Laborführung


Funktionelle Zahnmedizin im digitalen Zeitalter

Abb. 1: Zustand einige Jahre nach abgeschlossener KFO-Behandlung: starke Abrasionen im gesamten Gebiss (oben) und die Rehabilitation nach Schienentherapie. Bildnachweis: Bernhard Egger, Füssen
Abb. 1: Zustand einige Jahre nach abgeschlossener KFO-Behandlung: starke Abrasionen im gesamten Gebiss (oben) und die Rehabilitation nach Schienentherapie. Bildnachweis: Bernhard Egger, Füssen

Bei CAD/CAM sehen wir, dass für das Labor-Equipment zwei Wege eingeschlagen werden: High-end-Qualität oder Geschwindigkeit/Preis. Für unser Labor haben wir die Entscheidung „höchst mögliche Qualität“ getroffen.

Unser Labor fertigt Zahnersatz fast ausschließlich für Patienten mit Funktionsstörungen (Abb. 1). Unsere Kunden stellen höchste qualitative Ansprüche, um zu individuell passenden Rehabilitationen zu kommen; die Front-Eckzahn-Führung und Okklusion müssen genau stimmen. Um dies zu realisieren, verfügen wir über gnathologisches Wissen und tiefe Kenntnisse zu zielführenden Verfahren, Geräten und Materialien. Nur so lässt sich funktioneller Zahnersatz herstellen, der diesen Namen verdient und mit dem wir uns weltweit einen Namen machen können.

Das Beispiel Scanner

Den Scanner-Markt habe ich mir nach diesen Kriterien genauer angeschaut. Die meisten Modelle fokussieren ihre Scan-Software beispielsweise auf Sägeschnittmodelle. Hier werden schnelle Scanzeiten geboten, die Datenmenge bleibt vergleichsweise gering. Oft finden sich in Scannern auch Ablaufroutinen, etwa der Menüpunkt „Gegenkiefer“: Per Klick wird der Gegenkiefer automatisch eingescannt, schnell und mit geringerer Präzision als der zu restaurierende Kiefer. Bei solchen Scannern befinden wir uns im Marksegment Geschwindigkeit/Preis.

  • Abb. 2: Präzision und Genauigkeit auf kleinstem Raum: Die Fertigungseinheit Zfx Inhouse5x und der 3DScanner Zfx Evolution. Bildnachweis: Zfx, Dachau

  • Abb. 2: Präzision und Genauigkeit auf kleinstem Raum: Die Fertigungseinheit Zfx Inhouse5x und der 3DScanner Zfx Evolution. Bildnachweis: Zfx, Dachau
Bei meiner weiteren Suche bin ich vor einem Jahr auf den Gnathologie-Experten und Zahntechniker Andreas Geier gestoßen, er ist Geschäftsführer und Leiter der Forschung und Entwicklung bei Zfx, Gargazon, Südtirol, Italien. Wir haben uns regelmäßig ausgetauscht, sodass mir die Präzision der Technologie bekannt war, bevor Zfx den High-end-3DScanner Zfx Evolution (Abb. 2) zur Marktreife gebracht hat. Unter „Qualität“ wird verstanden, dass sich die eingescannten Objekte durch eine hohe Präzision und Genauigkeit auszeichnen. Per definitionem ist eine hohe „Präzision“ erreicht, wenn ein mehrmals eingescanntes Modell immer dasselbe Ergebnis liefert. „Genauigkeit“ bedeutet Übereinstimmung des Scans mit dem Referenzmodell. Beim Evolution-Scanner wird die hohe Genauigkeit von unter neun Mikrometer im Volumenkörper erreicht. Das passt zu unserer selbst gesetzten Aufgabe, immer passgenaue Okklusionsreliefs herzustellen. Dieser Scanner erlaubt außerdem, Qualitätsmanagement in den Workflow zu integrieren. Man könnte beispielsweise dasselbe Modell dreimal am Tag einscannen. Die Software vergleicht die Scans – mit überzeugenden Ergebnissen für die Präzision. Wichtig für passgenauen Zahnersatz ist auch die Möglichkeit, einartikulierte Modelle einzuscannen sowie ein Ganzkiefermodell ohne Sägeschnitte. Hier ist die Datenmenge hoch – das bewältigt nicht jeder Scanner. Hinzu kommt: Beim Gegenkiefer-Scan kann ich Parameter selbst wählen; die Präzision und Genauigkeit sinken dann nicht. Das trifft meine Forderung, denn wie soll die Okklusion stimmen, wenn ich für die Restauration ein ungenaues Gegenkiefermodell heranziehe?

