Kronen/Brücken


Minimal invasiv behandeln – ästhetisch versorgen


Seit geraumer Zeit hält ein Trend aus den USA Einzug in deutsche Zahnarztpraxen. Dabei handelt es sich um hauchdünne Keramikschalen, die bis dato nur in den USA

hergestellt wurden. Jetzt bietet die Firma Jeneric Pentron mit Press • tige™ ein solches

Material für den deutschen Markt an. Der Vorteil: Ohne den Zahn zu beschleifen werden die „Zahnlinsen“ adhäsiv verklebt. ZTM Enrico Hautmann berichtet über erste Erfahrungen.

Ist es denn wirklich möglich, mit einem hauchdünnen Material den Patienten ästhetisch ansprechend zu versorgen beziehungsweise die Zahnreihen aufzuhellen? Oder handelt es sich nur um eine Illusion und eine gute Verkaufsstrategie der Amerikaner? Nachdem ich verschiedene Patienten genau angeschaut habe, die mit den Zahnlinsen versorgt worden waren, kam ich zu der Ansicht: Ja, es ist möglich. Aber welche Materialien können wir benutzen, um zum selben Ergebnis zu gelangen? Veneers gebrannt auf feuerfestem Stumpfmaterial und herkömmliche Presskeramik eignen sich nicht aufgrund ihrer Härte. Der Wunsch nach immer helleren Zähnen kann auch nicht erfüllt werden, da entsprechende Farben für Keramikmassen und Pellets fehlen.

Pünktlich zur IDS brachte Jeneric Pentron (Kusterdingen) das neue Pressmaterial Press•tige™ auf den Markt mit einer Härte von 165 MPa, abgestimmt auf die hauchdünnen Keramiklinsen. Zur Verfügung stehen Pellets in sechs Farben, die Veneers bis zu einer Wandstärke 0,3 Millimeter ermöglichen.

Der Fall:
Helle Zahnfarbe – harmonische Zahnreihe

Die Technik ist theoretisch sehr einfach, doch in der Praxis kommen einige Herausforderungen auf den Techniker zu. So auch im folgenden Fall: Versorgt wurde eine junge Frau. Die Patientin wünschte sich dauerhaft helle Zähne und eine harmonisch gestaltete Zahnreihe. In der ersten Sitzung analysiere ich normalerweise die Ausgangssituation der Patienten, nehme die Zahnfarbe in der Front und eruiere das Ziel der Farbänderung. Die meisten Patienten äußern sofort den Wunsch nach einer helleren Zahnfarbe. Gemeinsam entscheiden wir dann, welches Ziel wir erreichen können. Bis zu drei Farbtöne können wir dem Patienten garantieren, alles andere wäre Utopie und nicht realisierbar.

Nun betrachte ich die Bissverhältnisse und die Zahnform. Gleichzeitig weise ich darauf hin, dass wir mit den Zahnlinsen den Zahn größer gestalten müssen. Ein wichtiges Hilfsmittel für ein erfolgreiches Waxup ist die Dentalfotografie. Aufnahmen von lateral und frontal geben Aufschluss über das Lippenbild im Verhältnis zu den Zahnreihen. Wichtig: Den Patienten dabei zählen lassen. Anschließend werden vom Behandler Alginatabformungen und ein Gesichtsbogen genommen.

Die Situationsmodelle

Die Modelle werden ausgegipst und artikuliert. Wir wählen für die Modelle einen weißen Klasse 4 Gips sowie ein weißes Ästhetikwachs für die Herstellung des Wax-up (Abb. 1). Über die fertige Modellation spritze ich ein transparentes Abformsilikon. Nach der Enthärtung entferne ich dieses vom Modell und schneide von okklusal bis zu den Inzisalkanten einen Kanal der zu versorgenden Zähne.

In der zweiten Patientensitzung bespricht das Behandlungsteam (Zahnarzt und Zahntechniker) das mögliche Behandlungsziel. Um der Patientin die Entscheidung zu erleichtern, isoliert der Zahnarzt die Zahnreihen mit Vaseline und verwendet jetzt mein vorbereitetes transparentes Abformsilikon, setzt dieses in den Mund ein und spritzt durch die Zulaufkanäle von okklusal Kunststoff hinein (Abb. 2 bis 4). Gut eignet sich hierfür aufgrund der Kartuschenform das Verblendmaterial der Firma 3M Espe. Das Material wird chairside mit einer UV-Lampe ausgehärtet und das Abformmaterial kann wieder
entfernt werden. Die Kanäle werden verschliffen und schon erhält der Patient einen ersten Eindruck über sein neues ästhetisches Erscheinungsbild und kann sich entscheiden, ob er diese Art von Versorgung wählen möchte (Abb. 5 bis 8). Unsere Patientin entschied sich für die Zahnlinsen.

