Laborführung

Teil 3 der Serie: Arbeits- und Gesundheitsschutz im Dentallabor

Betriebsanweisungen und Unterweisungen: Anleitung der Mitarbeiter

31.03.2016
aktualisiert am: 12.04.2016

In der vergangenen Ausgabe* beschrieb ZTM Werner Hebendanz die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung im Dentallabor, dieser Beitrag knüpft daran nahtlos an. Es geht um die Betriebsanweisung (BA) und die dann folgenden Unterweisungen der Mitarbeiter – ein wichtiger Teil des organisatorischen Arbeitsschutzes. Was ist nun eine Betriebsanweisung? Welche Rechtsgrundlagen gibt es dafür und wie wird sie gestaltet?

Die übergeordnete Rechtsgrundlage bildet auch hier das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Hier wird in § 12 darauf verwiesen, dass ein Mitarbeiter in einer Unterweisung Anweisungen und Erläuterungen, die eigens auf den Arbeitsplatz oder den Aufgabenbereich des Beschäftigten ausgerichtet sind, bekommen muss. Ausführlicher wird das noch in der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) § 12 (2) von 2015 gefordert:

„Bevor Beschäftigte Arbeitsmittel erstmalig verwenden, hat der Arbeitgeber ihnen eine schriftliche Betriebsanweisung für die Verwendung eines Arbeitsmittels zur Verfügung zu stellen.“

Auch die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) weist in § 14 auf die schriftliche Betriebsanweisung hin und ergänzt, dass diese in einer für den Beschäftigten verständlichen Form und Sprache verfasst sein muss. Zudem listet die GefStoffV weitere Mindestinhalte auf:

  • Informationen über die am Arbeitsplatz vorhandenen oder entstehenden Gefahrstoffe wie beispielsweise die Bezeichnung der Gefahrstoffe, ihre Kennzeichnung sowie mögliche Gefährdungen der Gesundheit und der Sicherheit
  • Informationen über angemessene Vorsichtsmaßregeln und Maßnahmen, die die Beschäftigten zu ihrem eigenen Schutz und zum Schutz der anderen Beschäftigten am Arbeitsplatz durchzuführen haben; dazu gehören insbesondere
    a) Hygienevorschriften,
    b) Informationen über Maßnahmen, die zur Verhütung einer Exposition zu ergreifen sind,
    c) Informationen zum Tragen und Verwenden von persönlicher Schutzausrüstung und Schutzkleidung sowie
  • Informationen über Maßnahmen, die bei Betriebsstörungen, Unfällen und Notfällen (...) zu ergreifen sind.

Diese beiden Verordnungen, GefStoffV und BetrSichV, beschreiben auch schon die zwei Arten von Betriebsanweisungen, die im Dentallabor vorkommen. Jedem Bereich ist eine eigene Farbe zugeordnet. Für Gefahrstoffe werden sie in Orange (Abb. 1) und für Arbeitsmittel und Maschinen in Blau gestaltet (Abb. 2).

  • Abb. 1: Betriebsanweisung für Gefahrstoffe in Orange. Bildquelle: BG ETEM
  • Abb. 2: Betriebsanweisung für Arbeitsmittel und Maschinen in Blau. Bildquelle: BG ETEM
  • Abb. 1: Betriebsanweisung für Gefahrstoffe in Orange. Bildquelle: BG ETEM
  • Abb. 2: Betriebsanweisung für Arbeitsmittel und Maschinen in Blau. Bildquelle: BG ETEM

Wie wird die Betriebsanweisung erstellt?

