Werkstoffe

Knapper Ausgang bei der Werkstoffwahl – gut für das Ergebnis

Spezifische Vorteile von ZrO2 und ZLS als Erfolgsfaktoren für Frontzahnrestaurationen

Bei Frontzahnrestaurationen fällt die Entscheidung für Keramik meist leicht. Aber zwischen verschiedenen Keramiken die optimale Wahl zu treffen, kann schwerfallen. Zirkoniumdioxid oder zirkoniumdioxidverstärktes Lithiumsilikat? Das ist hier die Frage. Die Antwort gibt der folgende Beitrag.

Es gibt Fragen, die klingen eindeutig und lassen sich dann doch wieder nicht so eindeutig beantworten. Diese gehört dazu: Zirkoniumdioxid oder zirkoniumdioxidverstärktes Lithiumsilikat (ZLS) im Frontzahnbereich? Das differenzierte Angebot an Materialvarianten in beiden Werkstoffkategorien macht die Entscheidung zu einer komplexeren Angelegenheit. Denn es gibt ja opakere und transluzentere Zirkoniumdioxide sowie ZLS für die Verarbeitung im CAD/CAM-Verfahren und pressfähiges ZLS. Im Frontzahnbereich und teilweise auch im Seitenzahnbereich überschneiden sich die Indikationsbereiche.

Grundsätzlich sollte gelten: Bei weitspannigen Brücken kommt Zirkoniumdioxid als der festere Werkstoff zum Einsatz, bei Einzelzahnersatz und bis zu dreigliedrigen Frontzahnbrücken ZLS (wobei bei ZLS im Brückenverband der zweite Prämolar den letztmöglichen distalen Brückenpfeiler einer dreigliedrigen Brücke darstellt). Dabei nutzt man seine glaskeramischen optischen Eigenschaften für eine noch bessere Ästhetik. Bei zwei Frontzahnkronen an 11 und 21 also ZLS, oder?

Falldarstellung 1

  • Abb. 1: Frontzahnästhetik in Zirkoniumdioxid – der erste Schritt: Farbnahme mit dem Zahntechniker vor Ort in der Praxis (ZÄ Karin Blume, Braunschweig).

  • Abb. 1: Frontzahnästhetik in Zirkoniumdioxid – der erste Schritt: Farbnahme mit dem Zahntechniker vor Ort in der Praxis (ZÄ Karin Blume, Braunschweig).
    © Stork
Im vorliegenden Fall stellte sich eine Patientin mit zwei sanierungsbedürftigen mittleren Oberkiefer-Inzisivi vor. Da es insbesondere in dieser Region auf Ästhetik pur ankommt, wurde dafür auch alles getan. Das begann mit der Farbnahme unter Anwesenheit des verantwortlichen Zahntechnikers vor Ort in der Praxis (Abb. 1). Der Therapieplan sah nun die Herstellung zweier Kronen aus Zirkoniumdioxid vor, wobei die Wahl auf extra transluzentes Material fiel (Cercon xt, Dentsply Sirona Lab). Denn dieses bietet gegenüber hoch transluzentem Zirkoniumdioxid eine nochmals höhere Transluzenz (ca. 49%).

Obwohl das extra transluzente Zirkoniumdioxid in so manchem Fall schon mit ansprechenden ästhetischen Ergebnissen unverblendet eingesetzt wurde, fiel die Entscheidung hier zugunsten einer besonderen Verblendung (Abb. 2–5; Cercon ceram Kiss, Dentsply Sirona Lab). Dabei wurde lediglich die fehlende Schneide mit Verblendkeramik komplettiert, während der Dentinkern, inklusive Mamelonstrukturen, bereits in das Gerüstdesign integriert wurde. Die Eingliederung der Restauration erfolgte konventionell mit Zement. Das Ergebnis hat die Patientin überzeugt (Abb. 6–8).

  • Abb. 2: Die Gerüste aus extra transluzentem Zirkoniumdioxid (Cercon xt) auf dem Modell.
  • Abb. 3: Die Gerüsteinprobe an der Patientin.
  • Abb. 2: Die Gerüste aus extra transluzentem Zirkoniumdioxid (Cercon xt) auf dem Modell.
  • Abb. 3: Die Gerüsteinprobe an der Patientin.

