Laborführung

Kommentar

Wie viel digital ist gut?

Abb. 1: Enrico Steger gibt in Vorträgen seine Überzeugung weiter: Wer bereit ist, sich anzustrengen und sich mit Leidenschaft seinem Handwerk zu widmen, wird mit Erfolg belohnt werden.
Abb. 1: Enrico Steger gibt in Vorträgen seine Überzeugung weiter: Wer bereit ist, sich anzustrengen und sich mit Leidenschaft seinem Handwerk zu widmen, wird mit Erfolg belohnt werden.

Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitsabläufe im zahntechnischen Labor erübrigt die Frage nach dem Sinn digitaler Technologien in der Zahntechnik. Vielmehr gilt es zu klären, inwieweit wir Verfechter eines komplett digitalisierten Workflows sein wollen oder ob wir diesem Einhalt gebieten sollten, um unser Handwerk und damit unseren Beruf als Zahntechniker zu schützen.

Dass unsere Welt und damit auch unser Alltagsgeschehen zunehmend digital wird, ist eine natürliche Folge der menschlichen Entwicklung. Die menschliche Evolution basiert auf dem Bestreben nach Weiterentwicklung und Fortschritt – es liegt in der Natur der menschlichen Spezies, nach vorne zu streben, Neues zu erfinden und sich verbessern zu wollen. Die Digitalisierung ist ein Werkzeug und ein Maßstab des Fortschritts.

Das ist auch in der Zahntechnik nicht anders. War der Zahntechnikerberuf in seinen Anfangszeiten ein rein handwerkliches Gewerbe, so wurden im Laufe der Zeit zahlreiche Handgriffe, die man sich früher in stundenlanger Übung aneignen und perfektionieren musste, von technischem Equipment abgelöst.

Mit Anbruch des CAD/CAM-Zeitalters wurde der gesamte Prozess der Herstellung dentaler Restaurationen revolutioniert. Die zuvor immer mühevoll ausgeübte handwerkliche Tätigkeit, zerstörte Zähne zu restaurieren oder fehlende Zähne manuell wiederherzustellen, konnte mit der computergestützten Fertigungstechnik des CAD/CAM wesentlich vereinfacht werden.

„Ohne eine breite und gut geschulte Wissensbasis nützt auch die modernste Maschine nichts. Das Handwerk des Zahntechnikers beginnt im Kopf.“

Die Folgen waren höhere Produktionsfähigkeit, Prozessoptimierung sowie größere Planungssicherheit.

Der digitale Workflow ist in den vergangenen Jahren auch zu einem großem Thema geworden – in der Realität sieht es aktuell noch so aus, dass Einzelschritte eines kompletten digitalen Arbeitsablaufes umgesetzt werden, wie beispielsweise die CAD/CAM-Fertigung oder die digitale Abformung mit dem Intraoralscanner. Dass die Zuhilfenahme digitaler Technologien in der kommenden Zeit sicher nicht abnehmen wird, darin besteht kein Zweifel. Aber wie viel digital ist sinnvoll und wo sollte man die Grenze ziehen zwischen „ausreichend“ und „zu viel“?

Würden wir Zahntechniker von heute auf technische Hilfsmittel und computerunterstützte Systeme verzichten, würden wir uns in die technische Steinzeit zurückbegeben. Es wäre schlichtweg dumm, sich neuen Methoden und technischen Möglichkeiten zu verschließen, nur weil man an Traditionen und bisher Bewährtem festhalten möchte. Der Fortschritt war immer schon ein treuer Gefährte des traditionellen Handwerks. Ohne ihn hätte sich die Zahntechnik nicht weiterentwickeln und den Patienten das bieten können, was sie heute tut: natürlichen, ästhetisch hochwertigen Zahnersatz, der sich nur mehr in minimalster Weise von den Vorgaben in der Natur unterscheidet.

Es lässt sich auch nicht leugnen, dass das Arbeiten mit CAD/CAM-Systemen das Berufsbild des Zahntechnikers verändert, aber zugleich auch vereinfacht hat. Doch nach wie vor ist der Zahntechniker als Handwerker gefragt, denn jede einzelne Krone und jede einzelne Brücke sind ein Unikat, das in Maßarbeit gefertigt werden muss.

