Werkstoffe


Bewährtes Material in neuer Form

Abb. 8: Die ausgefrästen Provisorien im Rohling.
Abb. 8: Die ausgefrästen Provisorien im Rohling.

Temporäre Langzeitversorgungen werden heute immer häufiger mittels CAD/CAM-Technologie gefertigt. Die Datensätze der Konstruktionen werden gespeichert, so dass die Ergebnisse reproduzierbar sind und damit auch für die definitive Versorgung verwendet werden können. ZT Daniel Lauer (Landau) berichtet über erste Erfahrungen mit den DISCs des Hochleistungskomposits VITA CAD-Temp monoColor.

VITA CAD-Temp ist ein Hochleistungskomposit für die CAD/CAM-Fertigung von Langzeitprovisorien für Einzelzahn- sowie mehrgliedrige Brückenversorgungen. Die VITA Zahnfabrik (Bad Säckingen) hat dieses Material erstmals 2007 vorgestellt. Seit 2009 wird das Hochleistungskomposit neben der Blockform auch als DISC angeboten. Die VITA CAD-Temp monoColor DISCs weisen eine Größe von 98 mm x 20 mm auf. Dies ist quasi ein „Standardformat“, welches die Verarbeitung in vielen Fräsmaschinen ermöglicht. Die Discs sind in den Farben 1M2T, 2M2T und 3M2T verfügbar. Sie bestehen aus einem faserfreien, homogenen, hochmolekularen und vernetzten Acrylatpolymer mit einpolymerisierten anorganischen Mikropartikel-Füllstoffen. Das Material zeichnet sich durch eine sehr gute Abrasionsbeständigkeit aus. Ferner ist das Komposit pulpafreundlich, da es restmonomerfrei ist. Die Herstellung von Langzeitprovisorien mit VITA CAD-Temp-Rohlingen garantiert auch eine hohe Prozesssicherheit, da das Material bereits auspolymerisiert ist und damit Schwierigkeiten der manuellen Provisorienherstellung wie etwa Anmischfehler oder Passungsprobleme aufgrund der Polymerisationsschrumpfung ausgeschlossen sind. Da VITA CAD-Temp monoColor DISCs eine natürliche Transluzenz und Fluoreszenz aufweisen, kann mit ihnen eine ansprechende Ästhetik erzielt werden, die auf Wunsch zusätzlich durch Individualisierung mit dem lichthärtenden Verblendkomposit VITA VM LC optimierbar ist. Hierzu sind zehn verschiedene VITA VM LC PAINT Massen erhältlich.

Fallbeispiel

Im Folgenden wird ein effizientes Verfahren zur Herstellung einer temporären Langzeitversorgung aus einer VITA CAD-Temp monoColor DISC im Rahmen einer Totalsanierung des Oberkiefers vorgestellt. Das für die Fertigung verwendete CAD/CAM-System setzt sich aus dem OpenScan 100 Laserscanner von Laserdenta (Bergheim), der Software DWOS – CNB (Crown & Bridge) von Dental Wings und dem Bearbeitungssystem CAM 4-02 Impression des Unternehmens vhf camfacture (Ammerbuch) zusammen.

Befundsituation

Der 35 Jahre alte Patient wurde mit stark zerstörten Oberkieferzähnen in der Zahnarztpraxis vorstellig. Übermäßiger Konsum von säurehaltigen Softdrinks und durch beruflichen Stress bedingter Bruxismus waren die Ursachen für eine extreme Schädigung der Zahnhartsubstanz.

  • Abb. 1: Situationsmodell der Ausgangssituation.
  • Abb. 2: Die Zahnhartsubstanz im Oberkiefer ist stark zerstört.
  • Abb. 1: Situationsmodell der Ausgangssituation.
  • Abb. 2: Die Zahnhartsubstanz im Oberkiefer ist stark zerstört.

Behandlungsplanung

Laut Behandlungsplan sollten die Zähne im Oberkiefer für eine Dauer von mindestens sechs Monaten mit einer temporären Langzeitversorgung bestehend aus drei Brücken von 12 bis 17, 11 bis 23 und 24 bis 26 versorgt werden. Diese Aufteilung ist auch für die definitive Versorgung geplant. Das Provisorium soll als Hilfsmittel eingesetzt werden, um die definitive Versorgung nach Patientenwünschen optimal zu gestalten beziehungsweise zu überprüfen, ob mit der geplanten Art der Versorgung das angestrebte Ergebnis erzielt werden kann. Die definitive Versorgung wird voraussichtlich aus Metallkeramik hergestellt.

Modellation

Zunächst erfolgten in der Praxis die Zahnfarbbestimmung und eine Situationsabformung für die spätere Herstellung eines entsprechenden Gipsmodells (Abb. 1 und 2). Um ein Fundament für die Versorgung der Oberkieferzähne mit indirekten Restaurationen zu schaffen, war eine Stabilisierung der vorhandenen und Wiederherstellung der zerstörten Zahnhartsubstanz mit Aufbaumaterialien notwendig. Nach Aufbau und Präparation (Abb. 3) wurden die Zähne erneut abgeformt.