Gedanken zur Qualitätsphilosophie

Der Entscheidung bei meinen Investitionen liegt die Frage zugrunde: Was soll mein Labor leisten und wie passen meine Anschaffungen zu meiner Laborphilosophie? Nach meiner Erfahrung gilt: Wer in Deutschland ein Dentallabor betreibt, ist gut beraten, die Qualität und Qualitätssicherung zu seiner Maxime zu erheben. Zahntechnik bedeutet letztlich, über die erstellte Form Einfluss auf die Funktion zu nehmen. Diese Verantwortung darf man nicht beiseitelegen, nur weil der digitale Workflow fasziniert und so viele Vorteile bietet. Es lässt sich aber nicht einfach wegdiskutieren, dass der Schritt in die digitale Welt bei mangelnder Wachsamkeit ein Rückschritt sein kann. Die Weichenstellung beginnt schon beim Kauf des Scanners, der für viele den Einstieg in die digitale Zahnmedizin bedeutet.

Preis oder Geschwindigkeit stellen für mich keine Kaufargumente dar, die mich anziehen. Die leichte Bedienbarkeit mit automatischen Abläufen ist zwar verlockend, aber genau da kann der Kompromiss liegen, der mich zahntechnisch ins Abseits bringt, siehe Gegenkiefer-Routine.

Nach dem Scanner: Labor-Fräsgerät oder externer Auftrag?

Man kann nicht alle Fertigungstechnologien im eigenen Haus verwirklichen, auch wenn es beispielsweise aus Gründen des Knowhow-Transfers nach draußen Sinn machen würde. Es gilt daher, sich geeignete verantwortungsvolle Geschäftspartner zu suchen; wir haben im Zfx-Fräszentrum gute Erfahrungen gesammelt. Dazu informiere ich mich ständig über hochwertige Fünf-Achs-Tischgeräte – ohne Datenversand: Zfx hat zum Beispiel das Modell Zfx Inhouse5x im Programm.

Ich bin davon überzeugt: Mit unseren Daten müssen wir vorsichtiger umgehen. Gleichzeitig müssen wir uns viel tiefer in die Software-Materie einarbeiten – damit wir die Maschine bestimmen und nicht sie uns und unsere Laborphilosophie. Größere Unternehmen können uns, wenn sie unser ganzes Knowhow besitzen, leicht unser Arbeitsgebiet wegnehmen. Sie haben standfeste tonnenschwere und leistungsfähige Maschinen mit verbesserten Frässtrategien, Fräsparametern und dann allen erdenklichen CAD-Softwareroutinen; wegen des möglichen 24-Stunden-Dienstes kalkulieren sie auch die günstigeren Preise. Der Allein-Kunde Zahnarzt ohne „Umweg“ über uns Zahntechniker ist dann keine unrealistische Vision mehr.

Ein Laborfräsgerät ohne Datentransfer nach draußen stemmt sich dagegen. Für mich lohnt sich die Investition in ein solches Gerät dann, wenn ich ihm die meisten Arbeiten übergeben kann, es sich in fünf Jahren amortisiert und ich Updates und Upgrades ohne Hürden mitfahren kann. Und wenn meine Qualitäts- und Qualitätssicherungs-Kriterien erfüllt sind, natürlich.

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Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Bernhard Egger


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