Totalprothetik


Polident – Ref-Line: Erfahrungsbericht mit einer neuen Zahnlinie

Aufstellung der Polident-Seitenzähne.
Aufstellung der Polident-Seitenzähne.

Als Verantwortliche für die Prothetik im Dentallabor Rübeling+Klar, Berlin, ist es für unsere Kollegen und uns nichts Außergewöhnliches, immer wieder mit neuen Produkten der Dentalindustrie konfrontiert zu werden. Es überraschte uns daher nicht, als wir von unserem Chef gebeten wurden, eine fremde Zahnlinie – die Ref-Line von Polident – auszuprobieren. Unsere Erfahrungen und Ergebnisse haben wir nachfolgend zusammengefasst.

Noch bevor wir überhaupt die „neuen Zähne“ zu Gesicht bekamen, dachten wir über zahlreiche, potenziell auftretende Anpassungen in unserem Laborbetrieb nach und vor allem, wie diese zu behandeln sein müssten: Wie gut würden die Kauflächen aufzustellen sein? Müssen die Zähne womöglich nach einem modifizierten prothetischen Konzept aufgestellt werden und wenn ja, wie vermitteln wir dieses Wissen zügig und nachhaltig an unsere „Aufstellerinnen und Aufsteller“?

Unsere anfängliche Skepsis …

Weitere kritische Fragen wollten wir beantwortet wissen: Sind die Zähne neben ihrem Einsatz in der klassischen Totalprothetik auch für unsere partielle und Implantat-Prothetik geeignet und wenn ja, wie werden die Patienten unserer Klientel damit zurechtkommen? Werden „altversorgte“ Patienten, die neuen Zahnersatz benötigen, womöglich einen spürbaren Unterschied wahrnehmen?

… wich großem Interesse

  • Abb. 1a und b: Die Ref-Line Front- und Seitenzähne der Firma Polident machen auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck in Form und Okklusion.

  • Abb. 1a und b: Die Ref-Line Front- und Seitenzähne der Firma Polident machen auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck in Form und Okklusion.
Unsere langjährigen Erfahrungen mit Produktneueinführungen belegen, dass Veränderungen in der Anwendung und Weiterverarbeitung oftmals unabdingbar sind. Insoweit sich in ihrem Resultat Verbesserungen im Workflow und zufriedenere Kunden ergeben, stehen wir diesen Notwendigkeiten positiv gegenüber. Dass es sich bei der Zahnlinie Ref-Line womöglich um solch ein positiv darstellbares Produkt handeln könnte, erahnten wir in dem Moment, als wir nach langen Erzählungen unseres Chefs und des Herstellers endlich einen ersten Blick auf die „neuen Zähne“ werfen konnten. Bei der Zahnlinie Ref-Line handelt es sich zweifelsohne um Zähne wie aus dem Bilderbuch: schöne Oberflächen, sogar bei Schichtung der Front- und Seitenzähne, mit einer tollen Morphologie der Kauflächen der Seitenzähne (Abb. 1a und b). Angesichts dieses Erscheinungsbilds wunderte es niemanden, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und natürlich wir selbst auch ohne die sonst üblichen Vorurteile an den Einsatz der Zähne im Praxisalltag machten.

Besonderheit der Zähne

Vor dem Aufstellungsprozess fiel uns positiv auf, dass die Frontzähne nicht einfach flach auf den Zahnbrettchen liegen, sondern mithilfe eines zentralen, leicht erhabenen Wachsstegs in einer zahnbogenartigen Kurvatur angeordnet sind.

Die Zähne sitzen ausschließlich mit ihrem basalen Zahnkörper in dem dunklen Fixierwachs, damit die inzisalen Zahnbereiche keinen Kontakt zum Wachs haben. Nur so fällt ausreichend Licht unter die Inzisalbereiche und die Zähne können in ihrer natürlichen Schichtung besser zur Geltung kommen (Abb. 2a und b). Andernfalls würde der komplette Zahn, wie zumeist üblich, die dunkle Farbe des Aufsteckwachses wiedergeben, welches durch seine transparente Schmelzschicht durchscheinen könnte und ihn leblos aussehen lassen würde. Betrachtet man die einzelnen Konfektionszähne der Zahnlinie, so fällt besonders auf, dass diese von vestibulär und palatinal gesehen sehr körperhaft sind und die approximalen Kanten nahezu parallel von der Schneide zum Zahnhals verlaufen (Abb. 3). Dadurch ergeben sich, wie an der nachfolgenden Aufstellung später noch zu erkennen sein wird, keine großen Lücken in den zervikalen Bereichen. Die Zähne lassen sich interdental nahezu nahtlos aneinanderstellen, sodass bei der abschließenden Zahnfleischmodellation wiederum keine großen, unnatürlichen und dunklen interdentalen Dreiecke entstehen.

