Steuern

Zum 01.01.2016 wurde der Grundfreibetrag erneut angehoben

Besteuerung der Renten: Was muss ich als Dentallabor-Inhaber beachten?

10.10.2016
aktualisiert am: 09.11.2016

Sich durch den Steuer-Dschungel zu schlagen, lohnt sich immer.
Sich durch den Steuer-Dschungel zu schlagen, lohnt sich immer.

Steuern sind ein wahrhaft weites Feld. Vielen fällt es oft schwer, im Steuer-Dschungel den Überblick zu behalten. Aus diesem Grund gibt Dipl.-Volkswirt Dr. Hans-Ludwig Dornbusch regelmäßig Tipps, worauf Sie als Dentallabor-Inhaber achten müssen. Heute im Fokus: die Besteuerung der Renten.

11 Jahre ist das Inkrafttreten der neuen Rentenbesteuerung am 01. Januar 2005 inzwischen her. Mit dem Alterseinkünftegesetz (BGBl. 2004 I S. 1427) kam die Bundesregierung der Aufforderung des Bundesverfassungsgerichts nach, eine steuerliche Gleichbehandlung von Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und Beamtenpensionen herzustellen, und zwar mittels des Übergangs zur nachgelagerten Besteuerung. Das Grundkonzept der nachgelagerten Besteuerung sieht vor, dass in der Erwerbsphase Aufwendungen zur Altersvorsorge nach einer Übergangsphase voll steuerfrei bleiben und die daraus resultierenden Renten nach einer Übergangsphase in der Auszahlungsperiode voll besteuert werden.

Vorgeschichte

Bis Ende 2004 mussten Inhaber eines Dentallabors, die Renten aus der

  • gesetzlichen Rentenversicherung,
  • berufsständischen Versorgung,
  • aus privaten Lebens- und Unfallversicherungen und/ oder
  • aus dem Verkauf ihres Betriebes beziehen,

nur einen geringen Teil ihrer Rente versteuern. Steuerlich gehören diese Renten nämlich zu den sogenannten Leibrenten (im Sinne von § 22 Nr.1 Satz 3 Buchstabe a EStG) und diese wurden bis 2004 nur mit dem pauschalierten Ertragsanteil erfasst. Die im Einkommensteuergesetz (EStG) tabellierten Ertragsanteile sollten die steuerliche Erfassung der Zinserträge aus dem mit eigenen Beiträgen angesammelten Kapital sicherstellen, während der Rest als nicht steuerpflichtiger Rückfluss oder Tilgungsanteil des eingezahlten Kapitals angesehen wurde. Der Ertragsanteil war relativ gering – er betrug z. B. nach Vollendung des 60. Lebensjahres 32 % und nach Vollendung des 65. Lebensjahres 27 % der Rente – und der Tilgungsanteil entsprechend hoch. Für die Besteuerung dieser Art von Alterseinkünften war also das Lebensalter entscheidend, das der Rentenberechtigte bei Beginn des Rentenbezugs erreicht hatte. Ein einmal ermittelter Ertragswert galt für die gesamte Dauer des Rentenbezugs, vorausgesetzt die maßgeblichen Ertragsanteile wurden vom Gesetzgeber nicht verändert.

Aktuelle Situation

Die Ertragsanteilsbesteuerung der Renten ist seit dem 01. Januar 2005 Vergangenheit. Das Renteneintrittsalter spielt in Zukunft keine Rolle mehr. Der Systemwechsel zur vollen nachgelagerten Besteuerung erfolgt über einen Zeitraum von 35 Jahren. Er begann im Jahr 2005 und endet im Jahr 2040.

Leibrenten, die auf steuerentlasteten Altersvorsorgebeiträgen beruhen, wurden im ersten Reformjahr 2005 einheitlich zu 50 % der Besteuerung unterworfen. Das galt für alle Bestandsrenten und die im Jahr 2005 erstmals gezahlten Renten. Der steuerbare Anteil der Rente wird für jeden neu hinzukommenden Rentnerjahrgang bis zum Jahre 2020 in Schritten von 2 % auf 80 % und anschließend in Schritten von 1 % bis zum Jahre 2040 auf 100 % angehoben.

Zu den (nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe aa EStG) nachgelagert besteuerten Leibrenten gehören:

  • Renten aus den gesetzlichen Rentenversicherungen,
  • Renten aus den landwirtschaftlichen Alterskassen,
  • Renten aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen und
  • Renten aus den entsprechend steuerlich begünstigten Leibrentenversicherungen.

Der sich nach Maßgabe der gestuften Prozentsätze (z. B. im Jahr 2016 72 %) für die Besteuerungsanteile ergebende steuerfrei bleibende Teil der Jahresbruttorente wird für jeden Rentnerjahrgang auf Dauer festgeschrieben. Für die Berechnung des festzuschreibenden Freibetrags wird grundsätzlich auf das erste Jahr des vollen Rentenbezugs nach Rentenbeginn abgestellt. Für jeden Rentenjahrgang wird damit nicht ein bestimmter Prozentsatz der individuellen Rente freigestellt, sondern ein fester Betrag ermittelt. Die Regelungen führen dazu, dass unter Berücksichtigung

  • des Grundfreibetrages nach § 32a EStG in Höhe von 8.652 Euro ab 2016,
  • der Werbungskostenpauschale für wiederkehrende Bezüge nach § 9a Nr. 3 EStG in Höhe von 102 Euro
  • und des Sonderausgabenabzugs für Vorsorgeaufwendungen (nach § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG) bis maximal 2.800 Euro der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung (§ 10 Abs. 4 Satz 1 EStG) bei Neurentenbeziehern des Jahres 2016, die neben ihren Renteneinkünften keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte beziehen,

eine Rente bis zur Höhe von rund 11.500 Euro pro Jahr bei einem Alleinstehenden steuerlich unbelastet ist. Bei Verheirateten verdoppeln sich diese Beträge.

