Laborführung

Glosse

Auf in die dentale Zukunft, Version 2.0 … oder 3.0 … Fortschritt, Spaß oder Absturz?

„2013 Version 1.0 ist abgelaufen, bitte neue Software installieren. Folgen sie den Menüpunkten …“

Eigentlich will man mit dem Rechner arbeiten, da geht das Menüfenster unten rechts auf dem Bildschirm auf und meldet sich mit einer Bewegung in das Blickfeld an. Das Antivirenprogramm zum Beispiel. „Wir haben unsere kostenfreie Android-App verbessert. Wollen Sie sie jetzt herunterladen?“ Klar, Sicherheit, das ist wichtig, also klicken wir mal. Wer kennt das nicht? Laufend werden wir veranlasst, eine neue Software-Version aufzuspielen und anzuwenden. Der Fortschritt macht keinen Halt und wir müssen mitrennen ...

Von der Überholspur erst mal den Abhang hinunter

Ob so oder so, gerade im Bereich der dentalen digitalen Entwicklungen sind wir, so kommt es mir vor, auf der Datenautobahn unterwegs – und das immer auf der Überholspur. Was bei den von uns genutzten Programmen vor kurzem noch als Neu-Entwicklung erschien, wurde schon wieder weiterentwickelt und muss permanent auf dem Laufenden gehalten werden. Der Gedanke: eine neue Version aufspielen und alle Fehler aus der vorherigen ausmerzen. Das ist es! Also her damit und herunterladen.

Aber: Irgendwie hat sich dabei nicht so richtig was getan. Der Akku hält nicht länger als vorher und die Performance ist nicht unbedingt oder mindestens nicht spürbar besser geworden. Und was erfahren so viele und auch ich? Es klappt einfach nicht. Nach dem Herunterladen bekomme ich die Meldung: „Ungültige Software“. Nochmal neustarten, aber auch mit dem englischen Worten „reboot“ gelingt der Neustart nicht besser. Also ganz zurück auf den alten Stand und erst mal mit den vorhandenen Programmen weitermachen. Selten habe ich erlebt, dass eine neue Version reibungslos funktioniert hat. Hänger oder komplette Abstürze des Rechners können schon sehr lästig sein. Irgendwie bekommen wir das schließlich doch in den Griff, auch wenn es mit vielen Stunden und wahren Wutausbrüchen verbunden ist. Ach ja – und bezahlen müssen wir viele Updates/Upgrades und neue Versionen auch. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Schon Stillstand ist im digitalen Workflow ein Rückschritt.

Windows 7 ist Schnee von gestern, Windows 8 ist da. Doch Vorsicht! Eine neue Version ist kein Upgrade, sondern eine neue Plattform. Hier heißt es neu lernen und ganz neu beginnen. So als hätten wir noch keinen Computer vorher gehabt. Also viel Spaß dabei.

Digital und Dental

Überall und bei jeder Programmstruktur wird die Version fortlaufend verbessert und die Upgrades werden durchnummeriert. Dieser Vorgang ist uns so geläufig geworden, dass auch in anderen Bereichen unseres Wirkens diese Art von Schlüsselreizen uns veranlasst, einen Blick darauf zu werfen. Produkte, die verbessert worden sind oder in anderer Darstellung weitervermarktet werden sollen, bekommen häufig eine neue Versionsnummer. Damit wird suggeriert, dass es sich hierbei immer um eine Verbesserung des Produktes handelt. Die Frage ist nur: für wen?

Kongresse und Fortbildungen nutzen diese für uns alltägliche Durchnummerierung von Events ebenfalls. So kommt es in diesem Jahr zu einigen Dentalveranstaltungen mit Nummern wie 2.0 oder 3.0 am Namensende. Will sagen: eine Verbesserung und ein anspruchsvolleres Programm als beim letzten Mal. Gehen Sie hin und überzeugen sie sich selber! Der Gedanke auch hier: Die Zukunft hat schon lange begonnen, ist ausgereift und hinreichend getestet worden. Nun ist es an der Zeit, diese neue Version der breiten Fachkundschaft zu präsentieren. Mit der neuesten Version des Kurses wird es endlich richtig gut.

Übrigens auch in allen anderen Lebensbereichen ist uns dieser Spaß vergönnt und wir dürfen froh sein, mit unserem heutigen Smartphone noch normal telefonieren zu können. Auch wenn diese Funktion schon sehr veraltet ist …

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Andreas Hoffmann