Falle von Zirkoniumdioxid-Verblendungen bewährt sich das Gerät besonders in Kombination mit einer neuartigen Keramik (Cercon ceram love). Denn mit diesem Sortiment von Massen lässt sich jede Schichtung vornehmen, unabhängig davon, ob die Farbnahme in den V-Classic-Farben oder in 3D-Masterfarben vorgenommen wurde.

Gleichzeitig arbeitet auch der Shadepilot, je nach Bedarf, in beiden Systemen – sowohl bei der Messung selbst als auch bei seinem „eigenen“ Vorschlag für eine
Schichtung. Alle Informationen sind schließlich so vollständig und gut einsehbar abgespeichert, dass wir bei der Umsetzung der Farbe in die keramischen Verblendungen arbeiten, als stünde der Patient vor uns. Die Farbe ist sicher gewählt, jeder Bereich des Zahnes kann nachträglich ohne Anwesenheit des Patienten „nachgemessen“ werden.

  • Abb. 3: Farbanalyse Krone 11.
  • Abb. 4: Synchronisation von Krone 11 und Zahn 12.
  • Abb. 3: Farbanalyse Krone 11.
  • Abb. 4: Synchronisation von Krone 11 und Zahn 12.

  • Abb. 5: Krone 11 zementiert.
  • Abb. 5: Krone 11 zementiert.

Fazit: Komfortable Anwendung – auch für den Patienten

Was die Anwendung des Shadepilots ausgesprochen komfortabel gestaltet, sind die einfachen Arbeitsschritte, die Fehler von vorneherein weitestgehend
ausschließen. So lässt sich das Sichtfeld durch Kippen des Displays optimal einstellen. Ein eingeblendeter Balken zeigt in den Ampelfarben rot, gelb und grün an, ob der Messwinkel stimmt; verfälschende Spiegelungen werden damit von vorneherein vermieden. Außerdem erzielt man sicher reproduzierbare Messergebnisse.

Alles in allem erweist sich der Shadepilot schon nach einer kurzen Einarbeitungsphase als enorme Hilfe: Die Farbbestimmung erfolgt sehr viel sicherer und zuverlässiger mit gleichbleibend hoher Qualität.

Der Shadepilot dient nicht nur als Farbmessgerät, um auf dem Auftragszettel eine Farbe zu notieren, sondern ist ein sehr nützliches Arbeitswerkzeug zur Reproduktion ausgesuchter Zahnfarben. Durch den ständigen Einsatz des Systems haben wir eine deutlich geringere Quote an Nacharbeiten infolge nicht exakt definierter und reproduzierter Zahnfarben. Das Resultat ist fast so, als wäre der Patient beim Glanzbrand dabei. Für ihn ist auch das schnelle und unkomplizierte Verfahren ausgesprochen angenehm.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Thilo Kurtz

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Thilo Kurtz