Das Wichtigste zuerst: Eine Betriebsanweisung soll möglichst auf eine Seite beschränkt werden und auf dieser soll alles Wichtige untergebracht werden! Der Grund ist, dass der Mitarbeiter diese Anweisung auch während der Arbeit zur Hand nehmen kann und er sofort die wichtigsten Dinge, die mit diesem Arbeitsschritt zusammenhängen, erfassen kann. Zum Erarbeiten der Betriebsanweisung ist zunächst ein Blick in die Gefährdungsbeurteilung notwendig. Darin wurden die Gefährdungen festgestellt und mit Maßnahmen hinterlegt. Jetzt gilt es, diese Erkenntnisse kurz und knapp in eine BA zu fassen. Betriebsanweisungen sind wie folgt gegliedert:

  1. Kopfzeilen
  2. Anwendungsbereich/Gefahrstoffbezeichnung
  3. Gefahren für Mensch und Umwelt
  4. Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln
  5. Verhalten bei Störungen/ im Gefahrfall
  6. Verhalten bei Unfällen, Erste Hilfe
  7. Sachgerechte Entsorgung/Instandhaltung (bei Maschinen/technischen Anlagen)

Beispielhaft erstellen wir nun gemeinsam Schritt für Schritt eine Betriebsanweisung für das Glänzen einer Modellgussprothese im Glanzgerät (Abb. 3).

  • Abb. 3: Beispielhafte Betriebsanweisung zum Glänzen im Glanzgerät. Bildquelle: BG ETEM/sifadent
  • Abb. 3: Beispielhafte Betriebsanweisung zum Glänzen im Glanzgerät. Bildquelle: BG ETEM/sifadent

Erläuterungen

Zu 1.: In den Kopfzeilen werden der Firmenname, der Arbeitsbereich, der Arbeitsplatz und die genaue Bezeichnung der Tätigkeit genannt. Erforderlich sind zudem das Datum der Erstellung der BA sowie die Unterschrift des Verantwortlichen. Durch diese Unterschrift wird die BA verbindlich für die Mitarbeiter.

Beispiel: Arbeitsplatz: Glänzen; Tätigkeit: Glänzen im Glanzgerät (Elektrolytautomaten).

Zu 2.: Im Anwendungsbereich (für Maschinen, blaue BA) bzw. in der Gefahrstoffbezeichnung (für Gefahrstoffe, orange BA) wird der genaue Geltungsbereich festgelegt, für den die BA gilt.

Beispiel: Elektrolyt (Name des Produkts nennen) enthält Schwefelsäure.

Zu 3.: Im Bereich „Gefahren für Mensch und Umwelt“ werden in kurzen Stichpunkten die möglichen Gefahren aufgelistet und zur besseren Erkennbarkeit mit den Gefahrstoffpiktogrammen hinterlegt. Als Informationsquelle bei Gefahrstoffen dient hier neben der Gefährdungsbeurteilung auch das entsprechende Sicherheitsdatenblatt. Dieses muss vom Hersteller bzw. beim Import von außerhalb der Europäischen Union vom Importeur ausgestellt werden und in deutscher Sprache verfasst sein. Häufig kann man es auf der Hersteller-Homepage herunterladen. Wichtig: Es ist darauf zu achten, dass die Version aktuell ist, im Zweifel beim Hersteller nachfragen.

Der Verantwortliche ist im ersten Abschnitt des Sicherheitsdatenblattes genannt und kann diese Frage beantworten.

Beispiel:

  • Bei Berührung mit Haut, Schleimhaut und Augen starke Verätzungen möglich
  • Gesundheitsschädlich beim Verschlucken
  • Piktogramm „Ätzend“ mit dem Signalwort „Gefahr“ und Piktogramm „Ausrufezeichen“ für „verschiedene Gesundheitsgefahren“

Zu 4.: Es folgt die Nennung der Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln. Hier bekommt der Mitarbeiter ganz genaue Informationen dazu, was er zu tun hat, aber auch was er nicht tun darf. Wichtig ist, dass die einzelnen Arbeitsschritte auch der Reihenfolge nach aufgelistet werden. Ist persönliche Schutzausrüstung vorgeschrieben, muss diese ganz genau bezeichnet werden („Es sind die Handschuhe der Marke XY zu verwenden“), um Verwechslungen ausschließen zu können.

