Laborführung


Der Einstieg ins CAD/CAM-Zeitalter: Was ist sinnvoll?

Screenshot aus einer Software.
Screenshot aus einer Software.

Tag für Tag bewegen wir uns in einer Zeit voller Veränderungen. Immer wieder kommen fortschrittlichere Technologien und neue Materialien auf den Markt. Die Zeitabstände sind derzeit so kurz, dass man als Zahntechniker kaum Zeit findet, einmal durchzuatmen. Zumindest fällt es schwer, wenn man die meiste Zeit des Tages damit beschäftigt ist, einfach zu arbeiten und seinen Job zu machen. Gerade im Bereich der CAD/CAM-Technologien verlaufen derzeit die Entwicklungen rasend schnell – und in vielen Dentallaboren herrscht Verunsicherung, wie der Einstieg in diesen Bereich am besten gelingt. ZTM Thomas Meißner gibt Tipps für wichtige Vorüberlegungen.

Investitionen sorgfältig abwägen

Als Dentallabor-Inhaber steht man zunächst vor der Entscheidung, ob man überhaupt bereit ist, in diese (neuen) Technologien zu investieren. Auch der Gedanke „Was kann ich investieren?“ sollte genau abgewogen werden, denn eine Fehlinvestition in diesem Bereich kann einen teuer zu stehen kommen. Sollte man also sofort in ein eigenes Fräsgerät und einen 3-D-Scanner investieren oder gibt man die CAD-Modellation und Fertigung komplett aus der Hand?

Auf jeden Fall muss man für sich selbst entscheiden, was langfristig am sinnvollsten für das eigene Labor erscheint. Bedenken sollte man auch die Frage: Wer soll später das Gerät oder die Geräte bedienen? Ich selber als Laborinhaber oder einer meiner Mitarbeiter? Muss ich gegebenenfalls noch zusätzliches Personal einstellen?

Dies sind alles keine leichten Entscheidungen – v. a. nicht bei den heutigen schnellen Entwicklungen und Trendwenden.

Muss man jeden Trend mitmachen?

Ich bin überzeugt, dass man nicht überall „mitmischen“ muss. Ein gesundes Maß an Weitsicht ist gerade in der heutigen Zeit aber wichtig. Wir sind im „digitalen Zeitalter“ angekommen, unser Berufsbild und dessen Anforderungen ändern sich gerade dramatisch. Viele Dentallabore setzen heute auf CAD/CAM zur Fertigung von Kronen und Brückengerüsten – und das ist nur der Anfang. Die Gestaltung individueller Abutments stellt ebenso eine solche Paradedisziplin dar, besonders wenn man bedenkt, dass über „FileSplitting“ Abutment und Krone zeitgleich entworfen werden können (Abb. 1 u. 2). Aufbissschienen, Modellguss, Bohrschablonen, provisorische Versorgungen und vielleicht sogar die Totalprothetik werden bald zum Standard in der CAD/CAM-gestützten Fertigung gehören.

  • Abb. 1 u. 2: Ein Beispiel für FileSplitting bei Brücken mit der Software Straumann Cares Visual.
  • Abb. 3: Ein Titangerüst, digital designt …
  • Abb. 1 u. 2: Ein Beispiel für FileSplitting bei Brücken mit der Software Straumann Cares Visual.
  • Abb. 3: Ein Titangerüst, digital designt …

  • Abb. 4: … und gefertigt mittels Lasercusing (Concept Laser, Lichtenfels).
  • Abb. 4: … und gefertigt mittels Lasercusing (Concept Laser, Lichtenfels).

Wo heute hauptsächlich Fräsmaschinen zum Einsatz kommen, wird man voraussichtlich bald flächendeckend 3-DDrucker finden, welche nicht nur Kunststoffteile erzeugen. Mittels der heute schon etablierten Techniken „Laser Cusing“ (Abb. 3 u. 4) oder „Laser Melting“ lassen sich komplexe Strukturen wie Modellguss mittels Laserstrahl direkt in Metall fertigen. „Laser Milling“ wird vielleicht ein weiterer Meilenstein sein. Dabei findet per Laser ein Materialabtrag statt, wobei das Einsatzgebiet nicht auf Metall begrenzt ist. Der Verschleiß an Fräsern dürfte damit der Vergangenheit angehören, wodurch die Qualität steigt und gleichzeitig die Fertigungskosten sinken werden. Uns steht eine spannende Zukunft bevor.

Dabei stellt sich die Frage, wie soll ein kleineres mittelständiges Dentallabor da noch mithalten?

Nun, diese Frage lässt sich leicht beantworten: „Man darf sich nicht verrückt machen lassen!“ Die Investition in einen modernen 3-D-Scanner ist sicherlich kein hinaus geschmissenes Geld. Damit hält man die Verantwortung für die Konstruktion seines Zahnersatzes in den eigenen Händen und lagert die Fertigung zu Firmen aus, die sich darauf spezialisiert haben. Dies kann für den Einstieg viel Stress ersparen (Abb. 5 u. 6).

  • Abb. 5: Beispiele für Scanner auf dem Markt: der Straumann® CARES® Scan CS2 Bildquelle: © Straumann
  • Abb. 6: … und der auf der IDS in Köln 2015 vorgestellte neue 3DDesktop-Scanner von Dental Wings. Bildquelle: © Dental Wings
  • Abb. 5: Beispiele für Scanner auf dem Markt: der Straumann® CARES® Scan CS2 Bildquelle: © Straumann
  • Abb. 6: … und der auf der IDS in Köln 2015 vorgestellte neue 3DDesktop-Scanner von Dental Wings. Bildquelle: © Dental Wings

Fertigung auslagern – Sinn oder Unsinn?

Das Auslagern der Fertigung kostet Geld, das lässt sich nicht abstreiten. Gleichzeitig spart der Laborinhaber aber auch viel Kapital und viel Zeit. Diese eingesparte Zeit kann z. B. für schöne Verblendungen und alle ästhetischen sowie funktionellen Gesichtspunkte verwendet werden. Bei einer Fertigungsauslagerung entfallen zudem Anschaffungskosten für ein Fräsgerät, Sinteröfen (einen für Zirkoniumdioxid, einen für Nichtedelmetall) sowie Energie- und Wartungskosten der Geräte, die Reinigung und den Verschleiß an Maschinen und Werkzeugen. Vergessen darf man dabei nicht, dass eine solche Technologie auch mit einem hohen Zeit- und Lernaufwand verbunden ist, um immer gleichbleibende Ergebnisse und eine konstante Qualität zu erreichen. Um dies stets gewährleisten zu können, werden in großen Fräszentren – nicht ohne Grund – erfahrene Ingenieure eingesetzt.

Ich spreche aus eigener Erfahrung, wobei ich die „Inhouse-Fertigung“ mit einem eigenen Fräsgerät in keiner Weise verurteile! Wer sich die Zeit nimmt, sein Labor in diese Technologie einzuarbeiten, der wird auch belohnt, nämlich mit mehr Flexibilität und kürzeren Fertigungszeiten.

Fazit

Gerade für den Einstieg in das CAD/CAM-Zeitalter genügt auf jeden Fall ein offener 3-D-Scanner. Aufrüsten kann man zu jeder Zeit. Und dafür ist es gerade in unserer schnelllebigen Zeit nie zu spät!

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Thomas Meißner

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Thomas Meißner