Laborführung


Challenges gegen Bewegungsmangel

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In den sozialen Netzwerken erfreuen sich sogenannte „Challenges“ schon länger großer Beliebtheit. Man denke nur an die 2014 in sozialen Medien viral gegangene „Ice Bucket Challenge“ zurück, bei der sich Menschen mit eiskaltem Wasser überschütteten, um auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Der soziale Charakter solcher Herausforderungen lässt sich auch im Unternehmenskontext nutzen, um Mitarbeitende für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) zu begeistern und den Unternehmenszusammenhalt zu stärken, denn die Deutschen sitzen zu viel – auch im Dentallabor.

Egal ob auf dem Weg zur Arbeit, im Büro, vor dem Rechner oder zu Hause vor dem TV- und Computerbildschirm – der Alltag für viele Berufstätige bedeutet vor allem eines: sitzen. Und das macht auf Dauer krank. Laut DKV-Report 2021* zum Thema sitzt man durchschnittlich 8,5 Stunden täglich. Die Altersgruppe der 18 bis 29-Jährigen bringt es sogar oftmals auf 10,5 Stunden. Dieser Bewegungsmangel ist ein gesundheitlicher Risikofaktor für Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen. Die Liste der Gründe, sich mehr zu bewegen, ist also lang.

In diesem Zusammenhang wurden in den letzten Jahren vermehrt digitale Tools entwickelt, um analoge Maßnahmen der BGF zu unterstützen. Doch das Bereitstellen solcher Anwendungen allein führt nicht zum gewünschten Erfolg. Der Anspruch an Anwendungen für mehr Bewegung und Gesundheitsprävention ist hoch. Zum einen muss das Angebot langfristig nicht nur zu mehr Motivation und Zusammenhalt führen, sondern auch wirklich in den Alltag eingebunden sein. Doch was genau macht eine BGF erfolgreich? 

Gemeinschaft fördert

Allein das Bereitstellen von Möglichkeiten zur Bewegung im Betrieb führt nicht zwangsläufig zur erfolgreichen Umsetzung der Gesundheitsmaßnahmen. Apps und Anwendungen sollten grundsätzlich die Bereitschaft zur sportlichen Betätigung unter den Mitarbeitenden erhöhen. Dabei sind Statistiken, Rankings und Ziele zum gegenseitigen Vergleichen nur zweitranging. Die eigentliche Motivation entsteht aus Gruppen oder Teams. Denn damit gehen Verbindlichkeiten gegenüber Kolleginnen und Kollegen einher. Wie im echten Mannschaftssport entsteht die größte Motivation aus dieser Gemeinschaft heraus.

Durch den Wettbewerb innerhalb gebildeter Teams entsteht auch das Bestreben, das eigene Team zu unterstützen. Bei der Entwicklung der Teamfit-Gesundheitsapp haben wir z.B. bewusst darauf geachtet, ein niederschwelliges Angebot zu schaffen, sodass sich auch Challenges individuell erstellen lassen. Dadurch wird die Bereitschaft, die Idee in das Unternehmen – oder hier speziell in das Labor – zu tragen, vereinfacht. 

Die Challenge ist demnach einfach, aber zweifach

Challenges als Motivator für mehr Sport im Betrieb versprechen eine hohe Erfolgsquote als Strategie für mehr Bewegung unter den Mitarbeitenden. Der Erfolg solch einer Team-Herausforderung kann qualitativ an der Zufriedenheit der Ansprechpartner, quantitativ an Aktivierungsrate, Länge der Sporteinheiten und der User Retention gemessen werden. Damit werden gleich 2 große Ziele abgedeckt: Die Gesundheit der Mitarbeitenden wird positiv beeinflusst und die Bindung an das Unternehmen durch Teamgeist wird maßgeblich gestärkt.

Doch die Herausforderung solcher digitalen Lösungen bildet eine eigene Challenge: den Datenschutz. Denn digitale Anwendungen auf diesem Gebiet sind noch recht neu und häufig werden entsprechende Bedenken geäußert. Daher muss eine BGF-Anwendung eine strikte Trennung zwischen personenbezogenen Daten und Trainingsdaten erlauben. Arbeitgebende dürfen keinen Zugriff auf personenbezogene Trainingsdaten der Mitarbeitenden haben. Die Auswertungsmöglichkeiten sollten sich auf die Gruppe beschränken. Und selbst das muss vorab so vereinbart worden sein.

Digital trifft auf analog: Strategien in den Alltag einbinden

Die letzte Hürde auf dem Weg zu einer voll integrierten Anwendung im Laboralltag stellt die Nische zwischen digital und analog dar. Während innerhalb der App Challenges als zusätzliche Maßnahme Integrationen in bestehende Systeme bis hin zur Bereitstellung von Content über Plattformen möglich sind, gilt es auch die Mitarbeitenden auf der analogen Seite in Bewegung zu bringen.

Mit einem Wechsel der Challenges, unterschiedlichen Zielen und ausreichenden Ruhephasen dazwischen kann man langfristig viele Mitarbeitende abholen und so die Gesundheit der Einzelnen und das Miteinander untereinander stärken. Letztendlich dient dies auch der Mitarbeiterbindung und steigert allgemein die Attraktivität des Betriebs, was nicht zuletzt in Zeiten des Fachkräftemangels auch für Dentallabore besonders attraktiv ist.

*https://www.ergo.com/de/Newsroom/Reports-Studien/DKV-Report

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Alexander Kuttig