Laborführung

Überarbeitete Fassung der DGUV Information 203-021

Zahntechnische Laboratorien – Schutz vor Infektionsgefahren

Neu seit diesem März: Das Handwaschbecken ist mit Armaturen auszustatten, welche ohne Handberührungen bedienbar sind.
Neu seit diesem März: Das Handwaschbecken ist mit Armaturen auszustatten, welche ohne Handberührungen bedienbar sind.
Quelle: © puhhha/fotolia.com

Im März 2017 ist die überarbeitete Fassung der DGUV Information 203-021 „Zahntechnische Laboratorien – Schutz vor Infektionsgefahren“ erschienen. Was beinhaltet sie? Und vor allem: Was hat sich geändert?

  • März 2017

  • März 2017
Zunächst ist festzustellen, dass es sich hier nicht um eine berufsgenossenschaftliche Vorschrift handelt, sondern um eine Information der BG ETEM (Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse, zuständig für die Dentallabore). Diese DGUV Information (DGUV = Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung = Dachverband der Berufsgenossenschaften; bis Mai 2014 trug dieses Schriftstück übrigens die Bezeichnung BGI 775 [Berufsgenossenschaftliche Information]) besitzt also keinen gesetzlichen Charakter, sehr wohl aber die Vermutungswirkung. Das bedeutet: Wer die in dieser Schrift genannten Maßnahmen in seinem Betrieb umsetzt, kann davon ausgehen, dass er „vermutlich“ das Richtige getan hat, also alles, um die geltenden Gesetze in diesem Bereich eingehalten zu haben.

Das bedeutet aber auch, dass ein Zahntechnikermeister jederzeit eine andere Maßnahme umsetzen kann, wenn damit das gleiche Schutzniveau für den Mitarbeiter erreicht wird. Problem dabei ist jedoch: Sollte es zu einem Arbeitsunfall/ einer Berufskrankheit kommen, so muss der Unternehmer den Behörden, schlimmstenfalls dem Gericht, erklären, warum er genau diese Schutzmaßnahme getroffen hat. – Da ja trotzdem etwas passiert ist, wird der Schluss naheliegen, dass mit der abweichenden Maßnahme eben doch nicht das Schutzniveau der in der Information vorgeschlagenen Lösung erreicht wurde. So kann ich jedem Unternehmer empfehlen, die Maßnahmen aus der DGUV Information umzusetzen, um auf der sicheren Seite zu sein. Auf der Grundlage folgender staatlicher Verordnungen wurde diese Information erstellt:

  • Biostoffverordnung
  • Gefahrstoffverordnung
  • Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge

Die Inhalte Nun zum Inhalt der überarbeiteten DGUV-I 203-021. In deren Kapitel 2 werden zunächst die Begriffe im Sinne dieser Schrift definiert (Auszug):

?„Mikrobiell kontaminierte Materialien sind Materialien, die aus der Mundhöhle von Patienten kommen oder anderweitig mikrobiell kontaminiert sein können.“

Darunter versteht man alles, was von der Zahnarztpraxis ins Dentallabor geliefert wird, aber auch alles im Zusammenhang mit einem Patienten, der ins Labor kommt, z. B. für die Bestimmung der Zahnfarbe.

?„Desinfektion ist das Abtöten bzw. das irreversible Inaktivieren von Erregern übertragbarer Krankheiten mit dem Ziel der Unterbrechung von Infektionsketten.“

Hierfür gibt der Anhang drei Beispiele von Desinfektionsmitteln, die von der BG als wirksame Mittel eingestuft worden sind.

?„Desinfektionsplatz ist ein gesonderter Arbeitsplatz, an dem alle eingehenden mikrobiell kontaminierten Materialien dem Transportbehälter oder der Verpackung entnommen und desinfiziert, gereinigt und gespült werden. Beim Desinfektionsplatz handelt es sich um einen Bereich, in dem Infektionsgefahren bestehen können.“

Darauf gehe ich im weiteren Verlauf dieses Artikels noch ein.

?„Desinfektionsmittel (siehe auch Kapitel 5.5 bis 5.6) ist ein chemisches Mittel, das in der Lage ist, die Anzahl lebensfähiger Mikroorganismen zu reduzieren. Je nach Anwendungsgebiet wird in Mittel zur Flächen-, Instrumenten- und Händedesinfektion unterschieden.“

Dieser Punkt ist neu in die Information aufgenommen worden. Hier wird festgelegt, dass im Dentallabor verschiedene Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen. So ist darauf zu achten, dass die eingesetzten Mittel auch für den entsprechenden Zweck geprüft sind.

Bei der Flächendesinfektion muss eine Prüfung nach BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) vorliegen. Das Abdruck- bzw. Instrumentendesinfektionsmittel benötigt eine CE-Zulassung. Die Händedesinfektion muss als Arzneimittel zugelassen worden sein. Hat das verwendete Mittel nicht die entsprechende Zulassung, ist der Unternehmer selbst verantwortlich, die Wirksamkeit nachzuweisen, was aus meiner Sicht für einen Zahntechnikermeister nicht möglich ist.

