Kronen/Brücken


Digitales Verblenden: Perspektive für die Zukunft

08.11.2010


In nahezu allen Wirtschaftsbereichen ersetzen zunehmende Standardisierung und digitale Produktion die klassischen Arbeitsprozesse. Auch bei der Herstellung von Zahnersatz werden immer mehr Prozessketten digitalisiert. Positiver Effekt: Die Fertigungsdauer schrumpft, während gleichzeitig die Stückkosten sinken und die Arbeitsprozesse immer sicherer werden. Wolfgang Borgmann ist Inhaber eines LavTM Design- und Fertigungscenters. Nachfolgend beschreibt er die Herstellung einer Seitenzahn-Krone mit dem digitalen Veneer-System LavTM DVS von 3M ESPE.

Viele Jahrzehnte haben wir Zahntechniker so genau gearbeitet, wie wir konnten und im Rahmen unserer Möglichkeiten präzisen Zahnersatz gefertigt. Während andere Handwerker parallel bereits digitale Fertigungssysteme eingeführt und erfolgreich mit ihnen produziert hatten, haben sich Zahntechniker zum Teil massiv gegen diese Entwicklung und den damit verbundenen technischen Fortschritt gestemmt. Heute tun dies nur noch wenige. Die meisten haben akzeptiert, dass die Ergebnisse traditioneller Fertigungsprozesse hinsichtlich Präzision und Form nicht immer exakt vorhersehbar sind, sondern von persönlichen Vorlieben wie der Temperatur beim Aufwachsen, der Form der Modellation sowie der Art des Anstiftens, dem Mischungsverhältnis beim Einbetten oder ähnlichen Dingen abhängen. Mittlerweile ist bekannt, dass man solche Unwägbarkeiten mithilfe von Computern weitgehend minimieren und nahezu ausschließen kann. Nach der Entwicklung digitaler Scan- und Fertigungsgeräte war es darum nur logisch, dass auch der Part der zahnärztlichen Abformung um eine digitale Komponente erweitert wurde. 3M ESPE hat hierfür mit dem Lava Chairside Oral Scanner C.O.S. den „Digital Workflow“ auf diesen Bereich ausgedehnt. Seitdem gehört das traditionelle Anmischen von Abformmaterialien sowie das Verschicken, Reinigen und Desinfizieren von Abformlöffeln der Vergangenheit an. Fehler bei der Präparation werden dadurch viel früher erkannt und die betriebswirtschaftlich defizitäre Modellherstellung wird aus dem Labor ausgelagert.

Gute Hilfen und schnelle Gestaltung

Das Veneer System LavaTM DVS erweitert die digitale zahntechnische Prozesskette um die computer- und maschinengestützte Fertigung von Verblendungen. Es beinhaltet verschieden große vorgesinterte Glaskeramik-Blocks für Front- und Seitenzähne. Die vier verschiedenen Farben sind auf die unterschiedlichen Schmelzfarben abgestimmt. In unserem vorgestellten Fall konstruierten wir mit der Lava-Design-Software zunächst ein digitales Full-Wax-up. Dabei können wir sämtliche Konstruktionsparameter individuell planen. Die Form einer Krone ist somit in Länge, Breite und Höhe sowie Ausdehnung und Neigung spezifisch einstellbar (Abb. 1). Eine Zahn-Datenbank hilft und erleichtert die Gestaltung. Die Okklusalansicht des zu ersetzenden Prämolaren auf dem Bildschirm beinhaltet verschiedene Hilfen, die wir für die virtuelle Gestaltung gut gebrauchen können. Die grüne Markierung zeigt beispielsweise den Äquator des Zahnes (Abb. 2). Die hellblau dargestellte Hauptfissur ist in ihrer Richtung individuell veränderbar und auch die Kontaktpunkte – die dunkelblau gekennzeichnet sind – können verschoben und punktgenau platziert werden. Die Standardkonstruktionen sind damit für jede Zahnposition fallgerecht abwandelbar.

  • Abb. 1: Schnell gemacht – die Zahn-Datenbank der Lava-Design-Software erleichtert die Gestaltung. Sämtliche Konstruktionsparameter können individuell verändert werden.
  • Abb. 2: Individuelle Möglichkeiten – Fissuren oder Kontaktpunkte werden punktgenau platziert.
  • Abb. 1: Schnell gemacht – die Zahn-Datenbank der Lava-Design-Software erleichtert die Gestaltung. Sämtliche Konstruktionsparameter können individuell verändert werden.
  • Abb. 2: Individuelle Möglichkeiten – Fissuren oder Kontaktpunkte werden punktgenau platziert.

  • Abb. 3: Automatisch wird das Gerüst so reduziert, dass es die Verblendkeramik optimal unterstützt. Die unterschiedlichen Stärkezonen werden durch Farben verdeutlicht.
  • Abb. 4: Eine konische Führungsrille schützt gegen mögliche Rotationen.
  • Abb. 3: Automatisch wird das Gerüst so reduziert, dass es die Verblendkeramik optimal unterstützt. Die unterschiedlichen Stärkezonen werden durch Farben verdeutlicht.
  • Abb. 4: Eine konische Führungsrille schützt gegen mögliche Rotationen.

  • Abb. 5: Das fertig gestaltete Gerüst wird das Gerüst aus Lava™ Zirkonoxid gefräst.
  • Abb. 5: Das fertig gestaltete Gerüst wird das Gerüst aus Lava™ Zirkonoxid gefräst.

