Laborführung

Teil 10 der Serie: Wie man außerhalb Deutschlands zum Zahntechniker wird

Wie werde ich in Frankreich Zahntechniker?

17.09.2019

Die Hauptstadt von Frankreich: Blick auf den Pariser Eiffelturm, dahinter der Finanzdistrikt La Défense.
Die Hauptstadt von Frankreich: Blick auf den Pariser Eiffelturm, dahinter der Finanzdistrikt La Défense.

Westlich von Deutschland liegt Frankreich – ein Land, das uns von leckerem Käse, krossen Baguettes, Liebe unterm Eiffelturm und hügeligen Weinterrassen träumen lässt. Wer Zahntechniker in Frankreich ist, der hat das (kulinarische) Paradies direkt vor der Nase. Aber wie wird man in Frankreich eigentlich Zahntechniker?

Das Bildungssystem in Frankreich unterscheidet sich in seinem Aufbau in einigen Punkten vom deutschen. Im Alter von zwei bis sechs Jahren besuchen Kinder in der Regel die Vorschule, die „école maternelle“, dann geht es in die Grundschule, die école élémentaire, die man mit der 5. Klasse abschließt. Im Alter von zehn bis elf Jahren wechseln die Schüler dann auf das „collège“, wo sie weitere vier Schuljahre absolvieren.

Nach Erlangen des „diplôme nationale du brevet“, der mittleren Reife, stehen mehrere Wege offen. Wer bereits hier weiß, dass er Zahntechniker werden möchte, hat nun mehrere Möglichkeiten: Entweder besucht er ein berufliches Gymnasium, um die fachgebundene Hochschulreife, das „baccalauréat professionnel“, zu erhalten.

Hier gibt es die Möglichkeit, direkt das „BacPro (kurz für baccalauréat professionnel) prothèse dentaire“, also ein berufsorientiertes Abitur mit dem Schwerpunkt Zahntechnik, zu erwerben. Dieser Weg dauert drei Jahre; insgesamt 22 Wochen davon verbringt der Schüler in einem betrieblichen Praktikum. Zweimal pro Woche findet der gymnasiale Unterricht statt. Dieser Abschluss berechtigt den ausgebildeten Techniker dazu, unter Aufsicht eines Vorgesetzten bestimmte Arten von Zahnersatz zu entwerfen, herzustellen oder zu reparieren. Ebenso ist es ihm möglich, die Verwaltung des Bestands, der Finanzen und der Personalabteilung zu übernehmen.

Die (fachgebundene) Hochschulreife gibt dem Schüler die Möglichkeit, anschließend eine Fachhochschule oder Universität zu besuchen, aber auch, das „brevet de technicien supérieur“, das höhere Technikerdiplom, zu erwerben. Dieses dauert weitere zwei Jahre, in denen der Auszubildende sein bisher erlangtes Wissen im Bereich der Zahntechnik vertieft und anschließend in der Lage ist, die Aufgaben eines Dentallaborleiters zu übernehmen. Zwei Tage pro Woche findet Unterricht statt, die restliche Zeit im Betrieb.

Mehrere Wege führen zum Zahntechniker-Beruf

Eine andere Möglichkeit für einen Schüler mit dem Wunsch, Zahntechniker zu werden, ist es, nach der 9. Klasse das „certificat d’aptitude professionnelle“, kurz CAP, zu erwerben. Dies ist ein berufsbildender Abschluss, der in über 200 verschiedenen Fachrichtungen erworben werden kann – ebenso in der Zahntechnik. Der Weg zu diesem Abschluss führt entweder über zwei Jahre Vollzeit am Lycée professionel, dem beruflichen Gymnasium, oder über eine zweijährige Lehre im dualen System mit dem Besuch einer Berufsschule, dem Centre de Formation d’Apprentis. Hat man das CAP im Bereich Zahntechnik erreicht, so kann man die Ausbildung fortsetzen und den zweijährigen technischen Abschluss für Zahntechniker, den „brevet technique des métiers de prothésiste dentaire“, erlangen. In diesen zwei Jahren hat der Auszubildende eine Woche Berufsschule im Monat und arbeitet die restliche Zeit im Betrieb. Ihm wird hier praktisches und technisches Know-how gelehrt, ebenso Arbeitsorganisation, Verwaltung von Fabrikationskosten und auch die Leitung eines Dentallabors.

Der Weg in die Selbstständigkeit führt in Frankreich nicht zwingend über eine bestandene Gesellenprüfung – es reicht aus, drei Jahre im zahntechnischen Handwerk berufstätig gewesen zu sein. Viel einfacher als in Deutschland, wo der Meistertitel oder eine Ausnahmebewilligung hierzu erforderlich ist. Ob dieser Umstand der Qualität des französischen Zahnersatzes zuträglich ist, mag für den einen oder anderen fragwürdig sein.

Verschiedene Interessenvertretungen

Wie in Deutschland gibt es in Frankreich die Handwerkskammer, die „chambre des métiers“. Jede größere Stadt bzw. jede Region hat eine eigene Zweigstelle. Auch in Frankreich übernimmt die Handwerkskammer die Interessenvertretung des Handwerks und bietet ihren Mitgliedern Beratung und Hilfe in Rechts-, Betriebs- und Ausbildungsfragen, in der Unternehmensgründung und vieles mehr.

Innungen für Zahntechniker gibt es auch in Frankreich, jedoch nicht so flächendeckend wie hierzulande. Zu ihren Dienstleistungsangeboten zählen unter anderem die Hilfe in Umweltschutzfragen und Abfallentsorgung, Rechtsberatung, Interessenvertretung, Vergünstigungen bei diversen Angeboten und Hilfe bei der Regelung außergerichtlicher Streitangelegenheiten. Auf nationaler Ebene steht in Frankreich die UNPPD – die „union nationale patronale des prothésistes dentaires“. Sie vertritt die Zahntechniker in den Tarifverhandlungen und steht repräsentativ und stellvertretend für alle zahntechnischen Arbeiterverbände der regionalen Ebene. Die UNPPD will die Zahntechniker unterstützen, ihren Beruf im Interesse des Patienten ausüben zu können. So bietet sie Hilfe beim Einhalten der europäischen Reglementierungen an, ebenso wie Ausbildungskurse, Versicherung, Zertifizierung von Unternehmen und die soziale und rechtliche Unterstützung des Betriebsleiters.

Der Kieferchirurg gibt die Anweisungen

Außerdem steht die UNPPD bei der Klärung von Streitsachen zur Verfügung und will für eine gute Beziehung zwischen Zahntechniker und Kieferchirurg sorgen. In Frankreich ist es üblich, dass der Kieferchirurg die Anweisung zu zahntechnischen Arbeiten gibt, weniger der Zahnarzt. Die Debatte um das Arbeiten am Patienten ist auch in unserem Nachbarland brandaktuell – etliche Verbände fordern, dass die Monopolstellung des Kieferchirurgen ein Ende hat und der Zahntechniker Anpassungsarbeiten direkt am Patienten vornehmen darf. Ebenso wünschen sich die Verbände, dass der Patient selbst das Labor aussuchen kann, welches ihm seine zukünftige Prothese, Krone etc. herstellt. Die Problematik rund um die fehlenden Rechte des Zahntechnikers existiert also nicht nur in Deutschland; auch die französischen Zahntechniker wünschen sich mehr Freiheit, um den Wünschen und Bedürfnissen des Patienten optimal nachgehen zu können.

Weiterbildungsmöglichkeiten, etwa ein anschließendes Studium oder den Meistertitel, gibt es in Frankreich nicht.

Fazit

Zusammenfassend kann man feststellen, dass das französische Bildungssystem viele verschiedene Wege und Grade der Zahntechniker-Ausbildung bietet, die sich deutlich von der deutschen Art und Weise unterscheiden. Jedoch zeichnet sich auch in Frankreich ab, dass Gefallen am dualen System gefunden wird. Bereits auf dem beruflichen Gymnasium sind 22 Wochen Berufspraktikum Pflicht und auch über die anderen Wege kommt man am Wechsel von Berufsschule und betrieblicher Arbeit nicht vorbei. Es ist nun Aufgabe des Staates, weiterhin in eine qualitative Bildung zu investieren und die duale Ausbildung zu fördern. Hinsichtlich der Ausübung des Berufs gibt es in beiden Ländern keine gravierenden Unterschiede. Die Weiterbildungsoptionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind im Vergleich um einiges vielfältiger und könnten für Frankreich als Inspiration dienen, seinen Zahntechnikern noch mehr Kompetenzen und Wissen zu vermitteln. Die wohl prägnanteste Gemeinsamkeit Frankreichs und Deutschlands ist die strikte Trennung der Befugnisse hinsichtlich der Arbeit direkt am Patienten, gerade im Vergleich zu Österreich und der Schweiz.

Nathalie Ottiger  



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