Steuern

Erhöhte steuerliche Abzugsfähigkeit seit 01.03.2015

Berufsbedingter Umzug: Was kann ich steuerlich absetzen?

Quelle: © Tim Reckmann/pixelio.de
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Flexibilität im Berufsleben ist heute eine Notwendigkeit, für den Inhaber eines Dentallabors genauso wie für seine Arbeitnehmer. Niemand kann in Zukunft mehr damit rechnen, den Ort seines beruflichen Mittelpunktes ein Leben lang behalten zu können. Jeder muss sich auf wechselnde Orte seiner Berufstätigkeit einstellen. Das bringt natürlich auch häufigere Wohnortwechsel mit sich. Umzüge aber kosten Geld. Der folgende Beitrag zeigt auf, welche Umzugskosten der Privatwohnung sich steuerlich absetzen lassen.

Kosten, die durch den Wechsel der Wohnung entstehen, können nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn einwandfrei feststeht, dass der Umzug nahezu ausschließlich auf berufliche Gründe zurückgeht und private Gründe keine oder nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen. Der Umzug muss also durch eine Betriebsverlegung, den Wechsel des Ortes der Berufstätigkeit oder sonstige Veränderungen im beruflichen Bereich veranlasst sein.

Einen Wohnungswechsel erkennt das Finanzamt als beruflich veranlasst an,

  • wenn die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erheblich verkürzt wird,
  • wenn dies ganz überwiegend im Interesse des Betriebes geschieht oder
  • wenn eine Zweitwohnung im Rahmen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung bezogen oder aufgegeben wird.

Für Arbeitnehmer ist die Abzugsfähigkeit der Umzugskosten als Werbungskosten eindeutig geregelt (R 41 LStR). Die gleichen Grundsätze gelten auch für den Betriebsausgabenabzug der Umzugskosten von Arbeitgebern. So werden für den beruflich veranlassten Umzug Kos-ten bis zur Höhe der Beträge anerkannt, die ein vergleichbarer Bundesbeamter nach dem Bundesumzugskostengesetz erhalten würde (BUKG vom 11.12.1990, BGBl. 1990 I S. 2682; zuletzt geändert am 5.02.2009, BGBl. I S. 160). Die maßgeblichen Höchstbeträge für umzugsbedingte Aufwendungen wurden mit dem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 06.10.2014 (BMF-Schreiben IV C5 – S 2353/08/1007) zum 01.03.2015 angehoben.

Zu den steuerlich abzugsfähigen Umzugskosten gehören (§ 5 BUKG):

1. Beförderungsauslagen (§ 6 BUKG): Hierunter fallen die Aufwendungen für das Befördern des Umzugsgutes. Als Beleg sollte die Rechnung der Spedition vorliegen.

2. Reisekosten (§ 7 BUKG): Dazu zählen die Aufwendungen, die dem Inhaber eines Dentallabors und zu seinem Haushalt gehörende Personen für die Fahrt zum neuen Wohnort entstehen. Neben den Fahrtkos-ten sind dabei auch Tage- und Übernachtungsgeld absetzbar. Daneben können gegebenenfalls auch noch Reisekosten zur Suche und Besichtigung einer Wohnung oder zur Vorbereitung und Durchführung des Umzugs angesetzt werden.

3. Mietentschädigung bei doppelten Mietzahlungen für die alte und die neue Wohnung (§ 8 BUKG): Darunter fallen die Miete für die alte Wohnung, wenn die Kündigungsfrist nicht eingehalten werden konnte (maximal 6 Monate) und die Miete für die neue Wohnung, wenn sie sofort gemietet werden musste, aber nicht genutzt werden konnte (maximal 3 Monate).

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4. Wohnungsvermittlungsgebühren (§ 9 Abs. 1 BUKG): Dazu zählen Wohnungsanzeigen und Maklergebühren.

5. Auslagen für die Beschaffung von Kochherden und Öfen (§ 9 Abs. 3 BUKG): Die Aufwendungen für einen Kochherd sind bis zu einem Betrag von 230 Euro absetzbar. Bei Einzug in eine Mietwohnung können zudem Aufwendungen für die Anschaffung von Öfen bzw. Heizgeräten bis zu 164 Euro pro Zimmer abgesetzt werden. Dies gilt allerdings nur insoweit, als die Anschaffung des Kochherdes und der Öfen beim Bezug der Wohnung notwendig waren.

