Laborführung


Wer in CAD/CAM investiert, sollte langfristig denken

Mit Scanner und CAD-Software gut gerüstet: Systeme mit zentraler Fertigung bieten Dentallaboren einen wirtschaftlichen Zugang zur CAD/CAM-Technik.
Mit Scanner und CAD-Software gut gerüstet: Systeme mit zentraler Fertigung bieten Dentallaboren einen wirtschaftlichen Zugang zur CAD/CAM-Technik.

Ein Labor, das heute in CAD/CAM investiert, entscheidet damit über seine wirtschaftliche Situation von morgen. Ob Eigen- oder Zentralfertigung: Die Entscheidung über Art und Umfang der Investitionen erfordert klare Vorstellungen von den Unternehmenszielen, eine detaillierte Analyse der wirtschaftlichen Situation und eine vorausschauende Liquiditätsplanung.

 

 

 

 

Die wirtschaftlichen Anforderungen an Dentallabore steigen. Der Inhaber eines zahntechnischen Meisterbetriebs wird vom Handwerker zum Unternehmer. Er muss unternehmerischen Aufgaben in seinem Arbeitsalltag heute deutlich mehr Raum geben. Nur so kann er sich auf die wirtschaftliche Entwicklung, die Ziele und Ausrichtung seines Labors konzentrieren. Der Markt für Zahntechnik ist hart umkämpft. Viele Labore sind mit einem sinkenden Umsatz pro Zahnarztpraxis konfrontiert. Eine stabile Einnahmesituation erfordert konsequente Vertriebsaktivitäten und die laufende Modernisierung des Betriebes. Investitionen haben daher in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen.

Sinnvoll in die Zukunft investieren

An CAD/CAM kommt kein Labor vorbei, das seinen Zahnärzten zeitgemäße Versorgungen z. B. aus Zirkonoxid bieten will. Beim Einstieg oder Ausbau der computergestützten Fertigung steht der Laborinhaber vor der Entscheidung: Wie stark will ich mich finanziell an die neue Technologie binden? Welche Arbeitsschritte will ich im eigenen Haus durchführen, welche abgeben? Wer die Konstruktion der Gerüste nicht aus der Hand geben will, benötigt einen Scanner und die CAD-Software.

  • Abb. 1: Eine Übersicht über die Folgekosten und eine detaillierte Liquiditätsplanung sind für den Unternehmer wichtige Entscheidungsgrundlagen bei größeren Investitionen.

  • Abb. 1: Eine Übersicht über die Folgekosten und eine detaillierte Liquiditätsplanung sind für den Unternehmer wichtige Entscheidungsgrundlagen bei größeren Investitionen.
Will das Labor auch die Gerüste selbst fertigen, benötigt es eine Fräsmaschine. Scanner und Software kosten um die 20.000 Euro, Systeme mit Eigenfertigung je nach Ausstattung ein Vielfaches mehr. Für eine Maschine, die technisch mit den Möglichkeiten der Zentralfertigung mithalten kann, zahlt ein Labor in der Regel über 100.000 Euro. Basis für die Investitionsentscheidung bilden oft Präsentationen der Hersteller – oder auch der Spieltrieb des Zahntechnikers. Dann folgt der Blick aufs Bankkonto, häufig auch der Anruf beim Steuerberater: Kann ich mir das leisten? Der Steuerberater kann die Frage nur begrenzt beantworten, da er auf Basis der vergangenen Situation urteilt. Ein zukunftsorientierter Unternehmer richtet die Investitionsentscheidung an den Unternehmenszielen und den künftigen Marktentwicklungen und -chancen aus (Abb. 1).

Erwartungen klar definieren

Damit die Investition in die digitale Zukunft zur Laborsituation und den Unternehmenszielen passt, sollte der Inhaber vorab prüfen: Entspricht die gewählte Lösung unseren Erwartungen, technischen und personellen Möglichkeiten? Ein Pflichtenheft hilft, diese Frage zu beantworten. Dort legt der Laborinhaber Erwartungen und Anforderungen an sein neues CAD/CAM-System fest: Was will das Dentallabor technisch und wirtschaftlich mit der Anschaffung erreichen? Welche Anforderungen stellt das Labor an den Hersteller? Dabei kann neben dem Produkt auch der Zusatznutzen eines CAD/CAMSystems eine Rolle spielen: In welchem Umfang bietet der Hersteller technischen Support, Fortbildungen oder Serviceleistungen wie Anregungen zur Vermarktung bei Zahnärzten? Im Pflichtenheft hält der Unternehmer aber auch Anforderungen an das Labor selbst fest: Welche Personalkapazitäten muss er für die Maschinenbedienung vorhalten? Wie hoch ist der Schulungsbedarf? Die Investitionsentscheidung wirkt sich auch auf den Personalbedarf aus. Ein Laborinhaber sollte sich bewusst sein, dass er wirtschaftlich gesehen für automatisierte Prozesse entsprechend weniger Personal benötigt. Um alle Mitarbeiter weiter sinnvoll zu beschäftigen, muss er seine Vertriebsaktivitäten ausbauen.

