Laborführung


Bilderwelt und Bunsenbrenner

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Wenn ein Zahntechniker und ein Zahnarzt am Patienten stehen, um neben technischen Aspekten gemeinsam Farbgebung und Form zu besprechen, ist das nichts Besonderes, sozusagen Laboralltag. Und wenn beide nach dem Eingliedern ästhetisch gelungener Frontkronen hochzufrieden sind, dann ist das nicht nur das Ergebnis ihrer technischen, sondern ebenso ihrer künstlerischen Zusammenarbeit. Auch das ist Laboralltag. Wenn aber die beiden später zudem auf dem Feld der schönen Künste jenseits aller Zahntechnik in einer Galerie zusammenarbeiten, dann ist das schon außergewöhnlich.

Südlich von München, in der Altstadt von Wolfratshausen, sitzt ZT Hermann Ratte, quasi wie in einem Schaufenster, an seinem Arbeitstisch im Labor „A-BISS-Z“. Passanten können ihm beim Modellieren zusehen. Neben dem Eingang zum Labor steht außerdem „Galerie im Löwenbräu“.

Wer seine Schwellenangst überwindet, tritt ein in eine Zauberwelt, eine Mischung aus Brennofen, Bunsenbrenner und fantasievoller moderner Kunst. Denn in diesem Dentallabor verbinden sich auf zwei Etagen zahntechnischer Arbeitsplatz und Galerie auf vortreffliche Weise. Auch Hermann Ratte malt in seiner Freizeit, kreiert Schmuck und erstellt bunte Skulpturen. Deshalb kam ihm vor Jahren der Gedanke, dass er sein Labor doppelt nutzen könnte: So würde er Kunstwerke zeigen und gleichzeitig den Bekanntheitsgrad von „A-BISS-Z “ erhöhen.

  • ZT Hermann Ratte bei der Arbeit im Galerie-Labor
  • Schmuck von H. Ratte
  • ZT Hermann Ratte bei der Arbeit im Galerie-Labor
    © Dr. Peter Kober/Hermann Ratte
  • Schmuck von H. Ratte
    © Dr. Peter Kober/Hermann Ratte

Das Konzept ist aufgegangen. In den letzten Jahren haben – neben anderen – namhafte Künstler wie Iring de Brauw und Enzo Arduini in der Galerie ausgestellt. Die Vernissagen vor jeder Ausstellung sind willkommene Abwechslung im Laboralltag und die Angestellten genießen die wechselnde Dekoration ihres Arbeitsumfeldes ebenso wie die Gespräche mit hereinschneienden Galeriebesuchern. Doch nicht allein die ausgestellte Kunst stößt bei den Besuchern auf reges Interesse, auch das zahntechnische Handwerk fasziniert. Es wird zugeschaut und nachgefragt und so entspinnt sich oft ein spannender Dialog. Manchmal werden aus Besuchern dann Patienten oder Auftraggeber.

Vereint in Kunst und Handwerk Bis zum Ende des letzten Jahres hat ein ganz besonderer Künstler im Galerie-Labor ausgestellt: Dr. Peter Kober, ein pensionierter Zahnarzt, der jahrelang mit Hermann Ratte am Patienten zusammengearbeitet hat. Die beiden haben im Herbst 2021 eine vielbeachtete Ausstellung auf die Beine gestellt.

  • Skulptur von H. Ratte
  • Alle in einem Boot, P. Kober.
  • Skulptur von H. Ratte
    © Dr. Peter Kober/Hermann Ratte
  • Alle in einem Boot, P. Kober.
    © Dr. Peter Kober/Hermann Ratte

Im oberen Stockwerk des Labors sind an der Stuckdecke Galerieschienen befestigt, Deckenspots setzten die teils großformatigen, farbstarken Werke Peter Kobers ins rechte Licht. Da gab es die zwei Indianer, die sagen: „Sie haben uns die Zelte genommen – was haben wir bekommen?“ Das rote Segelschiff mit den fünf Erdteilen an Bord: Sie sitzen alle in einem Boot und haben es bis heute nicht verstanden. Und nicht zuletzt der großformatige rote Palast des Präsidenten. Dieser Palast hat viele Augen, aber er steht auf tönernen Füßen. Ein Manifest gegen die Autokraten dieser Erde, so der Künstler.

Kober versteckt in vielen seiner Bilder auch Texte – zum Teil sozialkritische, manchmal philosophische und gerne einmal auch humoristische. So bringt er den Betrachter zum Verweilen und Nachdenken. Neben einer bunten Häuseransicht steht zum Beispiel der Satz: „Die Stadt ist gut, sagte der Bauer, aber die Menschen taugen nichts.“ In die „Schlafende Stadt“ unter einem gelben Mond ist ein Fragment aus „Unter dem Milchwald“ von Dylan Thomas eingewebt: „Die Zeit vergeht. Horch! Die Zeit vergeht.“

  • Künstler und ehemaliger Zahnarzt Dr. Peter Kober.
  • Der Palast des Präsidenten, P. Kober.
  • Künstler und ehemaliger Zahnarzt Dr. Peter Kober.
    © Dr. Peter Kober/Hermann Ratte
  • Der Palast des Präsidenten, P. Kober.
    © Dr. Peter Kober/Hermann Ratte

Gemalt sind die Bilder mit Acryl, Aquarellfarben und Tusche auf Leinwand, fast in allen Werken sind zwei Symbole zu finden: Dreiecke, die an Zelte erinnern, und Zeichen, die wie der Buchstabe F aussehen und für Getreide stehen. „Das einfache, naturverbundene Leben wird abgelöst durch das Leben in Städten“, sagt der Maler.

  • Sie haben uns die Zelte genommen, P. Kober.
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  • Sie haben uns die Zelte genommen, P. Kober.
    © Dr. Peter Kober/Hermann Ratte
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    © Dr. Peter Kober/Hermann Ratte

Peter Kobers Ausstellung in der Galerie im Löwenbräu zeigte seine „Kopfbilder“. Auf der Webseite des Künstlers www.peterarte.de erklärt er, was hinter dieser Bezeichnung steckt. Da die Ausstellung im Galerie-Labor Hermann Rattes ein voller Erfolg war, planen die beiden bereits die nächste Ausstellung. Dann allerdings zur Abwechslung mit „Bauchbildern“.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Peter Kober - Hermann Ratte