  • Abb. 2a und b: Die Frontzähne sind nicht flach auf den Zahnbettchen angeordnet, sondern mithilfe eines zentralen, in der Mitte leicht erhabenen Wachsstegs in einer zahnbogenartigen Kurvatur. Die inzisalen Bereiche der Zähne haben keinen Wachskontakt und kommen daher in ihrer Natürlichkeit sehr gut zur Geltung.
  • Abb. 3: Die Zahnkörper sind von inzisal und approximal sauber und nahezu ohne verarbeitungstechnische Nähte verarbeitet.
  • Abb. 2a und b: Die Frontzähne sind nicht flach auf den Zahnbettchen angeordnet, sondern mithilfe eines zentralen, in der Mitte leicht erhabenen Wachsstegs in einer zahnbogenartigen Kurvatur. Die inzisalen Bereiche der Zähne haben keinen Wachskontakt und kommen daher in ihrer Natürlichkeit sehr gut zur Geltung.
  • Abb. 3: Die Zahnkörper sind von inzisal und approximal sauber und nahezu ohne verarbeitungstechnische Nähte verarbeitet.

Die Anordnung des Schichtschemas und das Erscheinungsbild der Schichtung wirken sehr natürlich. Bei genauerer Inaugenscheinnahme der jeweiligen Zähne vor ihrer Aufstellung stellt man fest, dass die Zahnkörper von inzisal und approximal sauber und nahezu ohne verarbeitungstechnische Nähte (Pressfahnen) verarbeitet sind. Die palatinalen Kurvaturen sind nicht zu stark ausgeformt und somit für die Patienten zungenfreundlich und leicht sauber zu halten.

Aufstellung und Kontrolle

In unserem Labor stellen wir in der Regel nach dem Ti-System von Karl-Heinz Köhrholz auf, so wie es in den Berufs- und Meisterschulen unterrichtet wird. Dieses Aufstellverfahren haben wir mit den gleichen Aufstellkriterien als Grundlage genommen und mit den entsprechenden Kontrollmaßnahmen überprüft. Da die Polident-Seitenzähne ein stärkeres Kaurelief aufweisen, haben wir diese Zähne in Anlehnung an ähnliche vollanatomische Seitenzähne der Mitbewerberprodukte nicht mit einer lingualen Neigung von circa drei Grad, sondern mit sieben Grad nach lingual aufgestellt (Abb. 4a). Die aufgelegten Kontrollstifte oder Bohrer liegen in der Aufsicht in einem leichten Winkel zueinander auf den Kauflächen (Abb. 4b und c). Mit dem Ti F-Safe-Guard lässt sich sowohl bei der Aufstellung als auch bei der Endkontrolle die richtige Ausrichtung der Molaren leicht und sehr schnell überprüfen (Abb. 4d). Die Möglichkeit der Selbstkontrolle, wie hier bei der Aufstellung, sowie die gleichartige Prüfung bei der Endkontrolle sind für uns zuverlässige Kriterien zum Erreichen eines gleichbleibenden Qualitätsstandards auch in der Außenkommunikation gegenüber unseren Kunden. Die oberen Seitenzähne lassen sich sehr einfach und schnell gegen die Antagonisten aufstellen, wenn die Neigung die unteren Seitenzähne nicht mehr als sieben Grad beträgt (Abb. 5).

  • Abb. 4a bis c: Die Aufstellung des Polident-Seitenzahnes und ihre Kontrollmöglichkeiten: Die Seitenzahn-Aufstellung der Molaren wird idealerweise in beiden Quadranten nur leicht (sieben Grad) nach lingual geneigt ausgerichtet. Die linguale Neigung gilt für die ersten und zweiten Molaren (6er, 7er) in gleicher Weise und parallel zueinander.
  • Abb. 4d: Die Ausrichtung der korrekten Neigung nach lingual lässt sich einfach und exakt mit dem Ti F-Safe-Guard für jeden einzelnen Molaren kontrollieren.
  • Abb. 4a bis c: Die Aufstellung des Polident-Seitenzahnes und ihre Kontrollmöglichkeiten: Die Seitenzahn-Aufstellung der Molaren wird idealerweise in beiden Quadranten nur leicht (sieben Grad) nach lingual geneigt ausgerichtet. Die linguale Neigung gilt für die ersten und zweiten Molaren (6er, 7er) in gleicher Weise und parallel zueinander.
  • Abb. 4d: Die Ausrichtung der korrekten Neigung nach lingual lässt sich einfach und exakt mit dem Ti F-Safe-Guard für jeden einzelnen Molaren kontrollieren.

  • Abb. 5: Bei einer optimalen Verzahnung der beiden Zahlenreihen stehen diese in einer Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung. Auf Lücken in der Aufstellung kann sowohl im Unterkiefer als in der Aufstellung im Oberkiefer verzichtet werden.
  • Abb. 5: Bei einer optimalen Verzahnung der beiden Zahlenreihen stehen diese in einer Zahn-zu-zwei-Zahn-Beziehung. Auf Lücken in der Aufstellung kann sowohl im Unterkiefer als in der Aufstellung im Oberkiefer verzichtet werden.