  • Abb. 4: Die verblendeten Kronen vor dem Brand.
  • Abb. 5: Die verblendeten Kronen auf dem Modell.
  • Abb. 4: Die verblendeten Kronen vor dem Brand.
  • Abb. 5: Die verblendeten Kronen auf dem Modell.

  • Abb. 6–8: Das Endergebnis nach der Eingliederung bei der Patientin: überzeugende Ästhetik.
  • Abb. 6–8: Das Endergebnis nach der Eingliederung bei der Patientin: überzeugende Ästhetik.

Seine lichtoptischen Eigenschaften und seine Verfügbarkeit in allen VITA classical-Farben macht extra transluzentes Zirkoniumdioxid grundsätzlich auch zu einem Werkstoff für die monolithische Anwendung. Dennoch lässt sich unter Einsatz der klassischen Schichttechnik meistens noch ein gewisses Plus an Ästhetik herausholen; es kann das entscheidende Plus sein, um den Wünschen des Patienten voll zu entsprechen.

Anders als dieser Fall wird der zweite, obwohl etwas umfangreicher, mit zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat gelöst.

Falldarstellung 2

Eine Patientin stellte sich zwecks Sanierung der vier Schneidezähne 12 bis 21 vor. Dafür wurde auch hier ein teilanatomisches Design vorgenommen, wobei sogar schon Mamelonstrukturen berücksichtigt wurden (Abb. 9). Die resultierende Form wurde im CAM-Verfahren aus Wachs gefräst.

  • Abb. 9: Das kombiniert digital/analoge Vorgehen zur Restauration der oberen Schneidezähne (12–22) beginnt mit einem teilanatomischen Design am Monitor – Mamelonstrukturen inklusive. Die Form wird anschließend aus Wachs gefräst.
  • Abb. 10 u. 11: Das im Pressverfahren hergestellte Gerüst aus zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat (Celtra Press) wird gleichzeitig als vollständiger Dentinkern (mit fast kompletter anatomischer Formgebung) genutzt und lediglich mit Schneidemassen komplettiert.
  • Abb. 9: Das kombiniert digital/analoge Vorgehen zur Restauration der oberen Schneidezähne (12–22) beginnt mit einem teilanatomischen Design am Monitor – Mamelonstrukturen inklusive. Die Form wird anschließend aus Wachs gefräst.
  • Abb. 10 u. 11: Das im Pressverfahren hergestellte Gerüst aus zirkoniumdioxidverstärktem Lithiumsilikat (Celtra Press) wird gleichzeitig als vollständiger Dentinkern (mit fast kompletter anatomischer Formgebung) genutzt und lediglich mit Schneidemassen komplettiert.

  • Abb. 12: Durch die Vorgehensweise von vorneherein vorprogrammiert: rationelle Herstellung, überzeugendes Ergebnis.
  • Abb. 12: Durch die Vorgehensweise von vorneherein vorprogrammiert: rationelle Herstellung, überzeugendes Ergebnis.

Das Gerüst wurde im Pressverfahren aus ZLS (Celtra Press, Dentsply Sirona Lab) hergestellt – ein vollständiger Dentinkern, der nur noch mit Schneidemassen ergänzt werden musste (Abb. 10 u. 11). Es handelt sich hier um ein rationelles Vorgehen bei hoher Erfolgssicherheit (Abb. 12).

Sie kommen sich sehr nahe

Die „kleine“ Restauration also aus ZLS, die umfangreichere aus Zirkoniumdioxid? Nein, es sei angemerkt, dass diese Entscheidung weniger von den sich überschneidenden Indikationsmöglichkeiten beeinflusst wird als vielmehr von Faktoren der gewünschten Gerüstmaterialeigenschaften. Während ZLS eine Glasmatrix bietet, in der auch die naturoptischen Eigenschaften wie Opaleffekte und Fluoreszenz eingebettet vorliegen, ist Zirkoniumdioxid nicht mit identischen Eigenschaften ausgestattet und somit angewiesen auf die in der Verblendkeramik oder den Malfarben liegenden Eigenschaften, um unter allen denkbaren Lichteinflüssen in uneingeschränkter Natürlichkeit zu erstrahlen. Wer allerdings ZLS und extra transluzentes Zirkoniumdioxid verarbeitet und jeweils im oralen Umfeld vergleichen konnte, wird in jedem Fall überrascht sein, wie nahe sich die beiden Werkstoffe und die möglichen ästhetischen Ergebnisse kommen. Genau hier liegt auch die Möglichkeit, Zirkoniumdioxid und ZLS genau nach ihren Indikationsbedingungen zusammen einzusetzen oder eben nur den einen Werkstoff, der im gegebenen Patientenfall die besten Eigenschaften für den Therapieerfolg mit sich bringt.

