Laborführung


Die Laborausrichtung spiegelt sich in der Laboreinrichtung

Abb. 1: Ganze Abteilungen beschäftigen sich nur noch mit dem digitalen Workflow – das geht auch im alteingesessenen Laborgebäude, denn oft ist mit der Neuausrichtung der Laborphilosophie das Umwidmen von Räumen möglich.
Abb. 1: Ganze Abteilungen beschäftigen sich nur noch mit dem digitalen Workflow – das geht auch im alteingesessenen Laborgebäude, denn oft ist mit der Neuausrichtung der Laborphilosophie das Umwidmen von Räumen möglich.

Umziehen oder in den alteingesessenen Laborräumen bleiben? Eine Frage, die sich unweigerlich stellt – ob nun als Gedankenspiel oder vor konkretem Hintergrund. Unser Autor ZTM Michael Anger hat deutlich erfahren, dass im Laufe der Jahre die Anforderungen an ein funktionelles und funktionierendes Dentallabor aufgrund der sich ständig verändernden Aufgaben und Marktsituationen dauernd erweitert wurden. Hier gibt er seine Erfahrungen mit der Integration neuer Technik ins vorhandene Labor weiter.

Während sich ein Laborinhaber früher mit einem einmal eingerichteten Betrieb aufgrund seiner fachlichen Qualifikation und der Verbundenheit mit seinen Kunden auf einen ständig nachfließenden Strom von Arbeiten – der gleichen Arten von Arbeit – verlassen konnte und nur das eine oder andere Gerät ersetzen/modernisieren musste, werden wir heute zum Umdenken gezwungen, um die Technik und die Kunden nicht an uns vorbei laufen zu lassen. Die Maßnahmen, die wir ergreifen wollen, können dann bis hin zur Neuausrichtung der Laborphilosophie und Laborschwerpunkte reichen. Manchmal sind dann die einzelnen Investitionen, welche wir tätigen müssen, erheblich höher, als die ursprüngliche komplette Neueinrichtung unserer Labore gekostet hatte. Noch nie in der Geschichte der Zahntechnik haben sich die neuen Verfahren und Arbeitsweisen so schnell im Markt integriert und wurden zu festen Bestandteilen unserer Fertigungsprozesse wie in den vergangenen 5 Jahren. In Zeiten, in denen CAD/ CAM zum alltäglichen Gebrauch in der Zahntechnik dazugehört, müssen wir uns auch Gedanken über die Unterbringung und Eingliederung dieses Equipments in den Laboren machen (Abb. 1).

Anfang ohne aufwendige Raum-Maßnahmen

  • Abb. 2: Ein extra Arbeitsplatz wurde geschaffen, an dem der Techniker die Fräsbahnen für die Maschine berechnet.

  • Abb. 2: Ein extra Arbeitsplatz wurde geschaffen, an dem der Techniker die Fräsbahnen für die Maschine berechnet.
Der klassische Einstieg in diese Technologie erfolgt oft mit der Anschaffung eines Scanners und der passenden Software oder ist in dieser Weise erfolgt. Bei entsprechender Auslastung und Amortisation schließt sich ggf. die Anschaffung einer eigenen Fräsanlage an, was dann weitere Schritte nach sich zieht. Wir brauchen Platz für die Fräsmaschine, Arbeitsplätze für die CAD-Software, die Nachbearbeitung der gefrästen Produkte, das Einfärben von Zirkoniumdioxid vor dem Sinterbrand sowie Raum für den Sinterofen selbst. Techniker werden an Bildschirmen arbeiten – diese müssen gesundheits- und arbeitsgerecht stehen (siehe hierzu auch innerhalb des Beitrags „Der Patient im Labor“ ab S. 252 im Fachmagazin). Gesetze und Verordnungen sind zu finden unter: BildscharbV §4 Anforderungen an die Gestaltung, Anhänge Nr. 4, 10, 12, 15, 16. Weiterhin gibt es verschiedene berufsgenossenschaftliche Vorschriften, Regeln und Informationen finden sich im Internet.