Wird eine zu starke Neigung gewählt, ist es nahezu unmöglich, die palatinalen Höcker der oberen Molaren und Prämolaren in Kontakt zu bringen. Da die Front- und Seitenzähne approximal wirklich parallel gestaltet sind, lässt sich auch das künstliche Zahnfleisch sehr einfach ausmodellieren. Die Frontzähne sind palatinal bis auf die inzisalen Kurvaturen glatt und haben zirkulär keine zusätzliche Verjüngung, um einen künstlichen Zahnhals anzudeuten. Das macht es dem Zahntechniker leichter, den Zahnfleischsaum in seiner Form und Ausdehnung selbst individuell festzulegen. Bei der hier dargestellten individuellen Aufstellung wurden die Frontzähne sowohl approximal einmal nebeneinander und auch leicht überlappend aufgestellt. In beiden Fällen sieht dieser Bereich sowohl in der Aufstellung als auch in der Zahnfleischmodellation natürlich und hygienisch aus (Abb. 6a bis d). Dies gilt auch für den Unterkieferbereich. Besonders augenfällig ist die Gestaltung der Frontzähne von palatinal. Diese zeigen sich sehr funktionell und sehr ästhetisch ausgeformt und für den Patienten äußerst ansprechend. Die palatinalen Kurvaturen sind nicht zu stark ausgeprägt, glatt poliert und nicht durch Zahntypen-Codierungen verunstaltet. Außerdem verleiht die Schichtung den Zähnen eine sehr natürliche Ausstrahlung (vergl. Abb. 3). Die vestibuläre Modellation kann sowohl glatt als auch anatomisch ausgeformt werden, auf jeden Fall aber patientengerecht. Unsere künstliche Zahnfleischgestaltung richtet sich generell nach unseren Kundenwünschen.

  • Abb. 6a: Die Gestaltung der sagittalen Stufe der oberen Frontzähne erfolgt bei der Aufstellung in jedem Fall überwiegend gleichmäßig und parallel zueinander, ob bei einer gleichmäßigen Aufstellung oder – wie hier geschehen – bei einer individuellen Anfertigung.
  • Abb. 6b bis d: Die Gestaltung der Frontzähne von palatinal ist ebenfalls sehr funktionell, äußerst ästhetisch und dabei noch patientenfreundlich ausgeformt. Die palatinalen Kurvaturen sind nicht zu stark ausgeprägt, glatt poliert und nicht durch Zahntypen-Codierungen verunstaltet. Die approximalen Bereiche sind sauber geschlossen und die Schichtung der Zähne ist sehr natürlich gelungen.
  • Abb. 6a: Die Gestaltung der sagittalen Stufe der oberen Frontzähne erfolgt bei der Aufstellung in jedem Fall überwiegend gleichmäßig und parallel zueinander, ob bei einer gleichmäßigen Aufstellung oder – wie hier geschehen – bei einer individuellen Anfertigung.
  • Abb. 6b bis d: Die Gestaltung der Frontzähne von palatinal ist ebenfalls sehr funktionell, äußerst ästhetisch und dabei noch patientenfreundlich ausgeformt. Die palatinalen Kurvaturen sind nicht zu stark ausgeprägt, glatt poliert und nicht durch Zahntypen-Codierungen verunstaltet. Die approximalen Bereiche sind sauber geschlossen und die Schichtung der Zähne ist sehr natürlich gelungen.

Ende gut, alles besser

Wir haben die Polident Front- und Seitenzähne nun seit einiger Zeit in unserem Portfolio. Diese lassen sich sehr leicht und sicher aufstellen. Sogar unsere Auszubildenden erzielen schnell gute Ergebnisse. Die Zahnfarben harmonieren beziehungsweise stimmen mit dem Vita-Classic-Farbring überein. Die Schichtung wirkt lebendig und zeigt sich trotz eines höheren Schneideanteils nicht grau. Der Zahnhals ist nicht stark abgesetzt und kann lang ausmodelliert werden, sodass der Zahn auch gut bei partiellem Zahnersatz zum Einsatz kommen kann. Von unseren Kunden bekommen wir ausschließlich positive Rückmeldungen sowohl des ästhetischen Erscheinungsbilds wegen als auch wegen der angenehmen Materialeigenschaften beim Einschleifen und Polieren, denn anstelle des ansonsten üblichen Materials Komposit verwendet Polident den mit Komposit verstärkten Werkstoff PMMA für ihre Ref-Line Zähne. Der Bezug der Polident-Zähne ist über das Rübeling+Klar Dental-Labor möglich.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Erik Lauter - ZT Christiane Poppitz

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Erik Lauter , ZT Christiane Poppitz


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