Liquiditätsplanung

Wer flüssig bleiben will, sollte Anschaffungen und ihre Finanzierung langfristig planen. Viele zahntechnische Betriebe werden heute noch „gefühlt“ gesteuert. Und viele Inhaber liegen mit ihrem Gefühl tendenziell richtig. Aber zielgerichtete Maßnahmen wie Investitionen werden schwierig, wenn keine detaillierte Planung vorliegt. Das Management der betrieblichen Zahlen und der Liquidität ist die wohl wichtigste Aufgabe für jeden Betreiber eines Dentallabors. Gerade im Hinblick auf Investitionsentscheidungen ist es sinnvoll, dass die Planung neben Aufwand und Ertrag auch den Liquiditätsverlauf aufzeigt. Investitionen gehen in die Gewinn- und Verlustrechnung nur in Höhe der Abschreibungen ein. Sie wirken sich jedoch voll auf die Liquidität des Labors aus. Wenn ich heute eine teure Maschine kaufe, kann ich mir im nächsten Jahr die neuen Arbeitsstühle nicht leisten. Auf Basis der Planung behält der Laborinhaber die Zahlungsfähigkeit seines Unternehmens im Blick und kann sie vorausschauend steuern. Die Liquiditätsplanung zeigt dem Unternehmer auch, in welchem Umfang er geplante Anschaffungen aus eigenen Mitteln finanzieren kann oder ob er Fremdkapital, z. B. einen Kredit bei der Hausbank, aufnehmen muss. Ist das Labor bei der Investition auf Fremdkapital angewiesen, bildet die Planung eine unverzichtbare Argumentationshilfe gegenüber möglichen Geldgebern. Im Bankengespräch hat schon mancher die Forderung nach konkreten Zahlen und Erfolgsaussichten für die nächsten Jahre gespürt. Wer hier aus eigener Initiative eine Planung vorlegt, demonstriert Selbstbewusstsein und schafft Vertrauen. Kann der Laborinhaber im Nachhinein zeigen, dass er mit der Planung weitgehend richtig lag, steigt das Vertrauen der Bank in seine Unternehmensführung. Ergebnis: Er kommt schneller und günstiger an neues Kapital. Immer mehr Dentallabore erkennen und nutzen die Vorteile der Unternehmensplanung:

  • Klarheit über Erwartungen: Der Unternehmer erkennt, ob und wie seine Erwartungen erreichbar sind.
  • Finanzierungsbereitschaft: Die Planung gibt Geldgebern eine klare Vorstellung von der voraussichtlichen Entwicklung des Labors.
  • Gezielte Steuerung: Anpassungen werden auf die festgelegten Ziele ausgerichtet.
  • Kürzere Reaktionszeiten: Der Unternehmer kann frühzeitig nachjustieren und minimiert so wirtschaftliche Risiken.
  • Wirtschaftlicher Erfolg: Das Jahresziel bleibt realistisch.

Beispiel: Liquiditätsplanung für ein größeres Dentallabor

Wir haben ein Labor mit 25 Mitarbeitern vor zwei Jahren bei der Wahl des passenden CAD/CAM-Systems unterstützt. Der Inhaber plante die Fertigung von knapp 4.000 CAD/CAM-Einheiten im ersten Jahr, mit steigender Tendenz. Wir haben den Liquiditätsverlauf des Labors für verschiedene Szenarien analysiert. Szenario 1 (Tabelle 1) zeigt in verkürzter Form die Planung für ein Labor, das einen Scanner anschafft und zentral fertigen lässt. Das Labor hat entsprechend hohe Ausgaben für bezogene Leistungen (u. a. gefräste Gerüste). Szenario 2 stellt die Entwicklung bei Anschaffung eigener Maschinen dar. Zu den hohen Ausgaben für die neuen Maschinen kommen hier höhere monatliche Materialausgaben (z. B. für Blanks, Fräsköpfe, Strom) und Personalausgaben (Maschinenbediener). Szenario 3 und 4 (Tabelle 2) zeigen, was jeweils passiert, wenn die Kunden erst nach 90 Tagen zahlen, was in der Branche leider immer wieder vorkommt. Nach drei Jahren ist die Liquidität des Dentallabors mit reiner Scanner-Lösung besser als bei Anschaffung eigener Maschinen (Tabelle 1). Sehr deutlich wird der unterschiedliche Liquiditätsverlauf bei schlechter Zahlungsmoral der Kunden (Tabelle 2). Hier ist die Lücke in der Laborkasse nach der Maschinenanschaffung im ersten Jahr zwischenzeitlich so hoch, dass der Laborinhaber einen Kredit aufnehmen muss. Unser Kunde hat sich für die Lösung mit Scanner und Zentralfertigung entschieden und ist damit sehr zufrieden.