Das Umsetzen der Arbeit

In diesem Fall wurden im Oberkiefer die Schneidekanten
abgerundet und im Unterkiefer die Inzisalkanten etwas präpariert. Alles geschah ohne lokale Betäubung, weil nur der Schmelz reduziert wurde. Vor dem Auftragen des Stumpflackes muss der Marginalsaum am Zahnhals reduziert werden, damit ein optimaler Übergang zur Zahnlinse erreicht wird. Ich benutzte einen transparenten und einen gelben Stumpflack als Platzhalter. Der farbige Stumpflack ist von Vorteil, da man beim Modellieren die Schichtstärke des Veneers bestimmen kann (Abb. 9). Die Press•tige™ Linsen werden nun mit einem Ästhetikwachs voll anatomisch modelliert (Abb. 10). Hier verwende ich ein weißes Wachs der Firma Heppe, denn seine Eigenschaften (Härte und Elastizität) eignen sehr gut sich für dieses Anwendungsgebiet.


Das Abnehmen der Wachsteile stellt manchmal ein Problem dar, denn einzelne Linsen können dabei zerbrechen oder am Modell festkleben. Abhilfe schafft hier die Isolierung der Firma Primotec. Danach kann man die Wachslinsen leicht vom Modell abheben. Bevor die fragilen Objekte eingebettet werden, sollte man die approximalen Kontaktflächen verstärken.


Das Pressen geschieht nach bekannten Arbeitsschritten. Die Presskanäle sollten einen Durchmesser, je nach Objektgröße von 2,5 bis 3,5 Millimeter aufweisen, jedoch nicht mehr als sechs Millimeter messen (Abb.11 und 12).


Die Labialflächen sollten zum Hitzezentrum zeigen und die Ränder zum Muffelrand ausgerichtet werden. Ein Pellet reicht für 0,5 Gramm Wachsgewicht und mehr als zwei Pellets können nicht verpresst werden. Der Pressstempel und die Pellets werden nicht vorgewärmt. Nach dem Abkühlen der Muffel auf Raumtemperatur werden die Linsen mit 50 ym Glanzperlen abgestrahlt und vom Pressstempel entfernt (Abb. 13).


In unserem Patientenfall wurden die Zahnlinsen in VPN1 gepresst. Dies entspricht der Zahnfarbe A0. Das Aufpassen der Veneers geschieht mit der roten Paste der Firma anaxdent (Stuttgart). Übermäßiger Druck sollte hierbei vermieden werden, ansonsten kommt es leicht zum Bruch der Linse und eine Neuanfertigung ist notwendig. Zum Ausarbeiten der hauchdünnen Schalen rate ich zu einer Turbine oder Gummipolierer.


Ich rate zu einem sehr sorgsamen und vorsichtigen Umgang mit den Veneers, da wir uns immer im Grenzbereich der Linsenwandstärke bewegen.


Die Ästhetikeinprobe Die Farbe der Veneers entsprach den Wünschen der Patientin. Die Okklusion störte noch ein wenig. Die Linsen mussten nach apikal etwas verjüngt und inzisal ein wenig geöffnet werden (Abb. 14 und 15). Achtung: Die Zahnlinseneinprobe sollte sehr vorsichtig geschehen. Das Abnehmen der Linsen birgt immer eine Bruchgefahr.

Die fertige Arbeit

Die Zahnlinsen werden auf dem Modell mit Vaseline fixiert, damit sie nicht herunterfallen können (Abb. 16 bis 18). Die fertig eingesetzten Zahnlinsen entsprachen genau dem Schönheitsideal der Patientin. Die Harmonie der Zahnstellung war wieder hergestellt und die Ästhetik verbessert (Abb. 19 bis 21). Die Abbildungen 22 bis 25 zeigen Impressionen eines weiteren Falls, der mit Press•tige™ Veneers versorgt worden ist.

Fazit

Mit Press•tige™steht jetzt ein Pressmaterial zur Verfügung, womit wir ein neues Patientenklientel bedienen können. Der Erfolg solcher Arbeiten setzt jedoch eine gute Zusammenarbeit von Zahnarzt und Zahntechniker voraus. Für diese Versorgung spricht weiterhin, dass während der Behandlung die Patienten ästhetisch nicht „eingeschränkt“ werden und somit ein Provisorium überflüssig ist. Die wahre Herausforderung für den Zahntechniker bei solchen Arbeiten liegt darin, Zahnform, -stellung und -farbe zu verbessern und somit dem Patientenideal zu genügen. Es liegt ganz an uns, diese Herauforderung anzunehmen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Enrico Hautmann

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Enrico Hautmann