Beispiel:

  • Beim Einhängen sowie bei Entnahme und Abspülen der Modellgussteile: Schutzhandschuhe (säurefest, der Marke XY) sowie Schutzbrille (der Marke XY) mit Seitenschutz tragen
  • Gerät während des Glänzvorgangs schließen
  • Säurefesten Laborkittel tragen (Ärmel nicht hochkrempeln!)
  • Hautkontakt vermeiden
  • Teile nach dem Glänzen mit viel Wasser abspülen
  • Am Arbeitsplatz nicht rauchen, essen oder trinken und hier keine Lebensmittel aufbewahren
  • blaue Piktogramme „Augenschutz benutzen“ und „Handschutz benutzen“ sowie die Verbotszeichen für „Rauchen verboten“ und „Essen und Trinken verboten“

Zu 5.: Im Abschnitt „Verhalten im Gefahrfall“ wird erklärt, was zu tun ist, wenn etwas Unvorhergesehenes eintritt, also ein Unfall oder Störfall. In diesen Fällen kann sich der Mitarbeiter hier schnell informieren und unmittelbar die ersten wichtigen Schritte sofort einleiten. Das spart Zeit und kann das Ausmaß des Schadens minimieren.

Beispiel:

  • Verschüttetes mit Kieselgur oder Säurebinder (genau bezeichnen) neutralisieren; Schutzhandschuhe und Schutzbrille tragen
  • Vorgesetzten (Name) informieren

Zu 6.: Im Abschnitt „Erste Hilfe“ wird beschrieben, welche Maßnahmen notwendig sind, um eine Verletzung möglichst nicht entstehen zu lassen. Wichtig sind hier die Nennung des Ersthelfers und der Notrufnummer, um schnell auch Hilfe herbeiholen zu können.

Beispiel:

  • Hautkontakt: Benetzte Hautpartien sofort mit viel Wasser abspülen
  • Augenkontakt: Spritzer im Auge sofort mit viel Wasser (Augendusche) ausspülen
  • Mit Elektrolyt verschmutzte Kleidung sofort wechseln
  • Ersthelfer (Name), Notruf (Nummer)

Zu 7.: Der letzte Abschnitt beschreibt die sachgerechte Entsorgung. Hier sind v. a. Umweltaspekte zu beachten. Wieder hilft das Sicherheitsdatenblatt mit Informationen zur Frage weiter, ob besondere Vorkehrungen getroffen werden müssen.

Beispiel:

  • Gebrauchten Elektrolyt durch (Name), Tel.: (Nummer) entsorgen lassen. Nicht eigenmächtig ab- und umfüllen

Die fertige Betriebsanweisung wird ausgedruckt und am Arbeitsplatz dem Mitarbeiter zugänglich aufgehängt oder ausgelegt, am besten in laminierter Form. Jedoch reicht ein einfaches Auslegen nicht aus, sondern der Inhalt muss dem Mitarbeiter jetzt in einer Unterweisung zur Kenntnis gegeben werden.

Wie gestaltet man eine Unterweisung?

Die Unterweisung von Mitarbeitern ist eine tragende Säule im Hause Arbeitsschutz. Bei Kontrollen oder noch wichtiger im Ernstfall wird der Arbeitgeber gefragt: „Ist der Mitarbeiter bei der betreffenden Arbeit unterwiesen worden?“ Das Gesetz sieht vor, dass erst nach einer Unterweisung davon ausgegangen werden kann, dass der Mitarbeiter entsprechende Erkenntnisse hat, um unfallfrei arbeiten zu können. Nach erfolgter Unterweisung hat er aber auch die Verpflichtung, sich an diese Anweisungen zu halten. Zu den gesetzlichen Vorgaben im Bereich der Unterweisung steht im Arbeitsschutzgesetz § 12: Die Mitarbeiter sind „während ihrer Arbeitszeit ausreichend und angemessen zu unterweisen“. Weiterhin legt das Gesetz fest, dass die Unterweisung bei der Einstellung, bei Veränderungen im Aufgabenbereich, bei der Einführung neuer Arbeitsmittel oder einer neuen Technologie vor Aufnahme der Tätigkeit der Beschäftigten erfolgen muss. Der Hintergrund dafür ist, dass für einen Betriebsneuling die Gefahr, einen Unfall zu erleiden, sehr hoch ist, da er die Abläufe noch nicht kennt. Deshalb verlangt der Gesetzgeber die Unterweisung vor Arbeitsbeginn. Wird dies nicht so organisiert und es kommt zum Unfall, stellt sich das als Versäumnis in der Organisation des Arbeitsschutzes dar und wird im Extremfall zum großen Problem vor Gericht.