?„Fachkundig ist, wer zur Ausübung einer in der Biostoffverordnung (BioStoffV) bestimmten Aufgabe befähigt ist. Die Anforderungen an die Fachkunde sind abhängig von der jeweiligen Art der Aufgabe und der Höhe der Gefährdung. Die Fachkunde umfasst folgende Komponenten:

  • geeignete Berufsausbildung und einschlägige Berufserfahrung …
  • Kompetenz im Arbeitsschutz …“

Bei der Berufsausbildung wird eine branchentypische Ausbildung wie z. B. Zahntechniker und eine mindestens zweijährige Berufspraxis gefordert.

Unter dem Punkt „Kompetenz im Arbeitsschutz“ werden Kenntnisse über die relevanten Biostoffe und ihre Eigenschaften sowie Kenntnisse der einschlägigen Rechtsgrundlagen erwartet. Dies schließt die Fähigkeit der Bewertung der Tätigkeitsabläufe und Expositionssituationen hinsichtlich der auftretenden Gefährdungen sowie die Ermittlung und Festlegung der erforderlichen Schutzmaßnahmen unter Berücksichtigung der Biostoffverordnung ein. In Kapitel 3 gibt die Information Hinweise für die zu erstellende Gefährdungsbeurteilung.

Als Rechtsgrundlage ist hier die Biostoffverordnung in Verbindung mit der TRBA 250 (Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe) „Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege“ genannt. Nach der Biostoffverordnung in Verbindung mit TRBA 250 ist eine Gefährdungsbeurteilung für nicht gezielte Tätigkeiten durchzuführen. Dabei muss ermittelt werden, welcher Risikogruppe die biologischen Arbeitsstoffe zugeordnet werden. Abhängig von den Bedingungen am Arbeitsplatz und den durchzuführenden Tätigkeiten ist die Schutzstufe festzulegen.

Bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung ist von Folgendem auszugehen:

Im Dentallabor kommen vor allem Mikroorganismen vor, die mit Speichel und/oder Blut übertragen werden können, also z. B. durch einen Abdruck oder eine Bissnahme. Problematisch sind Viren, die zu Infektionen der oberen Atemwege führen können, aber auch Hepatitis-B- und -CViren. Bei letztgenannten Viren ist das Infektionsrisiko für Arbeitnehmer begrenzt, da eine Infizierung über den Luftweg normalerweise nicht erfolgen kann. Aber es ist nicht ausgeschlossen.

An dieser Stelle neu hinzugekommen ist die Betrachtung der Desinfektionsmittel selbst. Neben der biologischen Gefährdung am Desinfektionsarbeitsplatz ist auch die mögliche chemische Gefährdung in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Dies können sensibilisierende, reizende oder andere gesundheitsschädliche Wirkungen sein. Die Schädigung kann durch den Kontakt mit der Haut und durch Einatmen auf den Menschen einwirken.

Anforderungen an die zahntechnischen Arbeitsplätze

Im nächsten Kapitel werden die Anforderungen an die zahntechnischen Arbeitsplätze, insbesondere an den Desinfektionsarbeitsplatz behandelt. Folgende Grundanforderungen sind in der oben benannten TRBA 250 beschrieben:

Handwaschplatz: Es wird ein Handwaschplatz mit fließendem warmen und kalten Wasser, Direktspender mit schonendem Hautreinigungsmittel und Händedesinfektionsmittel, Hautpflegemittel und Handtüchern zum einmaligen Gebrauch benötigt. Das Handwaschbecken ist mit Armaturen auszustatten, welche ohne Handberührungen bedienbar sind. Geeignet sind z. B. haushaltsübliche Einhebelmischbatterien mit verlängertem Hebel, der mit dem Handgelenk bedienbar ist. Neu ist die Forderung nach einer selbstschließenden Waschtisch-Armatur. Hier gilt jedoch, wenn der Handwaschplatz vor März 2014 errichtet wurde, dass eine entsprechende Nachrüstung nur im Zusammenhang mit einer Neugestaltung oder wesentlichen Umgestaltung des Handwaschplatzes erforderlich ist.

Hygienische Händedesinfektion: Es werden Desinfektionsmittelspender benötigt. Die Mindestanforderungen an einen hygienischen und sicheren Betrieb dieser Spender sind zu beachten. Nach der Desinfektion von Abdrücken ist vor Verlassen des Desinfektionsplatzes eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen.

Hautschutz und -pflege: Auch hierfür sind entsprechende Spender mit milder Seife und Hautpflege zur Verfügung zu stellen. Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis: Händewaschen ist grundsätzlich hautbelastend und daher auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren.