Scanner und Modellationssoftware können ohne Probleme an ein- und demselben Platz stehen, da hier keine Geräuschbelästigung wie bei einer Fräsmaschine stattfindet. Ebenso kann die CAM-Software, also die Software für die Berechnung der Fräsbahnen, in einem normalen Arbeitsraum untergebracht sein (Abb. 2).

Die Fräsmaschine

Die Fräsmaschine selbst sollte aufgrund der Geräuschbelästigung v. a. bei der Fräsung von PMMA oder Metall in einem separaten Raum platziert werden. Dies kann ein Funktionsraum wie z. B. ein Gussraum oder auch ein Lagerraum sein, in dem nicht ständig Menschen arbeiten. Idealerweise schafft man jedoch die Möglichkeit, (z. B. im Trockenbauverfahren) einen separaten Raum für die Maschine abzutrennen (Abb. 3 u. 4).

  • Abb. 3: Hier wurde im vorhandenen Gebäude eine alte Garage ausgebaut. In diesem neuen Raum wurden nach und nach immer mehr Geräte der CAD/CAM-Schiene untergebracht, um der kontinuierlich steigenden Auftragslage und Technisierung Rechnung zu tragen.
  • Abb. 4: Auch die Logistik rund um CAD/CAM muss von Anfang an bei der Raumplanung berücksichtigt werden. Links das Rohlings-Lager, rechts die Fräs-Straße 4- und 5-achsig.
  • Abb. 3: Hier wurde im vorhandenen Gebäude eine alte Garage ausgebaut. In diesem neuen Raum wurden nach und nach immer mehr Geräte der CAD/CAM-Schiene untergebracht, um der kontinuierlich steigenden Auftragslage und Technisierung Rechnung zu tragen.
  • Abb. 4: Auch die Logistik rund um CAD/CAM muss von Anfang an bei der Raumplanung berücksichtigt werden. Links das Rohlings-Lager, rechts die Fräs-Straße 4- und 5-achsig.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass Fräsmaschinen unterschiedliche Anforderungen an die Stromzufuhr stellen. Während die meisten kleineren Maschinen mit normalem Strom auskommen, benötigen die größeren Maschinen oft einen Starkstromanschluss.

Die Druckluftfrage

In Zusammenhang mit den Fräsgeräten gibt es bezüglich der Druckluft ebenfalls große Unterschiede zu verzeichnen – und Sie sollten in jedem Fall darüber nachdenken, ob Sie Ihre neue Maschine mit Ihrem bisherigen Kompressor mitbetreiben wollen oder ob Sie hierfür besser einen zusätzlichen Kompressor anschaffen sollten. Hierbei sollte man wissen, dass ein herkömmlicher Kolbenkompressor, wie er in den meisten Laboren benutzt wird, unter Dauerlast schnell ermüdet und dann stark an Lebenserwartung einbüßt. Dazu die Faustregel: Der Kolbenkompressor sollte maximal bis zu etwa 70 % unter Last stehen.

Ein Schraubenkompressor hingegen fühlt sich wohl, wenn er nicht zu oft und zu lange stillsteht. Dieser Kompressor sollte möglichst zu mindestens 70 % unter Last arbeiten. Weiterhin liefert ein Schraubenkompressor wesentlich weniger ölbelastete Luft als ein Kolbenkompressor, fordert aber je nach Betriebsstunden ein- bis zweimal im Jahr eine professionelle Wartung, um dauerhaft instand zu bleiben.

Während die kleineren Fräsmaschinen die Druckluft v. a. zum Öffnen der Spannzange benötigen, brauchen die größeren Maschinen den permanenten Luftfluss zur Kühlung der Spindel oder für das Abblasen der Blanks während der Fräsung. Im ersteren Fall wird die Fräsung nur unterbrochen, wenn beim Fräswerkzeugwechsel der Soll-Druck zum Öffnen der Spannzange nicht anliegt. Das kommt dann vor, wenn der Bedarf im Labor zu der Zeit (z. B. beim Abstrahlen mehrerer Modellgüsse) den Druck im System abfallen lässt. Die Maschine wartet einfach, bis der erforderliche Druck wieder vorhanden ist, und setzt dann den Fräsvorgang fort.

