Kronen/Brücken

Individualisierung einer monolithischen IPS e.max-Restauration

Und nach dem Pressen?

26.09.2014

Die Glasurmasse Fluo wird auf die trockene Kaufläche einmassiert.
Die Glasurmasse Fluo wird auf die trockene Kaufläche einmassiert.

Monolithische Restaurationen aus Lithium-Disilikat zeichnen sich durch eine hohe Biegefestigkeit, präzise Passung und optimale Funktion aus. Das „antagonistenfreundliche“ Verhalten des Materials wird ebenso geschätzt wie die problemlose Fertigung.

Im Seitenzahnbereich haben sich monolithische Restaurationen aus Lithium-Disilikat, IPS e.max, Ivoclar Vivadent, Schaan/Liechtenstein, im Laboralltag etabliert. Die Vorteile sind unter anderem:

  • die präzise Umsetzung der Wachsmodellation in Keramik,
  • die Möglichkeit einer biomechanischen Kauflächengestaltung durch die Aufwachstechnik,
  • keine Gefahr von Chipping,
  • das Erzielen von anatomischen Details auch bei geringem Platzangebot sowie
  • eine effiziente Fertigung.

Der Zahntechniker profitiert bei der Herstellung einer monolithischen Restauration von der Möglichkeit, die individuelle Zahnform und die funktionellen Gegebenheiten mit der Aufwachstechnik bestmöglich gestalten zu können. Die Umsetzung von Wachs in Keramik erfolgt danach entweder durch die Presstechnik oder im CAD/CAM-gestützten Verfahren. Bei beiden Varianten wird eine Kopie der aufgewachsten Restauration erzeugt, allerdings ist meiner Meinung nach die Presstechnik nach wie vor der präziseste Weg. Das Vorgehen wird nachfolgend beispielhaft an einer Seitenzahnkrone im Oberkiefer aufgezeigt.

Durch das vielfältige Angebot an IPS e.max Press-Rohlingen können der Helligkeitswert und die Opazität einfach gesteuert werden. In unserem Labor werden hauptsächlich Rohlinge mit einem relativ hohen Helligkeitswert verwendet. Hierzu zählen die Impulse V 1-3 Rohlinge sowie HT-Rohlinge der Farben BL3, B1 und A1. Durch ein oberflächliches Bemalen der Restauration nach dem Pressen können Chroma und Grundfarbe mit IPS e.max Ceram Shades- und IPS e.max Ceram Essence- Malfarben entsprechend dem natürlichen Zahn individualisiert werden. Ein abschließender Glanzbrand mit fluoreszierender Glasurpaste, IPS e.max Ceram Glaze Fluo, sorgt für homogene Oberflächen und einen individuell steuerbaren Glanzgrad.

Presstechnische Umsetzung

Alle funktionellen und anatomischen Details der Restauration werden mit einem speziellen Wachs für die presskeramische Herstellung, ProArt, Ivoclar Vivadent, Schaan/Liechtenstein, nach morphologischen Kriterien aufgewachst (Abb. 1 und 2). Nach dem Anstiften und Einbetten der Modellation wird der zuvor ausgewählte Rohling gepresst. Das Ausbetten sowie das Abtrennen der Presskanäle erfolgen routinemäßig nach Herstellerangaben. Idealerweise müssen an der gepressten Restauration keine beziehungsweise nur minimale Korrekturen vorgenommen werden (Abb. 3).

  • Abb. 1 und 2: Detailgetreue Wachsmodellation.
  • Abb. 3: Umsetzung in Lithium-Disilikat (HTRohling, Farbe BL3).
  • Abb. 1 und 2: Detailgetreue Wachsmodellation.
  • Abb. 3: Umsetzung in Lithium-Disilikat (HTRohling, Farbe BL3).

Individuelle Farbgebung

Zur farblichen Anpassung der Krone bietet sich ein zahnfarbener Kunststoff-Einzelstumpf an, der nach den Farbinformationen des natürlichen Zahnstumpfes angefertigt wird. Hierfür wird die Innenseite der Krone mit etwas Vaseline isoliert und der Kunststoff mit einem Pinsel eingebracht. Ein Kunststoffstab erleichtert hierbei das Halten der Restauration. Um ein Lösen der Krone vom Stumpf zu vermeiden, ist Glyzerin-Gel hilfreich. Zudem bewirkt dieses Gel eine farbliche Adaption zwischen dem Stumpf und der Krone.

Im ersten Schritt werden nun der Zahnkörper und die Kaufläche bemalt, wozu mit Essence modifizierte IPS e.max Shades verwendet werden. Es empfiehlt sich generell, die Krone trocken zu bemalen, um dadurch ein Verlaufen beziehungsweise Ineinanderlaufen der Massen zu vermeiden. Jetzt können an den Höckern mit IPS e.max Ceram Shade 1-2 und an den Nebenwülsten mit IPS e.max Ceram Essence creme feine farbliche Nuancen aufgebracht werden (Abb. 4). Nach dem Brennen der bemalten Restauration werden die Grundfarbe und das Chroma überprüft und gegebenenfalls intensiviert.