6. Auslagen für zusätzlichen Unterricht der Kinder (§ 9 Abs. 2 BUKG): Kosten für zusätzlichen Unterricht der Kinder aufgrund des Umzugs sind bis zu 40 % des im Zeitpunkt der Beendigung des Umzugs maßgebenden Endgrundgehalts der Besoldungsgruppe A 12 des Bundesbesoldungsgesetzes für jedes Kind absetzbar, das sind 1.841 Euro seit dem 01.03.2015. Davon werden 50 % – also 921 Euro – in voller Höhe und darüber hinausgehende Aufwendungen zu drei Vierteln erstattet. Insgesamt müssen also Kosten von mindestens 2.149 Euro angefallen sein und nachgewiesen werden, um den Höchstbetrag von 1.841 Euro steuerlich absetzen zu können.

7. Pauschvergütung für sonstige Umzugsauslagen (§ 10 Abs. 1 BUK): Darüber hinaus kann der Inhaber eines Dentallabors seit 01.03.2015 für sonstige Umzugsauslagen eine Pauschvergütung von derzeitig 730 Euro für Ledige, 1.460 Euro für Verheiratete – ihnen gleichgestellt sind Lebenspartnerschaften, Verwitwete und Geschiedene – und 322 Euro für jede weitere im Haushalt des Dentallabor-Inhabers lebende Person, wie insbesondere Kinder, geltend machen.

Dem Verheirateten gleichgestellt sind der Verwitwete, der Geschiedene und der Ledige, der eine der in § 10 Abs. 2 BUKG genannten Personen – das sind v. a. unterkunftsbedürftige und unterhaltsbedürftige Verwandte – in der neuen Wohnung aufgenommen hat. Und schließlich wird ein Zuschlag in Höhe von 50 % der gesamten Pauschvergütung gewährt (§ 10 Abs. 6 BUKG), wenn der letzte Umzug nicht mehr als 5 Jahre zurückliegt.

Beispiel

Der Inhaber eines Dentallabors, verwitwet und mit 3 Kindern, die noch bei ihm wohnen, muss zur Mitte des Jahres 2015 zum zweiten Mal innerhalb von 5 Jahren aus beruflichen Gründen seinen privaten Wohnsitz verlegen. Er kann für sonstige Umzugskosten folgende Pauschvergütung geltend machen:


Beim Ansatz von sonstigen Umzugskosten gibt es eine Besonderheit: Es ist zulässig, dass anstelle der Pauschbeträge höhere Einzelkosten nachgewiesen werden. Angesetzt werden können:

  • Auslagen für Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung. Voraussetzung ist, dass diese Arbeiten laut Mietvertrag beim Auszug durchgeführt werden mussten.
  • Trinkgeldzahlungen an das Umzugspersonal.
  • Auslagen für das Ändern, Abnehmen und Anbringen von Vorhängen, Rollos, Vorhangstangen und Zugvorrichtungen sowie für Neuanschaffungen aufgrund der Größe der Fenster und Türen in der neuen Wohnung.
  • Auslagen für den Abbau, das Abnehmen, Anschließen und Anbringen von Herden, von Öfen sowie von in der bisherigen Wohnung verwendeten hauswirtschaftlichen Geräten, Beleuchtungskörpern und anderen Einrichtungsgegenständen.
  • Auslagen für den Einbau eines Wasserenthärters für Geschirrspülmaschinen.
  • Auslagen für das Ändern und Erweitern von Elektro-, Gas- oder Wasserleitungen, wenn dies zum Anschluss der schon in der alten Wohnung benutzten Geräte notwendig ist.
  • Auslagen für Ersatz oder Ändern von Rundfunk- und Fernsehantennen.
  • Auslagen für die Aufgabe und für den Wiederanschluss eines schon in der bisherigen Wohnung vorhandenen Telefonanschlusses.
  • Auslagen für das Umschreiben von Ausweispapieren und die Ummeldung von Kraftfahrzeugen. Dazu zählen auch die Kosten für den Kauf und das Anbringen der neuen Kennzeichen.

Abschließend sei nochmals darauf hingewiesen, dass die dargestellte Umzugskostenvergütung sich auf inländische Umzüge bezieht. Für Auslandsumzüge gelten Sondervorschriften (vgl. §§ 13f. BUKG).

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Hans-Ludwig Dornbusch

Bilder soweit nicht anders deklariert: Dr. Hans-Ludwig Dornbusch


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