Laborführung

Wohin führt die Digitalisierung?

Mit klarem Blick in die dentale Zukunft

© Alexander Limbach/adobe.stock.com
© Alexander Limbach/adobe.stock.com

„Strategieideen für die europäische Dentalbranche“ lassen sich im „Atlas Dental – Märkte Europas /// Strukturen, Herausforderungen und Szenarien“ lesen, die von der Gesellschaft zur Förderung der Dentalindustrie (GFDI), Köln, publiziert wurden. Zusammengestellt wurden die dafür bis November 2018 erhobenen Daten vom renommierten Berliner Marktforschungsinstitut Rebmann Research – und im vergangenen Jahr zur IDS in Köln veröffentlicht. Im Folgenden werden einige Aussagen vorgestellt, um damit die Zukunftsplanung von Zahntechnikern bzw. zahntechnischen Laboren zu unterstützen. 

Ist es für die tägliche Arbeit des regional tätigen Zahntechnikers und Laborinhabers wirklich wichtig, sich mit dem demografischen Wandel zu befassen, die digitalen – auch additiven – (Fertigungs-)Verfahren im Blick zu haben sowie zu antizipieren, ob und welche Veränderungen die künstliche/artifizielle Intelligenz für den Laboralltag mit sich bringen? Ist es wichtig zu wissen, wie sich der europäische Dentalmarkt entwickeln wird und welchen Anteil die Dentalindustrie daran nimmt bzw. wie diese sich darin positionieren wird? Sieben Mal uneingeschränkt: ja – es ist wichtig!

Der globale Markt – strukturiert betrachtet

Der Atlas Dental der GFDI fokussiert in zehn Länder-Einzelbetrachtungen die europäische Zahngesundheit sowie Strukturen des jeweiligen Dentalmarktes und geht darin auf „Nachfragestrukturen“, „Zahnärzte/Praxen“, „Dentallabore“ nebst „Hersteller/Handel“ ein. Grafiken unterstützen die umfangreichen Textbeiträge der 84-seitigen Broschüre. In deren von Rebmann Research zusammengestellten Kapiteln „Herausforderungen meistern“ werden

  • „Der Demografische Wandel“,
  • „Der digitale Patient“,
  • „Technologische Entwicklungen“,
  • „Marktkonsolidierung“,
  • „Globalisierung“,
  • „Outsourcing“ sowie
  • „Regulatorische Anforderungen“

zielgruppenorientiert strukturiert thematisiert. Hieraus haben die Autoren den Atlas Dental-Abschnitt „Szenarien entwickeln“ destilliert, aus dem sich Handlungsempfehlungen für Patienten, die Zahnarztpraxis, Dentallabore und die Hersteller sowie Handel „von morgen“ entnehmen lassen.

Für die „Dentallabore von morgen“ ist das Szenario, dass „größere Strukturen entstehen (Laborzusammenschlüsse, Laborketten)“, „stärkerer Fokus auf Vertrieb/Service“ gelegt und der „Patient als Kunde“ wichtiger wird. Die „Material- und Technologievielfalt“ würde wachsen sowie „digitale Technologien und Vernetzungen“ zunehmen. Darüber hinaus: Der „Fachkräftemangel wird zum Problem“.

Der regionale Markt – individuell analysiert

Dies alles mag sicherlich in einer generellen Betrachtung zutreffend sein – doch sollten (besser: müssen!) die einzelnen Annahmen von Zahntechniker und Laborinhaber auf ihre individuelle „Vor-Ort“-Relevanz geprüft werden. Denn es macht schon einen Unterschied, ob der Kunde Zahnarzt mehrheitlich junge oder alte, gar hochbetagte Menschen zu seinen Patienten zählt und ob diese gut oder weniger gut situiert sind. Und auch die zahnärztliche Aufgeschlossenheit gegenüber einem Labor-/Patienten-Marketing sowie die Akzeptanz und Relevanz digitaler Kommunikationsmedien haben sich noch nicht vollumfänglich durchgesetzt – und dies limitiert ein Labor vielleicht in seinen Angeboten und somit in seiner Prosperität.

Besonders komplex wird es bei den technologischen Entwicklungen, die in ihrer gesamten Dynamik ganz besonders alle zwei Jahre auf der IDS augenfällig werden – geräte-, system- und werkstoffbezogen. Hierzu stellt sich die laborindividuelle Frage des „make or buy“ und damit die Überlegung einer eigenen teueren Geräteanschaffung – die überdies Kapital bindet – oder einer Fertigungspartnerschaft auf Zeit. Letztere kann über die dentalindustriellen Angebote ebenso gelebt werden wie die Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Partnerlabor( en). Neben vielleicht Freunden aus der Meisterschulzeit offerieren dafür auch in der DentalTheke (www.dentaltheke.de) zusammengeschlossene Labore jeweils passende Techniken/Verfahren/Werkstoffe.

Herausforderungen für die Zukunft

Auch wenn sich alle Herausforderungen für Zahntechniker und Laborinhaber als Chance begreifen sowie durch Leidenschaft und Engagement für ihre Profession meistern lassen, so dürfte es in zwei Themenbereichen mehrheitlich aufwendiger bzw. schwieriger werden. Dieses sind regulatorische Anforderungen, wie die Medical Device Regulation (MDR), die (noch) stärker als bisher Einfluss auf die originäre Zahntechnik haben – und somit auf die Tätigkeiten von Zahntechnikern sowie deren Labororganisation. Und es ist die Gewinnung von Zahntechnikernachwuchs, bei dem das Zahntechnikerhandwerk – dem demografischen Wandel entsprechend – im Wettbewerb mit anderen attraktiven Ausbildungs- und Studienberufen steht. Beides Themen, die der Atlas Dental ebenfalls berücksichtigt.

Quelle: GFDI Gesellschaft zur Förderung der Dental-Industrie mbH (Herausgeber): Atlas Dental – Die Märkte Europas /// Strukturen, Herausforderungen und Szenarien. März 2019.  


Weitere Informationen:

Leser, die sich detailliert für den Atlas Dental interessieren, können diesen im Internet downloaden (www.gfdi.de/ids-2019/Atlas_Dentalstudie_2018.pdf) oder über ein Formblatt auf der GFDI-Homepage (www.gfdi.de) kostenlos bestellen.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Jürgen Pohling


Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite