Laborführung


Vom Finden und Binden geeigneter Fachkräfte

14.06.2023

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Ausschweifende Kunden-Akquise? Das war einmal. Die Voraussetzungen, um ein Dentallabor erfolgreich zu führen, haben sich verändert. Ein Auslöser dafür besteht u.a. in dem massiven Fachkräftemangel, verbunden mit einer deutlich rückläufigen Ausbildung von jungen Zahntechnikerinnen und Zahntechnikern sowie dem zunehmenden Schwund an Laboren. Die neue Devise für langfristigen Erfolg heißt daher Mitarbeiter/-innen finden und binden.

Inzwischen gibt es einen hohen Anteil an älteren Laborinhaberinnen und -inhabern. Viele haben es versäumt, sich rechtzeitig um eine allseits gewinnbringende Unternehmensnachfolge zu kümmern. Erfahrungsgemäß ist ein Vorlauf von mehreren Jahren erforderlich.

Wer nicht rechtzeitig die Nachfolge vorbereitet und regelt, muss das Labor zum Ruhestandsantritt schließen. Genau dieser Fall trifft auf etliche Betriebe zu und wird dazu führen, dass es immer weniger Labore gibt. Schließt ein Labor, müssen sich die Praxen um Ersatz bemühen.

Doch ein gutes Labor zu finden, wird nicht einfach sein. Denn der Fachkräftemangel führt dazu, dass genau diese Labore keine neuen Kunden bzw. Kundinnen mehr annehmen können. Sie werden sich auf die zuverlässige Stammkundschaft, welche saubere Unterlagen liefern und wenige Reklamationen haben, konzentrieren.

Die Zeiten, in denen sich Labore ihren Kunden völlig unterworfen haben, um diese unter allen Umständen zu halten, sind vorbei. Das Umsatzvolumen wird künftig gegeben sein, doch ohne die Unterstützung geeigneter Fachkräfte im eigenen Betrieb kann man nur bedingt davon profitieren. Labore, die ein gutes Arbeitsklima bieten und dieses auch nach außen sichtbar machen, sind im Ringen um geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klar im Vorteil.

Interne Imagepflege: Ein bunter Strauß voll Möglichkeiten

Die neue Devise für langfristigen Erfolg in Labor und Praxis heißt Mitarbeiter/-innen finden und binden: Laborinhaber/-innen, Zahnärzte und Zahnärztinnen haben das gleiche Problem: All jene, die nicht regelmäßig ausbilden, finden kaum geeignete Fachkräfte. Denn es reicht nicht aus, jedes Jahr einen Ausbildungsplatz bereitzustellen.

Wer kein attraktives Arbeitsumfeld bietet, wird keine Auszubildenden finden. Um als Unternehmen attraktiv zu sein, muss das komplette Image des Betriebs stimmen. Dazu gehören als Erstes die Wertschätzung des Teams, ein freundlicher Umgangston nebst grundlegend gutem Betriebsklima.

Kurzum: Es gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Job so angenehm wie möglich zu machen. Ein netter Pausenraum, flexible Arbeitszeit, möglichst wenige Überstunden, ein kostenloses Getränkeangebot und gelegentlich kurze gemeinsame After-Work-Trips in eine interessante Location stellen eine solide Basis dafür dar. Zusatzleistungen wie kostenlose Sport-Abos in guten Fitness-Centern oder ein vom Unternehmen gesponsertes E-Bike-Leasing werden zudem immer üblicher.

Lassen Sie sich ab und zu ein Event einfallen, in Verbindung mit einem Live-Act oder einem Erlebnisdinner, machen Sie einen außergewöhnlichen Betriebsausflug mit Ihrem Team oder einen gemeinsamen Kochkurs. Sollten Sie es nicht schon längst tun, lassen Sie sich für ein gutes Betriebsklima außergewöhnliche Dinge einfallen. Die Dosierung dieser Dinge darf allerdings nicht übertrieben werden.

In Zeiten der hochgehaltenen Work-Life-Balance möchten Mitarbeiter/-innen vor allem auch ihre Freizeit haben! Wichtig ist das tägliche positive Miteinander, eine gute und freundliche Kommunikation sowie öfters mal ein ernst gemeintes und herzliches Lob.

Führen Sie täglich oder mindestens einmal wöchentlich eine kurze 10-minütige Mitarbeiterbesprechung durch (kein Monolog – ein Dialog). Einmal jährlich ein Einzelgespräch (das sogenannte Jahresgespräch) ist für beide Seiten sehr wichtig. Führungskräfte sollten generell Mitarbeiter/-innen gelegentlich fragen, was sie sich wünschen, ob sie zufrieden sind, ob sie sich Veränderungen wünschen oder ob sie Verbesserungsvorschläge haben.

