Totalprothetik


Rationelle Verarbeitung – vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten


Zur diesjährigen Internationalen Dental-Schau (IDS) in Köln stellte DENTSPLY einen neuen Prothesenzahn vor, der das bestehende Angebot ergänzt: die Zahnlinie Xena. Im Folgenden erläutert Zahntechnikermeister Hans-Jürgen Joit (Düsseldorf), wie sich die Arbeit damit im Laboralltag gestaltet. Mit einem beispielhaften Fall veranschaulicht er seine Erfahrungen.

Im Vorfeld der IDS betraute mich die Firma DeguDent, Hanau, mit der Präsentation ihrer Messeneuheit DENTSPLY Xena, und so war ich praktisch „von Anfang an dabei“ (Abb. 1).

Konzeption der neuen Zahnlinie

Xena setzt auf die bewährte chemische Basis InPen® („interpenetriertes Polymer-Netzwerk“), deren Abrasionsfestigkeit und Haltbarkeit, hervorragende Farbstabilität sowie geringe Plaqueaffinität bekannt sind. Die Zahnlinie bietet im Frontzahnbereich 22 Oberkiefer- und acht Unterkieferformen. Im Seitenzahnbereich hat der Anwender die Wahl zwischen zwei Designvarianten in drei unterschiedlichen Größen. Dabei steht eine große Auswahl an Farben zur Verfügung: V-Farben (A1 bis D4) und zwei Bleach-Farben. Der Xena-Zahn ist gezielt als Komponente im Bereich rationelle Herstellung angelegt. Hier wurden die Schwerpunkte auf unkomplizierte Umsetzung und Reproduzierbarkeit, zum Beispiel im Bereich der Teleskoptechnik, gelegt. Die Garnituren werden auf silbernen Kunststoffplättchen, befestigt mit blauem Wachs, geliefert (Abb. 2). auf dem Plättchen ist die Formenbezeichnung zu sehen, links unten geometrische Symbole, die eine Zuordnung entsprechender Ober- zu Unterkiefergarnituren erleichtern.

Bei näherer Betrachtung eines einzelnen Zahns wird eine zarte Transparenz mit weichen Übergängen in den weniger transparenten Dentinbereich sichtbar. Die Reproduktion dieser Schichtung erfordert geringen Aufwand und ermöglicht dem Techniker die Konzentration auf das Wesentliche, nämlich die Form. Andernfalls ist gerade in der Teleskoptechnik, bei der allein die Metallkonstruktion schon einen guten Teil des Volumens ausmacht, die Ausformung naturnaher Strukturen sehr schwierig.

  • Abb. 1: Zahntechnikermeister Hans-Jürgen Joit stellt die Zahnlinie Xena auf der internationalen Dental-Schau 2009 in Köln vor.
  • Abb. 2: Die Xena-Garnituren sind bei der Anlieferung mit blauem Wachs auf silbernen Kunststoffplättchen befestigt.
  • Abb. 1: Zahntechnikermeister Hans-Jürgen Joit stellt die Zahnlinie Xena auf der internationalen Dental-Schau 2009 in Köln vor.
  • Abb. 2: Die Xena-Garnituren sind bei der Anlieferung mit blauem Wachs auf silbernen Kunststoffplättchen befestigt.

  • Abb. 3: Erste Eindrücke: lebendige Oberflächentextur und moderne Natürlichkeit.
  • Abb. 4: Elegant ausgeformten Palatinalflächen.
  • Abb. 3: Erste Eindrücke: lebendige Oberflächentextur und moderne Natürlichkeit.
  • Abb. 4: Elegant ausgeformten Palatinalflächen.

  • Abb. 5: Differenziertes Reflektionsverhalten mit schönen Effekten.
  • Abb. 6: Oberkiefer-Einser der Form T18 im Lieferzustand.
  • Abb. 5: Differenziertes Reflektionsverhalten mit schönen Effekten.
  • Abb. 6: Oberkiefer-Einser der Form T18 im Lieferzustand.

Erste Annäherung

Zunächst einmal habe ich die Zähne vom Plättchen gelöst und frei auf einem Stück Wachs angeordnet, um durch die Kamera verschiedene Blickwinkel zu dokumentieren (Abb. 3). Sofort fiel mir die Ausformung der Palatinalflächen auf, die sehr ansprechend gestaltet wurden (Abb. 4). Die Ausdehnung der palatinalen Fläche reicht bis in den zervikalen Übergang unter dem Tuberculum. Da heutigen Erkenntnissen zufolge die erfolgreiche Eingliederung einer Vollprothese in engem Zusammenhang steht mit der Akzeptanz des Patienten, können wir davon ausgehen, dass naturnah konturierte künstliche Zähne in der Regel eher angenommen werden. Die Konturen sind fließend, um die Politur zu erleichtern und Irritationen durch scharfe Kanten zu vermeiden. Bei der Gestaltung der labialen Oberflächenstruktur wurde ebenfalls ein Schwerpunkt auf die Weiterverarbeitung gelegt. Obgleich die Zähne ein differenziertes Reflexionsverhalten mit schönen Effekten aufweisen (Abb. 5), ist die Oberfläche aufgrund der weichen Übergänge und der Anordnung der Vertiefungen sehr leicht auszupolieren. Mit einem kleinen Trick lässt sich die Situation nach der Reduktion der Zahnform leicht simulieren – dazu ein Beispiel: Bei einem Paar Oberkiefer-Einser wird zunächst mit schwarzem Filzstift die Veränderung markiert (Abb. 6 und 7). Vor dem dunklen Hintergrund der Mundhöhle ist das Endergebnis dann bereits sichtbar (Abb. 8). Im Hinblick auf rationelle Arbeitsweise werden in dieser Phase lediglich die Approximalkontakte modifiziert, indem sie flugs mit einem Silikonrad entsprechend der Markierung reduziert werden (Abb. 9).

Für die Aufstellung von Prothesenzähnen arbeite ich gerne mit dem DENTSPLY Modelling wax (Abb. 10). Das Wachs ist relativ weich, was die Verarbeitung vereinfacht: Ich kann die Zähne bei der Aufstellung oder Anprobe schnell gruppenweise in verschiedene Positionen drücken, ohne jeden einzelnen Zahn immer wieder gezielt mit dem Wachsmesser bearbeiten zu müssen (Abb. 11). Auch bei der Aufstellung von Seitenzähnen finde ich es wichtig, einen oder mehrere Zähne schnell einmal testweise in unterschiedliche Positionen drehen zu können. Geht es nun an die Modellation gingivaler Anteile, so ist es nie verkehrt, erst einmal Beispiele aus der Natur zu analysieren (Abb. 12 bis 14).

  • Abb. 7: Reduktion der mit schwarzem Filzstift markierten Bereiche mit Hilfe eines Silikonrads.
  • Abb. 8: DENTSPLY Modelling wax.
  • Abb. 7: Reduktion der mit schwarzem Filzstift markierten Bereiche mit Hilfe eines Silikonrads.
  • Abb. 8: DENTSPLY Modelling wax.

  • Abb. 9: Bearbeitete Xena-Frontzähne, auf einem Block Modelling Wax in Position gebracht.
  • Abb. 10: Das Studium natürlicher Gebisse dient als Anhaltspunkt für die Gestaltung der gingivalen Anteile.
  • Abb. 9: Bearbeitete Xena-Frontzähne, auf einem Block Modelling Wax in Position gebracht.
  • Abb. 10: Das Studium natürlicher Gebisse dient als Anhaltspunkt für die Gestaltung der gingivalen Anteile.

  • Abb. 11: Das Studium natürlicher Gebisse dient als Anhaltspunkt für die Gestaltung der gingivalen Anteile.
  • Abb. 12: Das Studium natürlicher Gebisse dient als Anhaltspunkt für die Gestaltung der gingivalen Anteile.
  • Abb. 11: Das Studium natürlicher Gebisse dient als Anhaltspunkt für die Gestaltung der gingivalen Anteile.
  • Abb. 12: Das Studium natürlicher Gebisse dient als Anhaltspunkt für die Gestaltung der gingivalen Anteile.

  • Abb. 13: Frontzahnsituation bei einer sehr jungen Frau.
  • Abb. 15: Parodontale Probleme bei einem männlichen Patienten mitteleren Alters.
  • Abb. 13: Frontzahnsituation bei einer sehr jungen Frau.
  • Abb. 15: Parodontale Probleme bei einem männlichen Patienten mitteleren Alters.

  • Abb. 16: Realistisch und hygienefähig: So wurden hier die gingivalen Anteile in Zahnfleischkeramik restauriert.
  • Abb. 17: Die ansprechende Gestaltung des frontalen Areals kann ohne weiteres in zwei Minuten oder weniger erfolgen.
  • Abb. 16: Realistisch und hygienefähig: So wurden hier die gingivalen Anteile in Zahnfleischkeramik restauriert.
  • Abb. 17: Die ansprechende Gestaltung des frontalen Areals kann ohne weiteres in zwei Minuten oder weniger erfolgen.

  • Abb. 18: Der gießfähige flüssige Prothesenkunststoff Lucitone Fas-Por + von DENTSPLY.
  • Abb. 18: Der gießfähige flüssige Prothesenkunststoff Lucitone Fas-Por + von DENTSPLY.

So unterschiedlich wie die Zähne ist auch das gingivale Gewebe. Es gibt in der Zahntechnik einige Stilmittel, die in den meisten Fällen eine ordentliche Ästhetik bewirken. So sollte man zum Beispiel darauf achten, dass der rot-weiße Scheitelpunkt bei den Oberkiefer-Inzisiven stets distal der Mitte liegt. Das Zahnfleisch sollte nicht mit der rothesencharakteristischen "Angelhakenkontur“, das heißt einfach nur rund am Zahn entlang, ausmodelliert werden. Die Kontur der Modellation kann eine schöne Spannung erhalten, indem konkave und konvexe Flächen unterschiedlicher Ausdehnung und Ausrichtung aneinandergereiht werden. Der Winkel, mit dem das Zahnfleisch zwischen den Zähnen verschwindet, vergrößert sich oft von mesial nach distal, abhängig von der Zahnform. Entsprechend der natürlichen Kontur sollten die Alveolenhügel angedeutet werden, wobei darauf zu achten ist, dass nicht einfach nur von Nord nach Süd Rillen in das Wachs gezogen werden, sondern auch hier gegensätzliche Flächen entstehen, die eine gewisse Spannung in der Modellation erzeugen. Bei den Bildern der natürlichen Zähne sind mehrere kleine bis größere Lücken zu sehen. In der Regel verzichtet man jedoch aus Gründen der Reinigungsfähigkeit und des Tragekomforts auf eine derartige Gestaltung. Bei jungen Patienten reicht das Zahnfleisch noch sehr weit in die Interdentalräume hinein (Abb. 15). Diese Art der Gestaltung sieht bei Prothesen oft künstlich und unschön aus. Die für viele Patienten im mittleren Alter typische Mundsituation mit mehr oder weniger starken parodontalen Problemen kann jedoch auch nicht als Vorbild dienen (Abb. 16). Ein solcherart modelliertes künstliches Zahnfleisch würde die Politur und die Reinigung zu einem kaum zu bewältigenden Problem machen. Die Lösung liegt daher stets in einer ebenso realistischen wie hygienefähigen Zahnfleischrestauration (Abb. 17).

Falldarstellung

Fassen wir an dieser Stelle das Vorgehen unter Verwendung von Xena zusammen: Höchste Stelle Einser distal, dreidimensionale Konturierung entlang der rot-weißen Grenze, Alveolenhügel andeuten, glätten, fertigmodelliert (Abb. 18). Ganz im Sinne des Xena-Leitmotivs „select, setup, satisfy“, auf Deutsch: „auswählen, aufstellen, alles okay“, wurde im hier vorgestellten Fallbeispiel bewusst auf rationelle Arbeitsweise geachtet. Eine derartige Gestaltung des frontalen Areals kann in weniger als zwei Minuten gefertigt werden. Später wird noch einmal kurz mit Schleifinstrumenten nachgearbeitet, wodurch sich einige interessante Kanten und Übergänge ergeben können.

Ganz wichtig für die Gingiva-Gestaltung: Die sogenannte Stippelung ist etwas für natürliche Schleimhaut, aber nicht für Prothesenkunststoff! Wie soll ein älterer Patient denn die Reinigung wirklich effektiv durchführen können? Fast noch schlimmer ist es aus ästhetischer Sicht, die Oberfläche durch exzessives Schmirgeln zu „töten“. Schmirgelpapier ist daher in meinem Labor verboten!

Umgesetzt haben wir diese Arbeit in einem gießfähigem flüssigem Prothesenkunststoff (Lucitone Fas + POR + DENTSPLY, Hanau). Er zeichnet sich durch einfache Verarbeitung und hervorragende Polierbarkeit aus (Abb. 19).

  • Abb. 19: Nach dem Stopfen werden Unsauberkeiten in den Randbereichen lediglich mit einer sehr harten Robinsonbürste mit Kunststoff-Polierpaste entfernt.
  • Abb.20:  Endphase der Gestaltung: So erhält auch der Charakter des Zahns seinen letzten Schliff.
  • Abb. 19: Nach dem Stopfen werden Unsauberkeiten in den Randbereichen lediglich mit einer sehr harten Robinsonbürste mit Kunststoff-Polierpaste entfernt.
  • Abb.20: Endphase der Gestaltung: So erhält auch der Charakter des Zahns seinen letzten Schliff.

  • Abb. 21: Die fertiggestellte Arbeit von vestibulär.
  • Abb. 22: Die Arbeit von inzisal: Man beachte die Konturierung der Palatinalflächen. – Fotos: Joit
  • Abb. 21: Die fertiggestellte Arbeit von vestibulär.
  • Abb. 22: Die Arbeit von inzisal: Man beachte die Konturierung der Palatinalflächen. – Fotos: Joit

  • Abb. 23: Select, Set-up, satisfy – Xena!
  • Abb. 23: Select, Set-up, satisfy – Xena!

Nach dem Stopfen werden die Randbereiche keinesfalls mit Rosenbohrer & Co. bearbeitet (Abb. 20). Es werden lediglich mit einer sehr harten Robinsonbürste mit Kunststoff-Polierpaste Unsauberkeiten entfernt. Mit diesen Bürsten kann man auch grob konturieren und vorpolieren. Es kann bei Bedarf zusätzlich noch ein wenig am Charakter des Zahnes gearbeitet werden (Abb. 21). Eine leichte Modifikation der Oberfläche, ein selektiver Schliff in der Schneide – und der Zahn lebt! Der Kunststoff wird mit einer Birnenfräse zügig ausgearbeitet, wobei auch hier auf unregelmäßige Gestaltung geachtet werden sollte.

Nach dem Ausarbeiten mit der Fräse polieren wir direkt am Poliermotor mit Bimsstein. Hätten wir geschmirgelt, hätten wir erst einmal die Rillen glätten müssen. Auf die in unserem Labor bevorzugte Weise kann viel gezielter unter Beachtung der  Oberflächenstruktur poliert werden.

Das Ergebnis (Abb. 22): Der Kunststoff ist homogen auspoliert, die Zähne zeigen trotz der einfachen Schichtung ein zartes Lichtspiel in der Schneide. Von inzisal betrachtet fällt die schöne Konturierung der Palatinalflächen auf (Abb. 23). Obwohl nur ein einziger Kunststoffton verwendet wurde, verzeichnet die Oberfläche Hell-Dunkel-Kontraste (Abb. 24). Im Detail ist das fertiggestellte Kunststoffensemble lebhaft und interessant.

Schlussfolgerung

Xena bietet bei rationeller Verarbeitung vielfältige Möglichkeiten, wenn gewünscht auch zur individuellen Gestaltung für jeden einzelnen Patienten. Dabei handelt es sich nach meiner Erfahrung um eine Zahnlinie, die ein breites Indikationsspektrum abdeckt. Speziell in der Totalprothetik lässt sich die Aufstellung in unterschiedlicher Weise vornehmen (Gysi, Gerber, APF, TiF oder APF-NT). So kann Xena als die Universalzahnlinie für den Alltag verwendet werden, die jedes Labor benötigt.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Hans-Jürgen Joit

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Hans-Jürgen Joit


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