Anzeige

Teil 6 der Reihe: Wie man außerhalb Deutschlands zum Zahntechniker wird

Als Zahntechniker-Azubi in Dänemark

Sie gelten als das glücklichste Volk der Welt, lieben ihre Nationalspeise, das sogenannte „Smørrebrød“, und nehmen das Leben gern gelassen – die Dänen. Neben hübschen Feriendomizilen an der jütischen Küste hat unser nördliches Nachbarland noch einiges mehr zu bieten: eine wunderschöne Hauptstadt, atemberaubende Dünenlandschaften und das „hyggelige“ (zu Deutsch: gemütliche) Flair, das jedem Dänemarkbesuch diesen wohligen Beigeschmack verleiht. Die Dänen sind außerdem bekannt für beste Arbeits- und Bildungsbedingungen – wie gestaltet sich also das Leben für (angehende) Zahntechniker in „Danmark“?

Blick auf die farbenfrohe Häuserzeile von Nyhavn in Kopenhagen, der Märchendichter Hans Christian Andersen soll hier im 19. Jahrhundert gewohnt haben. Witizia/Pixabay.com
Blick auf die farbenfrohe Häuserzeile von Nyhavn in Kopenhagen, der Märchendichter Hans Christian Andersen soll hier im 19. Jahrhundert gewohnt haben.
Blick auf die farbenfrohe Häuserzeile von Nyhavn in Kopenhagen, der Märchendichter Hans Christian Andersen soll hier im 19. Jahrhundert gewohnt haben.

Zunächst einmal das dänische Schulsystem im Schnelldurchlauf: Die eigentliche Schulpflicht – wobei anzumerken ist, dass diese dort „Unterrichtspflicht“ heißt – beginnt für die Kinder in dem Jahr, in dem sie sieben Jahre alt werden. Es steht den Eltern zur freien Wahl, ihren Nachwuchs bereits ein Jahr vorher in eine Vorschulklasse zu schicken. Ab dem offiziellen Beginn der Unterrichtspflicht besuchen die Schüler neun Jahre lang die sogenannte „Folkeskole“, übersetzen würde man dies mit „Volksschule“.

Hier lernen die Kinder, bis sie 16 Jahre alt sind, in der gleichen Klassengemeinschaft und beenden die Folkeskole mit einer Abschlussprüfung. Wer mag, kann danach noch ein weiteres freiwilliges Schuljahr anhängen und eine erweiterte Abschlussprüfung absolvieren. Etwa 87% der dänischen Kinder besuchen die staatliche Folkeskole – der Rest nimmt bezahlte Privatschulen, die „Friskoler“, in Anspruch, die in Dänemark eine lange Tradition haben und sich zwar am Unterricht der Folkeskole orientieren, in der Durchführung der Wissensvermittlung aber viel freier sind und eigenen ideologischen und philosophischen Grundprinzipien folgen. Die gymnasiale Oberstufe von drei Jahren schließt direkt danach an, an deren Ende das dänische Abitur steht – das „Studentereksamen“. Mit diesem Abschluss ist es möglich, sämtliche Studiengänge an dänischen Universitäten zu studieren, für manche ist jedoch die Belegung bestimmter Abitur-Fächer Voraussetzung.

Ausbildung mit allgemeinem Basisprogramm

Entscheidet sich ein dänischer Schüler gegen den Besuch der gymnasialen Oberstufe, hat er die Möglichkeit, eine „Erhvervsuddannelse“, also eine Berufsausbildung aus den Sektoren Seefahrt, Landwirtschaft, Sozial- und Gesundheitswesen oder aus dem technisch-kaufmännischen Bereich zu absolvieren. Die Ausbildungen dauern zwischen 1,5 und 5,5 Jahren und beginnen alle mit einem Basisprogramm, das je nach Vorkenntnissen (belegte Schulfächer) zwischen 20 und 60 Wochen dauert. Das Basisprogramm umfasst Grundlagenfächer, fächerübergreifende Inhalte, Wahlfächer sowie Einführungs- und Stützkurse.

Anzeige

Der dänische Azubi kann in diesem Zuge aus den folgenden Basisfachbereichen wählen: Medien, Gesundheit, Pflege und Pädagogik, Handel, Bau und Installation, Tiere, Pflanzen und Natur, Nahrungsmittelherstellung, Produktion und Entwicklung, Kosmetik, Transport und Logistik, Antrieb, Steuerung und IT, Auto, Flugzeug und andere Transportmittel und Kundendienst. Am Ende wartet ein abschließender Test, dessen Bestehen für den Besuch des Hauptprogrammes qualifiziert.