Suchen Sie sich ein zu Ihnen passendes Team. Wer gerne mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen ist, wird auch ein nettes Betriebsklima haben.

Transferieren Sie Ihr „prima Klima“ in die Öffentlichkeit

Auch in Sachen Außenwirkung gilt: Tue Gutes und rede darüber. Selbst wenn im Labor oder der Praxis alles bestens läuft: Woher sollen fremde Fachkräfte davon wissen? Deshalb ist die Imagepflege in der Außenkommunikation aktuell wichtiger denn je.

Durch die rasante Entwicklung der neuen Medien lesen immer weniger Leute eine Tageszeitung. Deshalb hat eine klassische Stellenanzeige in der Zeitung keine große Reichweite mehr. Es ist wichtig, regelmäßig in den sozialen Medien zu erscheinen.

Die klassische Werbung gehört hier nicht hin. Posten Sie Ihre Unternehmungen im Team, posten Sie Fotos oder kleine Filmchen von Ihren gut gelaunten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den gemeinsamen Workouts, dem „Team-Member des Monats“, den After-Work-Partys, dem neuen Botenfahrzeug, dem neuen Getränkeautomaten oder der fröhlichen Weihnachtsfeier. Grundsätzlich genießen bewegte Bilder und kurze Filmchen mehr Aufmerksamkeit als starre Fotos.

Transferieren Sie Ihr „prima Klima“ in die Öffentlichkeit und machen Sie sichtbar, wie großartig es ist, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten. Wenn es gelingt, aktiv ein positives Image in der Öffentlichkeit aufzubauen, werden sich Interessierte sofort wohlwollend an Ihr Unternehmen erinnern. Dabei ist ein moderner Internetauftritt wichtiger denn je. 

Potenzielle Mitarbeiter/-innen sowie Kundinnen und Kunden informieren sich heute vorab über Ihr Labor oder Ihre Praxis, indem sie Ihre Webseite besuchen. Hier haben Sie keine zweite Chance für den ersten Eindruck! Deshalb ist eine nutzerfreundliche, übersichtliche und klar strukturierte Navigation der Seite wichtig.

Machen Sie kurz und knapp mit wenig Text und vielen tollen Bildern und Filmchen deutlich, warum es so schön ist, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten. Anschließend machen Sie deutlich, was Sie für Kunden und Kundinnen leisten können. Erst wenn Ihre Webseite einen positiven und professionellen Eindruck hinterlässt, wird man mit Ihnen in Kontakt treten wollen.

Machen Sie es künftigen Mitarbeiter/-innen so einfach wie möglich, sich zu bewerben. Verzichten Sie zunächst auf eine aussagekräftige schriftliche Bewerbung!

Bieten Sie auf Ihrer Website ein einfach auszufüllendes Kontaktformular als Kurzbewerbung an. Laden Sie Bewerber/-innen einfach freundlich und nett zu einem kurzen Kennenlern-Telefonat ein. Dann ergibt sich alles andere von selbst.

Binden heißt nicht zuletzt, leistungsgerecht zu bezahlen

In Ihrem Labor oder Ihrer Praxis sollte eine leistungsgerechte Bezahlung der Mitarbeiter/-innen selbstverständlich sein. Es ist politisch gewollt, dass das finanzielle Gesamtbudget der Gesundheitspolitik nicht vergrößert wird. Es gibt immer nur eine Umverteilung der finanziellen Ressourcen auf die verschiedenen Gebiete innerhalb der Gesundheitsbranche. 

Wenn z.B. die Krankenhäuer mehr Geld benötigen, wird es in anderen Gesundheitssparten durch Budgetierung oder ähnliche Maßnahmen wieder eingespart. Um die Mitarbeiter/-innen trotzdem vernünftig zu entlohnen, ist es die Aufgabe von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern dafür zu sorgen, dass diese Mittel durch Einnahmen generiert werden. Da die GKV-Leistungen von der Politik auf einem gerade einmal kostendeckenden Level gehalten werden, bleibt nur die Möglichkeit, diese Mittel aus den Privatleistungen zu generieren.

Das gilt für Labore gleichermaßen wie für Zahnärztinnen und Zahnärzte. Ob Auszubildende oder Fachkräfte: Unternehmen, die keine vernünftige Bezahlung gewährleisten, finden in Zukunft auch keine guten Fachkräfte mehr.

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Hartmut Vach


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