Alles im „grünen Bereich“

Ist das Design der Krone fertig gestaltet, können wir über eine einfache Funktion deren virtuelle Form automatisch anatomisch reduzieren. Die mittlere Stärke der Verblendung wird dabei auf 0,7 Millimeter eingestellt – die Maximalstärke auf 1,1 Millimeter. Diese Werte sind für die Stabilität der Verblendkeramik ideal, weil das Gerüst die Verblendkeramik optimal unterstützt. Die Werte lassen sich – wenn nötig – auf Wunsch variieren. Die linke Seite des Bildschirms zeigt bei dieser Funktion eine Skala mit Stärke-Werten (Abb. 3). Die Werte sind farblich unterlegt. Es lässt sich daher mit einem Blick auf das Design feststellen, ob das virtuelle Gerüst an irgendeiner Stelle unterdimensioniert ist. Zum Abschluss ziehen wir mit der virtuellen Wachsmesser-Funktion mesial eine Fusionsführungsrille ein, eine 0,5 Millimeter starke konische Führungsrille (Abb. 4). Diese Rille dient zum Schutz gegen mögliche Rotationen beim Fügeprozess. Danach können wir die virtuelle Gestaltung beenden (Abb. 5). Anschließend wird das Gerüst aus Lava™ Zirkonoxid gefräst.

Die Natur und LavaTM – eine innige Verbindung

Grundsätzlich haben Zahntechniker bei LavaTM DVS die Wahl, ob sie die Konstruktion der Verblendung aus Wachs fräsen und später pressen wollen, oder lieber gleich aus einem Glaskeramik-Block heraus fräsen möchten. Wenn man bereits im digitalen Workflow arbeitet, bietet es sich an, diesen technologischen Präzisionsvorteil auszunutzen. In unserem vorgestellten Fall haben wir uns für das Schleifen aus dem vorgesinterten Glaskeramik-Block entschieden, da sie aus meiner Erfahrung die ästhetischen Ergebnisse vieler Presskeramiken ästhetisch übersteigt. Üblicherweise passen das Gerüst und die Verblendung exakt aufeinander. Diese Verblendung aus Glaskeramik muss nun mit dem Lava™ Gerüst verbunden werden. Damit sich bei dieser Verbindung eine sichere Haftung ergibt, hat 3M ESPE die LavaTM DVS-Fusionskeramik entwickelt. Mit ihr wird die gefräste vorgesinterte – und darum noch poröse – Verblendung rund vierzig Minuten lang bei 770 °C in einem gewöhnlichen Keramikbrennofen auf das Zirkoniumdioxid-Käppchen aufgesintert. Bereits unmittelbar im Anschluss wirkt die Glaskeramik im Vergleich mit dem A2-Farbstäbchen nach dem VITA Classical-Farbring hervorragend farbidentisch (Abb. 6). Eine solche schöne Verblendung lässt sich entsprechend einfach individuell charakterisieren. Mit ein wenig lila-blauer Malfarbe sowie einem dezenten Schmelzriss erzielen wir ein ausgezeichnetes optisches Ergebnis (Abb. 7). Die abschließende Mundaufnahme belegt, dass im Gegensatz zur Kunststofffüllung an 24 und der ein Jahr zuvor hergestellte Metallkeramikkrone auf 26 der Prämolar aus LavaTM DVS deutlich transluzenter ist (Abb. 8). Zudem zeigt die Metallkeramikkrone interdental-palatinal einen unschönen dunklen Metallrand, der bei Verwendung von eingefärbtem LavaTM Zirkonoxid selbst bei dünn auslaufenden Restaurationsrändern bis 0,3 Millimetern Wandstärke nicht zu erkennen wäre.

  • Abb. 6: Die digitale Verblendung wird auf das Zirkoniumdioxid-Käppchen aufgesintert. Schon unmittelbar im Anschluss wirkt die Glaskeramik farbidentisch.
  • Abb. 7: Fast echt mit wenig Mühe – Mit minimalem Aufwand und ein wenig Malfarbe erzielen man ein ausgezeichnetes optisches Ergebnis.
  • Abb. 6: Die digitale Verblendung wird auf das Zirkoniumdioxid-Käppchen aufgesintert. Schon unmittelbar im Anschluss wirkt die Glaskeramik farbidentisch.
  • Abb. 7: Fast echt mit wenig Mühe – Mit minimalem Aufwand und ein wenig Malfarbe erzielen man ein ausgezeichnetes optisches Ergebnis.

  • Abb. 8: Ästhetischer Vorteil – der Prämolar aus LavaTM DVS wirkt deutlich natürlicher und wird sich nie am Rand verfärben wie die Metallkeramikkrone auf dem benachbarten Molaren.
  • Abb. 8: Ästhetischer Vorteil – der Prämolar aus LavaTM DVS wirkt deutlich natürlicher und wird sich nie am Rand verfärben wie die Metallkeramikkrone auf dem benachbarten Molaren.

Weniger Zeit-Einsatz, größerer Gewinn

Jeder Betrieb, der seine Arbeitsabläufe strafft, ist in der Lage seine Produktivität zu steigern. Die digitale Verblendung von LavaTM Zirkonoxid in Verbindung mit LavaTM DVS vereinheitlicht den Fertigungsprozess, ohne dass Investitionen in neue Geräte getätigt werden müssen. So reduziert LavaTM DVS die Bearbeitungszeiten und senkt parallel die Kosten, während gleichzeitig bei transparenteren Prozessen die durchgesinterte Feldspatkeramik mit ihrer verbesserten Struktur die Qualität der ästhetischen Ergebnisse verbessert. Dies garantiert die Vielzahl wissenschaftlicher Studien zu LavaTM Zirkonoxid. Langfristig gehe ich davon aus, dass zusätzliche Bereiche der Zahnmedizin und Zahntechnik in den „Digital Workflow“ integriert und rationalisiert werden. Dies ist die große Chance für Labore, die dadurch langwierige und damit kostenintensive traditionelle Fertigungsprozesse durch zeitsparende standardisierte Abläufe ersetzen können.