Laut Berufsgenossenschaftlicher Vorschrift 1 (DGUV Vorschrift 1) ist mindestens einmal jährlich zu unterweisen. Vorgeschrieben ist auch, dass die Unterweisung dokumentiert werden muss.

Die Unterweisung findet in der Arbeitszeit statt. Demnach sollte jeder Chef ein Interesse daran haben, dass in seiner bezahlten Arbeitszeit etwas Positives herauskommt. Es ist also nicht sinnvoll, die Unterweisung beispielsweise eine Stunde vor der Weihnachtsfeier durchzuführen, weil sowieso gerade alle anwesend sind. Jeder kann sich ausmalen, wie viel von dieser Unterweisung in die Köpfe der Mitarbeiter wandert. Der nachhaltige Erfolg dürfte gering sein. Bei der Gestaltung ist also zu planen, wann und wo die Unterweisung stattfinden soll. Auch über die Länge der Unterweisung lohnt es sich nachzudenken. Denn wenn Sie jetzt nach geschriebener Gefährdungsbeurteilung und erarbeiteten Betriebsanweisungen all das auf einmal unterweisen wollen, wird diese Schulung eine mehrstündige Veranstaltung. Es wird dann zwar dem gesetzlichen Rahmen Genüge getan, aber bei den Mitarbeitern wird sich eine Überforderung einstellen, was die Wissensvermittlung nicht fördert. Hier ist es sinnvoll, den zu vermittelnden Stoff auf mehrere kurze Termine zu verteilen. Prüfen Sie für sich, ob ein zweimonatlicher Rhythmus passen könnte.

  • Abb. 4: Im Nachweisbuch der BG ETEM können die Unterweisungen dokumentiert werden. Bildquelle: BG ETEM

  • Abb. 4: Im Nachweisbuch der BG ETEM können die Unterweisungen dokumentiert werden. Bildquelle: BG ETEM
Wie bereits erwähnt, ist es wichtig, die Unterweisung zu dokumentieren. Nur so haben Sie einen Nachweis, dass der Mitarbeiter auch wirklich unterwiesen wurde. Die Form gibt der Gesetzgeber nicht vor. Als hilfreich hat sich das von der BG ETEM angebotene Nachweisbuch für Arbeitsschutzunterweisungen erwiesen (Abb. 4). Es kann über die Homepage der BG ETEM unter der Bestellnummer S 013 bezogen werden. Der Vorteil ist, dass man hier alle Unterweisungen sammeln kann und sie dann neben der Gefährdungsbeurteilung sofort griffbereit hat, wenn danach gefragt wird.

Fazit

In den ersten drei Beiträgen (Links siehe unten) unserer Serie zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im Dentallabor sind die wichtigen drei Bereiche der Organisation des Arbeitsschutzes behandelt worden: als Auftakt die Wahl des Betreuungsmodells und dessen Durchführung, gefolgt von der Gefährdungsbeurteilung im Teil 2 sowie in dieser Ausgabe die Betriebsanweisung mit der anschließenden Unterweisung der Mitarbeiter. Nach der Umsetzung aller drei Bereiche sind die organisatorischen Pflichten des Unternehmers, wie sie das Arbeitsschutzgesetz unter § 3 Abs. 2 Satz 1 „Grundpflichten des Arbeitgebers“ vorsieht, bearbeitet.

"Umgang mit gefährlichen Stoffen: Gefahrstoffe, Behälterkennzeichnung, GHS" ist das Thema des 4. Beitrages dieser Artikelserie. Den Link finden Sie unter diesem Artikel.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Werner Hebendanz

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Werner Hebendanz