Im Fräszentrum scanadent erfolgte auf Grundlage der Abdrücke die Anfertigung von Situationsmodellen sowie einem Sägeschnittmodell des präparierten Oberkiefers aus scanbarem Gips (Abb. 4 und 5). Zusätzlich wurde das Sägeschnittmodell einartikuliert und im Artikulator ein Quetschbiss aus Knetsilikon genommen.

  • Abb. 3: Die aufgebauten und präparierten Zähne.
  • Abb. 4: Sägeschnittmodell des Oberkiefers von okklusal ...
  • Abb. 3: Die aufgebauten und präparierten Zähne.
  • Abb. 4: Sägeschnittmodell des Oberkiefers von okklusal ...

  • Abb. 5: … und von labial.
  • Abb. 6: Vollanatomisches Design der Brücken von labial mit Quetschbiss.
  • Abb. 5: … und von labial.
  • Abb. 6: Vollanatomisches Design der Brücken von labial mit Quetschbiss.

  • Abb. 7: Konstruktion der Langzeitprovisorien von okklusal.
  • Abb. 8: Die ausgefrästen Provisorien im Rohling.
  • Abb. 7: Konstruktion der Langzeitprovisorien von okklusal.
  • Abb. 8: Die ausgefrästen Provisorien im Rohling.

  • Abb. 9: Überprüfung der Passung auf dem Modell.
  • Abb. 10: Die finierten Versorgungen sind hochglänzend.
  • Abb. 9: Überprüfung der Passung auf dem Modell.
  • Abb. 10: Die finierten Versorgungen sind hochglänzend.

Konstruktion und Fertigung

Quetschbiss und Oberkiefermodelle wurden eingescannt und nachfolgend die Brücken virtuell in vollanatomischer Form konstruiert (Abb. 6 und 7). Hierbei diente das Situationsmodell der Ausgangssituation als Orientierung für die Gestaltung der Form. Gefertigt wurden die Kunststoffversorgungen aus VITA CAD-Temp monoColor DISC der Farbe 3M2T mit dem Bearbeitungssystem CAM 4-02 Impression. Diese vierachsige Fräseinheit ist mit einer Halterung für Discs mit einem Durchmesser von 98 mm inklusive umlaufender Nut ausgestattet. Im Fräszentrum scanadent wird das System vor allem für die Bearbeitung von Kunststoffen sowie Keramiken eingesetzt. Es ist allerdings auch für das Fräsen von Metallen geeignet. Die Fertigung erfolgte in zwei Schritten mit unterschiedlichen, für Kompositmaterialien ausgelegten Fräsern mit 2 mm beziehungsweise 1 mm Durchmesser.

Finishing

Bereits bei

  • Abb. 11: Die Brücken direkt nach der Eingliederung.

  • Abb. 11: Die Brücken direkt nach der Eingliederung.
der Entnahme der Disc aus der Maschine verfügte die Versorgung über eine glatte Oberfläche (Abb. 8). Nach dem Abtrennen der Verbinder erfolgte die Passungskontrolle auf dem Modell. Anschließend wurden die Innenflächen leicht nachgearbeitet, die Okklusion eingeschliffen und die Interdentalräume etwas graziler gestaltet. Eine weitere Individualisierung der Versorgungen war aufgrund der sehr ansprechenden Ästhetik nicht erforderlich. Die Politur der Oberfläche erfolgte mit einer Ziegenhaarbürste und den Polierpasten Dura-Polish und Dura-Polish DIA von SHOFU Dental (Ratingen). Die Polierbarkeit von Restaurationen aus VITA CADTemp monoColor DISCs ist dank Mikropartikeln einfach, so dass hier eine hochglänzende Oberfläche erzielt werden konnte, die dafür sorgt, dass eine langfristige Plaqueakkumulation im Mund weitgehend vermieden werden kann (Abb. 9 und 10). In der Praxis wurden die temporären Brücken mit provisorischem Zement eingegliedert (Abb. 11).

Das Ergebnis: positiv überrascht

Der Patient war positiv überrascht von der Ästhetik der temporären Langzeitversorgung und sehr zufrieden mit der wiederhergestellten Funktion. Um weitergehende Wünsche des Patienten bei der Anfertigung der definitiven Versorgung berücksichtigen zu können, ist ein gemeinsames Gespräch geplant. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich jedoch bereits absehen, dass keine umfassenden Veränderungen notwendig sein werden.

Aus VITA CAD-Temp monoColor DISCs lassen sich mittels CAD/CAM-Technologie dauerhaft farbstabile und belastbare Langzeitprovisorien von hoher Qualität fertigen. Aus diesem Grund werden wir das Komposit weiterhin einsetzen und gerne weiterempfehlen. Ein besonderer Vorteil des Materials ist die Möglichkeit, auch ohne Individualisierung ein ästhetisch ausreichendes Ergebnis zu erzielen und so schnell und einfach zu einem guten Resultat zu gelangen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZT Daniel Lauer

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZT Daniel Lauer


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