Bemessungsgrundlage für den der Besteuerung unterliegenden Anteil der Rente ist der Jahresbetrag an Rentenzahlungen. Maßgebend für den prozentualen Besteuerungsanteil der Rente ist das Jahr des Rentenbeginns und der für dieses Jahr in der Tabelle zu § 22 EStG aufgeführte Vomhundertsatz, wonach sich bis zum Jahr 2020 der steuerbare Anteil der Rente für jeden neu hinzukommenden Rentnerjahrgang jährlich um zwei Prozentpunkte bis 80 % erhöht, danach nur noch um einen Prozentpunkt bis zur vollen Rentenbesteuerung ab dem Jahr 2040.

Der Unterschiedsbetrag zwischen dem Jahresbetrag der Rente und dem der Besteuerung unterliegenden Anteil der Rente ist der steuerfreie Anteil der Rente. Dieser gilt ab dem Jahr, das dem Jahr des Rentenbeginns folgt, für die gesamte Laufzeit des Rentenbezugs. Regelmäßige Rentenanpassungen führen nicht zu einer Neuberechnung des steuerfreien Anteils der Rente.

Beispiel

Der Inhaber eines Dentallabors geht im September 2016 in Rente. Er erhält monatlich 2.000 Euro aus seiner berufsständischen Versorgungseinrichtung an Rente. Zum 01.07.2017 erfolgt eine Rentenanpassung auf 2.100 Euro und zum 01.07.2018 auf 2.200 Euro. Der steuerpflichtige Teil der Rente berechnet sich wie im Folgenden. Im Jahr 2016 gilt ein Besteuerungsanteil von 72 %. Der Rentner hat also folgende Rentenbeträge zu versteuern:

Der Freibetrag der Rente in Höhe von 6.888 Euro wird für die restliche Laufzeit der Rente festgeschrieben. Dieser absolute Betrag wächst nicht mehr mit der normalerweise alljährlichen Rentenerhöhung.

Ist der Inhaber des Dentallabors verheiratet und hat weder er noch sein Ehepartner sonstige Einkünfte, fällt keine Steuer an, weil das zu versteuernde Einkommen unter dem Grundfreibetrag für Verheiratete von derzeitig 17.304 Euro zuzüglich Sonderausgabenabzug für die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung liegt. Ist der Inhaber des Dentallabors ledig, reicht der Grundfreibetrag von derzeitig 8.652 und der Sonderausgabenabzug für Vorsorgeaufwendungen zwar nicht aus, die Steuer ganz zu vermeiden, doch sie fällt gering aus. Wer also nur von Leibrenten lebt, zahlt wenig oder gar keine Steuern. Doch normalerweise sind die Renten des Inhabers eines Dentallabors nicht so hoch, und er hat noch andere Einkünfte zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes im Alter. Wie die steuerliche Behandlung dann aussieht, veranschaulicht das nachfolgende Beispiel.

Beispiel

Der verheiratete Inhaber eines Dentallabors stellt nach Vollendung des 65. Lebensjahres im Laufe des Jahres 2016 seine Berufstätigkeit ein und bezieht jährlich neben Mieteinkünften in Höhe von 22.000 Euro noch Leibrenten, die 24.600 Euro im ersten vollen Rentenjahr 2017 ausmachen. Sein Rentenfreibetrag beträgt also 28 % von 24.600 Euro. Der Ehepartner hat keine eigenen Einkünfte. Steuerlich wirksam ist im Jahr 2017 folgender Betrag:

Ergebnis:

Steuerlich wirksam sind 22.306 Euro. Das ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem zu versteuernden Einkommen, das sich ergibt, wenn 22.306 Euro um den Grundfreibetrag in der Splittingtabelle von insgesamt 17.304 Euro (Grundfreibetrag für Ledige: 8.652 Euro) erhöht wird. 39.610 Euro wären demnach zu versteuern. Durch den Sonderausgabenabzug für Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge kann sich das zu versteuernde Einkommen je nach Einzelfall noch erheblich reduzieren.

Da die Prozentsätze der Rentenbesteuerung für jeden Rentenjahrgang bis 2040 feststehen, kann jeder Inhaber eines Dentallabors, der ausschließlich oder hauptsächlich von Leibrenten lebt, seine individuelle Steuerbelastung ermitteln. Sie hängt ab von der Höhe der Leibrente, dem Familienstand und dem Jahr des Rentenbeginns.

Hat der Inhaber eines Dentallabors noch weitere Einkünfte, wie z. B. aus Vermietung und Verpachtung, sind diese den Renteneinkünften hinzuzurechnen. Kapitalerträge müssen nicht mehr angegeben werden, weil sie seit 2009 der pauschalen Abgeltungssteuer unterliegen. Die dargestellte Leibrentenbesteuerung bleibt davon unberührt, d. h. der einmal ermittelte Rentenfreibetrag bleibt über die gesamte Laufzeit der Rente unverändert. Der Rest wird voll versteuert. 

Näheres zum Autor des Fachbeitrages: Dr. Hans-Ludwig Dornbusch


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