Ein zweiter Farbbrand ist für das präzise Platzieren der Malfarben unumgänglich. In dem Bereich der Fossa wird mit Essence copper akzentuiert, der tiefste Punkt wird mit Essence mahogany hervorgehoben (Abb. 5 und 6). Sind alle farblichen Details platziert, kann der Glanzbrand vorgenommen werden. Hierbei wird die Glasurmasse Fluo aus der Spritze verwendet und okklusal auf die trockene Kaufläche einmassiert (Abb. 7). Von einer zu flüssigen Anwendung ist im okklusalen Bereich abzuraten, da Fissuren und wichtige Details verloren gehen können. Die Konsistenz der Glasurmasse für die Außenfläche der Krone sollte jedoch relativ flüssig eingestellt sein und die Masse mit einem feinen Pinsel aufgebracht werden (Abb. 8). Der Überzug sollte wie ein feiner, homogener Film erscheinen (Abb. 9 und 10). Der abschließende Glanzbrand erfolgt mit einer zweiminütigen Haltezeit und einer Langzeitabkühlung auf 450 Grad Celsius (Abb. 11). Um jegliche Gefahr von Spannung auszuschließen, ist die Langzeitabkühlung generell zu empfehlen.

  • Abb. 4: Ermittlung der Grundfarbe mit den IPS e.max Ceram-Shades.
  • Abb. 5 und 6: Ergebnis nach dem zweiten Farbbrand.
  • Abb. 4: Ermittlung der Grundfarbe mit den IPS e.max Ceram-Shades.
  • Abb. 5 und 6: Ergebnis nach dem zweiten Farbbrand.

  • Abb. 7: Die Glasurmasse Fluo wird auf die trockene Kaufläche einmassiert.
  • Abb. 8: Die äußeren Anteile der Krone werden mit einer flüssigen Glasurmasse überzogen.
  • Abb. 7: Die Glasurmasse Fluo wird auf die trockene Kaufläche einmassiert.
  • Abb. 8: Die äußeren Anteile der Krone werden mit einer flüssigen Glasurmasse überzogen.

  • Abb. 9 und 10: Die Krone mit aufgetragener Glasurmasse vor dem Brennen.
  • Abb. 11: Die Krone nach dem Glanzbrand.
  • Abb. 9 und 10: Die Krone mit aufgetragener Glasurmasse vor dem Brennen.
  • Abb. 11: Die Krone nach dem Glanzbrand.

Nach dem Glanzbrand werden etwaige Ungenauigkeiten mit dem Gummirad entfernt und die Restauration mit Diamant-Polierpaste poliert (Abb. 12). Werden monolithische Kronen im Verbund mit geschichteten Kronen gefertigt – meist im anterioren Bereich –, wird der labiale Übergang durch ein dünnes Auftragen von Dentin und Schneidemasse individualisiert beziehungsweise angeglichen. Unterstützend kann eine morphologische Textur in die Oberflächen eingearbeitet werden. Diese Anteile sollten jedoch nicht glasiert, sondern nur „atmosphärisch“ glanzgebrannt werden. Die Abbildungen 13 bis 15 zeigen eine monolithische Quadranten-Sanierung, die exakt nach dem beschriebenen Vorgehen hergestellt wurde.

  • Abb. 12: Eine Politur mit Diamant-Polierpaste erzeugt den gewünschten Glanz und die Homogenität.
  • Abb. 13 bis 15: Diese monolithisch hergestellte Quadranten-Sanierung ist eine Symbiose aus Form und Funktion mit hervorragenden mechanischen und ästhetischen Eigenschaften (zahnmedizinische Ausführungen: Professor Dr. Daniel Edelhoff).
  • Abb. 12: Eine Politur mit Diamant-Polierpaste erzeugt den gewünschten Glanz und die Homogenität.
  • Abb. 13 bis 15: Diese monolithisch hergestellte Quadranten-Sanierung ist eine Symbiose aus Form und Funktion mit hervorragenden mechanischen und ästhetischen Eigenschaften (zahnmedizinische Ausführungen: Professor Dr. Daniel Edelhoff).

Fazit

Die monolithische Fertigung von Seitenzahnrestaurationen aus Lithium-Disilikat ermöglicht die Umsetzung der Wachsmodellation auf effizientem Weg. Die Gefahr von Chipping ist ausgeschlossen. Zudem können feine anatomische Details auch bei geringem Platzangebot nachgebildet werden. Die diversen Rohlinge sowie die individuelle Maltechnik 22 gewähren individuelle und ästhetische Ergebnisse.

Danksagung

In diesem Artikel wurden die zahntechnischen Herstellungsschritte einer monolithischen Seitenzahnrestauration in der Presstechnik beschrieben. Abschließend sei die Prägnanz einer reibungslosen Zusammenarbeit mit dem Zahnmediziner erwähnt, ohne die solche Arbeiten nicht möglich sind. Mein Dank gilt in diesem Fall Professor Dr. Daniel Edelhoff (LMU München).

Erstveröffentlichung in Reflect 2/2014, Seite 20 bis 23.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Oliver Brix

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Oliver Brix


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