Ergebnis proportional zur Liquidität

Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt: Auch der Gewinn nach Steuern und Abschreibungen ist bei der Lösung mit Zentralfertigung höher als bei Eigenfertigung - im ersten Jahr 17.020 Euro, im zweiten 23.160 Euro und im dritten 27.450 Euro.

Folgekosten im Blick

Vor jeder größeren Investition sollte sich der Laborinhaber umfassend über die Folgekosten informieren. Diese werden im Vorfeld oft vernachlässigt, sie summieren sich jedoch schnell.

  • Abb. 2: Mit Scanner und CAD-Software gut gerüstet: Systeme mit zentraler Fertigung bieten Dentallaboren einen wirtschaftlichen Zugang zur CAD/CAM-Technik.

  • Abb. 2: Mit Scanner und CAD-Software gut gerüstet: Systeme mit zentraler Fertigung bieten Dentallaboren einen wirtschaftlichen Zugang zur CAD/CAM-Technik.
Folgekosten entstehen unter anderem durch Verschleiß und Neuanschaffung auswechselbarer Teile, Wartung und Pflege der Maschinen, Softwarepflege, Personal- und Fortbildungskosten. Im Gegensatz zu den Geräten der klassischen Zahntechnik sind CAD/CAM-Fertigungsmaschinen technisch so komplex, dass sie zwangsläufig durch externe Fachkräfte gewartet werden müssen. Worüber viele vor einer Anschaffung nicht nachdenken: Was passiert, wenn die Maschine einen oder mehrere Tage still steht? Ausfälle durch längere Reparaturzeiten können für das Labor gravierende Folgen haben. Die zeitgerechte Lieferung ist ein entscheidendes Leistungskriterium für die Zahnärzte. Steht eine Fräsmaschine still, muss der Laborinhaber zusätzlich zu den laufenden Fixkosten der Maschine die Fertigungsleistung extern einkaufen – oder er riskiert, seine Kunden zu verärgern. Wer zentral fertigen lässt, vermeidet diese doppelten Kosten und das Risiko, Kunden durch Zeitverzug zu verlieren (Abb. 2).

Zentral fertigen lassen

Bei der Entscheidung für ein System haben viele Zahntechniker den aktuellen Entwicklungsstand im Blick. Die CAD/CAM-Technik entwickelt sich jedoch rasant. Eine Fräsmaschine, die heute auf dem neuesten Stand ist, kann morgen überholt sein. Das heißt für die Investition: Wer heute eine aktuelle Maschine kauft, schließt sich möglicherweise von künftigen Entwicklungen aus. Wer letztes Jahr in Zirkonoxid investiert hat, kann jetzt vielleicht kein NEM und morgen keinen Kunststoff fräsen. Kaufen sollte der Laborinhaber nur, wenn er sicher ist, dass sich die Maschine in drei Jahren amortisiert und er dann in eine neue Maschine investieren kann. „Unser Labor soll immer auf dem neuesten Stand der Zahntechnik sein.“ – Wer diese Erwartung in sein Pflichtenheft schreibt, muss für die Eigenfertigung in immer kürzeren Abständen neue Geräte anschaffen und Maschinenbediener schulen lassen. Wirtschaftlich sinnvoller sind in diesem Fall Systeme mit zentraler Fertigung. Hier nimmt der Hersteller dem Kunden das Technologierisiko ab. Im cara System von Heraeus z. B. kann sich der Anwender auf die hochmoderne Fertigungstechnologie im Fräszentrum in Hanau verlassen. Heraeus baut den Maschinenpark sowie das technologische Know-how beständig aus.

In Mitarbeiter investieren

Wer Investitionen sorgfältig plant, erlebt nach ein paar Jahren keine bösen Überraschungen und hat die Mittel für weitere Investitionen. Für das beschriebene Labor ist die externe Fertigung die wirtschaftlich sinnvollere Lösung. Die eigenen Maschinen, die das Labor auf den ersten Blick unabhängiger machen, können es auf der anderen Seite finanziell abhängig machen von fremden Geldgebern. Für welche Variante ein Laborinhaber sich auch entscheidet, klar ist: Er kann dasselbe Geld nur einmal ausgeben. Die Frage ist: Investiert er es in das, was andere bereits haben oder eher in das, was sein Labor ausmacht, wie z. B. seine Mitarbeiter? Sind diese motiviert und vertrauen darauf, dass ihr Chef die Weichen richtig stellt, werden sie den Ausbau der neuen Technik unterstützen. Das kann dem Labor einen Vorsprung gegenüber anderen verschaffen und zahlt sich auch für den Unternehmer aus.

 

 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Christian Thiesen - Uwe Heermann

Bilder soweit nicht anders deklariert: Christian Thiesen , Uwe Heermann