Die größeren Maschinen benötigen jedoch die Druckluft zur Spindelkühlung und brechen bei fehlendem Luftdurchfluss den Fräsvorgang ab, ohne ihn selbsttätig wieder aufzunehmen, was natürlich gerade bei einer Übernacht-Fräsung sehr ärgerlich sein kann. Hier muss jeder Betriebsinhaber für sich selbst abschätzen und mit seinen Zukunftserwartungen abwägen, welches Kompressor-Konzept das Richtige ist.

Nass- und Trockenfräsungen

Moderne Fräsanlagen für den „normalen“ Laborbetrieb haben in aller Regel ein geschlossenes Wassersystem in Form einer Schublade oder in Form eines kleinen Bei- oder Unterstellgerätes und sind nicht auf externe Wasseranschlüsse angewiesen. Jedoch sollte man sich vorher Gedanken machen, ob ein Bodenablauf für den Fall einer Betriebsstörung oder Undichtigkeit nicht sinnvoll wäre oder ob zumindest der Tisch oder Schrank, auf dem diese Maschine steht, auf eine Kunststoffwanne gestellt werden kann.

Datensicherung und Einbindung in ein Netzwerk

  • Abb. 5: Im vorhandenen Labor wird durch geschickten Umbau und Umräumen jeder Zentimeter für die neue digitale Welt genutzt.

  • Abb. 5: Im vorhandenen Labor wird durch geschickten Umbau und Umräumen jeder Zentimeter für die neue digitale Welt genutzt.
Üblicherweise beginnen wir mit einem kombinierten Scan- und Modellations-Arbeitsplatz (Abb. 5), in dessen Rechner auch die Datenspeicherung stattfindet. Allerdings wird dieser Rechner im Laufe der Zeit aufgrund des Datenvolumens an seine Grenzen stoßen und immer langsamer werden. Daher sollte man die Datensätze halbjährlich auf einer externen Festplatte speichern und vom Arbeits-PC löschen.

Bei steigender Auftragslage und fortschreitender Computerisierung wird man feststellen, dass ein zweiter Modellationsplatz sinnvoll wird. In diesem Fall kann dann an dem ersten PC gescannt UND modelliert werden, während der zweite Arbeitsplatz nur zur Modellation genutzt wird. Die Daten jetzt mittels eines USB-Sticks zwischen den Rechnern auszutauschen ist auf Dauer sehr zeit- und nervenraubend.

Daher sollte man sich Gedanken um die Einbindung in ein Netzwerk machen, um die gescannten und modellierten Daten zentral zu sichern und abrufen zu können. Aber selbst für den Server sollten gespiegelte Platten und ein separates Datensicherungssystem zu Verfügung stehen, denn ein Ausfall kann hier sehr ärgerliche Konsequenzen haben und kommt immer zum falschen Zeitpunkt.

Fazit

Ein Laborinhaber muss sich heute über die zukünftige Planung seiner Laborräumlichkeiten sehr viel mehr Gedanken machen als noch vor Jahren. Denn die Techn(olog)isierung des Berufes schreitet immer schneller fort. Die Notwendigkeit der Investition in damit verbundene Einrichtungen steht ständig weiter im Vordergrund. Ästhetik- und Zweckbau müssen hierbei keine Gegensätze sein und vieles lässt sich auch in einem bestehenden Labor umsetzen und verändern, um einen Umzug nicht zwingend notwendig zu machen.

Weiterhin suchen viele von uns Laborinhabern mittlerweile auch den Kontakt zum Patienten – und freuen sich darüber hinaus, wenn auch der Zahnarztkunde das Labor aufsucht. Dafür muss zusätzlich Platz für einen eigenen Raum geschaffen werden. Hierzu lesen sie mehr im Beitrag „Der Patient im Labor“, den direkten Link finden Sie unter diesem Beitrag.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Michael Anger

Bilder soweit nicht anders deklariert: ZTM Michael Anger


Weiterführende Links

> Der Patient im Labor