Auf den Vorrang der Desinfektion vor der Reinigung wird hingewiesen. Das Tragen von Handschuhen, das als Tätigkeit im feuchten Milieu bezeichnet wird, führt zu einer erhöhten Hautbelastung. Handschuhe sollen nur so lange wie nötig getragen werden.

Oberflächen: Fußböden, Wände sowie Arbeits- oder Ablageflächen am Desinfektionsplatz sowie Oberflächen von Desinfektionseinrichtungen müssen feucht zu reinigen sein und desinfiziert werden können.

Hygieneplan: Es ist ein Hygieneplan zu erarbeiten und auszuhängen. Dieser muss den Mitarbeitern anhand einer Unterweisung zur Kenntnis gelangen.

Nahrungs- und Genussmittel: Beschäftigte dürfen keine Nahrungs- und Genussmittel zu sich nehmen oder aufbewahren.

Schmuck und Fingernägel: Bei Tätigkeiten, die eine hygienische Händedesinfektion erfordern, dürfen an Händen und Unterarmen keine

  • Schmuckstücke,
  • Ringe, einschließlich Eheringe,
  • Armbanduhren,
  • Piercings,
  • künstlichen Fingernägel,
  • sogenannten Freundschaftsbänder

getragen werden. Fingernägel sind kurz und rund geschnitten zu tragen und sollen die Fingerkuppe nicht überragen.

Ausbildung und fachliche Eignung: Der Arbeitgeber darf Tätigkeiten im Anwendungsbereich der TRBA 250 nur Personen übertragen, die eine abgeschlossene Ausbildung in Berufen des Gesundheitswesens bzw. im Gesundheitshandwerk haben oder die von einer fachlich geeigneten Person unterwiesen sind und beaufsichtigt werden. Die Forderung nach Aufsicht ist dann erfüllt, wenn

  • der Aufsichtführende den zu Beaufsichtigenden so lange überwacht, bis er sich überzeugt hat, dass dieser die übertragene Tätigkeit beherrscht, und
  • anschließend stichprobenweise die richtige Durchführung der übertragenen Tätigkeit überprüft.

Jugendarbeits- und Mutterschutz: Werdende oder stillende Mütter dürfen am Desinfektionsplatz nicht beschäftigt werden.

Zum Kapitel „Betrieb“ (des Desinfektionsplatzes) verweise ich auf Teil 5 meiner Artikelserie 2016 im Internationalen Zahntechnik Magazin zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im Dentallabor „Das Tor zum Labor: Der Desinfektionsarbeitsplatz“, abrufbar unter unter der Webadresse www.ztm-aktuell.de/arbeitsschutz5. Hier haben sich keine Änderungen zur vorigen Version der Information ergeben.

Infektionskrankheiten

Eine wichtige Änderung in der neuen DGUV Information 203-021 zum Schluss: Die bisher verpflichtende Vorsorge für Beschäftigte am Desinfektionsplatz „Infektionskrankheiten G 42“ wurde zu einer Angebotsvorsorge herabgestuft. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber diese Untersuchung dem Mitarbeiter anbieten muss, am besten im Rahmen einer Unterweisung, der Beschäftigte aber ablehnen kann. Die Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung ist keine Tätigkeitsvoraussetzung für das Arbeiten am Desinfektionsplatz. Lehnt der Beschäftigte das Angebot ab, so entbindet das den Arbeitgeber aber nicht von der Verpflichtung, weiter regelmäßig Angebotsvorsorge anzubieten. Damit wird die Eigenverantwortung der Mitarbeiter gestärkt und jeder Mitarbeiter hat so selbst die Möglichkeit zu entscheiden, wie wichtig ihm die arbeitsmedizinische Vorsorge ist.


Hinweis

Die als G 42 „Infektionsgefahren“ bekannte Vorsorge ist mit der Neufassung der DGUV Information 203-021 als Angebotsvorsorge eingestuft worden. Darüber gibt es jetzt Meinungsunterschiede zwischen der staatlichen Seite (Gewerbeaufsicht) und der BG ETEM. Um die Rechtssicherheit für die Betriebe zu erhalten, empfehle ich dringend, bis zur endgültigen Klärung der Streitfrage die Vorsorge G 42 wieder als Pflichtvorsorge zu beauftragen. Wir informieren Sie nach abgeschlossener Klärung des Sachverhalts durch die Institutionen über das Ergebnis.

weiterlesen
Näheres zum Autor des Fachbeitrages: ZTM Werner Hebendanz


Das könnte Sie auch interessieren:

Printausgaben des Zahntechnik Magazins

Aktuelle Ausgabe und Zeitschriftenarchiv

Besuchen Sie uns doch mal auf unserer Facebookseite! Wir freuen uns über jeden Like und sind gespannt auf Anregungen, Kommentare, Kritik und Ideen für neue Themen!

Hier geht's direkt zur Seite