So können uns digitale Geräte zwar unterstützen, letzten Endes hängt es jedoch immer vom Zahntechniker, der das Gerät bedient, ab, wie gut oder weniger gut das Resultat ausfällt. Die Technik kann Arbeitsschritte vereinfachen und erleichtern – Maßstab für eine gelungene Arbeit sind jedoch immer das Können und die Fertigkeiten des Zahntechnikers.

Schlussendlich ist er es, der mit seinem manuellen Geschick das letzte aus der Restauration herauskitzelt – sei es bei der Gestaltung oder dem gezielten Kolorieren der Arbeit.

Ohne eine breite und gut geschulte Wissensbasis nützt auch die modernste Maschine nichts. Das Handwerk des Zahntechnikers beginnt im Kopf, die Hände führen das Gedachte dann aus. Es sollte nach wie vor – trotz digitaler Hilfsmittel – die Pflicht eines jeden Zahntechnikers sein, den natürlichen Zahn in seiner Struktur und in seinem inneren Aufbau zu kennen.

Denn nur wer das Werkstück, mit dem er arbeitet, gut kennt, kann sein Handwerk erfolgreich ausüben und sich vor seinen Mitstreitern behaupten. Man muss auch gewillt sein, sich ständig verbessern zu wollen und sich nicht mit dem Gegebenen zufriedenzugeben. Die beste Maschine und die modernste Technik nützen nichts, wenn man nicht entschlossen ist, hart und diszipliniert zu arbeiten. Wer bereit ist, sich anzustrengen und sich mit Leidenschaft seinem Handwerk zu widmen, wird mit Erfolg belohnt werden.

  • Abb. 2: Die Pflicht eines jeden Zahntechnikers muss es sein, den natürlichen Zahn in seiner Struktur und in seinem inneren Aufbau zu kennen. Mit vertieftem Wissen und mühevollem Einsatz kitzelt man das Letzte aus der Restauration heraus und führt sie zur Vollendung.
  • Abb. 3: Sinnvoll ist es, die Vorteile bewährter analoger Fertigungs- und Behandlungswege intelligent mit digitalen Konzepten, bestehend aus CAM-Gerät, fräs- und schleifbaren Werkstoffen sowie zahntechnisch zielführender Software, zu verbinden. Hier ein Blick in das Fräsgerät M5 von Zirkonzahn.
  • Abb. 2: Die Pflicht eines jeden Zahntechnikers muss es sein, den natürlichen Zahn in seiner Struktur und in seinem inneren Aufbau zu kennen. Mit vertieftem Wissen und mühevollem Einsatz kitzelt man das Letzte aus der Restauration heraus und führt sie zur Vollendung.
  • Abb. 3: Sinnvoll ist es, die Vorteile bewährter analoger Fertigungs- und Behandlungswege intelligent mit digitalen Konzepten, bestehend aus CAM-Gerät, fräs- und schleifbaren Werkstoffen sowie zahntechnisch zielführender Software, zu verbinden. Hier ein Blick in das Fräsgerät M5 von Zirkonzahn.

Man sollte weder krampfhaft an traditionellen Verfahren festhalten und dabei die Augen vor jeglichen Neuerungen verschließen, noch um jeden Preis alles „verdigitalisieren“ wollen. Sinnvoll ist eine Kombination aus beidem (Abb. 1 bis 3): Die Vorteile bewährter analoger Fertigungs-und Behandlungswege sollten nach wie vor Teil des Arbeitsprozesses sein, intelligent verbunden mit digitalen Konzepten. Dies untermauert mit gutem Fachwissen – und man ist für die digitale Zukunft bestens gerüstet.

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Weitere Informationen:

Zirkonzahn GmbH/Srl
An der Ahr 7
39030 Gais, Südtirol/Italien
Tel.: 0039 0474 06666-0
Fax: 0039 0474 06666-1
E-Mail: info(at)zirkonzahn.com
www.zirkonzahn.com

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Enrico Steger


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