Laborführung

Erfahrungen und Ideen aus dem Labor für das Labor

2013 aktiv gestalten

01.03.2013

Quelle: © Thomas Siepmann/<a href="http://www.pixelio.de" target="_blank">pixelio.de</a>
Quelle: © Thomas Siepmann/pixelio.de

Was war das Beste am Jahr 2012? Das Ende der Welt nach dem Kalender der Maya ist nicht eingetreten. Der Untergang hat nicht stattgefunden und somit müssen wir uns erfreulicherweise nun doch über unsere existenzielle Zukunft Gedanken machen. Was war 2012 zahntechnisch eigentlich los? Die Rückschau liefert die Basis für das Handeln in diesem Jahr.

Mein Labor Belan Dentalstudio besteht seit 1999. Seitdem nutze ich die Zeit am Jahresanfang, Bilanz zu ziehen und meine unmittelbare Zukunft zu entwerfen. 2012 habe ich das gleiche Spiel wie im Vorjahr gesehen. Kostenpläne wurden nur zäh und sehr spät nach Einreichung genehmigt. Das bedeutete für viele Aufträge monatelange Wartezeiten und für manche Labore den ersten womöglich wirtschaftlich bedrohlichen Einschnitt. Es stellte sich keine Änderung ein, die Verzögerungen haben sich übers Jahr verteilt wiederholt. Auffällig für mich war allerdings eine neue Patiententaktik, von der ich gehört, die ich zugleich auch erstmals selbst erfahren habe: „Ich lasse mir schon mal den Plan genehmigen, dann warte ich noch und spare ein wenig, denn der Plan ist ja noch länger gültig.“ Für uns Zahntechniker heißt das: immer schön Kostenvoranschläge schreiben und weiter warten. Nicht zu vergessen: die KVs sind kostenlos. Warum eigentlich? Ich leiste stundenlange unbezahlte Arbeit vor dem PC. Und dies, damit der Patient bequem vergleichen kann, sich dann das billigste Labor – womöglich noch ein Auslandslabor – aussucht und ich dann leer ausgehe?

Mein Fazit angesichts der Erfahrungen des letzten Jahres: Nur warten und mit Auslandspreisen mithalten, das kann nicht der beste Weg für das Labor sein. Wir wissen doch alle, das Billigste kann nicht so gut sein wie das „Preiswerte“, das seinen Preis auch wert ist. Es führt in die Sackgasse, seine Leistung bescheiden nur über Billigpreise mehr schlecht als recht zu verkaufen. Nachdrücklich sage ich: Wer sein NEM-Gerüst mit Keramikverblendung für 100 Euro abgibt, befindet sich auf dem Weg in den wirtschaftlichen Selbstmord. Nur über Massenproduktion und drastische Lohnkürzungen ist ein solcher Betrieb kurzfristig überlebensfähig – bis zur nächsten Wartezeit. Der bedenkliche Nebeneffekt liegt in demoralisierten Mitarbeitern, die sich nicht mit dem Betrieb identifizieren und deren Leistungsbereitschaft selbstverständlich sinkt. Wo bleibt die Qualität?

Welchen Weg gehe ich in Zukunft?

Wer wirtschaftlich erfolgreich sein will, für den gilt 2013: faire Preiserhöhungen, faire Bezahlung und fairer Umgang mit den Mitarbeitern. Letzteres schließt die Mitarbeitermotivation und den Teamgedanken ein. Gute Mitarbeiter müssen durch Anerkennung gehalten werden, der Markt für Facharbeiter wird knapp. Nach außen zum Zahnarztkunden hin gilt dasselbe: Es geht um die Anerkennung der beruflichen Kompetenz, Kommunikation auf Augenhöhe, Arbeit im Team mit definierter Aufgabenverteilung und abgestimmten Abläufen. Der Erfolgsweg führt in die Qualität und Spezialisierung. Das hat uns das vergangene Jahr gezeigt, wie ich es in Kollegengesprächen erfahren habe. Während die einen Labore – ohne besonderes Profil – die Achterbahnfahrt voll mitgemacht haben, waren andere an neun von zwölf Monaten auftragstechnisch komplett ausgebucht. Januar und Februar glichen einem vorgezogenen Weihnachtsgeschäft alter Sitte. März, April und Anfang Mai zeigten sich etwas rückläufig. Ab August bis Ende Dezember trennte sich die Spreu vom Weizen: durchgehend wirtschaftliches Bangen bei den einen, Überstunden bis hin zu wochenlangen Doppelschichten bei den anderen. Wer waren die anderen? Was haben sie mit „Gewusst wie“ anders gemacht? Was kann man von ihnen lernen? Ich sehe, dass es überwiegend kleinere, junge, selbstbewusste und flexible Labore waren, die sich spezialisiert haben und deren Firmenphilosophie stark zukunftsorientiert ist. Hier lagert man die weniger lukrativen Aufträge aus oder nimmt sie gar nicht erst an. Logisch! Warum sollte zum Beispiel ein Speziallabor für implantatgetragenen Zahnersatz die Hälfte seines kostbaren Arbeitstages damit verbringen, Reparaturen durchzuführen – um dann noch spät abends anspruchsvolle Zahntechnik anzufertigen, wenn die Leistungsfähigkeit bereits stark gesunken ist? Warum hochqualifizierten Technikern eine weniger niveauvolle Aufgabe zuteilen und somit Kapazitäten falsch nutzen? Hinzu kommt in dem Fall der finanzielle Aufwand für spezielles Equipment und die Laborausstattung.

