Kronen/Brücken

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Anguliert verschrauben

08.09.2014

Bei dem ASC Abutment von Nobel Biocare kann der Schraubenkanal in einem Winkel von 0 bis zu 25 Grad zur Implantatachse und innerhalb eines 360 Grad-Radius gesetzt werden
Bei dem ASC Abutment von Nobel Biocare kann der Schraubenkanal in einem Winkel von 0 bis zu 25 Grad zur Implantatachse und innerhalb eines 360 Grad-Radius gesetzt werden

Nobel Biocare, Zürich, Schweiz, hat ein neues Produkt-Duo für verschraubte Restaurationen entwickelt: das NobelProcera Angulated Screw Channel (ASC) Abutment und den passenden Schraubendreher Omnigrip. Bei dem ASC Abutment kann der Schraubenkanal in einem Winkel von 0 bis zu 25 Grad zur Implantatachse und innerhalb eines 360 Grad-Radius gesetzt werden.

Welchem Verbindungstyp und Befestigungssystem zwischen Implantat und prothetischer Versorgung ist der Vorrang zu geben? Eine klare Antwort steht noch aus. Die einen Anwender bevorzugen zementierte Versorgungen, die anderen sehen in verschraubten Versorgungen die beste Wahl. Noch warten wir auf Daten aus wissenschaftlichen Studien, welche die Richtung für die Überlegenheit eines Verfahrens gegenüber dem anderen angeben. Für die Entscheidung bedeutet das: Die Vorteile und möglichen Nachteile beider Lösungen und deren spezifi sche Implikationen für die klinischen Gegebenheiten sind fallspezifi sch gegeneinander abzuwägen.

Verschraubung versus Zementierung

Verschraubte Verbindungen ermöglichen effiziente wie schnelle klinische Behandlungsprotokolle und sie sind einfach in der Pflege. Im Vergleich zu zementierten Lösungen zeigen sich zwei wesentliche Vorteile. Die Suprakonstruktion lässt sich einfach abnehmen – und: Zwischen Abutment und Krone wird kein Zement verwendet. Es könnten keine Reste zurückbleiben, die periimplantäre Entzündungen begünstigen. Diese Gefahr und die Schwierigkeiten, eine zementierte Versorgung entweder zur Beurteilung des periimplantären Gewebes und/oder zur Pflege der prothetischen Komponenten abzunehmen, zählen zu den großen Nachteilen. Schon seit Jahren sind die möglichen Schädigungen der Gesundheit und Integrität des periimplantären Gewebes durch Zementreste bekannt.

Häufig wird als Nachteil der verschraubten Restaurationen das Vorhandensein eines okklusalen Zugangskanals für die Schraube genannt. Labortests stellten zwar potenzielle Schädigungen bei Belastung fest, jedoch stützen klinische Langzeit-Folgeuntersuchungen diese Annahme nicht. Hier zeigen sich vergleichbare Ergebnisse. Das Argument, es komme zu einem erhöhten Auftreten von gelockerten Schrauben und Brücken bei verschraubten Abutments, basiert auf Veröffentlichungen älteren Datums und ist vor dem Hintergrund der zum damaligen Zeitpunkt erhältlichen Komponenten zu sehen. Die Verwendung von Titanschrauben und industriell gefertigten prothetischen Komponenten entkräften heute dieses Argument.

Um die Ecke denken

Die Herausforderung bei verschraubten Restaurationen liegt in einer achsengerechten Implantatposition. Bei Kronen kann der Schraubenschacht auch einmal bukkal/ labial liegen. Das ist aus ästhetischer Sicht ungünstig, gerade bei Frontzahnrestaurationen. Mit dem individuellen ASC Abutment fällt diese Limitierung weg. Der Zahntechniker kann den Schraubenkanal mit der NobelProcera Software individuell in einen Winkel von 0 bis zu 25 Grad setzen und den Zugangskanal für die Schraube auf die palatinale/linguale Seite der Restauration legen. Auch bei Restaurationen für Molaren und Prämolaren ist die Verwendung des ASC Abutments vorteilhaft. Hier kann ein leicht nach mesial gesetzter Schraubenkanal das Anziehen und Lösen der Schraube für den Behandler wesentlich einfacher und bequemer machen.

Trotz des angulierten Kanals ist das feste Anziehen und Lösen der Schraube mit dem Omnigrip-Schraubendreher für den Zahnarzt mühelos. Das Instrument ist speziell für den abgewinkelten Schraubenkanal entwickelt worden. So lässt sich die Schraube mit der derselben Drehkraft (35 Newtonzentimeter) anziehen und ebenso einfach wieder lösen wie eine Schraube mit einem geraden Kanal. Das Handling mit Omnigrip ist einfacher, weil sich dank seiner einzigartigen Spitze die Schraube leicht aufnehmen und fixieren lässt. Das Risiko, die Schraube im Mund des Patienten zu verlieren, ist damit stark verringert. Das NobelProcera ASC Abutment ist erhältlich als Zirkoniumdioxid-Abutment für Implantate mit Conical Connection (CC) wie Nobel Active, NobelReplace CC und NobelReplace Conical Connection PMC (Partially Machined Collar).

Erste Anwendungen im Labor: Statement von ZTM Luc und ZTM Patric Rutten

Wir haben zum Beispiel während des Nobel Biocare Symposiums in München am 27. und 28. Juni 2014 das Konzept NobelProcera Angulated Screw Channel (ASC) Abutment und Omnigrip Schraubendreher einem großen Publikum vorgestellt. Dieses Konzept ermöglicht im ästhetischen anterioren Bereich eine verschraubbare Restauration für die Fälle, in denen mit der bisherigen klassischen Lösung eines bukkalen Schraubenzugangs die Ästhetik beeinträchtigt worden wäre. Beim Designen des ASC Abutments in der NobelProcera Software kann der Schraubenzugang auf der palatinalen/lingualen Seite positioniert werden. Ein weiterer Vorteil: Als Einstück-Restauration ist weniger Zeit für die Herstellung erforderlich. Damit wird es kostengünstiger.

Das ASC Abutment funktioniert perfekt mit dem Omnigrip Schraubendreher. Die Schraubenspitze ermöglicht es, dass die Schraube im abgewinkelten Kanal mit exakt dem gleichen Zugang und der Drehkraft angezogen und gelöst werden kann wie in einem fortlaufend gerade angesetzten Kanal.

Das Verschrauben ist für den Zahnarzt im Vergleich zum Zementieren einfacher. Generell sehen wir heutzutage den Trend, den verschraubbaren Restaurationen gegenüber den zementierten den Vorzug zu geben. Der Zahnarzt muss beim Einsetzen des Abutments weder Fäden legen noch muss er die Zementreste sorgfältig entfernen. Dadurch gewinnt er viel Zeit. Mit dem angulierten Schraubenkanal wird das Einsetzen von Abutments sogar im Molarenbereich einfacher. Es gibt nämlich die Möglichkeit, den Schraubenzugang in seiner Idealposition zu kippen. Damit ist die Restauration leichter und schneller einzuschrauben.

Außerdem sind der Omnigrip Schraubendreher und die Implantatschraube so entwickelt worden, dass das außerordentliche Grip-Niveau das Handling für den Zahnarzt verbessert. Das Risiko, dass die Schraube im Mund des Patienten verloren geht, fällt weg. Das Pick-Up Merkmal der Schraubenspitze ist ein herausragendes Attribut. Denn der Omnigrip hält die Schraube genau dann fest, wenn es darauf ankommt – also wenn der Behandler im Mund des Patienten arbeitet.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Luc Rutten

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Luc Rutten


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