Alternativ zu diesem Basisprogramm können sich die Azubis für einen praxisorientierten Einstieg entscheiden, in Dänemark „ny mesterlære“ (zu Deutsch: neue Lehre) genannt. Hier absolvieren die jungen Dänen ein etwa einjähriges Praktikum in einem Betrieb, das ebenfalls mit einem Test abschließt. Ist diese Phase geschafft, beginnt die eigentliche duale Berufsausbildung, das Hauptprogramm. Wie bei uns in Deutschland wechseln sich hier schulischer Unterricht und Arbeiten im Betrieb ab. Nach dem erfolgreichen Bestehen der Abschlussprüfung, die in der Regel wie bei uns aus einem theoretischen und einem praktischen Teil besteht, erhält der dänische Auszubildende seinen „Uddannelsesbevis“, den Ausbildungsnachweis. Es gibt jedoch auch Ausbildungsprogramme, die die berufliche Ausbildung mit einer höheren sekundären Bildung kombinieren und mit einer allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung abschließen.

Nun, wie sieht es im speziellen Fall der Zahntechniker-Ausbildung aus? Welchen Weg müssen junge Dänen gehen, um am Ende ausgebildeter Zahntechniker zu sein?

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Option ist es, sich für die Ausbildung zum „laboratorietandtekniker“ zu entscheiden. Die Zugangsvoraussetzung hierfür ist der Abschluss der Folkeskole mit mindestens einer 2,0 in den Fächern Dänisch und Mathematik im Abschlusszeugnis. Das Basisprogramm dauert hier 20 Wochen; inklusive diesem umfasst die Ausbildung zum „laboratorietandtekniker“ 4,5 Jahre. Für den schulischen Unterricht müssen die angehenden Labor-Zahntechniker den Weg zur Tandteknikerskolen, also Zahntechnikerschule, in der Hauptstadt Kopenhagen auf sich nehmen. Den praktischen Teil absolvieren sie in den jeweiligen Ausbildungsbetrieben.

Zu den Hauptaufgaben des „laboratorietandtekniker“ gehört das Herstellen von Kronen, Brücken und Prothesen. Wie für die deutschen Zahntechniker ist für die dänischen die oberste Priorität, den Patienten durch hochwertigen Zahnersatz zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen. Patientenkontakt gibt es für den „laboratorietandtekniker“ jedoch auch selten – seine Arbeit findet hauptsächlich an 3D-Modellen auf dem Computer statt. Der sichere Umgang mit den verschiedensten Materialien, eine ruhige Hand, Geduld, Geschick und das gewisse ästhetische Empfinden ist auch in Dänemark ein absolutes Muss für jeden, der Zahntechniker werden möchte.

Dem „klinischen Zahntechniker“ ist die Arbeit am Patienten erlaubt

Auch in Dänemark gibt es ein Ausbildungsgehalt, das jedes Lehrjahr erhöht wird. Anfangs liegt es, je nach Absprache mit dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb, zwischen 1.275 Euro und 1.680 Euro. Nach bestandener Ausbildung kann der „laboratorietandtekniker“ in einem Dentallabor, bei einem Zahnarzt oder bei einem „klinisk tandtekniker“, also klinischen Zahntechniker, arbeiten oder sich selbstständig machen und ein eigenes Labor eröffnen. Möchte ein „laboratorietandtekniker“ sich weiterbilden, so kann er nach abgeschlossener Ausbildung noch weitere zwei Jahre anhängen und „klinisk tandtekniker“ werden – dann ist ihm die Arbeit am und mit dem Patienten erlaubt.

Aber auch ein anderer Weg steht den Dänen offen, „klinisk tandtekniker“ zu werden: Zu Beginn steht die zweieinhalbjährige Ausbildung zum „klinisk tandteknikerassistent“ – Hauptgegenstand der Ausbildung zum klinischen Zahntechnikerassistenten ist das Herstellen von Prothesen, vom ersten Abdruck bis zur Auslieferung an den Kunden. Außerdem wird den Azubis Basiswissen zu Anatomie und Technologie in der Dentaltechnik gelehrt. Nach dem Basiskurs, der ein halbes Jahr in Anspruch nimmt, wechseln die Azubis wie hierzulande zwischen dem praktischen Teil im Ausbildungsbetrieb und dem schulischen Teil, der – wie bei den „laboratorietandteknikern“ – an der Tandteknikerskolen in Kopenhagen stattfindet. Der Großteil der Azubis entscheidet sich nach bestandener Ausbildung, weitere zwei Jahre auf sich zu nehmen, um „klinisk tandtekniker“ zu werden und damit, wie oben erwähnt, das Privileg zu haben, am Patienten zu arbeiten.