Arbeitsteilung und Spezialisierung

Der Weg der Gewinner ist besser: Er heißt Arbeitsteilung! Das eine Labor spezialisiert sich, sagen wir: im Gebiet Implantologie oder Vollkeramik, das andere auf die neue existenzielle Möglichkeit des Reparaturschwerpunkts. Ein reines Reparaturen-Labor ist ein lohnendes Geschäft: Der Einsatz für Geräte und Materialien ist im Verhältnis zur erzielbaren wirtschaftlichen Leistung ausgesprochen gering. Man kann den Service gegenüber seinen Zahnarztkunden ausbauen und sich ein Profil mit dem Mix aus Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und Flexibilität geben. Die VMK-Arbeit für 100 Euro ist dann ad acta gelegt; schnell vergessen sind das wirtschaftliche Bangen und die fehlende Anerkennung von Seiten des Auftraggebers. Erfreulicherweise funktioniert dieses Modell in meiner unmittelbaren Umgebung seit ein paar Jahren sehr gut. Ich habe einen Kollegen, der nur Reparatur-Service anbietet. Wir „teilen“ uns auf diese Weise ein paar Kunden, was mir den Rücken freihält und Kapazitäten schafft. Auf beiden Seiten stellt sich wirtschaftliche Zufriedenheit ein – ohne Konkurrenzgedanken. Der Zahnarzt freut sich mit: Er ist derjenige, der von Beiden das Beste bekommt, in puncto Leistungsbereitschaft und Produktqualität. Die Spezialisierung lässt sich auch auf andere Tätigkeitsbereiche der Zahntechnik anwenden. Im Bereich KFO gibt es seit langer Zeit eben diese Spezialisten, die nichts anderes machen und gut davon leben. Ich selbst habe mich im Bereich komplexer Restaurationen auf technische und ästhetische Sonderfälle spezialisiert und positive Erfahrungen gemacht.

Wer noch zögert und sich fragt: „Bleibe ich nicht lieber beim (kostenintensiven) Allround-Modell?“, dem führe ich hier Zahlen vor Augen. 2012 waren in immer mehr Allround-Laboren nur noch 30 bis 40 Prozent der verfügbaren Arbeitsplätze personell besetzt. Meiner Ansicht nach bestätigt dies den Gedanken der Spezialisierung und zeigt in die richtige Richtung. Mit Spezialisierung hat das Labor ein erkennbares Profil, entsprechend qualifizierte Mitarbeiter, genau zugeschnittene Räumlichkeiten und das passende Equipment. Das ist ein stimmiges und zukunftsträchtiges Konzept.

CAD/CAM – bitte mit Augenmaß

Was sich auf jeden Fall lohnt, ist im eigenen Labor den Auszubildenden und Jungtechnikern eine Chance für digitales Arbeiten zu geben. Ein Scanner und die Konstruktion am PC sollten jetzt beziehungsweise schon bald Allgemeingut in den Betrieben sein. Während die „älteren“ Zahntechniker dieser Technologie vielleicht etwas ängstlicher gegenüberstehen, findet die jüngere Generation schnelleren Zugang. Entsprechend lässt sie sich weniger für die traditionelle Aufwachstechnik und den Gipsraum begeistern. Wozu auch? Warum dann noch alles per Hand machen, wenn es eleganter und zügiger durch ein paar Klicks geht? Aus dem Steinzeitalter wachsen wir Zahntechniker heraus. Außerdem unternehmen die Berufs- und Meisterschulen vermehrt Anstrengungen, die Schüler in diesem Bereich besser auszubilden.

Einen begrüßenswerten Nebeneffekt sehe ich in der virtuellen Zahntechnik: Wenn Abläufe beschleunigt werden, ergeben sich entweder mehr Kapazitäten zur Umsatzsteigerung und/oder mehr Freizeit. Freizeit? Ja, Freizeit! Die Work-Life-Balance ist wichtig für die eigene Zufriedenheit, Gesundheit und Motivation, bringt mehr Kraft und schafft auch Raum, sich vernünftige Gedanken zu machen. Es gibt aber auch eine Weichenstellung für den eigenen Betrieb, von der ich abrate, weil ich sie zurzeit mit Fragezeichen versehe: ein neues Fräslabor zu eröffnen. CAD/CAM dominiert zwar die Diskussion in der Dentalwelt und längst sind Fräszentren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Ich sehe nun aber, dass der Markt mehr als gesättigt ist. Schon unterbietet man sich gegenseitig nicht nur im Einheitenpreis, sondern auch in der Produktqualität, wie mir scheinen will. Was dazu ein Schwachpunkt sein kann: die Schnittstelle zwischen CAD-Fachleuten und Zahntechnikern. Wer den CAD/CAM-Bereich betreut, ist nicht unbedingt Zahntechniker vom Fach. Der Aufwand zur Etablierung eines Fräszentrums ist also in vielerlei Hinsicht hoch, die Fahrt in die Gewinnzone lässt sich keineswegs vorprogrammieren. Meine Empfehlung: Dieses Jahr lieber die Finger davonlassen.

Weitergreifend habe ich einen Wunsch im CAD/CAM-Bereich: komplett digital gefertigte Totalprothesen im 3D-Druckverfahren. Über die Entwicklung informiere ich mich gezielt auf Fachmessen, zum Beispiel der EuroMold. Wenn diese Technologie eines Tages Realität wird, sehe ich schon ein neues Speziallabor entstehen.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Lako Belan


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