Das hier verwendete zirkoniumdioxidverstärkte Lithiumsilikat lässt sich sogar für dreigliedrige Brücken verwenden, und zwar im Frontzahnbereich bis zum 5er als hinterem Pfeiler. Solche Brücken sind gefragt und werden im Labor des Autors aus ZLS hergestellt. Der Vollständigkeit halber: Ein Freiendglied darf mit diesem Werkstoff allerdings nicht konstruiert werden. Er eignet sich aber sehr wohl für umfangreiche Sanierungen – zum Beispiel für die Versorgung eines ganzen Oberkiefers mit zwei Schaltlücken regio 13 und 24: Es werden zwei Brücken (12–14, 23–25) und acht Einzelkronen aus ZLS gefertigt.

Auf der anderen Seite ist auch extra transluzentes Zirkoniumdioxid für ästhetische Restaurationen im Frontzahnbereich wie geschaffen, so nahe reichen die lichtoptischen Eigenschaften dank der eingefärbten Rohlinge (mit True Color Technology für das gesamte VITA classical-Spektrum) und der extra hohen Transluzenz an Glaskeramik heran. Wünscht der Zahnarzt einen Werkstoff, der „schick im Frontzahnbereich aussieht, sich aber konventionell zementieren lässt“? Dieser Wunsch ist verständlich, da die Adhäsivtechnik als techniksensibler und zeitaufwendiger gilt. Für so manchen Zahnarzt steht dies bei der Entscheidung für einen bestimmten Werkstoff im Vordergrund. Der Vorschlag des Zahntechnikers sollte in dieser Situation in Richtung extra transluzentes Zirkoniumdioxid gehen. Zirkoniumdioxid bietet darüber hinaus die Möglichkeit, eine Restauration provisorisch einzusetzen. Dies spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn die betreffende Restauration das Erscheinungsbild des Patienten deutlich verändert. Er wird sich in diesem Falle vielleicht zunächst daran gewöhnen wollen oder Verwandte und Bekannte fragen, was sie von seinem „neuen Gesicht“ halten. Führt es zu Irritationen, lässt sich die Restauration noch einmal herausnehmen und im Labor in ihrer Form modifizieren – bei Bedarf umfassend, auch weit über leichte Einkürzungen hinaus. Im Falle von ZLS wird man in einer solchen Situation mit einem Mock-up arbeiten oder den Patienten ein Kunststoffprovisorium probetragen lassen. Dieses wird dann, bei Gefallen, unter Verwendung der Presstechnik 1:1 in zirkoniumdioxidverstärktes Lithiumsilikat umgesetzt.

Kommt es dem Zahnarzt auf die Art der Befestigung nicht so sehr an, wird der Zahntechniker zu ZLS tendieren. Denn dieses Material bringt dank seiner Opaleszenz und Fluoreszenz eine stets überlegene Lebendigkeit mit. Lediglich bei dunklen bzw. stark verfärbten Zahnstümpfen, bei denen der eigentlich erwünschte Chamäleoneffekt ins Gegenteil umschlagen und quasi die Dunkelheit in den restaurierten Zahn hineinziehen würde, sind andere Werkstoffe indiziert. Hier würde der Autor auch von extra transluzentem Zirkoniumdioxid Abstand nehmen und eine Abdeckung mit opakeren Zirkoniumdioxid- Varianten bevorzugen.

Als weitere Domäne für Zirkoniumdioxid bleibt die Implantatprothetik. In diesem Bereich sind sowohl Einzelkronen als auch Brücken aus dem hier verwendeten ZLS kontraindiziert.

Fazit für das Labor

Eines ist klar: In Zukunft gilt es, immer problemloser und immer schneller zu hervorragenden ästhetischen Ergebnissen zu gelangen. Dazu wird das Gerüst so weit vorbereitet, dass nur minimale Ergänzungen zur handwerklichen Ausführung nötig sind. Die beiden „big player“ unter den Werkstoffen, die allen anderen voran in diese Zukunft weisen, wurden in diesem Beitrag vorgestellt.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Markus Stork


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