Monatsverdienst rund 4.700 Euro

Eines der bekanntesten Wahrzeichen von Kopenhagen ist die Meerjungfrau am Hafen. Der Kopenhagener Bildhauer Edvard Eriksen schuf die Bronzefigur 1913 inspiriert vom gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen. eorihuela/Pixabay.com
Eines der bekanntesten Wahrzeichen von Kopenhagen ist die Meerjungfrau am Hafen. Der Kopenhagener Bildhauer Edvard Eriksen schuf die Bronzefigur 1913 inspiriert vom gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen.

Die Themenbereiche, die die Ausbildung zum „klinisk tandtekniker“ abdeckt, sind vielfältig und komplex: von Anatomie und Physiologie über Zahnmorphologie, orale Gerontologie, Patientenversorgung und Diagnostik bis hin zu psychologischem und rechtlichem Grundwissen ist alles dabei. Die Azubis arbeiten noch während der Ausbildung eng mit Zahnärzten und klinischen Zahntechnikern zusammen und lernen, Patienten ordnungsgemäß zu untersuchen, individuell und perfekt auf sie abgestimmte Prothesen herzustellen und diese einzusetzen und anzupassen. Im ersten halben Jahr bekommt jeder Schüler einen Patienten zugewiesen, an dem er eine komplette Behandlung – vom Erstgespräch über die Abdrucknahme bis hin zum Einsetzen des fertig hergestellten Zahnersatzes – unter Aufsicht durchführen muss.

Der schulische Teil der Ausbildung zum „klinisk tandtekniker“ findet an der Tandlægeskolen in Aarhus statt. Das Ausbildungsgehalt liegt auch hier gleich zu Beginn zwischen 1.275 Euro und 1.680 Euro. Nach bestandenen Prüfungen, die sowohl schriftlich als auch mündlich abzulegen sind, können die ausgelernten Azubis als Angestellte im Labor eines klinischen Zahntechnikers oder im Praxislabor eines Zahnarztes arbeiten.

Der Weg zur Selbstständigkeit steht natürlich auch offen. Hierfür ist die Genehmigung der dänischen Gesundheitsbehörde, der „Sundhedsstyrelsens“, erforderlich. Um diese zu erhalten, muss der Däne mindestens 22 Jahre alt sein, die Prüfung zum klinischen Zahntechniker erfolgreich bestanden und seit mindestens einem Jahr (äquivalent 1.440 Stunden) als Assistent bei einem klinischen Zahntechniker oder Zahnarzt gearbeitet haben. Eine kleine Gebühr ist ebenfalls erforderlich – dann steht der Selbstständigkeit nichts mehr im Weg.

Das monatliche Gehalt, mit dem „klinisk tandtekniker“ und „laboratorietandtekniker“ in Dänemark rechnen dürfen, liegt bei 4.700 Euro.

Berufsverbände

Wie auch Deutschland bietet Dänemark seinen Zahntechnikern mehrere Berufsorganisationen, die sich für ihre Interessen einsetzen. So gibt es beispielsweise die „Landsforeningen af Kliniske Tandteknikere“, die ihren Mitgliedern – und das sind bislang 70% der dänischen klinischen Zahntechniker – ein vielfältiges Angebot an Betriebsberatung und anderweitige Unterstützung im Arbeitsalltag, Weiterbildungsmöglichkeiten und wissenswerte Online-Literatur in Form von Zeitschriften, Artikeln, Newslettern etc. bietet. Die „Landsforeningen af Kliniske Tandteknikere“ arbeitet außerdem mit einer anderen Interessenvertretung zusammen, der „Tandteknikerforeningen“, die unter anderem für die Tarifverhandlungen zuständig ist.

Nathalie Ottiger (MDZI) 

Weiterführende Links

Bildquellen sofern nicht anders deklariert: Unternehmen, Quelle oder Autor/-in des Artikels

Kommentare

Keine Kommentare.

Anzeige